Ausgabe 
12.7.1914
 
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Gemei nschaftsblatt für Hessen.

Erscheint wöchentlich einmal.

Einzelne Exemplare bestelle man bei der Post vierteljährlich. Uerlaq der Buchhandluna der Pilflermisjlon vierten.

Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Mockert-Frankfurt a. M. n. die Prediger der Pilgermission. Druck v. O. Meyer, Gießen.

Nr. 28. Sonntag, den

12. Juli 1914. 7. Jahrg.

Gibt nodj fiiir aiidklr Ulflt?

ifrc\rc>f. l)r. P., ein ausgesprochener Atheist, 7V&) lag zu H. im Sterben. Als ihn seine leiste furchtbare Krankheit befiel, . erklärte er mit scheinbarer Ruhe, er werde nun sterben. Am Tage seines Todes lag er mehrere Stunden bewußtlos. Niemand von seinen Angehörigen glaubte, das; er noch ein Wort sprechen werde. Jedoch er öffnete plötzlich die Augen, versuchte, sich aufzurichten, und indem er Dinge zu erblicken schien, welche die übrigen Anwesenden nicht sahen, rief er aus:Es gibt noch ein anderes

Leben!" Dann sank er zurück uud war tot. Es gibt noch ein andres Leben? Was meinte der sterbende Mann? Was hatte er erblickt in dem Augenblick, in welchem er diese vergängliche Welt verlassen sollte? Er hatte gesehen, das; es noch eine andere Welt gibt, welche dem leiblichen Auge der Menschen verborgen ist. In der letzten Minute, da er hinüberging in die Ewigkeit, zer­riß ihm der Schleier, welcher jene andere Welt verhüllt, von welcher der HErr spricht:Mein

Reich ist nicht von dieser Welt!"

Die Welt, in welche wir hineingeboren wer­den, i;l eine Welt der Künde und des Kter- bens tragen wir nicht alle diese Wahrheit an uns wie einen Stempel, der unsrer Natur auf­gedrückt ist? Wir sind als Sünder geboren und wir sind dem Tode verfallen, alle, auch die Edel­sten und die Frommsten.Der Tod ist zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt

haben." (Nöm. 5, 12.) llm der Sünde willen wurde diese Welt mit Leid, mit Lüge, mit Trä­nen, mit Weh erfüllt.

Diesem Reiche der Sünde und des Todes können wir nicht entfliehen. Wohl tragen wir Leid um unsre Sünde, wohl sehnen wir uns nach Frieden, nach Licht, Trost und Wahrheit, aber wir erfahren das; sie in dieser Welt nicht zu fin­den sind, bis wir dem Sohne Gottes begegnen, welcher allein vermag, uns in Sein Reich des Lichtes, in die Welt des ewigen Lebens, der Herrlichkeit und der Wahrheit zu führen. Dies göttliche Reich ragt mitten hinein in das irdische Leben. Wohl ist es für das menschliche Auge ein unsichtbares Reich und dennoch eine Wirk lichkeit, so wirklich, daß es Tränen trocknen, Herzen trösten, Leben erneuern, Frieden geben, Sündenfluch wegnehmen kann; so wirklich, das; es mit den greifbarsten Gebetserhöruugen mitten hiueintritt in das Erdenleben, in Ehe, Familie und Beruf, ja, daß es an Kranken- und Sterbe­betten erlebt wird als Sieg über den Tod.

Der natürliche Mensch betrachtet die irdischen Dinge, das vergängliche Leben, den Besitz, die Ehre, die Ereignisse des Erdballes, das, was die Zeitung bespricht und ivas in der Familie sich abspielt, als die Wirklichkeit, als das Eigentliche, worum es sich überhaupt nur han­deln kann. Was jenseits dieses Lebens liegt, die unsichtbare Welt, die Ewigkeit, ist ihm ein unge­wisser Traum, dem einen ein schöner Gedanke, dem andern nichts, dem dritten ein Gegenstand des Spottes. Weißt du etwas von diesem andern Leben, von dieser andern Welt, welche jener Professor erst erblickte ini Augenblick des Sterbens? Weißt du etwas von dem Reiche Jesu Christi, welches nicht von dieser Welt ist? Per­nimm : Du kannst und sollst dies Reich des