Ausgabe 
20.12.1914
 
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Unfrrr griwlofunn.

Si> dcniütigct euch nun unter die gewaltige Hand Geltes, daß Er euch erhöhe zu Seiner Zeit. 1. Petr. 5, 6.

♦f Hl er große .Urieg beherrscht jetzt alles. Der Ernst der Stunde ist so groß, ivie vielleicht niemals vorher in der Weltgeschichte. (Offenb. 6.) Es ist ein heiliger Krieg, Rebenstc- hendes Gotteswort soll unsere Kriegslosung sein. Unserm tcucrn Kaiser ist dlirch den 9ictb der hinterlistigen sstachbarn das Schivert in die Hand gezwungen worden. Vor aller Welt ist cs offen­bar, daß cs Kaiser Wilhelnt bis zum letzten Augenblick eine Gewissenssachc ivar, de» Krieg zu vermeiden. Dir ausführliche Tepcschcinvcchsel zivischcn ihm und dem russlschcn Zaren (vom 28. 31. Juli) ist ein vernichtendes Zeugnis gegen Rußland (genauer gegen die russische Kriegspartei). Es gibt keine Worte, die das treulose, verbreche­rische Verhalten unserer Gegner ins rechte Licht setzen. Und das geschieht in unserer Zeit der Bildung'', Aufklärung!

Eine schwere Stille, diese Pause vor den Entscheidungsschlachten, diese Ruhe vor dem Sturm, ivie er so gewaltig vielleicht noch nie über die Erde gebraust ist. Wie sollen ivir diese bange Pause ausfüllen? Was willst du tun, der du nicht draußen aus dem Schlachtfeld mit­tun kannst? Viel, viel kannst du tun!. Aber eins vor allem haben wir zu tun:

Auf die Kniee!

Welche wuchtigen Worte hat unser .Kaiser gesprochen und auch der Reichskanzler im Reichs­tag. Sie sind köstliche Denkmäler ihrer schlichten Ehrlichkeit, die in jedes Deutschen Herz lauten Widerhall fanden. Unser Kaiser hat sofort zu einen) allgemeinen Bettag aufgefordert mit den Worten:Reinen Herzens über den Ursprung

des Krieges bin ich der Gerechtigkeit unserer Sache vor Gott gewiß . . . Wie ich von Jugend auf gelernt habe, sinde ich in diesen ernsten Tagen^ das Bedürfnis, mich vor ihm zu beugen und Seine Barmherzigkeit anzurufen."

Das soll aber auch weiter geschehen bis zum Siege. Als Gustav Adolf 1630 nach Deutschland kam, um uns gegen die Jeinde des Evangeliums zu helfen, da kniete er bei der Landung zuerst nieder zum Gebet. Als einige Offiziere bei der Inbrunst seines Gebets weinten, rief der König: Weinet nicht, sonder» betet!"

Je mehr Betens. desto mehr Sieg!" Als 1806 nach der Unglüeksschlachl bei Jena und Auerstädt Preußen am Abgrunde stand, da richtete Pastor Jaenieke in Berlin eine tägliche Gebetsstunde ein. Durch das vereinte Gebet kam Gotlesgeist lind damit Gottesmut und Gottestrost

über Berlin uiid Peußen. Dos hat ein (General nach dem Siege bei Groß-Beeren bekannt. Als mehrere Offiziere sich ihrer Heldentaten rühmten uiid einer über jene Beter spottete, da erhob sieb mit Erlailbnis des Königs jener General und sagte:Teil Sieg vcrdailken >vir jenem so oft

verspotteten Manne luid feiner frommen Gemeinde, und nicht unserer Kraft, so tapfer mir auch ge­kämpft hatte». Das muß hier offen allsgesprochcn werden."

Zeigen mir. daß wir nicht vergebens Gebets- stunden gehabt haben, und daß mir die heilige Kunst des Gebets kennen, damit wir nun etivas herausbeten können zum ivahrcn Wähle unseres Vaterlandes!

Haltet deshalb eure Gcbctsstnnden pünktlich und regelmäßig lind besser ivie je.

Kaufet die Zeit a u §!

Unsere Soldaten auf dem Schlachtfclde müssen jetzt and) jede Minute verwerten. Wieviel hängt davon ab! Jetzt sind überall die Herzen offen und empfänglich für Gottes Wort.

Soll nach dem Kriege wieder solche traurige Zeit kommen, ivie nach 1871? Gott bewahre uns davor! Dann müssen mir aber jetzt schon alles auf bieten, das; unser Volk jetzt wirklich auf die Kniee kommt und im Staub sich vor Gott demütigen lernt. Nur so können mir eine Wic- derauflebung des religiösen Lebeils unb eine große Erweckung von Gott erivarlen.

Nicht reich sein sondern reif sein ist Uralt!

ir waren in der Gefahr, im Reichsein alles

_ Glück zu sehen llild fühlten llns dabei doch

nicht glücklich. Es gehört mehr zum rechten Glück: Innerer Jriede, innere Kraft, ein in Gott starkes und stilles Herz. Das ist ein reifer Mensch, der den andern zur Jreude und zum Segen lebt. Danach gilt's zu ringen, und ivir werden alles frembe Wesen beseitigen können, das uns feind ist.

Es ist ernste Zeit! Gott schaut auf die Völker hernieder und sucht eins, dem er den Sieg verleihen kann. Alle erfahren seine Heimsuchung lind müssen schwere Opfer geben, damit ihnen die Auge» aufgehen über die Sünde, die in ihnen sich ausbreitet. Deutsches Volk, du ringst nach dem Siege, du harrst des Siegerlohnes! Deutsches Schivert, du willst in Gottes Hand Gericht üben über Köniqsmörder lind Lellte voll Truges, voll Geivinnsucht und Eitelkeit, voll Mißtrauen lind Neid! Mache dich frei von dem alle», daß deine Seele rein sei; tritt mit neuem Herzen voller Ge­horsam vor deinen Gott!

Slhajse i» mir, Gott, ei» reines Herz, uni) gib mir einen neuen gewisse» Geist!