Bringt die Sonne alles an den tag?
sah einst von meinem Studierzinnner ans ein etwa lOjähriges Alädchen mit Atarkttasche an dem Arm. Es M) schaute sich vorsichtig »ach allen Seilen t^/ um, und als es die „Luft rein" glaubte, „ahm es aus der Aiarkttasche eine Flasche, tat einen tüchtigen Zug daraus, erkundigte sich mit schnellen Blick noch einmal, ob es auch keinen Zuschauer halte, steckte die Flasche schnell wieder in die Tasche und trappte dann besriedigl seinem Heim zu: „Es hat ja niemand gesehen." Da denkt jetzt mancher Leser und manche Leserin an ein ähnliches Ereignis ans dem eigenen Leben. Wie vieles haben wir getan, und wir hatten dann den einzigen Trost: „Es hat
ja niemand gesehen." Und doch haben wir uns genau wie jenes Alädchen dann immer getäuscht. Ich war der Zuschauer bei dem Diebstahl der Kleinen. Und wenn auch kein Mensch, Gott hat jede Tal deines Lebens gesehen. Seine Augen durchdringen auch geheime Dunkel; Sein Blick zerreißt jeden noch so dichten Giebel. Und wie oft hat Sein Auge schinerzvoll deine Tal mit an- schen müssen! Du kennst za die dunklen Flecken in deinem Leben. „Ach, daß ich rnigcjchchen machen könnte, was ich gestern getan habe!" schrieb mir einmal jemand seufzend. So hast du mehr ivie einmal gedacht. Wenn du doch den dunklen Schandsleck wegwaschen könntest, wie man von einer Schiefertafel den Kreidestrich wegwaschen kann; wenn du doch jene deiner Mutter gegenüber geäußerten unschönen und lieblosen Worte zurücknehmen, ungesprochen machen könntest! Nun geht es nicht; sie ruht im Grabe; durch deine Blumen, mit denen du das Grab schmückst, rufst bn die bösen Worte auch nicht zurück. Du mußt alles lassen anstehen.
„Tic Sonne bringt es an den Tag!" sagt das bekannte Sprichwort. Sie hat in der Tat manches an den Tag gebracht und manchen Verbrecher der wohlverdienten Strafe zngeführt. Aber vieles ist noch verborgen. In meiner Jugendzeit wurde ein Mädchen auf dem Wege zur Kirche ermordet. Heute nach 30 Jahren ist der Mörder noch nicht gefunden. Ich sagte einmal in einer Versammlung: „Ich behaupte, daß manche in
hohen und einflußreichen Stellungen lind bei ihren Mitmenschen in Ansehen und Ehren stehen, die eigentlich in das Zuchthaus gehören." Am Schluß der Versammlung sagte mir eine Dame: „Sie
haben mit dem Satze eine Wahrheit ausgesprochen; ich könnte ihnen einen Mann nennen, der sehr verehrt wird, und er hat Schandtaten auf seinem Gewissen, die ihn ins Zuchthaus bringen würden, sobald sie dem Gericht bekannt würden."
Aber bleiben denn diese Dinge nun für immer verborgen? Auf keinen Fall! Gott sind alle Dinge beivnßt; Er hat ein Verzeichnis aller Sünder und aller Sünden. Es ist nun so: Etliche Dinge iverden jetzt, und etliche Dinge iverden hernach offenbar. Es kommt alles ans Licht! Die Sonne bringt nicht alles an den Tag, aber der Tag des HErrn macht alles und alle offenbar.
Die Kinos von heule sind zu verwerfen; sie üben wegen ihren meist so seichten Vorführungen einen verderblichen Einfluß aus; aber die Kino- matographie ist etivas Wunderbares. Und alles Irdische ist ein Gleichnis. So ivie ans dem Wege der Kinömatographie alles ausgenommen und dies genau wiedergegebcn iverden kann, so hat auch Gott jede Bewegung, ja, auch die Gedankenbcwe- gnngen der Menscheir festgehalten, und cs ist Ihm ein Kleines, an jenem Tag des Gerichts alles genau wiederzngeben. Und Er ivird es aitcl) tun. Lies Offenbarung 20, II—15. Da ivird alle deine Schande rücksichtslos und in aller Öffentlichkeit offenbar. Wie wirst bu dich dann schämen müssen! Denn alle deine Werke sind verzeichnet. O daß du erschreckeir möchtest!
Dann iveiß ich einen Rat für dich: Willst
du nicht an jenem Tage zuschaiiden iverden, dann mußt du es heute iverden. Lege in tiefer Rene deine Sünden vor deinen Gott hin; bekenne imd gestehe Ihn: alles ein. Bitte Ihn um Vergebung und glaiibe iiur, ivartc nicht auf Gefühle. Er sagt ailch heute noch jcbcm um Gnade flehenden Sünder: „Sei getrost, mein Sohn, meine Tochter, dir siiid deiiie Sünden vergeben!" Dann iverden bciitc Werke ausgetilgt, und dein Name wird iiis Buch des Lebens eingetragen. Und nun lies noch einmal Offenbarung 20, 11— 15 und besonders V. 12 und 15.
Brück.
Pulli»?
« in Eisenbahnzug wird soeben abgeläntet. Zischend und schnaubend läuft er aus dem Bahnhof. Alle Wagen sind dicht besetzt. Aber welcher Art sind die Reisenden? Sie lärmen, sie singen, sie schreien, — viele sind betrunken, andere spielen Karten, — es ist ein wüstes Wesen, das immer mehr wächst und anschmillt. Keiner von den lärmeiiden Fahrgästen aber merkt, ivas iiizivischen draußen geschieht. Der Heizer hat mit dem Lokomotivenführer Streit bekommen. Erst wars nur ein leichter Wortwechsel, dann wird's ernsthaft — jetzt werden sie schon handgemein. Da oben auf dem Maschinensitz entspinnt sich ein Kampf, man packt sich mit Fäusten, man ringt miteinander und — stürzt kopfüber miteinander


