anfangen sollte. Es klopfte an die Tür. Frau Horn trat ein und bot ihre Hülfe an; sie ging zu dem weinenden Kind, erneuerte den kalten klmschlag, sprach freundlich und liebkoste den Kleinen, so daß er sich so nach und nach beruhigte. Frau Horn kam nun alle Tage, überall hellend, mit Rat und Tal; die Frauen reinigten zusammen die Stube, so daß diese ein ganz behagliches Aussehen bekam. Als Sonder nach Feierabend sein Heim betrat, machte er große Augen; er sagte nichts, blieb aber den Abend zu Hause, und am Sonnabend gab er den ganzen Wochenlohn ab. Die Sonderschen Kinder baten, ob sie nicht auch in den Kindergottcsdienst gehen dürften, es wurde ihnen erlaubt; da brachten sie manch gutes Wort mit heim, das in die Herzen der Eltern fiel. So vollzog sich nach und nach eine Umwandlung bei der Familie Sonder, der Segen hierzu ging aber hauptsächlich von dem Leben der Horns aus, die täglich Gott dankten, daß er sie selbst und nun auch ihre Nachbarn auf den richtigen Weg geführt halte.
Ikdcs Oiua hat nun Sritrn.
§ hat einmal jemand unser Leben so schön mit einer Stickerei verglichen, von der wir hier auf Erden nur die Rückseite seheil. Wirre Fäden laufen durcheinander, ihr Jweck bleibt lins verborgen. Aber einmal droben sollen ivir auch die Vorderseite sehen, dann iverden wir das kunstvolle Muster bewundern und anerkenueil, ivie jeder Stich nötig war und jeder Faden gerade so anl Platze lag.
Jedes Ding hat feilte zivei Seiten, auch schon hier auf Erden. Jngeborg Maria Sick teilt einmal in einem ihrer Bücher die Menschen in Hoch- zeits- und Begräbnismenschen ein, je nachdem, ob sie die Licht- oder Schattenseiten des Lebens in den Vordergrund stellen. Sei dn kein Bc- gräbnismensch, suche die Lichtseiten heraus!
Du denkst am Abend über den verflossenen Tag nach und stehst unter dem Eindrücke, daß er dir nilr Trübes gebracht hat und dn so viel Schweres zu tragen hast. War denn ivirklich nichts da, ivas dich erfrcilen konnte? Hast dn »ncht den Blick verloren für die kleinen Freundlichkeiten, die den Tag schmücken sollten? Hast du nicht vielleicht als selbstverständlich hinge- nommen, ivas doch ein Geschenk deines Gottes war? Denke daran, ivie dn gesund erivachen durftest, ivie du gerade, als du so niedergeschlagen warst, den Brief deine§ Freundes erhieltest, der dir mit seinem Verständnisse so wohl tat! Waren es wohl gar noch mehr freundliche Fügungen? Suche sie nur heraus, wenn dn am Abend den Tag überdenkst.
Selbst das Unglück an sich gleicht den Wolken, hinter denen doch im Grunde die Sonne steht. „Ich habe dich je und je geliebct, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte." (Jer. 31, 3) Alles Leid soll ja helfen, uns heranzuziehen an Gottes Vaterherz. Gott hat dich lieb, darum arbeitet er an dir und läßt dich nicht deine eigenen Wege gehen. Gott hat dich lieb, ist das nicht Trost und Licht genug im Dunkel der Leiden? Vielleicht erkennst du erst später den Segen, der darin lag, vielleicht einmal erst in der Ewigkeit. Oft aber läßt Gott uns schon hier auf Erden so viel von seinen Wegen sehen, daß wir nnbetend vor ihm uns unseres Kleinmutes schämen. Vielleicht hast du gerade in schwerer Krankheit den Menschen kennen gelernt, der dir nachher ein treuer Freund fürs ganze Leben war. Vielleicht wurde gerade durch einen Unglücksfall deine weitere Lebens« führung bestimmt, und du konntest später, zurückblickend, nur danken für das, was dir damals so dunkel schien. Ja, hast dn nicht vielleicht gerade in schwerer Zeit erst deinen Gott gefunden und gelernt an seiner Hand weitergehen von einem Tage zum andern? Das alles sind helle Lichtstrahlen mitten im Leide.
Jedes Ding hat zwei Seiten, — auch der Mensch. Dir ist jemand unsympathisch, du stößt dich an seinen Fehlern und meinst, nicht mit ihm auskommen zu können. Sollte er wirklich nur unliebcuswürdige Seiten haben? Gib dir doch einmal die Mühe, ihn näher zu beachten, versuche dir klarzumachen, was dir an ihm gefällt, und was du vielleicht gar von ihm lernen könntest. Dann ist er dir plötzlich in ein ganz anderes Licht gerückt.
Hub du selbst? Hast du nicht auch vielleicht zwei Seiten: eine helle liebenswürdige, die du den Menschen zeigst in deinem Tun und Reden, und eine häßliche, dunkle Seite in deinen Gedanken, von der dn meinst, daß sie niemand sieht? Du irrst, denn „ein Mensch siehet was vor Augen ist, der Herr aber siehet das Herz an." (1. Sam. 16, 7.) Darum laß das Licht herein, daß die dunkle Seite immer mehr verschwinde, laß ihn selbst herein, der das Licht der Welt ist! Gnadenzeit ist es, darnni „Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt!" (Jes. 60, 1.). E. W.
ks frommt nicht alles.
in junges Mädchen wollte sich an einen zweifelhaften Vergnügungsort begeben. Einer Freundin gegenüber, die sie zurückhalten wollte, sagte sie: „Ich bin der Meinung, daß
ein Christ wohl dorthin gehen kann!"
„Das kann er allerdings", eutgeguete die Freundin; aber ich muß dabei eines kleinen Vor-


