Ausgabe 
9.8.1914
 
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Kos (rinim,

Einem soeben cingetrosfenen Briefe der Mission narin Elisabeth Gramenz entnehmen wir Fol­gendes :

Taohwaping, den 24. April 1914.

Tenre Geschwister »rnd Freunde!

Nun möchte ich Ihnen wieder etivas aus der Arbeit mitteilen. Ach, was heidnische Gran­samteil vermag, werden Sie an Folgendem sehen. In der Nacht vom 20./21. Februar wnrden einem Mann namens Eh'eng, 32 Jahre alt, von seinem eigenen Onkel beide Angen mit den langen, chine­sischen Fingernägeln ausgekratzt. Dieser Onkel hatte sich mit seinen Söhnen und noch einem Ver- ivandte» eines Tages verabredet, diese schreckliche Tal ;u tun. Sie lebten nicht in gutem Einver- nehmen mit Eh'eng; dazu halte derselbe seinem Onkel Stofs im Werte von 1 o 12 Alk. gestohlen. Run rächte sich der Onkel auf diese furchtbare Weise. Die Eltern von Eh'eng wohnen 30 Li (etiua 3 Stunden zu gehen) von Taohwaping ent­fernt. Der Onkel sagte zu Eh'eng, welcher vor­übergehend in Taohwaping war:Dein Vater liegt im Sterben, kann nicht mehr reden." Ein Zweiter sagte:Dein Vater ist schon gestorben,

du mußt schnell zn deiner Alutter gehen lind deinen Vater beerdigen." Eh'eng machte sich des Abends sofort auf den Weg, und da wurde er von seinem Onkel und den anderen 4 Verwandten in den Bergen überfallen, und sein eigener Onkel kratzte ihm beide Angen ans, wäh­rend die anderen ihn festhielten. So blieb nun der Anne in seinem Elend ans dem Wege liegen und schleppte sich am nächsten Tage, voil jemand geführt, nach Taohwaping. Als ich am Abend des 21. Februar zu ihm gerufen wurde, gingen Schwester Alargarethe und ich hin und sahen dieses Bild des Entsetzens. Ich kann mit Worten nicht beschreiben, was unsre Herzen bewegte. Eh'eng lag vor einem Hause auf Stroh, das Ge­sicht mit Blut überströmt, die Hände dnrchbissen und auch ganz mit Blut bedeckt, die Augen furcht- bar geschivolten, und die Fetzen hingen aus den­selben heraus. Keiner hätte ihn ausgenommen; denn jeder fürchtete, er stürbe bald. Es war in jenen Tagen noch recht kalt. Was sollte ich tun'? Wir gingen alle auf unsre Kniee rmd baten den Herrn um Leitung. Ta war es uns klar, daß wir nicht diesen Mann dort liegen lassen durften. Ach, hätten wir nur ein Zimmer gehabt! Wir stellten wieder ein Bett in einer Ecke der Kapelle aus und beteten zum Herrn. Ach, meine Teuren, ich kann Ihnen mit Worten nicht beschreiben, wie furchtbare Schmerzen der Mann in der ersten Zeit gehabt hat. Ich glaubte, er würde nicht nnl dem Leben daoonkommen. Aber der Herr hat

dies Leben erhalten, um ein Denkmal seiner Gnade zu setzen. Es war rührend zu sehen, wie aufopfernd unfrc liebe Frau Ehen diesen Alaun gepflegt hat, und »sie gut konnte ich alles ge­brauchen, ivas ich in Deutschland in der Augen­klinik gelernt habe. Run ist Eh'eng gesund, aber vollkommen blind, iveil er ja keine Augen mehr hat. Es ist uns eine große Freude, zu sehen, das; der Herr sein Gnaden,vert in dieser Seele angefangen hat. Eines Tages fragte ich ihn: Glaubst du an Jesus'?" Da sagte er:Ich

sollte noch nicht an Jesus glauben, wo ich Seine Gnade und Liebe erfahren habe und selbst so schlecht bin." In diesen Tagen fragte ich ihn einmal:Hast du auch deinem Onkel vergeben,

der dir deine beiden Augen ansgekratzt hat, und ist kein Haß in deinem Herzen gegen ihn'?" Da antwortete er:Zuerst, als ich zu euch kam,

haßte ich ihn. Aber jetzt habe ich ihm alles ver­geben; denn ich war ja so schlecht; bei euch habe ich gelernt, meine Feinde zu lieben und für sie zu beten."

HM».

m Jahre 1875 stand Dr. Brown von der Wesleyanischen Mission auf den Fidschi- Inseln in der Südsee vor einer Versamm­lung junger eingeborener Missionsschüler. Es waren Leute, die, aus der liessteu Tiefe menschlicher Versunkenheit, aus der Menschcn- fresserei herausgerettel, nun ihre Herzen Jesu ge­geben hatten und ihre Ausbildung zum Prediger­und Lehrerberuf erhielten. Aber rings um sie herum gab es auf den andern Inseln noch Tau­sende von Kannibalen, und I_)r. Brown hielt ec> für seine Pflicht, ihnen die Rot ihrer Brüder, die nochohne Gott in der Welt" lebten, ans Herz zu legen. Er hatte die Absicht, zu diesen Heiden zu gehen, und suchte Begleiter.Frei­willige vor!" Er stellte ihnen alle Gefahren vor Augen, den Haß der Heide», das aufreibende Klima, die entsetzliche Einsamkeit, er hielt nichts zurück, sondern zeigte ihnen das Leben eines Missionars in den dunkelsten Farben. Am nächsten Morgen meldeten sich sämtliche dreinndachtzig, um mit ihm zu ziehen. Ehe das MissionsschiffJohn Wesley" sie mitnahm, befahl der englische Gou­verneur, dem die Sache ganz unfaßbar war, die Jünglinge nochmals vor sichIhr seid bri­tische Untertanen," sagte er ihnen,kein Missionar hat das Recht, euch hier wcgznbringen. Ich weiß, das neue Klima ist so schädlich, daß ihr alle zu­grunde gehen werdet." Dann beschrieb er ihnen noch im einzelnen die ganze Furchtbarkeit der auf jenen Inseln herrschenden Masernepidemien, denen