„„Ja, Karl, der Segen Gottes hat auf dem Atonal gelegen. Die Miele und die Steuern sind bezahlt, Otto und Matchen haben neue Schuhe bekommen, Fritz eine neue Hose, und doch sind von deinem Lohne noch 27 Mark übrig, und hier kann ich noch 18 Mark dazu legen.""
„Aber, Emilie, woher hast du das?"
„„Wenn du Überstunden machst, kann ich es auch; ich soll ja doch dein guter Kamerad sein.""
„Emilie das habe ich nicht verdient."
„„Karl, sei still, weine doch nicht! Es ist ja alles gut. Laß uns lieber überlegen, wen wir zuerst bezahle« sollen.""
„Am liebsten mochte ich die unangenehmsten von allen Schulden weghaben, die--Trink
schulden bei den Wirten."
„„Wieviel ist denn das?""
„Jct habe es mal zusammengerechnet. Iören erhält noch 19 und Brandes sogar noch 23 Mark."
„„Nun, Karl, das kannst du ja jetzt alles gleich bezahlen. Aber soll ich nicht lieber das Geld hinbringen?""
„Emilie, ich habe es vertrunken, und ich muß cs auch wegbringen. Sei nicht bange. Ich weiß, Jesus wird mich bewahre«. Aber laß uns miteinander beten."
*
* *
(Beim Wirl Brandes, der dastir bekannt ist, daß er es besonders versteht, seinen Miste» das Geld aus der Tasche zu locken):
„O sieh da, der Karl Brause! Junge, ich habe dich ja so lange nicht gesehen. Das ist aber famos, daß du wieder da bist. Frau, der Karl Brause ist ivieder da, schütte ihm eiirnlat einen ein."
„„Ich danke dir, Fritz. Ich bin aber nicht gekommen, um zu trinken, sondern uni ineine Schrilden zri bezahlen. Sind es nicht noch 23 Mark, die du von mir bekommst?""
„Ach, Junge, das hat ja gar feine Eile! Komm, heute lue ich einen aus."
„Jcy sagte dir schon, daß ich nicht zum Trinken gekommen bin, sondern zum Bezahlen.""
„Nun ja, es sind 22 Mark lind 60 Pfennig."
„„Hier ist das Geld.""
„Danke, aber ivas ist denn eigentlich mit dir los? Du mochtest doch sonst gern einen guten Tropfen."
„»Fritz, du weißt so gut wie ich, daß ich jetzt zrnn Blauen Kreuz gehöre.""
„Sei doch nicht verrückt! Eiir Kerl ivic bu bei diesem muckerischen Pack? !"
„„Fritz, gib es auf! Im Wirtshaus habe ich meine Ruhe und meinen Frieden, mein Ehe- und Famitienglück, ja meinen Gott verloren; im. Blauen Kreuz habe ich alles wieder gefundent Ja, alles was ich verloren halte. Jesus ha, meine Seele gerettet, lind Fritz, vergiß es nicht daß auch du eine unsterbtlche Seele hast, die ge
rettet lvcrdcik muß, wenn sic nicht eivig verloren gehen soll. Und nun adieu, Fritz; in deiner Wirtschaft sehe ich dich nicht wieder."" — Damit geht Karl Brause zrir Tür hinaus.
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^Livischen ben beiden großen Städten in 9kord- China, Tientsin und Penschan, ivanderte <rv ® Jahr für Jahr der Mlssionspostbote Fan hin uird her. Unermüdlich trug er seine Last durch Sommerhitze und Wintersturm. Mit geringem Lohn war er zufrieden; ja als man ihm einmal feinen Lohn erhöhen wollte, da iveigerte er sich, mehr Geld anzunehmen, denn er sagte: „Ich habe genug zum Leben." Seine Freude ivar nicht das Geld; seine Freude war der Heiland, dem er still und treu diente.
Es ivar im Juni 1900 beim Ausbruch des Boxeraufstaildes, dem so viele Missionare und chinesische Christen zum Opfer gefallen sind. Auch Fan ivar seines Lebens nicht mehr sicher, und darum folgte er deni Rat, der ihm gegeben wurde, er solle zu entfernten Verwandten fliehen und sich dort verbergen. Er kehrte in sein Heiinatdorf zurück, wurde aber dort erkaiiiit und verraten. Zwar gelang es ihm noch, sich zu verstecken, aber als er hörte, daß nun ein Verwandter von ihm statt seiner ergriffen war, da lieferte er sich selbst seinen Verfolgern aus, indem er sagte: „Ich
bin der Mann, der an JEsus glaubt: nun macht mit mir, was ihr wollt."
Sofort ergriffen und banden sie ihn. Sie führten ihn aus dem Dorfe hinaus und gruben ein tiefes Loch in die Erde. Es war so lief, daß er aufrecht darin stehen konnte und dann gerade in dem Loch verschwand. Mit beißendein Hohn fragten sie ihn: „Kann dich JEsus jetzt ivohl
retten?" Sie versprachen, ihin das Leben zu lassen, wenn er den Heiland verleugnen wollte. Er aber weigerte sich, lind nun singen sie an, die Grube zuzuschütten, und ivährend sie Schaufel auf Schaufel hineinfüllten, sprach Fan freundlich mit ihnen. Er erzählte ihnen von der Freude, die in seinem Herzeii wohnte, seitdem er JEsus kannte, und dann fragte er sie: „Glaiibet ihr,
daß ich einen solchen HErrn verleugnen könnte?" Ihre Wut wurde imiiier größer. Mil ihren Speeren zerstachen sie ihn, daß das Blut in die Griibe rann. Dann schauselten sie weiter. Schoii ivar seine Brust bedeckt, so daß er iiur noch schwer atmen konnte, aber er hörte nicht auf, zu ihnen zu redeii vom Heiland. Als der Sand ihiii schoii bis an dcnMund reichte, forderten sie


