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zreorrftcht.
— Der Statthalter Wt«f Wedel wurde, wir dos „Ber- Hfter Tageblatt" hört, am Samstag vormittag um Moijfr besohlen. Sr verließ das Hotel Bristol, wo er abgestiegen ist, »m 1> Uhr und fuhr zum Schlosse, Gegen 2 Uhr kehrte er in das Hotel zurück, wo in seiner Abwesenheit der Reichskanzler von Bethmann-Hollweg seine Karte abgegeben hatte.
— Sin gewaltiges Schadenfeuer brach gestern aus dem nelalische» Gelände in der Lehrterstrasir zu Berlin aus. Cs brannte die Eiienbahnwerkstätte des Lehrter Bahnhofs in großer Ausdehnung. Bei den Löschungsarbeiten wurde der Werkmeister Grabow so schwer verletzt, daß er nach dem Angusta Krankenhaus gebracht werde» »rußte,
— Von den bei dem Eisenbahnunglück bei Borbeck verletzten Personen befinden sich noch fünf in, Krankenhaus. Tie anderen konnten bereits entlasse» werden, Lebensgefahr besteht bei keinem der Verletzten mehr.
— Die Beratung der ncuen Zabrrn-Jnterpellatione» wird, wie die „Post" mittcilt, erst am koinmenden Donnerstag oder Freitag stattsinden, da der Reichskanzler sich gesund- hcitlich nicht ganz wohl fühlt.
— Eine in Odessa tagende Versammlung des Kosaken- kricgsrats beschloß, für 7 Millionen Rubel Privatgüter an armr Kosaken zu erwerben.
— Der „Excelsior" meldet, daß tattächlich die Gläubiger der Prinzessin von Belgien eine» Vertrag unterzeichnet haben, demzufolge sie sich unter bestimmten Bedingungen i» eine Summe von 4'/ß MiNione Franke» trilen werden, die der Pranzessin a»S der letzten Erbschaft zugesallen sind,
— Tie geplanten direkten Vcrhandlunge, der Pforte mit Griechenland nnterbleibcn, da Dcniselos einen etwaigen Auslnuscki der 12 Inseln gegen die von Griechenland jetzt besetzten Inseln Myttlene und Chios entschieden ablehnt.
— Mit der Räumung der den Albaniern zugcsprochenen Gebiete ii» Süden Albanien« ist griechischerseits bereits begonnen worden, Evlonia, Boskopia und Kaza Koriza sind schon von den griechischen Truppen verlassen.
— Tic Verhandlungen zwischen der türkischen und der italienischen Regierung über den Ankauf eines Panzerkreu- -,er« sind zum Abschluß gelangt. Die italienische Regierung ha« sich einverstanden erklärt, den Panzerkreuzer „Drama" an die Türkei herauszugeben.
— Wie von Tokio gemeldet wird, soll der Vulkan aus der Insel Sakurachma erneut in Tätigkeit getreten sein und große Massen Lava ausgespien haben. Die Bevölkerung soll panikartig die Flucht ergrifsen haben.
— Ter bekannte amerikananischc Aviatiker Harrh At, mood beabsichtigt im Somnicr dieses Jahres aus einem Vrighr-Aeroplan von Amerika nach Europa zu fliegen. El illc in den letzten Tagen verschiedentlich längere Konsercn- n mit Orville Wright in Dayton, in denen beide Aviatiker den besten Weg über den Ozean sestzustellen suchten.
Was Südafrika uns Icljrt.
Was sich jetzt in Südasrika abspielt, ist in ungemein ciiidl mglicher Weise lehrreich sür unsere eigen« Kolonial- poliiil. TaS Tohuwabohu der jüdasrilanischen Arbeilcrve- ooikcruug ist von allen Kennern Asrilas vorauLgesagt als ,ae unausi>leibftct>e Folge des angeblichen „Weitblickes" der .llndiuagnatcn und Jinperialisten. Wahrend die Buren in hei» Eingeborenen das gesehen, was er ist und ihn n»t a.eilichcr Milde, zugleich aber auch mit uncrsck>üttcrliä>cc isllgicit iiincrl)ald der sozialen Sck>ra»ke» gehalten hatten, >.ic lhui als einen Gesckpps GotteS, aber einem für den Wett- i .lüctb mit der ka»kasijä>en Rasse ungeeigneten Wesen ge» aren, ist cs nach dem Kriege die erste Sorge der Engländer .wese», diesen Eingeborenen ein weitgehende« Wahlrecht i erteilen, um mit dessen Hilse die Buren zu majorisieren.
, rrilich wurde dies Wahlrecht eingcsch.änkt gegenüber den iegcrischen Zulu, die dann aber dock, wieder als Truppen rwendet wurde». Nicht genug an diesem Auscinander- eren. D>e englische Politik schwankte auch in der Behänd- , der Indier, deren Einwanderung sie zeitweilig sreigab, ;c dann doch wieder durch hohe Kopssleuern zu beschrän- Taeven aber wurde um des Stimnirechts willen die anderung weißer Arbeiter begünstigt, die schon aus kli- i> Grundcn gar nicht an den Rand gehören. Es war i. wichen, daß diese hauptsächlich aus Australien her- genen Arbeiter versuche» würden, ei» „Weißen- ^and" zu machen und rs verstand sich geradezu von - . sie sich dazu nach dem Vorbilde der austtalische» , eilten organisieren würden. Die Burensührer i und De Wct sind nach den besten Kräften bcinüht ,.>, das alles hintan zu halten und den Gegensatz zu dern, Aber weder sind sie durckigcdrungen mit ihrer For- >ung einer vernünftigen Beschränkung der Jndereinwan- ^ernng noch mit ihrer Mahnung zu einer vernünftigen Be- i.dliing der weißen Arbeiter, Vielmehr hat Botha, der auch ui diesem Punkte der weitblickender zu sein glaubte, sich aus die Seite der Londoner und Johann eoburger Imperialisten
prstellt »nd es iss ihm den letzte» Nachrichten zulolgc augenscheinlich gelungen, den Widerstand der Streikenden »ieder- znfchlage». Taö Anssahrc» eine« Geschützes vor der tse- wcrksck-astshaUe hat den darin Versanimelten znm Bewußtsein gebracht, daß Nachgiebigkeit gerate» sei.
Unter den Verhafteten befinden sich die Streiksührer Bciin, Erawsord und Mason, deren Wort beim letzten Streik der Minenarbciter Befehl »vor, ferner noch acht andere hervorragende Arbeiterführer, Es hat jetzt den Anschein, daß der Eiienbalmerstreik am Znsainmeiibrcchen ist. In Braau: sontein baten 250 Man» um Wiederetnstellnng, Auch der Minenstrcik scheint ein Fiasko z» sein. Die meiste» Minenarbeiter traten die Arbeit an. Ans Kapstadt wird grmeldct, daß der Sekretär und die gesamte Exekutive der Eisenbahner »nd Arbeiter-Gesellschaft in der Standard-Arkade im Mittelpunkt der Stadt verhaftet wurden. Jni Oransefreistaat verkündigte dciS Vertcidigniigsdepartenient die Verbaftnng der dortigen Streiksührer Campbell Elslock »nd Eruikshank. Celbswerständlich wird dieser Erfolg ein bcbiiiguiigswriseL Abtlanen des Streikes bewirken, aber wenig ist daiiiit ge Wonnen sür die Friedignng der afrikanische» Rossenkämpse. die nun schon seit langer Feit nicht niehr ohi>e Revolver und Dynamit verlaufen. Als besonders linersrenliche Folge der englischen Fehler stellt sich dabei das üble Verhältnis der far- bigen Dienstboten heraus. Während diese zur Burcnzeit lnsolge ihrer vernünftige» Behandlung in geradezu ichwar- nierilchcr Liebe an ihren .Herren hingen, geboren Widersetzlichkeit. Diebstahl, Einbruch, Notzucht. Mord und Totschlag zu de» alltäglichen Dingen. Gleichwohl kann nian in jeder imperialistischen Zeitung in Europa und Südafrika tagtäglich lesen, daß »imi es so freilich nicht mockien dürfe, wie die Bnrengeneralc vorlck,lagen, denn die Entwickelung stebe nicht still und waS z» Oh», Krüoers Zeiten inöglich gewesen sei, sonne heute nicht mehr in Betracht komnien. Daran ist nnr soviel rickitig, dost cs z» Ohm Kriiaers Zeiten in Südasrika keine sozialistisclvn Weißen gab »nd insbesondere auch nicht die zahlreichen Armenier, rnisilckvn Inden »nd sonstigen Ab- geschobenen ans dem dunkelsten Wl>iteck>avetv'ertel von Lon- don. Aber das Glück dieler Bekanntschaft dark man dock> wirklich n!ck>t den Buren nnfS Konto sehen, llnd dies Wohlwollen wird nicht mit einer Politik verbessert, die solche Einwanderung noch wie vor besördert, anstatt ihr die gebührenden Schranken zu setzen. Aus alledem ergibt sich sür die deutschen Kolonien ziinächst die dringende Mahnung, der in- diliben Bevölkerung entgegenzntreten, unbekümmert »m die Tatsache, daß cs sich dabei nm britische tlntertanen handelt. Die Engländer hohen selbst, nachdem sie den Indiern freie Ziikosiiing in Südafrika »'gesichert batten, durch ha? Ein- wandeninaSgesetz von 1897 gezeiot, welche? die geschlichen Mittel lind, mit denen me» die Indier nm besten sich vom Leibe hält. Denn die? Gesek beschränkte nicht nur die Zn- kassiing der nlinlilckr'n Einwanderer ans eine hestiimnte Zahl, sonder» entbo't a»ch sehr notwendige Vorlchritten über Nie- derlassniig, Eigenttimserwerh. Handeksbeftionisie »nd Kin- dererzielmna derjenigen Indier, hle »ach Abkanf ibreS Ar- be!t?ve>-trones im Lende zu bleibe» wünschten. Zwar ist diele „Nosienlchranke" wieder niedeigekeot, »her nls insolae- dessen die Cib-'r der Z»mr>"d7rer auf les) 000 Köpke gestiegen ivnr, wurde eine Kev's'ener von CO Jt eingeführt, die oenngte, »m den übelsten Teil der Znwonderer scrnznhalten. Klar eroibt sich ans den sozialen Wirren die Notwendigkeit, frr Rassonkchnnde en'aoaenzutreken nah bas Auskommen Var, Mitckisinoon nach Menlchanmöglichkcit z» verhüten. Die Einwanderung ei»-? mittelloien Proletariats erfcheiaf, schon ans fl!>notifch»n Grliaben, in unseren deutichui Kolonien noch viel v>enia-r zulässig gl« am Rande, Dem mittellosen Teile der drntlchon Arbeikerschast können dagegen di? Knio- nien wertvolle Dl-"l«o seiften durch Vormebruna dar Arbelts- aeleo->n>>e!t »-'d B'lcftallung des Rohmaterials sür unsere sr,-t>»so-ie, Doron lall man llch genügen lallen
vrnllchiands Ernte 1.
Sell'si in dem agrarisch wohl nicht voreingenommenen „Beitiner Tageblatt" wird über die Ernte des Vorjabrcs gi-iagt, „DaS zunächst da« Brotgetreide betrifft, io steigt unter der Gunst der Zelle und Einsiihrscheine die Anbau- stäche beinahe stetig." Diese Anerkennung von einer Seite, die Zelle »nb Einfuhischcine beinahe gewohnheitsmäßig be- tLmplt. will immerhin einiges besagen. Allerdings wird sich der Freisinn durch solche gelegentliche Znacständnisie nicht d^ron hindern lallen, die alte Hah gegen Zölle und Einfuhr- scheine fortzuieben. Erst dos Partcitöpschen, dann dos Vaterland — beißt in diese» Kreisen auch weiter die Parole. Ter Paterlandsireund aber, der von dem Ruhen der Schiitz- zollvolitik löngst überzeugt ist. boftt und hat begründetes Recht aut die Erwartung, daß die Steigerung der Anba»- stäche auch weiterhin anhalten wird. Nur zu oft klong ans der Freibandclsprcsie die bis zur Gewißheit gesteigerte Befürchtung heraus, eine Vermehrung der Anbauftäche sei schlechterdings auSzeschlniien und trotz aller Schutzzollpolitik dloibe schließlich doch nichts übrig, als. erhöhte Einlubr aus-
ländiiä'e» Getreides, und bei dieser u»ausblciblick>eii Ei'l- wickelung ergebe sich der Abba» der Schutzzolliiiauer ganz vou selbst. Durch alle solche geichästigei, Erwägungen niacht nuch die jüngste Erntestatistik wieder einmal einen dicken Strich, Tie Anbansläche steigt und die an die Schntzzollpoli tik gekuüpsten Erwarlimge» zeigen sich durchaus erfüllt. Hofsenllich vermag aber die Kultivierung der Moore und Oedländereien da? Emporlchnellen der Anb>z»slnchenziste> künftig noch weiter z» beschleunigen.
Vergleicht man die (Hektar 1 Zahlen der A»bailslä>l>e für 1913 mit den cntspreckiendc» Angaben für 1912 und 1911, so sieht man bei Roggen, Weizen »nd Gerste, bei Haler, Kar- losseln und Klee, bei der Luzerne »»d de» Wiesen durchweg erhöhte Zahlen, und selbst die Anbauftäche des Klees, d 1912 gegen 1911 erheblich zurückgegangen war. bat im V jahr den Bestand von 1911 nahezu wieder erreicht. An ist natürlich die Größe der Anbausläckie nicht da« Enl dende. Es läßt sich sehr wohl der Fall denken, daß lur technisch rückständige Landwirtschaft einer wcscnllichen Mehrung der Anbansläche z» erfreuen hat »nd doch mit minderten Eriitemciigen nuswartet; ja, bei dem besond Maße, in dein der landwirtsckhiftlickie Beruf vom Segen . Höchste» abhängig ist, müßte in Jcihren abnormer Willr- ru»g sogar von oincr technisch ungewöhnlich vorgeschrittenen Landwiitschcift ein Mindercrtrag bei Anbanfläck>cnver»ieh. rung vorwurfslos hiiigenoinmen werden. Nu» bat »ns aber das Vorjahr mit dcr schwere» Heiinsiichling einer allgeii'ei- ncn Mißernte gottlob vcrschonl und ans der andercn Seile sind wir Deiltschen längst gewohnt, in miserer Landwirtlchcist den technisck>en Fortschritt scsi verankert z» wisse». So bietet denn die Uebcrsicht dcr 1913 erreichten Ernlemengcn ausgezeichnete Ergebnisse. Die Steigerungen sind durchweg so gewaltig, daß trotz des Anwachsens der BcvölkernngSzahl das Gespenst der Abhängigkeit vom Anslandc »och weiter als bisher verscheucht ist. Die Zunahiuc der Erntemenge bei der Kartoffel von k>0 aus 51 Millionen Tonnen spricht für sich selbst »nd wenn beiin Klee die Anbansläche den Umfang de? Jahres 1911 noch nicht wieder erreicht hat, der Erntcertrag aber von 7 auf 11 Millionen Tonncn gestiegen ist. Io kann rin derartig ersreukiches Ergebnis natürlich nnr ein» geistig regsame und technisch aus der Höhe stehende Landivirtsckiaft erziele», und da lohnt sich Wohl der Hinweis, welche Werte durch die Sck>utzlosigkcit dcr Landwirl>ck>>st in lchier nn- glaublicher Verblendung dem Verderben preiSgebe» würde
Dürfte man in Anlehnung an sportliche Benenniingen das Wort Rekordernte prägen, so wäre der in früheren Jih- ren ausgestellte Rekord nunmehr bei nnr z» vielen landwirtschaftlichen Erzeugnissen geschlagen. WaS die vier Ge- t'cidearten angeht, so übectrisft der Ernteertrag des Vor jahrcs jeden dcr in den letzten zehn Jahren erzielten Höchsl- crträge. Nur beim Lnzernhen wird d>e Ernte von 1913 dnrck die von 1910 —allerdings mit um 0,03 Millionen Tonnci — übertroffen »nd in der Kleeheuernte verbleibt der Nekoi ziinächst noch dem Jahr 1910. Innerhalb der Brotgetreid ernte hat die Roggenernle besonders gut abgeschnftlen. B'' stinliiit man wie üblich den Brot'ornbedars zu Zwecken b-' menschlichen Nahrung aus 17b Kilograinm, lo wird dies- Bedarf durch die Ernte des Vorjahres um 00 Kilograini übersteigen. Leider zwingt ja die Verschiebung de« Ver branckieS, der im Brot das Roggcnmehl mehr und niehr dnrc' Weizenmehl verdrängt, dazu, de» Roggen, die für di-' meisten Gegenden Deutschlands natürlichc' Brottrncht, in steigenden Mengen zu FiitterlingSzweckcn zu verwenden und ins Ausland auszusühreii. Ob eine solche Bevorziignng des Weizens vom Standpunkt dcr Volkseriiähriing einen Fortschrfti bedeutet, wird bekanntlich von niaßgebenden Anto.itälcn be stritten. Aber der Brauch ist ei» Tyrann und die Landwirl- sckiaft kann sich iminerhin rühmen, mich den Eruteertrng an Weizen seit deni Jahrfünft 1881/85 uni 9 Kilogramm pro Kcps gesteigert z» haben. So bietet dos Ernteergebnis des Vorjahres ein erfreulich günstiger Bild »nd eine vernüns tige Politik, die Fleiß und Erfolg nicht mit Vorwürsen und Anfeindungen beantwortet, sieht reichlichen Anlaß die Land- wittschoft zu ihren Leistungen zu beglückwünschen und zc entsprecbeiiden weiteren Anstrengungc» zu erniutigen.
Denllcher Peichstay.
193. Sitzung vom 17, Januar
Am Bundesratslilch' l>e. Delbrück.
Präsident Itr. Karmps eröffnet die Sitzung um tl Ilhi 17 Minuten.
Zunächst werden die Gesuche um Erteilung der Geneh migung zur Erhebung der Anklage gegen die Abgeordneten Schisser-Borken (Zcntr.), Davidsohn (Soz.) und Behrens (Wirtsch, Vgg.) entsprechend dem KommilsionL- antragc abgelehnt, obwohl
Abg, Schisser-Borken (Zentr.)bittet, aus persönlick>eii Gründen die Genehmigung für seine Anaeleacnheit zu erteilen.
Es folgt die zweite Beratung des Etats


