Ausgabe 
19.7.1914
 
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von Stuft in Stuft.

Siehst du die Knoten an diesem Halm? Was sagen sie dir? Ter Hatin muß Knoten bilden jur Grundlage für neues Wachstum. Sie verleihen ihm Festigkeit, dein daher- brausenden Winde zn widerstehen. Gibt es nicht auch solche Knotenpunkte in nuserm Leben? Es sind die Weihestunden, in denen ivir uns unserm Gott aufs neue weihen. Leider bleibt es nicht immer bei der ganzen Weihe des Lebens. Wie oft haben wir das ivieder zurückge­nommen, was wir dem Herrn geiveiht hatten. Tue and) du Buße darüber. Das Wachstum wird gehemmt, wenn wir uns im Sichtbaren verlieren. Wir müssen Gcistesmenschen iverden. Statio- nenweise bekommen ivir Geschenke unseres Gottes. Bon Stufe zu Stufe. Nur wenn bu in dem einen Iren gewesen bist, wenn du eine Lektion gelernt hast, gibt der Herr dir Neues. Mit den Weihestunden aber allein ist es nicht getan. Wenn sich an feierliche Stunden kein neues Leben ansetzt, dann ist mit dem Weiheakt wenig ausge­richtet. So manche warten auf die Fülle des Geistes. Aber wenn du auch die ganze Fülle auf einmal bekämst, müßtest bn doch noch wachsen, lernen, üben, überwinden im täglichen Leben. Es gibt leider viele Christen» die begehren einen Zau­bersegen, der nur so plötzlich über sie kommen soll, und in welchem sie in einem Blumenduft einherwandeln möchten, und die iveder ihr Leben ändern, noch sich losmachen lassen wollen von allem ungöttlichen Wesen. Wieviele Knoten­punkte hat dein inneres Leben? Gab es dann auch jedesmal ein gutes Stück Wachstum? Oder ist es von lauter Gefühlsregungen ein verkrüppeltes geivorden? Weihe dich heute in allem Ernst deinen, Gott und wandle dann darnach!

Er kann schaffen, was er will.

Wie ein Jubelruf der Meuscheuseele durch­tönt dies Psalmwort die Jahrhunderte:Unser

Gott ist im Himmel; er kann schassen, was er will." kPs. 115.) Wer ans diesem festen Standpunkt steht, derglaubt und flieht nicht." Er lächelt über die heutige Zweifelsucht, die den Offeu- barungsglauben zernagt und zerkrittelt, bis von

ihn, für den modernen Menschen nichts mehr- übrig bleibt als er selbst, der Mensch, der Mittel­punkt der Welt, mit seinem Verstand und seiner Klugheit. Da heißt es: der Mensch kann alles, was er will, llnb doch wird er täglich mit dic- sein seinem Willen und seiner Weisheit zuschan­den. Kann er ein geliebtes Leben ans Krankheit und Tod erretten? Kann er durch seine vorge­schrittene Erkenntnis, durch alle Wunder der Technik Unglück verhüten? Kann er durch die meteoro­logische Berechnung mit unfehlbarer Sicherheit den Lauf von Wolken und Winden feststellen? Vor etlichen Wochen, als die jungen Pflänzlein draußen nach Regen dürsteten, und kein Wölkchen verheißungsvoll am Himmelsrand anfstieg, da hieß es:Es wird überhaupt nicht regnen

vor Oktober nicht so heißt es im Wetterbericht es wird uns schlimmer gehen als im Sommer 1911! Hungersnot steht vor der Tür."

Aber, unser Gott ist im Himmel, er kann schassen, ivas er will." Ganz gegen die Berech­nung sandte er den Regen und nach dem Regen den Regenbogen, einen prächtig strahlenden, der in seiner stillen Schönheit die Vespcrpredigt hielt über 1. Mose 8, 22 . Und daun regnete es täg­lich, eine Woche lang, bis die harte Erde weich geworden und das köstliche Ras; bis an die Wurzel gekommen war. Jader Herr denket an uns und segnet uns," ruft der Sänger des 115. Psalms, der au Gottes Allmacht glaubt. Und wir sollten nicht fröhlicher noch an Gott glauben, der nicht nur der Gott des alten, son­dern auch des neuen Bundes ist?

Ittifrgtfiilirtrn.

Zwei fuhren miteinander über dar LUeer; der eine freiwillig, der andere gezwungen. Beide litten unter der Ungunst des Wetters, und keiner kam an der Seekrankheit vorbei. Dasselbe Schiff trug die beiden, derselbe Hafen war beider Ziel. Und doch wie ver schieden waren sie gestimmt! Der erste war fröhlich und gutes Af Utes lachte über alle Unbequemlichkeiten und vertraute auf einen guten Ausgang der andere sah immer mürrisch drein und prophezeite Unheil bei jedem windstoste. Beide erreichten glüeklich den Hafen, aber von ihrer gemeinschaftlichen Beste erzählte jeder eine verschiedene Ge­schichte.