Ausgabe 
1.11.1914
 
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Vas fiten).

Du hast auf diese Lrde das Kreuz geste.1t,

Du hingst am Holz des Fluches, o fjerr der Welt! Laß mich auf Kreuzesbode» gepflanzei fei» lind iu des Kreuzes Kühe nun gehe» ei».

3m Kreuz ist liefet Friede, im Kreuz ist Ruh',

Da deckt des Lammes Liebe, mich gänzlich zu;

3tn Kreuz bi» ich geborgen vor Satans Wut,

3» allen Lrdenstürmen ruht fich's dort gut.

Rald wird sich's droben zeigen im Lichte klar, wie hier so unentbehrlich das Kreuz uns war.

Die ihren Herrn geliebet in Kreuzgestalt,

Sie schauen dort den König in Lichtsgewalt.

<Lr findet Seine Züge an Seiner Kraut,

Sie wird, nun ebenbürtig, ihm angetraut.

Sie teilt mit 3H>" auf ewig Thron und Gewalt,

O Seligkeit! Herr Zefu! Ach, komme bald!

&

Ein feste Buru ist unser Gott.

Gin öruss aus der Schützenlinie in Frankreich.

Liebe Geschwister unb Freunde!

Wohl fentm ein Lied gibt es in unserm deut­schen Liederschatz, das so tröstend, so ermutigend und begeisternd wirkt als das alte markige Luther- lied. Dies ist mir während der Kriegszeit unter den Kameraden besonders ausgefallen. Frohen Mutes, voll patriotischer Gesiitituitg verließen ivir die gastliche Stadt Gießen. Die Eisenbahn trtig uns in 18 stündiger Fahrt der seindlicheit Greitze zu. Bald giitg es ;u Fuß iveiter dtirch Luxemburg hinein iil Feindesland. Eine Totenstille umgab uits. Die Fensterläden ivaren geschlossen, die Leute waren zunt Teil geflüchtet. Wir aber eilten weiter. Da es ivar am 22. August kam der Befehl, daß das zweite Bataillon links abschwenkeit und

den'rechte» feindlichen Flügel angreifen sollte. Die Spannung jedes Einzelnen ivar groß. mit unfern Gewehren unter),dem Arme kamen ivir dem Feinde immer itäher. Schon hieß es: Stellung! das Ziel ivilrde bezeichnet und das Feuer eröffnet. Be­schreiben kann ich Euch nicht, wie es mir da zu Mute war. Betend innerlich, vertraute ich meinem Herrn, daß er mich stärken wird. Er hat's getan! Nach mehrstündigem Schießen gingen wir dann vor. Die Franzosen waren schon bis zum nächsten Wald geflohen, ihre Toten und Verwundeten zu- rücklassend. Der Herr"stärkte mich, damit dieser Jamnter der Verwundeten nickt zuviel auf mein Gemüt wirken komtte.

Tie Nacht hindttrch blieben ivir auf dem Felde. Der Kanonendonner hatte aufgehört zu brüllen, und das Knattern der Geivehre war ver­stummt. Am Hintmel leuchteten der Moitd und die Sterne so hell, als wollten sie uns vom Frieden erzählen. Eine wohltuende Stille herrschte auf dem Schlachtfelde. Die Biivackfeucr branittcn hin und her und um sic herum stairden die Kämpfer. Sie alle hatten es erlebt, daß Gott sie bewahrt habe, daß er ihre feste Bttrg gcivesen sei. Er­griffen stimmten sie in das alte Glaubenslied: Eine feste Burg ist unser Gott", ein. Meine Seele wurde tief beivcgt. Ich fühlte etwas von der Gottesnähe, die das Herz stille und froh macht.

Als der Tag aitbrach gings weiter. Wir marschierten durch ein Dorf, in welchem and) ein Gefecht stattgefundeu hatte. Wie sah es da aus? Häuser waren zum Teil verbrannt, Franzosenlcichen lagen viele da. Was unser Auge aber am meisten zu sehen bekam, das waren ivcggeworfene franzö- sisä)e Gewehre und Tornister. Ein Bild, das einerseits dem Herzen ivehc tat, aber andererseits unser Lad)en über des Feindes Feigheit heraus­forderte.

Dod) zttviel dursten ivir uns nirf)t an jenem Tage freuen. Kaum hatten wir das Mittagsbrot eingenommen, da nmrbc der Feind in aller nächster Nähe gentcldct. Wir befanden uns ttnmittelbar vor der französisd)eit Grenze. Mit Hurra gingen wir hinüber. Was aber gcsdiah da? Ein gewaltiges, kaum auszudenkendes Artilleriefeuer empfing uns. Wie erhielten den Befehl, sofort atlsztlsd)ivärmen und die Anhöhe vor uns zu besetzen. 2 Stunden datierte dieser heiße Kampf. Granaten vor unb hinter uns und Sd)rapnells über uns brad)teii uns sehr in Angst. Id) flehte zunt Herrn, er möd)te uns gnädig sein. Mein Herz ivilrde stille, iiiid id) suchte andere auf die feste Burg hinzuwcisen, von der wir so kräftig gesungen hatteii. Bald ivilrde es ruhiger, sowohl ivas das Sd)lagen der Herzen als and) das Brüllen der Kanonen anbe­traf. llnserer schweren Artillerie ivar cs gelungen, die feiiidlid)en Kanonen zum Sd)iveigcn zu bringen.