Ausgabe 
7.6.1914
 
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Schlcichtschaf zu sein, das ist Gnade, die höchste Gnade. Alles, ivas uns ans Leben geht, ist Gnade; alles, ivas unseres eignen Lebens schont, ist Ver­derben. Hier ist Feuer und Holz; wo ist das Schlachtschaf?

P. Wittekindt.

Mt Lchölillnt des WKoilifftilbmlstS.

die tiefe Befriedigung, die er dem weiblichen Gemüte gewährt, ist vielfach noch nicht genügend bekannt. Luther hat recht, wenn er sagt:Die

Neigung, sich anderer zn erbarmen, hat das weib­liche Geschlecht an sich mehr als die Männer", und ferner:Die Weiber, so die Gottseligkeit liebhaben, pflegen auch sonderliche Gnade zu haben, andere zu trösten und ihnen ihre Schmerzen zu lindern."

Die meisten Frauen und Mädchen haben ein angeborenes Talent zur Krankenpflege. Eine junge Prinzessin machte kürzlich in einem großen Kran­kenhause den vorgeschriebencn Kursus als Johan- nilerin mit. Sie, die sonst von ihrer Kammer­jungfer bedient wurde, diente nun andern. Tie Aerzle wußten überhaupt nicht, daß sie eine Durch­laucht vor sich halten, und stellten Schwester Marie Luise an ivie jede andere Johanniterin. Bon früh bis spät abends tat sie ihren Dienst, dabei bekam der zarten Prinzeß die ganz ver­änderte Lebensweise prachtvoll, das Essen schmeckte ihr großartig, und sie tat mit liebevollem Interesse und pünktlicher Pflichttreue ihren nicht leichten Dienst. Als sie wieder daheim war, fragte eine bekannte Dame:Nun, Durchlaucht, wie war es denn im Diakonissenhause zu B. ?" Da antwor­tete die 21jährige Prinzessin:Ganz wunder­schön. Da habe ich zum ersten Male gesehen, wie schön es ist, wenn man arbeiten darf."

Die leichte, geschicttc Hand, die Freude am Helfen, Dienen, Ausrichten, das liebevolle Sorgen für Hilflose, Kranke, Schwache, alles dies sind Gaben, die der Schöpfer selbst dem weiblichen Ge- schlechte geschenkt hat. Zur schönsten, reichsten Entfaltung gelangt diese weibliche Eigenart nächst dem Berus als Hausfrau und Mutter in dem so vielgestaltigen Diakonissenberufe.

Jede besondere Anlage kann hier in dem so reich gegliederten Betriebe berücksichtigt iverden. Alan denke doch nicht, daß Tiakonissendicnst aus­schließlich Krankenpflege sei. In erster Linie ge­wiß, und, wie erwähnt, sind die meisten Frauen und Mädchen die geborenen Krankenpflegerinnen. Wo jedoch die Begabnng auf ein anderes Gebiet hinweist, wer etwa eine ausgesprochene Befähigung hat, mit Kindern umzugchcn, der wird gewiß sobald als möglich als Gehülfin und bei zuneh­mender Tüchtigkeit als Leiterin einer Kleinkinder- bewahranstali, eines Kinderhorts angestellt. Apo­

theken- und Röntgenschwestern, Lehr- und Schul­schwestern, Schwestern für Haushalt, Haushal­tungsschulen und hauswirtschaftlichen Unterricht, kurz, für die verschiedensten Gebiete werden Schwestern gebraucht und in unseren gutgelei­teten, mit allen Errungens haften nwderner Hygiene ausgcstatteten Anstalten herangebildet.

Alle unsere Diakonisscnhäuser klagen über Mangel an Schwestern. Unablässig ergehen An­fragen und Bitten an sie von Vereinen, städti­schen und ländlichen Verwaltungen um Ueber- lassung wol>lvorgebildeter Schwestern, und nur ein kleiner Teil der Gesuche kann berücksichtigt werden. Warum wenden sich nicht mehr Töchter dem Diakonissenberufe zu?

Die Arbeitsgemeinschaft mit gleichgesinnten Seelen, die alle nur das eine Ziel haben, dem Herrn Jesu in seinen armen, kranken, hülflosen Brüdern und Schwestern zu dienen, schließt sehr Befriedigung und Glück in sich ein. Aeußere Sorgen drücken eine Schivester nicht. Das Mutter­haus sorgt für seine eingesegneten Schwestern in gesunden, kranken und alten. Tagen. Es bietet ihnen eine Heimat im wahrsten Sinne des Wortes, wo sie wie Töchter ein- und ansgehen, jederzeit willkommen sind, Rat, Trost, Erholung, Ver­ständnis finden und einen festen Rückhalt haben.

Allerdings, zwei Vorbedingungen sind nötig für den Schwcsternbernf: eine gute Gesundheit

und vor allem ein froinmes Herz, das den Hei­land lieb hat und ans Liebe zn ihm dienen und helfen möchte, da wo Not und Krankheit durch Frauenhand zu lindern und zn heben ist.

jüT

Der innere Kampf

j|fS||iiimal kam ein Indianer kein Heide mehr, ßfgf sondern ein neugetaufter Christ in die Stadt zum Krämer und kaufte sich einen Beutel voll Tabak. Als er ihn zu Hause öffnete und sich ein Pfeiflein stopfte, fand er zn seiner Über­raschung einen Dollar darin. Noch größer aber als sein Erstaunen war das des Kaufmanns, als der Alaun am andern Tage das Geldstück zurück­brachte.Wie kommst du dazu?" fragte der Kaufmann,so eine ehrliche Rothaut ist mir noch niemals vorgckommen !"Ja", antwortete er, früher hätte ich auch das nicht getan. Aber jetzt konnte ich nicht anders. Das war ein rich­tiger Kampf in mir. Erst sagte eine Stimme: Behalte das Geld; du hast den Beutel gekauft, da gehört dir auch, was darin ist. Aber sofort antwortete eine andere Stimme: Nein, gib es

zurück, du hast den Tabak gekauft und nicht das Geld. So ging cs in mir auf und nieder und ließ mir die ganze 'Nacht keine Ruhe. Ich mußte