Ausgabe 
20.12.1914
 
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^WMlfMMMfelhnalhtsfreudeil davon werden wir in diesem Jahr des Völkerkriegs wohl nicht viel verspüren, so denkt manches bedrückte Herz. Liebe Angehörige, die sonst im trauten Familienkreis sich mit um den Weihnachtstisch versammelten, sie sind in der weiten Ferne bei blutiger Kriegsarbeit. Ja viele, die noch im verflossenen Jahr mit den Ihrigen ein glückliches Weihnachtsfest feierten, sind über­haupt nicht mehr hienieden; der schnelle unerwar­tete Schlachtentod hat sie uns entrissen. Kann man da noch von Freude reden? Aber gerade seht scheint es uns wichtig, milzuwirken, daß die beglückende Weihnachlssrendc nicht ganz in der Ecke stehen bleiben muß. Sie klopft auch dieses Jahr an unsre Türen; vergessen wir nur nicht, ihr beizeiten zu öffnen.

Es ist ja wahr, der Frendenton ist ja in diesem Jahr nicht so leicht ju finden wie sonst. 5111 das eigene lind fremde Weh legt sich schwer ans die Seele. Der Schmerz um verlorene "Angehörige ist vielleicht an diesem Tage beson­ders groß. Und doch können wir in den Besitz der rechten Ehristsrenden kommen. Zwar wird die Freude in diesem Jahr etwas geräuschloser sein. Es werden wohl einige Weihnachtsfeiern mit Tanz, Theater und Bier ausfallen. Und da­rüber sind wir froh. Diese Art von Weihnachts­freude» hat uns schon lange nicht gefallen. Trotz solcher sogenanntenfröhlichen Weihnachten" in Sans und Braus sah cs oft recht trübe aus in Herz und Familie. Tie Weihnachtsfreuden wer­den also wohl etwas stiller sein auch bei den Kindern Gottes; sie können aber um so echter und inniger werden.

Wie fangen wir es nun an, daß wir auch in diesem Jahr Weihnachtsfreuden haben? Der Engel sagt:Siehe, ich verkündige euch große

Freude." Mit der AllsforderungSiehe", soll uilserc Aufmerksamkeit von elner Sache abgewandt llnd auf etwas Wichtigeres hingelenkt werden. Es ist nicht gut, wenn wir immer nur auf das Tunkle, das Schwere linserer Lage blicken; wenn wir unsere Herzen in unserem Weh vergraben. Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit." Siehe auf das Große, das unser Gott an Weihnachten tat. Er gab sein Bestes dahin, um uns auf ewig glücklich zu machen. Weihnachten ivar für den Bater mit einem großen Lpfer verbunden, größer als die unfern es sind. Und doch freute sich der Himmel, weil damit die Heilszeit für die Menschheit an­brach. O, liebes Herz iver du auch seist, gläubig oder ungläubig,öie echle Weihnachtssrende quillt

ans dem Schauen, dem Betrachten der Liebe des Vaters, d«r uns seinen geliebten Sohn gab. Seine Liebe ist zur siehtbaren Tat geworden. Er meint es wirklich gnl mit uns.

Der Engel sagt:Ich verkündige euch große Freude." Man sa ;t, das Weihnachtsfest sei besonders ein echt deutsches Familienfest. An diesem Festtage versammeln siel; die zerstreuten Familienglieder gerne im trauten Heim. Mit sinnigen Geschenken sucht »lau sich zli erfreuen. Wie wir schon er­wähnteil, werden manche Lieben dieses Jahr fehlen; auch sind vielleicht die Geschenke nicht so groß und zahlreich. Wenn unsere Weihnacbts- frelidc aber nur von Besllcheil unb Geschenken abhing, war sic schon lange nicht rechter Art. Wahre Frelide kommt von obeir.Euch ist heute der Heiland geboren," ruft uns der Engel zli. Unser Glück beruht in der Erfahrung des Dichters, der jubelt: »Daß ich eineil Heiland habe, der vom Kripplein bis znm Grabe, bis zum Thron, da man ihn ehrt, mir, dem Sünder zugehürt." Nicht daß ivir eine Reihe von festlichen Änlässcn haben, verleiht dem Weihnachtsfest seinen Wert, sondern daß ich mit meinem Heiland zusammen das Fest feiere. Ich bringe ihm mein sündiges, unruhiges Herz, meine Sorgen, meinen Jammer; er reinigt mein Herz und schmückt es, er schenkt mir seinen kostbaren Frieden, er macht mich Armen reich, er verwandelt mein Weineil in Freude. Wenn ivir ihn haben, unb ihn diesmal ganz besonders eiilladen lind unsere Ausmcrksain- keit ihm zuwenden, dann ivird es ilns leichter, das an Weihnachten zll entbehren, ivas wir sonst genossen haben.

Frelide verkündigt der Engel. Als Kinder Gottes veruilehren wir llnsern Vater, wenn ivir unsere Herzen zu sehr der Tralirigkeit öffnen. Der Apostel Paulus sagt das kühne Wort:Wir rühmen uns auch der Trübsale. Warum sollt ich mich denn grämen? Hab ich doch, Christllin noch, wer will mir den nehmen?" Diesen Vers sang und spielte einst ein gläubiger Christ, als sein Haus am heiligen Abend in Flammen stand.

Und ihr, liebe Freunde, die ihr seither der Meinung wäret, Jesus sei ein Freudenverderber, hört einmal dem fröhlichen Engelsang zu. Der Herr Jesus kann und will lms zll ivahrhaft fröh­lichen lind glücklichen Menschen machen.

Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden.

Stricke des Todes, sie reißen entzwei;

Jesus erlöst uns vom knechtischen Stande.

Er, der Sohn Gottes, ei machet uns frei.

Bringt uns^zu Ehren aus Sund' und aus Schande.

Jesus ist kommen, nun springen die Bande.

W Hagmann.