Wort Gottes wirkt cnif die Herzen der Menschen, wenn sie aufrichtig sind. Dann erkennen sie ihre Sünde, die zahllosen Flecken ihres Lebens, und das seufzende Herz begehrt Gnade nnd Frieden zu finden.
Sobald der Mensch Gott recht gibt und unter das Wort Gottes sich beugt, kann Gott sein Leben heilen von allen Werken der Finsternis. Wer das nicht will, wer in seiner Sünde bleiben und seine Sünde rechtfertigen will, verschließt alsbald sein Herz gegen die Lichtstrahlen Gottes. Ein solcher versucht dann, auch im HErrn und im Worte Gottes Sonnenflecken zu finden. Tue du nicht also! Cffne dein Herz der Gnadensonne, die vom Kreuze her in dein Leben strahlt! Es ist die vollkommene Liebe, welche nach dir die Hände ausstreckt. Laß dein Gewissen reden, decke deine Schuld auf, nimm Jesum als deinen Retter an, damit du Frieden ftndest und die Gotteskindschaft!
Generalleutnant von Viebahn.
Deine €bre.
Was ist deine Ehre? Etiva bloß die Achtling, die dir aitdere entgegenbriilgen ivegcn deines Geldes, Standes oder Titels?
Meinst du, daß Titel, Rang und Orden Auch immer Zeichen wahrer Ehre?
Als ob im Antlitz jede Narbe Das Merkmal hohen Mutes wäre.
Das wäre ja die größte Ungerechtigkeit in der Welt, wenn nur die Hohen und Reicheil, denen geschmeichelt und Weihrauch gestreilt ivird, Ehre hätten und der schlichte Mann, der von der großen Welt uiibeachtet, pflichttreil seine Schuldig- keit tlit und sein ganzes Leben für eine gute Sache hinopfert, nicht. Schlimm iväre es, iveiin aiidere, vielleicht sittlich minderivertige Leute, um sich damit irgelldeinen Vorteil zu stiften, i»n durch Schmeichelei durchails vorwärtszukommen, erst uns die Ehre schaffen und geben müßten. Schatten macht nicht größer, Lob nicht besser. Die Menschen können dir deine Ehre weder geben noch nehmen; und Ivas dir die Welt an Ehre gibt, ist ein ungewisser Besitz. Dieselbe Welt kann sie dir jeben Augenblick, wenn es ihr beliebt, ivieder rauben. Launisch ist die Menge; heilte hebt sie einen vergötterten Liebling ans den Thron, nnb morgen stürzt sie ihn ivieder. Wehe dir, ivenn bu deine Ehre von der Menge nimmst! Mit solch ziveifel- haftein Geschenke mögen sich die Eltteil begnügen.
Aber was ist dann deine Ehre? Etiva, ivas dil von dir selber hälft? Selbst der bescheidenste Mensch hält mehr von sich als sein bester Frelind, und der unbescheidene — nnd zu dieser Kategorie gehören die meisten — hält immer Wunder weiß ivas von sich. Damit findet er vor seinem eigenen Geivissen kein Gehör und vor der Welt erst recht
nicht. Die eigene „Aufmachung" tut's ivahrlich nicht, wenn sich anch genug Toren von ihr betören lassen.
Was ist denn nun in Wahrheit deine Ehre? Das, ivas dn durch deine Gesinnung, durch dein Wirken und Schaffen, durch dein Wissen und deine Menschcntugenden wirklich bist und wert bist. Wenn du vor dir selbst und vor deinem Gott bestehen, dich selbst achten und ehren kannst, dann hast du Ehre, — Ehre, auch wenn du in den Tiefen des Lebens und in einem vergessenen Winkel der Welt deine Tage zubringen mußt. Dann kannst bu das Ehren von anderen entbehren, und die anderen können dir deine Ehre nicht nehmen, du brauchst sie auch nicht erst im Duell dir wieder zu holen. Ja, das darfst du nie vergessen: gib in allen Dingen, im Denken, Reden und Tun Gott die Ehre, so ivird er dir deine Ehre geben, eine Ehre, die gleich dem lautern Gold ihren Glanz und Wert nie verliert.
Ws (fiolbfö sticht
Der mächtigste Götze in der Welt ist das Gold. Vor ihm beugt sich alles, und er beugt alles. Eine Stange Gold — es ist eine Rolle
totes Metall. Doch nein, das Metall ist nicht tot; es hat eine Seele nnd gibt dem seine Seele, in dessen Besitz es übergeht. Rein, auch das ist l nicht ganz richtig, vielmehr das Gold weckt in seineni Besitzer erst dessen ivahre Seele auf, es reißt die llmhüllung von des Menschen wirklicher Seele und stellt ihn hin vor die Welt, wie er wirklich ist.
Mit dem Golde geht es ivie mit dem Wein. In ihm liegt die Wahrheit; der Rausch lügt nicht, er zerstört alles, was sich wie eine Schale um den Kern legt und zeigt ihn bloß. Frei von allen Hemmungen und Schranken reckt sich die Seele. im Goldrausch; sie erhebt sich und zeigt ihr ivahres Gesicht — ein häßliches oder freundliches.. Nicht an sich ist der Reiche hart, nnd der Arme mitleidig; aber Reichtum und Armut machen offenbar, ob in einem Menschen die Selbstsucht oder die Liebe wohnt. Es kann einer bisher durchaus den Eindruck eines vernünftigen und leidlich guten Menschen gemacht haben, — er kommt zum Reichtum, und siehe, er ivird entweder ein Geizhals oder ein Verschwender, oder bleibt ein besonnener und guter Mann; er ivird entweder hart und hochmütig oder mitleidig und barmherzig.
Der Melier.
Eine Frau, ivelche die Gewohnheit hatte, bis in den Hellen Tag hinein zu schlafen, faßte endlich den Entschluß, früh aufzustehen, uni ihre häuslichen Pflichten besser erfüllen zu können. Sie kaufte sich daher einen Wecker, der sie bei Sonnen- aiifgang wecke» sollte. Am folgenden Morgen


