Ausgabe 
16.8.1914
 
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tritt er ein, nur um einen Blick auf die bunte Gruppe der Spieler zu werfen. Er nähert sich dem Spieltisch und schaut zu, wie die größten Summeic in kurzer Zeit van einer Hand zur anderen gehen. Viele andere waren auch gleich ihm eingelreten, uni zuzusehcn, ahne die geringste Absicht zu spielen. Wenn die einen verloren, so gewannen dafür die anderen. Da ivar besonders ein Spieler, der die Hände und Taschen fd)on voll Gold und Silber halte.

Leider gehörte Herr H. zu der Klasse von Leuten, für welche der Anblick eines Gcldhausens eine große Versuchung ist. So wa.,te er's jetzt anch, setzte einige Dollars nnb gewann gleich die doppelte Summe. Das reizte ihn, nnb er wieder­holte den Versuch etliche Male mit dcnisclbcn Er­folg. Nun zog ihn der Dämon weiter fort: er setzte 400 Dollars aus einmal. Für ihn war das eine Kleinigkeit, und er geivann. Jetzt wagt er eine viel höhere Summe und verliert, verliert weit mehr, als er bisher gewonnen. Eine fieber­hafte Aufregung erfaßt ihn, er spielt und spielt, schoir sind mehrere tausende Dollars dahin.

Das geht nicht," innrmelte er mit einem verbissenen Fluch. Diesmal riskiert er fast den ganzen Inhalt der Brieftasche rmd verliert wieder.

In diesem Augenblick taucht das Bild der Seinigen vor feinem inneren Auge auf. Eben jctst erhält seine Frau das Telegramm und be­reitet alles für die Heimkehr des geliebten Galten. Er hört die hellen Stimmen seiner Kinder, die jnbelnd in, ganzen Hause verkünden: 'Papa kommt heim!"

Mit einer Zentnerlast ans dem Herze», ivic dll sic, lieber Leser, hoffentlich nie empfinden ivirst, wirst der Kailfmann alles, ivas er noch übrig hat, a,lf dcil Tisch und rlift:Wenn ich verliere, soll mir der allmächtige Gott gleich and) das Leben nehmen, denn ich könnte meinen Ruin nicht überleben."

Das Rad dreht sich, steht still, er hat verloren. Der Spieler stößt einen ivilden Schrei aus und stürzt zu Boden. Man hebt ihn auf, aber sein Puls schlägt nicht, er ist tot.

Dein Fremden zu Ehren ivurdc das Spiel eingestellt, aber nur bis zum nächsten Tage; dann ivar alles beim alten.

Welcher von denen, die täglich hier zusammcn- kommen, dachte wohl an die Rückkehr des Herrn H.'s in seine Familie'? Der glückliche Mann, ivelchen die Depesche angcmeldet, existiert nicht mehr. Nur eine Leiche bringt man in das Hans, i>, welcheiil Frall und Kinder demjenigen ein Fest bereitet hatten, der sie nun in Trauer und Elend stürzte durch die eine Stunde, in welcher er dem furchtbaren Spielterlfel nachgegeben.

Ta haben wir wieder ein Beispiel von der Macht der Verführling, die in der Welt herrscht. Derselbe Verführer, der dieses Opfer zugrunde gerichtet hat, sucht beständig aus allerlei Weise andere zu sangen. Darum sei jeder ans der Hut. Die allerbeste Hut aber ist, vor allein nach dem Reiche Gottes und seiner Gerechtigkeit z,l trachten. Wer das tut, steht allen Verführungen gegenüber als ein Gewappneter da.

Die da reich werden ivollc», fallen in Ver­suchung und Stricke nnb in viele törichte und schädliche Lüste, ivelche versenken die Menschen ins Verderben und Verdammnis." (1. Tim. 6, ( J.)

hänge dich nicht an Deine Stütze.

Warum hat der junge Baum so wenig Blätter nnb bringt keine Frucht? Weil er an der Stütze hängt. Als er eingc- pflanzt ivurde, schlug man seine Stütze fest in die Erde hinein; er aber wurde ui lockre Erde ge­setzt. Illach einiger Feit senkte sich der lockere Boden; das Bäumchen aber konnte sich nicht -v mehr senken, weil cs zu *** fest an die Stütze gebun­

den war. Die Wlirzcln waren wohl noch mit Erde bedeckt, aber unter denselben war es hohl, und so konnte das Bäum- chen nicht genug Nahrung erhalten.

Stützen sind oft notwendig; aber sic bringen auch Gefahren. Hast du zum Anfang deines geistlichen Lebens eine gute Stütze von dem himm­lischen Gärtner bekoinmen, dann sei von Herzen dankbar dafür. Aber nimm dich in acht. Hänge dich nicht an sic. Hänge dich nie an einen Mcn- schcn, sonst ivirst du nie innerlich vorwärts kommen; du fühlst dich dann nur glücklich, solange bn mit ihm Umgang haben kannst. Du kommst nicht zu einem selbständigen Leben in Christo. Werde ein Gebundener Jesu. Menschen können uns vor­treffliche Dienste leisten; aber sic können nicht in Wahrheit das innerste Sehnen unscrs Herzens stillen; das kann nur einer. Jesus. Wie froh sind wir für manche Winke, Ratschläge und An- rcgnngcn, die wir von anderen haben. Wir haben sie nötig; aber dabei müssen wir doch an der Quelle schöpfen, sonst könnte es dem einen oder anderen gehen, nne dem König llsia, von dem es 2. Chron. 26, 5 heißt:Und Usia suchte Gott,

solange Sacharja lebte."''Als er aber mächtig geworden war, erhob sich sein Herz zum Verder­ben." (V. 16.)