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Redakteur: Stadtmissionar Hecrmann-Gus>». Mitarbeiter: Pfarrer Sperber - Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig und die Prediger der Pilgermission. Druck von Otto Meyer, Gießen.
Nr. 38. Sonntag, den 20. September 1014. 7. Japrg.
fjeilige tDaffenrüftung.
/äjgnne Stunde ist für unser Volk und Land yftjr E gekommen, so schwer, so furchtbar in den folgen, die vor unserer Seele sieben nach deit Erfahrungen früherer Kriege, wie kaum zu irgend einer anderen Zeit, Umgeben von gewaltigen Feinden bricht eine Fülle der furchtbarsten Tatsachen über uns herein. Ströme von Blut, Vernichtung des Lebens und Verstümmelung des Leibes von Hunderllansenden I Dazu die Ver- ilichtunq unseres nationalen Wohlstandes und die Verheerung einzelner, unter Umständen iveiter Gebiete!
Wie groß ist die Summe des Verderbens, das als Folge des furchtbaren Krieges mit den drei größten Mächten der Erde sich vor unser Auge stellt! Wir sind im- Stande der Notwehr, auf dem Boden der Gerechtigkeit, das gibt ein gutes Gewissen, das stärkt den Mut und die Zuversicht zum Siege.
Ja, das gilt den Feinden gegenüber, aber nicht dem heiligen Gott gegenüber, abgesehen davon, daß unsere gerechte Sache auch vor Ihn, als solche gilt. Wohin ist es trotz der äußeren wunderbaren Entwickelung seit 1870 mit einem großen Teil unseres Volkes gekommen? In Zucht- und Sittenlosigkeit, in dem zu weitgehenden Genußleben, zu Ausschweifung auf dem Gebiete der Un- sittlichkeit! Hier Tatsächliches anzuführen, liegt nicht in der Linie dieses kurzen Ausrufs. Ernste, tiefer blickende Männer, deren Blick durch Gottes Wort geschärft, sahen mit tiefster Betrübnis den Strom des Verderbens dahinstießen, der immer mehr, wie eine Sturmflut, alle Schranken beseitigte, lind über alledem den eigentlich Grund eines
solchen so tief traurigen Niedergangs unseres Volkslebens, in dem oisenbaren und zielbewussten Abfall von Gott und Seinem Wort, von Kirche u»»d Christentum, ja Schmähung und Lästerung des Heiligsten. Der Prophet Jeremias ruft einmal aus (Jer. 8, 23) gegenüber einer ähnlichen Lage des Volkes Israel: „Ach, daß ich Wasser
genug hätte in meinem Haupte und meine Augen Tränenguellen wären, daß ich Tag und Nacht beweinen möchte die Erschlagenen in nieinem Volk!"
Unsere Situation ist eine Heimsuchung, soll ein gnädiges Gericht sein, ein Aufhalten des giftigen Stromes von seiten des gnädigen Gottes, der unser Volk geliebt und es darum herumreißen will ooni Wege des Verderbens. Aber die Mehrheit hat keinen Blick dafür; darum handelt es sich um die gläubigen Christen, daß sie sich zusammenschließen zu anhaltendem, heiligem Gebet. Freilich, auch sie müssen sich mit beugen, denn wer hätte nicht Ursache dazu, nur der, der allewege, durch Wort und Wandel, sich bewiesen hätte als gläubiger Christ! Und da ist keiner. Ja, und Beugung und Buße über unser und des gesamten Volkes Schuld an dein Niedergang und dem Tiefstand in sittlicher und christlicher Beziehung.
Dann wird Gott, der HErr, mit uns sein, und mir kommen auf deni Wege auch los von allem Vertrauen auf eigene Kraft, von allem Vertrauen auf Hilfe von Italien und sonst woher. Tann bleibt uns nur unser Gott als Hilfe, als Stütze. Es ist genug. Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?
Eine gewisse sittliche Erhebung dürfen wir schon scha«en in der Einmütigkeit und Begeiste-


