kennen's jeden Sonntag für jeden vernehmlich, daß er kommen wird, zn richten die Lebendigen llild die Toten. Wir preisen sie als eine der tenersten nns gegebenen Verheißungen, die große Weissagung des Nellen Bundes, die Christum nicht nur darstellt als deil Gekommenen, da die Zeit erfüllet ivar, sonderil auch als den, der da kommen ivird, wenn in einem andereil Sinne die Zeit wird erfüllet sein.
Otiditr Hoffnung.
m ein Nachbar, Herr „Mittellos", wartet darauf, daß seine Tante sterben soll; die alte Frau hat aber ein Leben wie neun Katzen, und meine Idee ist die, daß sie, wenn sie ivirk- lich stirbt, ihr kleines Vermögen lieber an ein Hospital für kranke Katzen oder aufgegriffene Hunde vermachen wird, als daß es ihr Neffe Johanil bekommt. Ter arme Schlucker! Er ist schon ganz abgerissen, und daran ist feiner Meinung nach nur der ärgerlich gute Gesundheitszustand feiner Tante schuld. Dennoch hält er feine Hoffnung fest und kommt immer iilehr dabei herunter, denn während sein Gras ivächsi, verhungert sciil Pferd. Wer auf den Tod eines anderen wartet, der zieht an einem langeil Seil, llnd wer Vermächtnissen nachjagt, mllß eiserne Schuhe tragen. Wer von der Hoffnling zehrt, hält ein karges Mahl. Weiln Hans Mittellos ilie eine Tante gehabt hätte, würde er.vielleicht feine Aermel aufgestrcift und tüchtig gearbeitet haben; man hat ihm aber gesagt, daß er ein Glückskind sei, und so hat man einen Einfalts- piilsel aus ihm gemacht, der nicht mehr bei der Arbeit nützt, als eine Kuh bei der Hasenjagd. Will irgend jemaild Pflüger Hails mit einer Erbschaft bedenken, so wird er ihm dankbar dafür sein, er bittet aber, es ihn vorher nicht wissen zu lasseil, sonst zieht er am Ende nicht mehr so gerade Furchen wie vorher, besser, man vermache ihm zweimal so viel und überrasche ihn dann damit. Im allgemeinen aber wäre es besser, mail hinterlasse es Anstalten christlicher Nächsten- liebe, da in solchem Falle ein guter Gebrauch davon gemacht werden würde. Ich wünsche, man ginge weniger auf Glücksjagd liild pflanzte dafür mehr Acpfelbäume. Hostilungen, die alis Gräberil wachsen, siild tätliche Jrrtümer, und wenn sie einen Menschen an der vollen Anspannung seiner Kräfte hindern, so sind sie ein Henkerstrick, der eiileiil am Halse hängt.
Eiilige Leute sind am ersten April geboren mid hoffen immer ohile Siiln uild Verstand, ein Schiff soll in ihren Hafen einlallfen, sie iverdeil einen Topf (mit Gold ausgraben oder sonst eine glückliche Nachricht empsungen. Tie albernen
Menschen! Sie habeil sich etivas in den Kops gesetzt uild träumeil im Wachen. Sic können ihren Muild lange offen halten, ehe eine gebratene Taube hineinfliegt, uild doch scheiilen sie ivirklich zu glauben, daß eines Tages irgend ein glücklicher Zufall, so ein Regen voll goldenen Acpfelil, sie aus aller Not erlösen und zu reichen Leliten machen werde. Sic hoffeil, noch in ihrer eigcncil Equipage ciilherzufahren, und werden sich doch bald an einen Ort gebannt sehen, über beit die Equipagen nicht hiilwegzufahren pflegen. Man kann lange pfeifen, ehe einem Goldfische in die Hand springen; einem unter einer Million mag vielleicht eiilinal ein plötzliches Glück in den Schoß fallen, aber Tausende richteil sich selbst zugrunde mit eitlen Erwartnngeil. Wer da erivartet, daß er die Hälfte von dem bekommen wird, was er erivirbt, den vierten Teil von dem, was ihm zn- kommt, und Ilichts von denl, was er verliehen hat, der hat so ziemlich richtig gerechnet; wer aber denkt, daß ein Schatz aus dem Monde auf ihn herabfallen ivird, der ist der größte Narr auf Erden. Man sollte seine Hoffilungcil innerhalb der Schranken der Verilnnft uild der Verheißuilgen des guten alten Bibclbnches halteil. Tie Hoffiluilg lehnt sich ans einen Anker, aber ein Ailker muß etwas habeil, ivorail man ihn hält liild ivoran er sich hält. Eine Hoffnung ohne Grund ist ein Faß ohne Boden, ein Pferd ohne Kopf, eine Gans ohne Rumpf, eiil Schuh ohne Sohle, ein Messer ohile Klinge. Wer anders als „Hans Einfalt" würde fein Haus beim Dache zu bauen ailfangen? Es nluß eine Grundlage haben. Hoffnung ist keine Hoffilnng, soildern offenbare Torheit, wenn eiil Mensch auf Unmöglichkeiten hofft, oder Ernten erwartet, ohne Samen zll säen, und Glückseligkeit, ohile Gutes zll tun. Solche Hoffnungen sind viel Geschrei llnv ivenig Wolle, eiil Irrlicht, welches den Wanderer in den Sumpf lockt. Seht hier deil armen Fritz im Arbeitshause, der immer wieder versichert, daß er Besitzer eines großen Gutes sei, axt§ dem er nur durch die List des gegenwärtigen unrechtmäßigen Besitzers verdrängt sei; sein Name ist Scheller oder Schendler und irgend einer dieses Namens, so sagt er, habe so viel Geld hinterlasseil, daß man die ganze englische Bank damit anfaufen könne, und eines Tages iverde er seinen Allteil davon erhalten; unterdessen sindet jedoch Fritz die Kost im Arbeits- Hanse sehr unpassend für den Mageil eiiles so großen Herrn, ivie er ist: er hat mir auch ein oder zwei Tausend abzugebeil versprocheil, wenn er sein Vernlögen erhält, uild ich werde mir unter- dessen eiil Luftschloß damit baueil oder auf einem Besen hinreiten. Ter arme Schlucker! Er baut sich Luftschlösser wie so viele ailderc; denil er ivird schließlich nur seine Fingernägel zll vcrinachen haben, sonstiges besitzt er nicht!


