Ausgabe 
24.5.1914
 
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O es ist unbegreiflich, daß der Sohn Gottes uns Sünder sucht. Ich weiß einen Namen für Jesus, der mir im Herzen klmgt wie lauter süße Musik:Freund der Sünder." Warum aber will Er uns denn haben? Wir sind ihm unentbehr­lich. Wirklich? Ja, Sein eigenes Gleichnis sagt es. Das Weib in der Erzählung hatte den Groschen nötig. Gesetzt, eine Witwe, die eine Monats- rente von zehn Mark bekommt, verlöre eine, würde sie nicht mit allem Fleiß die eine suchen? Sie kann sie ja nicht entbehren. Sieh, Sünderseele, so ganz unentbehrlich bist du dem Sohne Gottes! Die Liebe Jesu kann ohne dich nicht sein. Das wirst du nie begreifen können, ich kann es auch nicht; aber wir dürfen es dein Heiland glauben. Er sehnt sich nach uns. Es fehlt ihm etivas, so­lange du, wer und wie du auch bist, noch nicht in seine Gemeinschaft gekommen bist.

Doch, warum sind wir Sünder Ihm so ivert? Er hat uns gemacht, und Er hat uns erlöst. Er hat Sein Blut an uns gewandt, um uns loszu­kaufen aus Satansmacht für Gott. Er hat sich selbst für uns dahingegeben. Betrachte in diesem heiliger:, nie wiederkehrenden Augenblick den unter Flnch uub Schande schmachtenden, blutenden Gottessohn, besiehe mit deinem Herzen das Kreuz, und dann glaube es emmal nicht mehr bloß mit dem Kopf, sondern mit deinem Herzen, daß er dich liebt, und daß du Jhin unaussprechlich wert­voll bist!

Kannst du dich diesem Heiland noch entziehen? Nein, nun nicht mehr! Mach Ihm in dieser Stunde die Freude, daß du dich von deinem bis­herigen Leben wegwendest, Ihm zu! Dann hast duBuße getan". Gott verlangt nichts, nichts von dir. Er gibt nur, und Er will mit Jesus dir alles schenken. Laß dich ftnden, jetzt!

Und der du von ihm gefunden bist, verkünde es froh und unermüdlich, daß Jesus Christus die Verlorenen sucht, die Selbstgerechten und die Tief­gesunkenen. Ohne Ihn sind beide verloren. Und wenn du eine Seele in des Hirten Arm bringen durftest durch fleißiges Suchen und Lieben und Beten, dann wird Jesu Freude auch deine Freude sein.

!>>is Glück.

Durch die Dichtungen der vielbeivunderten klassischen Welt vor der Zeit Jesu ging ein liefer­greifender, trostloser Schmerz. Wir haben Jesus, können uns an seinem Lichte die Seele erhellen, mit seiner Botschaft die Herzen erwärmen: aber viele glauben ans anderen Wegen das Glück zu finden uub wundern sich, wenn ihr Herz zeitlebens unglück­lich uub friedlos bleibt. Hochentwickelt ist unsere

Kultur, wie wird sie überall gepriesen und ge-

rühnck! Wie froh und glücklich nrüßten wir also sein! Aber gibt es ohne Jesus Glück? Es ist sehr bezeichnend, daß gerade in unseren kulturtrunkenen Tagen das Lied so oft zu hören ist:

Wo bist du, wo bist du, mein geliebtes Land? Gesucht, geahnt und nie gekannt.

Im Geistcrhauch tönt mirs zurück:

Wo du nicht bist, da ist das Glück!

Da klagt ein Dichter, der stolz daraus ist, zu den Modernen" zu gehören:

Eins aber zieht mich nieder,

Das lastet wie ein Fluch.

Das lähmt der Seele stolze Kraft,

Der Hochgedanken Flug.

Und fragt ihr, was entfesselt Den wirren Qualenstrom:

Die Sehnsucht, die da lechzt nach Glück, Nach Glück, das nur Phantom.

Wo finden wir das Glück? Eine Dichterin unserer Tage (Ad. Elisabeth Rohn) sagt es uns:

Wenn die Kindertage schwinden,

Dann im schmerzlichen Ergründen Mancher Stern zu Boden fällt.

Fern lind ferner rückt das Prangen,

Dran die Augen froh gehangen,

Stnmm versinkt die Märchenwelt.

Selig, wer da kennt den Einen,

Dessen Sonnen ewig scheinen,

Der das dunkle Rätsel bannt,

Der uns wieder macht zum Kinde,

Der durch Staub und Dornen linde Heimwärts führt zum Vaterland.

S

Getroffen.

E^in junger Mensch war bei eiirem gottes- IxSS fürchtigen Eisenwarensabrikanten in die Lehre gegeben worden. Der Bursche war damals ein Spötter und Verächter und lief den weltlichen Vergnügungen irach. Für einen Sonntag-Abend hatte er mit seinen Kumpanen sich verabredet, in eiirenr Wirtshause beim Spiel tüchtig was drauf­gehen zu lassen. Da war cs ihm rechter Aerger, daß unterwegs die Frau seines Lehrherrn ihm begegnete und freundlich ader bestimmt ihil auf- fordertc, mit ihr in die Predigt zn gehen. Er konnte nicht von ihr loskommeir und begleitete sie, aber selten hatte cs wohl einen so verdrossenen Kircheirgänger gegeben; auch uirter der Verkün­digung des göttlichen Wortes war er in seinen Gedanken bei seinen Spiel- und Spießgesellen.