Ausgabe 
4.10.1914
 
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des Bcnuc, südlich vom Majo Kabia (sprich Kebbi) ist das große Volk der Laka, das etwa eine Mil­lion Glieder zählt. Dieses Gebiet ist so weit entsernt von der nächsten christlichen Missions station in Süd-Kamerun, das; man mindesten eine Reise von 4 Wochen bis zu derselben nötig hol. Das gibt einen Eindruck von diesen weiten Ge­bieten. Nach Norden hin bis an den Tschadsee ist keine einzige Missionsstatiou, nach Süden ist die nächste Mission vier Wochen entfernt. Da in eine gewaltige Aufgabe!

Dies Land hat Gott lins also seht anvertraut, lind ivir hoffen, daß die erste Expedition bald ausgchcn kann. So gilt cs »i»i de» ernsten

Kampf ailfiiehnii n, den Sieg willder Arni und und das Licht des Angesichts Gottes geben". Wir warten darauf, daß seht die Bcterscharen voll und ganz mit eintreten. Wir wollen Gott danken, daß Er uns den Weg geöffnet hat, und wirdies Land in Besitz nehmen dürfen." Wir wollen Ihn bitten, daß Er auch die rechten Arbeiter gebe, vor allein auch einige Missionsärztc, die mit ausgehen können.

Ein Missionar, der am Bcnuc stationiert ist und viel im Lande herumkam, schreibt:Ich sah die Not vieler Stämme. Wie sehr nötig brauchen sic den Heiland! Ich bin überzeugt, in den Herzen vieler dieser furchtlosen, starken, an harte Arbeit gewöhnten Leute würde das Evangelium sesten Fuß fassen, und cs würden hier gesunde, .kräftige Gemeinden entstehen, wenn wir nur dem Islam zuvorkommen könnten. Wäret ihr einmal auf unseren Verkündigungswcgcn dabei auch eure Herzen würden in Flammen geraten. Ta sammelt sich eine Menge auf dem Marktplatz. Wir hatten zwei Bilder bei uns, das eine zeigte das Gleich­nis von den untreuen Knechten im Weinberg, wie sic den Sohn des Besitzers steinigen. Das andere war das Bild von der Gefangennahme des Herrn Icsil in Gethsemane. Darüber sprachen wir. Immer mehr Leute kaiucn herzu, cs waren wohl zweitausend. Alle lauschten gespannt. Hinter iins war ein Gebetsplatz der Mohammedaner. Ta saßen zwei von ihnen am Boden mit ihren Rosen­kränzen und beteten. An der Seite trugen iic ein großes Schwert. Einige mohammedanische Moilahs kamen nachher zu uns herüber. Sic stellten sich, als hörten sie zu, dabei glitt der Rosenkranz durch ihre Finger, und in ihren Angen funkelte tödlicher Haß. Plötzlich kam ein gebeugtes Mütterchen zu ihnen und schüttete aus einem Zipfel ihres ärm­lichen Tuches eine Menge Kauris (Gelds in die Hände des mohammedanischen Lehrers. Wer diese beschenkt, häuft nach ihrer Ansicht große Schätze auf in der kommende» Welt. Ganz in meiner Nähe saßen zwei Aussätzige, die durch die schreckliche Krankheit schon sehr entstelll waren.

Wie sie aufmerkten! Kinder sprangen umher. Der Häuptling des Stammes saß auch unter der Menge. Dicht bei ihm ein paar n ohammedanijchc Priester.

Nachher tras ich einen p ächligen jungen Burschen, der Mohammedaner geworden war. Ich fragte ihn:Warum?" Er sagte:Was

sollte ich tu»'? Ich brauchte ilwas, aber nie­mand kam, mir zu helfen. Da glaubte ich den Mohammedanern." Das ist nur einer von vielen, diectivas brauchen". Es ist natürlich, daß sie gleich nach der ersten, scheinbaren Hilfe greifen, aber es ist eine ungeheure Schande, ein unersetz­licher Verlust für die Gemeinde Gottes, daß die Lügen des falschen Propheten eher zu den anf- wachcnden Völkern gelangen, als die Kunde der ewigen Gottcsliebe. Wie ist's nur möglich, daß wir gleichgültig bleiben? Der Herr Jesus war erschüttert durch die Not derSchafe ohne Hirten". Können wir nicht etwas mit verspüren von Seinem furchtbaren Schmerz über unsere jetzige Generation? Ist denn unser Inneres lebendig oder tot?

Was ist das für ein Geheul in einer Hütte? Ein Mann ist gestorben und die Totcnklage der Heiden erfüllt die Luft. Was bedeutet das.Raunen jener Männer im Gebüsch? Sie beraten, wer an dem Tod des Freundes die Schuld trage. Dann stürzen sic davon. Der Zauberpricster sieht sic kommen. Er ivciß schon, was er sagen ivird. Er nennt den Mann, der den Toten verzaubert haben soll, mit Namen, und die andern fordern den Genannten auf, zum Beweis seiner Unschuld den Giftbecher zu trinken. Es liegt ganz in der Hand des Zauberpriestcrs, wenig oder viel Gift in den Trank zu mischen. Diesmal hat er wohl viel hineingetan.

Am Nachmittag geht ein langer Zug die Torfstraße entlang. Mit lautem Geschrei qeht's dahin, einige widcrholen in den höchsten Tönen immer dasselbe. An der Spitze treiben sie den Plan» vor sich her, der den Toten verzaubert haben soll. Nichts hat man ihm angelassen. Sein Gefährte hält einen langen Stock über seinen Kopf mit der steten Aufforderung, sofort zu sterben, falls er schuldig sei. Am Fuß des Hügels setzen sie sich. Der crstcTrunk ans dem Giftbecher wird genommen. Im Vertrauen ans seine Unschuld geht der Mann ruhig iveiler. Nach einer Weile wird ivieder ! Halt gemacht. Wieder muß er 'trinken. Auf dem I Heimweg bekommt er zum dritten Mal von deni Gift. Wenige Minuten, nachdem er seine Hütte wieder betreten, bricht er zusammen und stirbt. Und der Schmerz seiner Angehörigen tönt gellend durch die Nacht. Braucht Afrika unsere Hülfe?

P. E. Lohinann.