doch schon eine furchtbare Geißel. Wieviel mehr, wenn er Niederlagen und Verluste bringt! Dürfen wir mit Glaubenszuversicht um Sieg bitten? Ich glaube, Gott wird uns Sieg schenken, wenn Gr damit Seine Absicht mit unserem Volke erreichen kan». Beten ivir also fleißig um den Geist der Buße, der Beugung lind des Glaubens. Wie Gott Kriege lenkt zum Sieg oder zur Niederlage, seheil wir deutlich aus der Geschichte der Richter und der Könige Israels und Judas. Die Grundsätze, nach denen Gott handelt, bleiben immer dieselben. „Glaubt an den Herrn, euren Gott, so iverdet ihr Glück haben" (2. Chron. 20, 20). „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Süi'.de ist der Leute Verderben" (Spr. 14, 34). Wenn dies die Gesinnung unseres Volkes ist, dürfen ivir mutig und hoffiilingsfreudig dem Ausgang des Krieges entgegeiisehen.
Im einzelneii wollen wir unablässig beten für unfern in Ehrflircht qeliebteil Kaiser, für die ganze kaiserliche Familie und für unser» Großherzog, für unsere Heerführer, für unsere gläubigen Offiziere und Soldaten. Gott beivahre sie vor Not und Seilchen uiid scheiike ihnen Ailsdaiier uiid Geduld imb hillgebenden, mannhaften Mut. Beten ivolleil ivir auch für die Militärgeistlichen, für die Brüder unb Schwestern, die Diakoniedienstc tun, für das Rote Kreuz, für die Berivlindeteil, Gefangenen, Sterbenden, für unsere Feinde, daß auch ihnen alis dieser Heimsuchung eine friedliche Frucht der Gerechtigkeit erivachse!
Wir ivollen aber and) uns selbst und linsere Genieinschaftskreise nicht vergessen. Wir haben and) Buße zu tun für Oberflächlichkeit lind Lauheit, die uils gehindert hat, unserer Umgebung das zu sein, ivas Gott voil uns erivartcil mußte. Gott reiilige unsere Herzen lind lmserc Gemein- schafteil uild Vereine irnd öffne uns die Augen für die großen Aufgaben, die unser warten. Es ist auch für llns eine Zeit der Heimslichllng. Ob wir sie erkeiliren oder nicht, davon hängt viel ab für die Allsreifung der Geiileinde Jesu in Deutschland und für die Zukunft unseres delltschen Volkes.
0. bätt’ ich doch!
einem Jrrenhause war ein Mail», der den gailzen Tag nichts tat, als daß er mit angstvoller Miene und unter lebhaften Bewegungen der Arme umherging und einmal über das aildre ausrief: O, hält' ich doch! O, hält' ich doch! — Er war verantwortlicher Aufseher an einer großen Eisenbahnbrücke gewesen, die über einen schiffbareil und viel befahrenen, tiefen Fluß führte. Eines Tages wurde ihm die amtliche Meldung gemacht, daß am Vormittag zwischen 8 und 9 Uhr zwei Extrazüge die Brücke passieren ivürdeil. Tie Zeit könne zur Minute nicht angegeben werden,
aber die Brücke dürfe unter keinen Umständen nach 8 Uhr geöffnet werdeil, bis beide Eisenbahnzüge die Brücke passiert hätten. Kurz vor 8 Uhr wird voil einem Schiff das Zeichen zilm Offnen gegeben. Der Aufseher gibt das Zeichen, daß das Schiff warten müsse, worauf der Steuermann des Schiffes sofort mit einem Boot an Land fährt und zum Allsseher an die Brücke kommt. Dieser teilt dem Steuermann mit, daß das Schiff vor 9 Uhr nicht passieren könne llnd warten müsse, bis beide Züge vorbei feien. Der Steuermann, hierüber unwillig, stellt denl Aufseher vor, daß wenige Minuten nach 8 Uhr die Brücke wieder geschlossen sei» könne, daß noch gar kein Signal zu sehen, daß es lioch lailge hiil sei bis 9 Uhr nnb daß er ihm eine gute Belohnung gebeil wolle, wenn er das Schiff sogleich dnrchließe, da sie ganz besondere Eile hätten.
Die ruhigen, vernünftigen Gründe, rind namentlich die hohe Belohnung bestachen den sonst treuen Beamten, er sagte: „Danil aber rasch!"
und begann die Brücke zu öffnen. Kaum ist dieselbe geöffnet, ertönt voiil ilächsteil Bahnwärterhaus das Signal, lveilige Augenblicke später wird der Zlig sichtbar nnb braust heran. Der Allffeher sicht nnb hört nichts vor Schreck, er dreht und dreht — die Zeit ist klirz, hinein in die Tiefe stürzen Lokomotive, Wagcil und Mensche».
Der Mann ivurdc von denl Aligenblick an geistesverwirrt liild iilußtc ain aildern Tage in die Irrenanstalt gebracht werden. Ich glaube, daß sehr viele Menschen diese», Brückenwärter gleichen und nicht allein in ihrerSterbestlmde, sondern auch nachher in de, Welt der Ewigkeit ivcrden sie nichts anderes zu sagen ivissei, als: O, hätt'
ich doch! — O, hält' ich doch! — das Leben ist ernst, oft furchtbar ernst und deine Zeit ist klirz, da gilt es die Zeit ausznkaufen, denn cs ist böse Zeit. Es kann vor Nacht leicht anders iverde», als es am früheil Morgen war. Darum bestelle dein Halis. Eile, und rette deine Seele!
helmal für heimatlose.
Alls der Insel Sylt in der Nordsee ist ein Friedhof für Heimatlose. Dort beerdigt inan solche Leute, die das Meer ans Ufer wirft. Ria» kennt ihre Namen nicht, noch die Nation, der sie angehören, heimatlos bezeichnet man sie. Am Eingangstor des Friedhofs stehen fotgeildc Zcilei,: Wir sind ein Volk, von, Strom der Zeit gespült ans Erdeneiland, voll Unfall und von Herzeleid, bis heim lins holt der Heiland.
Eiil Vaterhalls ist immer da, ivie ivechselnd auch die Lose, es ist das Kreuz von Golgatha:
Heimat für Heimatlose.


