Ausgabe 
31.5.1914
 
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Pfingsten

ist das Fest des vollendeten Frühlings. Des freuen sich bei uns alle Menschen; Christenlcnte aber freuen sich, daß es noch einen andern, ewi­gen Frühling für das arme Menschenherz gibt, und daß dieser Frühling sich durchsetzt im Kampfe mit den winterlichen Gewalten des eigenen Her­zens und sich vollendet, wenn der Heilige Geist das Herz erfüllt. Der Heilige Geist ist in der Christenheit als der Geist des Herrn, der die Erlösung vollbrachl und die Bahn freigemacht zum Bater. In der Christenheit gilt das aposto­lische Wort: Werdet voll des Heiligen Geistes.

Tie Fülle des Heiligen Geistes aber ist abhängig davon, daß das Wort des Herrn reichlich unter uns wohnt, und daß die Herzen voll Verlangen des Heiligen Geistes begehren. Wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle habe. So bitte denn mit der ganzen Christengemeinde: Laß dich reichlich ans uns nieder daß wir wieder Trost empfinden, alles Unglück überwinden.

£s kam im Flammenwehen Oer Geist am vollen Tag.

Und herrlich war geschehen,

Vas Jesu Mund versprach.

Tr kam für alle Zeiten,

Und seine Araft reicht aus,

Mit lauter Herrlichkeiten Zu füllen Gottes Haus!

Oer Himmel ist erschlossen,

Oer Glaube schaut hinein.

Vir dürfen Hausgenossen Oes lieben Ualers sein.

Oer Gast must weiter eilen,

Oen Fremdling treibt es fort - Vir dürfen wohnen, weilen Am rechten Heimatsort;

Zn einer Staöt, darinnen Oer Tempel Gottes steht,

Oem Geist und nicht den binnen Eröffnet dureb Gebet,

Erbauet auf dem Grunde,

Oer Zesiis Christus heisst,

Sold? hohe Freudenkunde bringt uns der Pfingsten Geist.

8i» Stgn fiit iinkrc.

/fl^§ war Pfingsten. Bei der Familie Horn Vm sah es ganz festlich aus, alles war blank geputzt, und der Blumenstrauß, der auf der Kommode stand, und das Birkengrün, das die Stube schmückte, gab ihr vollends ein freundliches Aussehen. Horn ivar Kanalarbeiter, er freute sich sichtlich der Festtagsruhe; er beschäftigte sich mit den beiden kleinereil Kindern, während die ältereil der Mutter behülflich ivareil bei den Vor­bereitungen für das einfache Mittagessen. lleber der Familie lag ein Hauch von Glück lind Zu- friedenheit, der nllr deil Menschen eigen ist, die durch Gottes Gnade auf seinen Wegen wandeln. Um 97 2 Uhr rüsteten sich die Eltern, um in die Kirche zu gehen, ivähreild die Kinder später den Kindergottesdienst besuchteil.

Wie verschiedeil sah es auf der andern Seite des Fllires aus, wo die Familie Soildcr ivohnte, die erst ilach einem Moilat eiilgezogen war! Der Mann er war Maurer saß verdrossen aiil Feilster; er hatte am Sonnabend einen Teil seines Wochenlohnes vertrunken, nun war ihm wüst im Kops, und er schimpfte über alles. Geillig Gruild zllr Unzufriedenheit hatte er ja freilich: in der Stube war eine große Uilordnung, die Betten waren iloch nicht gemacht, nut> die Kinder liefen uilgewaschen und ungekämmt umher. Plötzlich schlug Soilder mit der Faust auf deil Tisch:Da gehen sie scholl wieder in die Kirche, diese Horns, die Duckmäuser, lind doch sehen sie gailz zufrieden lind vergilügt alls, trotzdem der Mann einen ge­ringeren Verdienst hat als ich, aber natürlich", wandte er sich an feine Frau,die Frau Horil versteht es besser als du!"

Frau Sonder blieb die Antwort nicht schul- dig:Du vertrinkst das Geld im Wirtshaus, und mit deiil iveiligeil, was übrigbleibt, soll ich Haushalten!" Und nun entspann sich eine sehr häßliche Szeile, die damit eildigte, daß Soilder die Stllbe verließ, die Tür krachend zuivarf und in das Wirtshaus ging, um seinen Aergcr zu vertrinken. Die Frau sank ganz vernichtet auf einen Stlihl.So kann das Leben nicht fort- gehen," sagte sie sich, und doch fand sie nicht Mllt und Kraft, an ihrem Teile die Verhältnisse zll bessern.

So vergingen einige Wochen in gewohnter Weise. Da geschah ein Ereignis, das die Fami- lien Horn und Sonder näher bringen sollte. Das eine Sondersche Kind ivlirde überfahren, man trug es blutend lind jammernd zll deil Eltern. Der herbeigerlisene Arzt erklärte die Sache für uilgefährlich, aber schmerzhaft uild lailgwicrig. Da lag nun der kleine Patieilt im Bett liild schrie unaufhörlich, Frall Soilder wllßte ilicht, was sie