in vergangenen Tagen. Ist unser Geschlecht verlassen vom Geiste Gottes? O, gewiß nicht! Mächtiger denn je beweist Er sich heute an vielen Herzen nnd Gewissen. Was ist denn das für ein Stichen und Fragen nach der Wahrheit, nach dem wahren Leben aus Gott, nach der Kraft wider die Sünde! Werke und Wirkungen des Geistes sind es. Wie der Heiland spricht: „Wenn der
Tröster kommen wird, der wird die Welt überführen von der Sünde, von der Gerechtigkeit lind vom Gericht." Laß Ihn nur wirken und betrübe Ihn nicht, wie bald wirst bu es gewahr werden, was Geistesleben ist. Was willst du in die Ferne schweifen, siehe das Glltc liegt so ilah!
Der Herr ist mein Hirte
Ein kleiner Knabe von etiva sieben Jahren lag sehr krank. Er litt keine Schmerzen, aber sein Leben schwand langsam dahin. Ein gläubiger Freund der Familie bcsllchte ihil nnb fand, daß der Junge vor dem Tode Angst habe. Wohl wußte er, daß Jeslls sein Heilaild sei, doch bangte ihm vor dem bunfleu Weg, den er gehen mußte, lim in die Gegenwart dieses Heilands zu gelangen.
Bein, Fortgehen sagte der Frelind ;n ihm: „Nun will ich dir eineil einfachen Spruch sagen, der schon mancher Seele im Gang dllrch das Tal der Todcsschatten geholseil hat. Der Spruch hat fünf Worte, für jeden Finger eins: „Der Herr
ist »lei» Hirte." Der Knabe zählte sie an deil Fingern seiner linkeil Haild ab, imb hielt dann mit einem glücklichen Lächeln de» vierten Finger in die Höhe. „Das ist der beste," sagte er. „Welcher?" „O, das mein"! rief er aus.
Am aildern Tag kam der Herr ivieder, aber der kleine Jlinge war gestorben. „Wollen Sie herciykomnlcn lind ihn sehen", sagte die iveinende Mutter. „Er starb so glücklich, und ich weiß warum. Ihr Spruch hat ihm geholfen. Er hielt immer den einen Fiilgcr nnb sagte: Das ist
der beste!"
Da lag die kleine Leiche mit deiil weißeil friedevollen Gesichtche». „Sehen Sie", flüsterte die Mutter. Die Hände wareil übereinander gelegt nnb auf dem vierten Fiilger der liilken Hand ruhte noch ein Finger der rechten.
K
Bereit feitt!
Ein Reisender in Oberitalieu berichtet in einem Blatte: Am Comersee, dem schönsten jener liefleuchtenden Edelsteine, die in die Alpenkrone Italiens eingelassen find, wanderte ich zur Villa Arconatl. die wie ein Dornröschenschloß im Zauber weltabgcschledener Einsamkeit an der Spitze einer
langgestreckten Halbinsel ail der Punta Balbianello im See liegt. Ein alter Gärtner schloß das schivere Tor auf und führte mich durch den ent - zückend gelegenen Garten.
„Wie lailge sind Sie hier?"
„Vieruudzwanzig Jahre."
„Und ivie oft ist Ihre Herrin in dieser Zeit hier geivesen?"
„Viermal."
„Wailii das letzteiilal?"
„Vor zwölf Jahren."
„Und seitdem . . . ?"
„Nie mehr."
„Schreibt sie Jhlien deilil?"
„Niemals."
„Mit wem verhaildelu Sie?"
„Mit denl Bevollmächtigteil in Mailand."
„Kommt der nicht öfters her?"
„Niemals."
„Wer komiilt beim her?"
„Ich bin fast immer allein; sehr selten, daß ein Fremder sich hier umsteht."
„Sie haben aber den Garten so wunderschön iinstaiide, lind so gut gepflegt, daß Ihre Herrin morgen koiiiinen könnte!"
„Heute, mein Herr, heilte!" war die tiefbewegte Antivort des Greises.
Ist alles bereit, alles im beste» Stande, so daß auch unser Herr heute kommeil könnte. Steht es so mit lins, Freunde? „So seid denn bereit; ihr wißt nicht, ivelche Stunde der Herr komn.it!"
Ick will und muss nicht mehr.
Ich will nicht meh r !
Die Mürfel sind gefallen,
Und ich bezeug's mit Mund nnd Herz vor
allen,
Uni) lockt der alte Feind auch noch so sehi. Ich will nicht mehr.
Ich must nicht mehr!
Ich Hab' den freien Millen,
Den Durst mit Master statt mit Mein y.i
stillen.
Mer will mich denn zum Treubi uch zwinge»,
wer?
Ich must nicht mehr.
Dieses «öedichtche» legte ein Handlungsreisende', der durch (Lottes (Lnade nach vielen dunklen U)egeu in der Lunde von seiner Trunhucht frei gervorde,. war, seiner Frau und Rindern auf den Tisch, als dcr Hochzeitstag wiederkehrle.


