Erscheint wöchentlich einmal.
Einzelne Exemplare bestelle man bei der Post vierteljährlich. Verlag der Bucbhandlunq der Pllaermisslon Bienen.
Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Gießen, Mitarbeiter: Pfarrer Sperber - Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig und die Prediger der Pilgermission. Druck von Otto Meyer, Gießen.
Nr. 34.
Sonntag, den 23. August 1014. 7. Jahrg.
Ännspruch.
.§M,lfe hat CF>olt uns uerheißen, auch in aller zeitlichen Not; ob diese aber ailch darin besteht, daß Er die Hot wegnimmt, oder daß Er unsre Seele still und stark zum Tragen macht, das 311 entscheiden, will Er freie Hand haben.
Gießen, den 10. August 1914.
Liebe Geschwister in Christo!
Was wir schon lange als dunkle Ahnung in uns fühlten, der große Krieg ist da. Unsre Neider und Feinde sind über uns hergcfallen. Der traurige Meuchelmord des östcreichischen Thronfolgers ivar der Funke ins europäische Pulverfaß. Feinde haben wir jetzt geitug. Wie kostbar war uits angesichts dieser Feiitde die Losung in dieser ernsten Woche. „Ich will euch trösten, ivic einen seine Mutter tröstet", hieß es am ersten Mobilmachuugs- lage, und als am Mittwoch alich Englands Kriegserklärung durch unsre Lande dröhnte, da durften wir das Wort der Losung hören: „Ist Gott für uns, wer mag ivider uns sein Ja unsre Neider müssen mithelfen, daß ivir im Ofen der Drangsal zusammengcschivcißl werden als ein Volk von Brüdern, das unzertrennlich Mammen hall. Welche Herrlichkeiten hat unser Auge diese Woche sehen^ welche liebliche Musik hören dürfen. Nord und Süd, Ost und West reicht sich die Hand zum Bruderbund. Ja, deutsche Brüder ivollcil ivir sein, wie unser oberster Kriegsherr so schön gesagt bat. Wie hat sich unser Volk erhoben tote ein Mann! Begraben, vergessen ist aller Parteihaß. Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Bell, schlagen die Herzen höher ob
der großen Zelt, die vor den Toren steht. Und in der Drangsal suchen wir unfern Gott. Wie sind unsre Gebetstunden, die wir jeden Abend haben, so besticht! llttb fließen auch manche Abschiedstränen uild krampst sich manches Herz in Weh, so ist auch dies so nötig zu unsrer Zubereitung für die Ewigkeit. Liebe Geschwister, wir haben Euch so manches Jahr mit dem Worte Gottes dienen dürfen lind nun, wo wir unter des Kaisers Fahne gertifen werden, zeigt es, daß ihr auch alleine stehen könnt. Einige ltnsrer Evangelisteil sind schon cingerückt, andre folgen. Tretet, Brüder, in linsre Lücken, haltet Eure Gebet- stilnden, crmahuet Eilch unter einander, und der Gott des Friedeils ivird seilte Hand über Euch halten. Und Ihr Fratieil l>nd Töchter, laßt das Weinen, es geht ja für ltnser Vaterland und unsre Freiheit. So helfe einer den, andern Träilen trocknen, Wundeil verbinden, bis wir deil Sieg errungen haben. Vor allem aber, Geschwister, wollen ivir täglich ben Gekreuzigten anschauen. Aus seiner offenen Seile guillt lms das Leben. Jesus liebt ltus, ob auch die ganze Welt liils hassen würde. In Jesu Liebe vcrblludcil
grüßen Eilch Fr. H crm ann.
Br. Gutzke und Br. Peters.


