Hn elendes Geschöpf dahin und fand weder Hoff- l noch Trost; ja, ich fürchtete. Goll könne mich nie selig machen. Mein Zustand wurde immer schlimmer; ich fühlte mich so elend, daß ich kann, etwas zu tun vernwchte. Mein Herz war zerbrochen. Sechs Monale lang betete ich inbrünstig, von ganzem Herzen, fand aber keine Erbörung. Ich entschloß mich, lim den Weg des Heils ausfindig zu machen, alle Kapellen und Kirchen der Stadl zu besuchen, und ich führte den Plan aus. Endlich — an einem schnecreichen Tage — fand ich eine ziemlich abgelegene Straße, betrat eilten Hof und stand alsbald vor einer fleme» Kapelle. Ich giilg hinein und setzte mich. Der Gottesdienst begann, aber kein Prediger ließ sich blicke», bis zuletzt ein hagerer Mann auf die Kanzel stieg, die Bibel aufschlug und die Worte las:
„Wendet euch zu Mir und werdet gerettet, alle ihre Enden der Erde!"
Die Augen gerade auf mich richtend, als ob er mein ganzes Herz durchschallt hätte, sagte der Prediger: „Junger Mann, bu bist bekümmert."
Nun, das war leider wahr genug. Er fllhr fort: „Du wirst nie aus deinem Kummer herauskommen» bis du auf Christum blickst!" llnd dann die Hände emporhebend, rief er: „Blicke! blicke!, blicke! Es heißt nlir blicken!" Da sah ich mit einem Male deir Weg des Heils klar vor mir. £ wie hüpfte mein Herz vor Freude! Es war ivie damals, als die eherne Schlange erhöht mürbe: die tödlich Gebissenen blickten nur auf unb sahen sich geheilt. Ich hatte geivartet, um fünfzigerlei Werke zu verrichten; als ich aber das Wort „blicke" hörte, o welch eine entzückende Botschaft war es mir!"
Haft du glaubend auf das Kreuz geblickt? Sieh den bleichen Mann unter der Dornenkrone, den mail auf das Fluchholz genagelt hat. Sein Blut tropft zur Erde, es ist das Blut des Sohnes Gottes, es für schlildige, undankbare, verloreiie Sünder. Ieslis war aus der Herrlichkeit des Himmels gekommen, um Sich als Opfer und Bürge zu geben für Seine Feinde - Er belub sich mit unsrer Sckilild. Dunkel umgibt Ihn, den Sterbenden. Er öffnet die Lippen lind ruft mit lauter Stimme: „Mein Gott! Niein Gott!
Warum hast Du mich verlassen'?" Bernimn,, o Sünder, die Antwort auf dies Warum des sterbenden Sohnes Gottes: darum, damit du Frieden fändest, darllin,damit du dllrch daseinmal vollendete Opfer von Golgatba Bergebung, vollkonimene Versöhnung, ewige Gnade, ewiges Lebeii finden solltest! Blicke hin auf deinen sterbenden Heiland ! Faste glaubend dies Evangelium: Sein Blut
stoß über dich! Blicke in Seine Todeswunden und fasse es. daß das Wort: Es ist vollbracht! mit weichem Er Sein Todesleiden endete, für
jcdeir Glaubenden dies umschließt: deine Sünden sind getilgt, deiire ewige Errettung ist vollbracht, das Tor der Herrlichkeit ist für dich geöffnet. Die Berge deiner Sündeirschuld mögen bis an den Himmel reichen, das Blut Jesu Christi nimmt sie völlig weg. Denke nicht, daß Goll es leicht nimmt mit deinen Sünden! Nein, Er itimmt es bitter ernst, Er sah deine Sünden für Io schrecklich an, daß Er, der eivige Gott, keinen Weg, keinen Rat und kein Mittel wußte, um dich zu erretten — außer dem einen Weg, daß der Sohir Gottes käme, daß Er, der Schuldlose, Sich auf deinen Platz stellte und Verne Strafe auf sich nähme. Ec hat es getan! „Die Strafe zrr unserm Frieden lag auf Ihm, lind durch Seine Striemen ist rins Heilung geworden." (Ies. 53, 5.)
l^enerulle»tna»t von Viebahn,
Auf bfin Ulttzl.
„Sei will fertig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf daß dich der Widersacher nicht dermaleinst überautworle dem Richter, und der Richter überantworte dich dein Diener, und werdest in den Kerker geworfen. Ich sage dir Wahrlich, du wirst nicht von dannen heraus kommen, bis du auch den letzten Heller bezahlest."
(Matth, 5. 25. 20.)
ie ganze Welt besindet sich auf denk Wege zu dem Richterstuhle dessen, der in die innersten Fallen des Herzens schaut, dem nichts verborgen ist und der ein gerechtes Gericht vollziehen wird. Derselbe, von dem es bellte noch heif>l, daß Er gekonlmeu ist, zll suchen liild selig zu machen, ivas verloreil ist, wird bald als Richter vor uns stehen. Ieslis, der hochgelobte Sohn Gottes, thront z>ir Rechten des Paters llild wartet, bis alle Seine Feinde zum Schemel Seiner Füße liegen.
Wenn Er Sein „schuldig" llnd „weichet alle ooil mir ihr Übeltäter" aussprechen wird, bann werden alle Entschuldigungen verstummen.
Schrecken unb Entsetzen ivird die Herzen ergreifen. Willst du jetzt nicht stille steheil ilnd dich nicht einmal ernstlich besiniren über das Ziel deines Weges '? Betrachte einmal dein ganzes Leben und Tun von der frühesten Iugeild air bis z>l diesem Augenblick in dem hellstrahlendeil Lichte Gottes.
Tein Hang zur Welt, dein Jagen nach ihren Vergnügungen, oder nach ihrer Ehre, oder irach Hab llnd Gut beweist, daß bu an Got! und Seine gerechten Ansprüche an dich wenig oder gar nicht denkst. Die Sorgen, ivelche dein Herz oft erfüllen, bestätigen, daß du nicht auf Gott vertraust. Die Gnade, welche dir tu Christo Jesu umsonst angeboren ivird, verschmähst du. Die Ehre der den


