Ausgabe 
14.6.1914
 
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mittigen nur gibt der Herr Gnade. Bist dn ein gebeugter Christ?

Am traurigsten ist das fünfte Gefäß. Es liegt am Boden. Das Wasser flutet über das­selbe hin. Ist das nicht das Bild der Ver­zagtheit? Ihrer sind viele, die ihre innere Stel­lung hier gezeichnet sehen. Auch sie sind leer und empfinden ihre Leere; aber weil sie alles selbst haben machen wollen, können sie ihrem Gott nicht vertrauen, daß Er sie segnen wolle mit den reichen Gütern Seines Hauses. Stehe auf! auf deine Füße! Warum liegst du auf deinem Angesicht? Der Herr hat deine Tränen gesehen! Blicke auf! Warte auf Ihn! Dein Gebet wird erhört werden.

Immer WM!

Eine weite Reise hatte der Kämmerer aus den: Mohrenlande gemacht, um auf die Fragen und das Sehnen seines Herzens eine Antwort zu bekommen. Er zo^ denselben Weg, den Jahr­hunderte vor ihm eine Königin gezogen war. Sie hatte in Jerusalem bei dem König Salomo Ant­wort erhalten auf die Fragen, die sie bewegten. Aber jetzt war kein Salomo da, den man fragen konnte. Der Kämmerer ging in den Tempel, er besuchte die Gottesdienste, er besprach sich mit den Schriftgelehrten; aber keiner konnte sein Verlangen befriedigen.

Traurig und bedrückten Gemüts verließ er die Stadt, um in seine Heimat zurückzukehren. Sollte er wirklich die weite Reise umsonst ge­macht haben? Sollte sein Sehnen wirklich nicht gestillt werden? Wie er so in schweren Gedanken auf seinem Wagen saß, da fiel ihm das Buch ein, das er in Jerusalem getauft hatte. Es war das Buch des Propheten Jesaja, des Evangelisten des Alten Blindes, der wie kein anderer auf Jesuiil hinweist. Er hatte schon in Jerusalem angefangeil zu lesen. Aber er konnte es ilicht vcrsteheil, ivas er las. Schon ivar er bis an die letzten Kapitel des Buches gekommen, lind noch immer hatte er den nicht gefunden, von dem die Schrift zeugte.

Plötzlich weckt ihn eine Stimme aus seinen Gedanken. Schon seit einer Weile ivar ein Mann neben dem Wagen hcrgegangen. Er hatte nicht auf ihn geachtet; er war zu sehr mit seinen Hoff­nungen und Enttäuschungen beschäftigt. Ja, er war so ^völlig in seine Lektüre vertieft, daß er mit lauter Stimme gelesen hatte.

Verjtehst du auch, was du liesest?" lautete die Frage des Unbekannten.

Der Kämmerer nimmt diese Frage ilicht im geringsten übel. Seufzend antwortet er:Wie kann ich, so mich ilicht jetnonb anleitet?"

Da stieg Philippus, der voil Gott dem Käm­merer gesandte Bote, auf den Wagen und legte ihm die Schrift aus. Er zeigte ihm, daß in Jesu das Wort des Propheten in Erfüllung gegangen sei. Jesus war das Gotteslamm, das der Welt Sünde trug, Er ivar das Lanuil, das zlir Schlach­tung geführt wurde und Seinen Mund ilicht auftat.

Wie eill durstiges Land deil Regeil trinkt, so trank die Seele des Kämmerers die Worte des Philipplis. Uiid seine Seele öffnete sich diesem Jesus, voll dem die Propheten geiveissagt hatten, daß in Ihm Friede liild Heil sei.

Da kam eiil Wasser an der Seite des Weges. Und der Kämmerer sprach:Was hindert's, daß ich iilich taufen lasse?" Philipus sprach:Glaubst dll voil gailzem Herzen, so mag's ivohl sein." Der Kämmerer antivortete:Ich glallbe, daß Jeslls Christus Gottes Sohil ist." Da ließ er öen Wagen halten, und sie stiegen zlisammen hin­ab iils Wasser, uild Philippus taufte ihn.

Danil war Philipplis plötzlich verschwunden. Sein Dienst war beendet. Da rückte ihn Gott hinweg. Der Kämmerer soll es lernen, von Mcn- schen abzuseheil. Er soll allein auf öen HErrn blicken, den er nun im Worte Gottes geflUlden hat. Weilil auch Philippils vcrschwundeil war, der Kämmerer zog doch seine Straße fröhlich, weil der Herr selber bei ihm ivar, der öen Seinen versprochen hat: Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Eilde!

Liebe Seele, ziehst du allch deine Straße fröhlich?

P. Modersvhn.

Durch das Wort überzeugt.

f in Anfang des Jahres 1906 führte der HErr einen achtbaren Mann in eine Versammlung, wo etiva 400 gläubige Christeil um das Wort Gottes vcrsammmelt waren. Die Gewalt des Heiligen Geistes unö des Wortes Gottes war so mächtig, daß jener Mailil plötzlich auf sein Angesicht in den Stallb vor Gott sank. Er be­kannte seine vielen Sünden lind schrie um Gnade. Alle waren erschüttert. Das hatte niemaild er­wartet. Doch steht es genall so in der Bibel. Wenn aber alle weissagen (d. h. Jeugnisse der göttlichen Wahrheit aussprechen), und irgend ein Ungläubiger kommt herein, so wird er voil allen überführt, voil allen beurteilt; das Verborgene seines Herzens wird offenbar, unö also, auf sein Angesicht falleild, ivird er Gott anbeten und ver­kündige», daß Gott lvirklieh unter euch ist" (1. Kor. 14, 24. 25.). Es ist etwas Wuilderbares und Anbetllngswürdiges, ivelli, in dem Duilkel eines friedelosen, in den Nichtigkeiten der Welt verzehrten Lebeils die Lebenssoilile aufgcl)t; das