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Zn russischer Gefangenschaft*)
Es war im Anfang de» November 1812, als wir noch «cm dreiwöchentlichen Airfenchalt in Königsberg auibrachen, i UNS mit der damals nach hfl Morkan stechenden grasten französischen und alliierte» Armee tu vereinigen. An dem sch. üblichsten Wetter, wie es mrt die lagt de, Spätherbst«» bringen, marschierten wir iiber Lobst« noch Tilsit: hier ward« uns di« Auflösung der grasten Armee bestätigt, jedoch erhielten wir Befehl, un» durch Eilmärsche mit ihr zu verbinden.
Nach einer werteren zweiwöchigen Raft in Wilna brach am 8. Dezember, morgen, 8 Uhr unsere Division auf. Strenge» Winteiwetter begleitete »nr: auf ungebahnten üvegen, »fr bis zum Knie im Schm« watend, schleppte sich di« Kolonne mühsam fort und gelangte, als es schon ftnftcr war, ganz erstarrt in ein zcrftlirtcs Dorf, w«!<he, da» Ziel unferes heaiigen Marsches war. Die Kavallerie zog sogleich mit ihren weichlichen, nur de, südbichen Klimas gewohnten Pserden in die Trümmer der Hätrser und Ställe, während wir armen Infan- lensten ein« fürchterliche Nacht im Biwak Wbringen mutzten, wo nicht einmal di« grotzen angschütten Feuer im Stand« roo- r«n, UN« notdürftig zu erwärmen. Al» anderen Morgen oer- lammelte stch di« Diuiflon unter Berwünfck-ungen d'klcr Schrek. kensnocht auf d«r Landstratz« noch Oszmiana, — Ruhig mar- lchicrb n wir auf dirfrr fort, ohn« auf die in kleinen Trupps zurückgehenden Militärs zu achten, die un, uon Zeit zu Zeit begegneten.
Es war ungefähr abends 7 Uhr. als wir in Oszmiana airkamen. Die Kompagnien suchten stch nach eigener Willkür Quartier in diesen, elenden Städtchen, teils in Häusern, teils in Scheuern und Ställen.
Ich mochte mit etwa 5V Monn meiner Kompagnie fünf Minuten in einer Scheune verweilt haben, als ich aus einmal ein verworrenes Eelchrei und cinzin« Lchüste hörte, auch die Tambours Lärm schlugen. Ich versammelt: rolch wein« Leute und marschierte gegen den M.orltplatz, wo ich schon mehrere Kompagnien, die stch formierten, fand. Es waren etwa 1000 Kosaken, d e, unsere Stärke nicht kennend, uns überfallen, Granaten ohne Erfolg unter uns geworfen hatte», und, als wir eben rotiücklen, stch so schnell als sic gekommen waren, aus der Stadt flüchteten. Ein niekergeboannies Haus und eflrigr Berwundeie waren das Resultat dieles Uebersallcs.
Die Division mutzte nun aus dem Marktplatz in der stirch- terlickften Kälte biwakieren, um ähnliche Beunruhigungen zu vermeiden.
Gegen 1 Ahr de» Rocht» kam auf einmal Rapeieon an; einig« Alanen der holländischen Garde und die sogenannt« ht- ljge Schar fOffizier« der Kavallerie, deren Regimenter «ernich. Irt warens begleiteten seinen Wagen. Ohn« Verzug ging er ueüer nach Wilna, nachdem er sein« Eskorte mit der Kavallerie unserer Division verstärkt hatte. Run war auf einmal Licht vor unseren Blicken, und wir konnten mit ziemlicher Bestimmt- beit aus das schließen, was uns bmorftand. Die Kompagnien wurden wieder in die Häuser verteilt, wo wir bis zum andereir Morgen ruhig blieben. Gegen 9 Uhr kam das erst: Korps der Arme« in vollem Rückzug« an. Keine Spur von Ordnung war mehr da; alles lief bunt >m tollsten Aufzuge durcheinander. Kavallerie ohne Pferd«, Infanterie ohn« Waffen, Leut« mrt erfrorenen Gliedern, vom Biwakieren geschwärzten Gesichtern, in Weibrrkleider alte Pelze und Lumpen gehüllt, Tornisterselle um Kopf uud Fühe gewickelt; niemand uirterfchied General und Füsiber mehr.
Seit Jahrhunderten sah wohl dt« Welt kein Bild so gräß- kicher Berinckstu-ng. Seit Wochen nur noch von Pferdefleisch genährt, fielen die Unglücklichen über alles her, was ihnen genietzbar dünkt«. Di lle waren so entkräftet, datz st« bei den Feuern Hinsielen, hineinkrochen und halbrerbrannt ihren Geist
*) Di« Abhandlung entnehmen wir dem soeben erschienenen Werk: „In russischer Gefangenschaft", Erlebnist« während des W.nlerfelbzuges 1812 umd seiner einjährigen Gefangenschaft nach d:n überlieferten Aufzeichnungen des Herzoglich Sachsen- Meiningenschen Obersten Frhr, W'lhclm von Wargenheim. Da, Buch ist zum Preise von SO Psg, durch alle Buchhandlungen ot«r direkt vom Phönix.Derlag Siwrnna, Kalowitz zu l-ezicben.
Ich lasse D.ch nicht.
Original-Roman von H, Eomths-Mahler.
1V7 (Forftetzvngj,
„Wenn Durchlaucht nur wüßten, wie interessant mit mein Leben cjtzt erscheinl. Tas ist doch alles ne» für mich. Schon wenn ich hier oder im Palais Kalnokn durch die Räume gehe, — das ist wie in einem wundervollen Museum, lind jedes kleinste Ding redet da eine Sprache von jahrhundertelangen Ueberlieserungcn. Allein schon die Ahnen- galcriel So sprechend sind alle diese stolzen Männer und Frauen. Ich kann mir zu jedem dieser Bilder eine herrliche Geschichte ausdenken."
Maria Pctrowna sah lächelnd in Sonjas erregtes Gesicht hinein.
. „Ei, ich möchte wohl wissen, wie in Ihrem Köpfchen die Chronik des Hauses Kalnoky aussiele."
Sonja lachte.
„Lh, vielleicht würde sie der Wirklichkeit ni^t entsprechen: ich glaub«, ich würde zuviel Romantik hinein-
mischen", erwiderte sie.
Eine Weile schwiegen sic beide. Tie Fürstin sah sinnend in das flackernde Feuer des Kamins. Sic dachte an das letzte Kapitel der Kalnoktzschen Familienchronik, — ein Kapitel, dos ungeschrieben bleiben würde, weil es den alten, fleckenlosen Namen mit Schmach bedecken muhte.
Sie seufzte tief auf und hob das Haupt. Ihre Augen blieben eine Weile aus Sonjas Haar ruben. Welch einen eigenartigen Zauber doch solch goldiges .Haar haben konntcl
Wie die Kominglut Goldfunken darauf streute! Und solches goldene Haar hatte einst ibrcn Sascha so entzückt, doh er lein oairres Herz daran bängte.
Reue rugeszeituag. va«»rag, »en 2. Januar 1811
ansgaben. Anderen hatte dt« Kälte den Beistand geraubt, sie benagren sich selbst ihr« e rf rorene n Glieder. Das alles mutzte man sichen. um da» Gräßliche der Loge, in der sich die Armee besanb, i» fernem ganzen Umfang zu fühlen: keine menschliche Feder vernrag es zu beschreiben.
Der Zug der Fliehende» dauerte den ganzen Tag in gr- deängtester Unordnung Hort: alle» durcheinander: je dir der
noch Kraft hatte, versucht« Wilna zu erreichen. Einige Peloton« Garden abgerechnet, sah man kein« Wafsen mehr, Di« Meng« der Marjchälle und Generale, welche all« hier Quartier nahmen, trieb uns ans den Häusern in, Biwak. Durch ein« Lift behielt ich mit meiner Kompagnie das meirflgc. Ich Netz nämlich sämtlich« Gewehre vor der Türe ausfttllen und durch einen Posten bewocheir: hierdurch getäuscht, glaubten die an- kommenden Militär», es fei diese» Hau, das corps de gardc und ich blieb im Warmen. Spohhast war es, die sonst so arroganten, stolzen Herren bittend wir Bettler her«inkricck>en und stch mit einem Stückchen erhaltenen Brotes kleinlaut am Ofen niederlege« zu sehen. So kamen in mein Haus Ob rsten der Gardc, Adjutanten von Maeschällcn und andere höhere Offt- ziere, di« mich in den herzbrechendsten Ausdrücken um Brot und Obdach baten. Kurz, aller Stolz der cinfftgen Größe war versch w unden. Das Geld hatte allen Wert verloren, m:il man stch dafür doch kein« Bedürftriste zum llnterholt vcrlchafse» konnte. Wer tausend Louisdor in der Tasche hatte, war eben so arm, als der. welcher nickst einen Pfennig besotz: ich sah die Hälfte eines Brotes mit zwei Napoleons bezahlen.
Es war den 7. Dezeniber, morgens 1 Ahr, als wir von Oszmiana unsrnen Rückmarsch nach Wilna antraten: die Rocht war ein« der kältesten des ganzen Winters. Bloß durch stetes Lausen war man >m Stande, stch vor dem Erfrieren zu schützen. Den Weg, welchen di« ausgelöste Arme« genommen hatte, be. zeichneten «ns die zahlreich:n Opfer der Vernichtung: man
konnte fast kernen Schrftt tun, ohn« an einen erfrorenen Menschen zu flohen, der im Wege ausgestvckt sein elendes Leben ausgehaucht hatte. Als der Tag angebrochen war, kamen wir in «in Dorf, wo wir aus unserem Marsche nach Oszmiana zum ersten Mal übernachtet hatten. Hier wurde ein zweistündiger Halt gemacht, und mit Schrecken sah n wir, ivelche Verwüstungen die Kälte während der kurzen Zeit in der Dwifion ange- richtet hatte. Da war ein Gejammer über erfrorene Rasen, Hand? und Fütz«, und überdies fehlte deui Regiment« eine dc- ttächtliche Anzahl Leute, di« auf dem Rachimarfchc umgefallen und zu Grunde gegangen waren.
Durch den Aufenthalt bei diesem Dorfe wurden die Leute, welche stch gleich um die großen angezünheten Feuer, deren Ma. terinl dir Häuser zum Teil selbst waren, looerlen und dort ein- schliefen, noch entkräfteter und wir legten hierdurch den Grund zu der fast gänzlichen Auflösung des Regimentes, Rur ein kleiner Teil der Truppen erreichte abends gegen 11 Uhr Wilna. Ewa ein« Meile vor der Staht war dos Regiment so auseinander, datz jeder ging, wie er wollt«. Ich hatte der Auf- opfcrrtng meines treuen Burschen Fritz mem Leben zu danken, denn entkräftet, wie ich wrr, wollte ich mich zu verschiedenen Malen eine Stunde vor Wilna etwas hinsetzen, um onszu- ruhen und unfehlbar wäre ich ein Raub des Todes geworden. Doch Fritz, uneingehenk der eigenen Schwäche, bevackt mit ei. nem Teil meiner Bagz.ix«, zwang mich jedes Mal, sogleich wieder aufzustehcn und trug mch soft aus seinen Schultern bis zur Stadt, wo ich bei einem deutsch» Goldarbeiiei und Ease- tier, namens Röhr, bei dem wir schon früher zusammen gekommen waren und viel! Geld verzehrt hatten, einlehr!:. Hier fand ich chon einen großen Teil unserer Offizier«, die stch mit der Teetoste in hör Hand am Ofen austauten. Ich war nur kurze Zeit im Zimmer, als ich bemerkte. daß mein rechter Futz erfroren war, und ttotzdem ch gleich di« üblichen M-ttel an- wandie, wurde ch doch die ganze Nacht hindurch von den emp. finblichsten Schmerzen gepeinigt, Tags darauf, den 8., sahen wir erst die Zerstörungen im Regiment« in ihrem ganzen Umsange, Kaum sechs bis acht Offiziere waren dienstfähig mit höchstens 499 Soldaten: alle übrigen litten mehr oder weniger an erfrorenen Gliedern, Napoleon hatte seinen Weg ohne Aufenthalt fortgesetzt und durch eine Proklamation dem König von Neapel das interimistische Kommando der Armee übertragen. Doch auch dieser war nebst Wilnas sr-hördcn schon aus s inen Ruckzuo bedacht aemesen rnb nicke mehr zu sehen.
Sie hatte es nie sa reckst begreif"» können. Aber in dieser Stunde offenbarie sich ihr plötzlich selbst dieser Zauber. Zärtlich wallte es zu ihrem Herzen. Wie hold und lieb sah dieses schlick te Mädchenaus! Es säst io anmistig vor ibr, trotz seiner bescheidenen Haltung in liebliche Grazie ausgelöst.
Der bobe Lebnsstilst bildete eine wirksame Folie kür das schöne Geschöpf. And die großen, dunklen Augen blickten so eigen vor sich bin, Tatjana- Augen waren da? wobl in Form und Schnitt. Aber jetzt lag noch ein anderer Ausdruck darinnen, etwas Keistes, Verlangendes, Lebensdurstiges und zugleich zärtlich Auflcnckstendes,
Und plötzlich erschauerlc die Fürstin und preßte ihre Hand in kramvibastem Druck,
„Saschas Augen — das sind Sascha? Augen, nicht die Tatjanas", dachte sie erschüttert.
Ja, so hatte Sascha geblickt in den Tagen, da ihm die goldhaarige Elisa Herz und Sinne in Bann geschlagen: so batten die Sonnenfunkcn in seinen Angen gelenchlet, wenn er. nachdem ©lifo das Haus verlosten, in Träumerei versunken vor ihr saß, während seine Gedanken imd seine Seele wobl bei der fernen Geliebten weilten.
Und das war es, die Erinnerung an ^alchn. die sie von Anlanq an dieses fremde Mädchen gescstelt batte, Ihres Saschas Augen arüßlen sie ans dickem schöne Mödchcnoestcht. Ein felttames Naturfpiel hatte dieselben Augen noch einmal aeschaffen.
Auch Sascha bäte die eigenartigen Brauen und dos Lächeln seiner Schwester gebäht, wie sich die Geschwister ja überhaupt sehr geglichen batten.
Aber etwas in Tatjanas Augen seblte, imd gerade das fand sich tn Sonjas Auae» wieder, dieser «reiane. leben?.
Betthier und Neq waren hier und versammclien sämtlich« Stabsoffiziere zu einem Besehl«, der dahin lautete, datz di, Division Loison, zu der unser Regiment gehörte, sich so laug« hier zu Hallen hätte, bis di« gaizzc Armee durch di« Stadi gegen Kown«, passiert sei, datz sic dann aber, unter den Besehl he» von Königsberg ange'ommenen Generals Loison gestellt, die Arriorogrrde bilden sollte. Der Zug der Retirierenden ging diesen und den folgenden Tag ununterbrochen fort. In Wilna war bald für Geld nicht mehr das geringste zu hoben und Er- zrst«, bei denen namentlich den Juden arg mitgejpielt wurde nahmen überhand: niemand lonnt« ihnen steuern, denn di, Soldattn, schon lange aller Subordination entwöhnt, kein« Oberen mehr anerkennend, taten alles, um ihren Hunger zu stillen, und so kam es. datz die Magazine bald geplündert wa. ren und jeher zulangtr. wo er etwas Brauchbares finden lonnt«. Jeder Unbefangen« dachte mit Dang.n an die Zukuuk!' Rettung schien fast nickst mehr möglich.
lSchlutz solgl).
Kirchliche Anzeige».
Evangelische Gemeinde Gottesdienst in de, Stadtkieihe
Sonntag nach Neujahr, 4. Januar.
Bormittags 9 r, Uhr: Herr Pfarrer Ritter.
Nachm. 2 Uhr: fällt aus.
Gottesdienst in der Burpkirche.
Vormittags II Uhr: Kindergottesdienst: Herr Psarrcr
Ritter.
Nachm. 5X Uhr: Herr Pfarrer Zatzmann.
Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach.
Vorm. 19 Uhr: Herr Pfarrer Zatzmann.
Nachm. 1 Uhr: Iugendgottesdienst.
Katbolilckie tü-meind- Tonntag noch Neujahr, 4. Januar.
Beichtgelegenheit Samstag nachmittag von 4 Uhr, Sonn, tag früh von ?ä6 Uhr an.
Rachm. 2% Uhr: Monatsandacht der Rosenkranzbruder
schaft.
Dienstag, den 8 Januar, am Dreiköntgrtag, ist früh 7'-i Uhr ein feierlicher Hochamt, wobt noch einmal die Ehrist- bäume an der Krippe beleuchtet weiden,
Feierabend Friedbcrg.
Eingang von der Haagstratze.
Jeden Sonntag Lese, und Spielabend
Sonntag, den 4, Januar, „Lese- und Spiclabrnd".
„Feierabend" im Stadtteil Fauerbach.
Jeden Sonntag: Spiel, und Leseabend
Bereinigte Sladttheatee Fransturt a. M.
Opernhaus
Sonntag, den 4, Jan,, nachm, halb 4 Uhr: Vorstellung hei ermäßigten Preisen: „Der liebe Augustin". Außer Abonn. — Abends 7 Uhr: „Der Troubadour". 19. Vosttellung im Sann- tag-Abonn. Groß« Preise.
Montag, den 5. Jan., »benid, 8 Uhr: .Parstfak». Außer Abonnement. Erhöhte Preis«.
Dienstag, den 8. Jan. abends halb 8 Uhr: „Falstaff". 19 Vorstellung im D cnstag-Abonn. Gew. Preis«,
Mittwoch, b-n 7. Jan , abends halb 8 Uhr: Vorstellung bei kleinen Preisen: „Rigoletto". Außer Abonn.
Schaulptelhaus
Sonntag, den 4. Jan., nachm, halb 4 Uhr: Dorktellung bei ermäßigten Preisen: „Der gestiefllie Kater". Außer Abonn. — Abends 7 Uhr: „Der Herr Minister". Außer Abonn. Gew. Preise.
Montag, den 5, Jan,, abends 8 Uhr: .Der H:rr Minister" 19, Vorstellung im Montag-Abonn, Gew. Preise.
Dienstag, den 8, Jan., abends 8 Uhr: „Me einst im
Mai". 9. Vorstellung im Ti.ustag-Abann. Gcw. Prrise.
Mittwoch, den 7, Jan,, nachm, halb 4 Uhr: Darstellung bei ermäßigten Presen: „Der aelttelelte Kater" Außer Abonn
durstige Ausdruck, der auch Sascha eigen gewes.-n war. Wie eine Flut von Erinnerungen strömte es über das arine Mutterhcrz. So lange, lange Jahre lwtte sie sich keine lebendiae Dorstclliing mehr von ihrem Sohne machen können. Immer verschwamm ihr sein Bild in unNaren Zügen, so daß sie es nicht festzuhalten verntochte.
Jetzt aber stand es wie hergezanbert vor ihrer Serie durch die Augen dieses fremden Mädchens stand ihr Sohn vor ihr in seiner ganzen, lebenssrischen Persönlichkeit. Sicg- lmst bekämpfte diese Vorstellung alle anderen schreckbalten Bilder, die sie sich von ihm hatte niachen müssen. Sie Iah ihn nickst mehr bleich und starr a»s dem Grunde des Sees liegen. Wie zum Leben erwacht stand er vor ihr und lächelte ibr zu, — genau wie Sonja Roschnow.
Knisternd siel im Kamin ein Holzscheit zusammen. Da schreckte die Fürstin auf und sah wirr um sich.
„Was ist das?" sagte sic hastig und laut.
„Ich glaube. Eure Tu'chlauchi waren ein ivenig cinge- schlunmiert: ich verhielt mich ruhig, um nicht zu stören", antwortete Sonja und breitete besorgt die Pelzdeckc höher über die Gestalt der Fürstin.
„Ja. ja — so wird es sein — ich habe geträumt", er- widerte die Fürstin seufzend. „Bitte, schalten Sie da? Licht ein, Fräickein Sonja, es ist dunkel geworden,"
Sonja erhob sich und tat, wie ibr aebeißen wurde, l!nd als sie dann im hellen Lichte auf die Fürstin zukam, sckrüttelte diese über sich selbst den Kopf.
„Ich habe wirklich recht törickst geträumt", dachte fi» dabei.
(Fortsetzung solgtj.


