Mal die Versammlung besuchte. Das stieß den Vater aber so ab, daß er nachher seinem Sohn sagte: „Da geh ich nicht mehr hin; die Glaubensbrüder sind ja selbst eingeschlafen".
Teurer Leser, der du ein Kind Gottes bist, denk daran, daß du auf Schritt und Tritt beobachtet wirst. Nimm nichts leicht, denke nicht: das schadet nichts. O, es kann viel von dir ab- hängen; du kannst durch eine Kleinigkeit eine nach Jesu schreiende Seele bedrohen, sie solle schweigen. Nimm dies Wort als ernste Mahnung in dein Herz und denke dran in deinem Haus, bei deiner Arbeit auf der Straße, in der Versammlung e-der wo du dich auch befinden magst. Wandte vor den: Herrn, damit du niemand Anstoß oder Aergcrnis gibst.
Und du, lieber Leser, der du dich vielleicht schon gestoßen hast, bedroht wurdest zu schweigen, schau iveg von Menschen. Laß dich nicht abhalten, sondern tu's dem Blinden nach, von dem es heißt: Er aber schrie vielmehr. Es wird dir nicht zur Entschuldigung gereichen, wenn du dich gestoßen hast an anderen. Schall du auf zu Jesu. Rufe ihn an und dann wirst bn erst hren, daß der Herr alich dir gilädig ist.
Alls Jesu mußt du schallen hin,
Auf ihn, auf ihn alleiil.
Dann bringt sein Lebell dir Gewinn Uild dl, wirst glücklich sein.
Aug. Jung.
(fin fanftniiitigrr Aömirnl.
Zu den großen Männern der Geschichte gehört der englische Admiral Walter Raleigh (geb. 1552), der in jungen Jahren gegeil Franzosen und Spanier siegreich focht. Als Admiral führte er »lehr als einmal die Flotte der Königin Elisabeth zllin Siege. Er entdeckte eineil großell Teil der nördlichen Gestade von Nordamerika und zählte zll deil ersten Sceheldea der großen Köiligiil. Unter ihrem Nachfolger Jakob 1. wurde Raleigh llilgerecht der Verschwörung ailgcklagt lind zum Tode verurteilt. Der König wagte ilicht, das Urteil zu vollstrecken; so saß Raleigh 13 Jahre im Tower, dem Staatsgefängnis Englands — in dieser ernsten Prüfungszeit lernte er Jesuiil kennen. Tie Gnade Gottes verwaildelte ben stolzen, ehrgeizigen Mann iil einen dcmütigeil Jünger Jesu. Als Raleigh bann später begnadigt und in Freiheit gesetzt war, ivurde er eines Tages von einem hitzigen Manne beleidigt und zum Zweikampf heraus- gcfordert. Raleigh iveigcrte sich dessen, iveil er als Ehrist lieber unrecht leiben als sich rächeil ivollte. Von Zoril liild Wllt hingerissen, spie sein Gegiler ihm öfieilttich ins Gesicht. Unb was tat der Beschinipflc? Er zog sein Tascheiltuch
hervor, trocknete die Stelle ab und sagte ruhig: „Junger Mann, wenn ich dein Blut so leicht von meinem Gewissen abmaschen könnte wie diese Schmach von meiner Wailge, wahrlich, ich hätte dir den Zweikampf nicht verweigert!" Diese Sanftmut überwand ben leidenschaftlichen Jüngling; er fiel auf die Knie und bat um Verzeihung. — In unserer eigenen Natur liegt solche Sanftmut nicht, sie ivird nur bei Dem gelernt, welcher bezeligen konnte: „Ich bin sanftmütig und von
Herzen demütig."
jüF
Das ist der oft übersehene Unterschied zwischeil einer bloßeil Bescheidenheit und der christlichen Teiilllt, daß Bescheideilheit ein bürgerlicher Schmuck, Deniul eine religiöse Tugend ist, daß Bescheidenheit der Schranken des eigenen Wissens uild Könnens inne gewordeil, Demut dagegen des Gefühls der Süilde und Not, das Bescheidenheit genllg davon hat, sich nicht vor Menschen hervorzudrängen und zll brüsten. Demut dagegen vor dem heiligen Gott auf die Knie sinkt.
Pred. Rud. Kögel.
Dir Driidcr.
n Arabieil wohnten zwei Brüder, Ali uild Said. Ali, der ältere, ivar verheiratet und hatte gesuilde, hübsche Kinder. Said wohnte allein. Den Acker, den sie von ihrem Vater ererbt hatten, bebautcil sie gemeiilsam uild teilten den Ertrag friedlich unter sich.
Wieder war es Herbst geworden. Das Feld der Brüder staild in voller Frucht. Wie ein goldgelbes Meer wogte das reife Kor» int Mitlagswinde. Ali und Said arbeiteten beit ganzen Tag an der Erilte. Alis Weib und Kinder halfeil fleißig mit, bis das Abendrot seine goldenen Fliiten über die Erde ergoß. So ging es Tag für Tag, bis die letzte Garbe, die letzte Ähre in der Schelme untergebracht war.
Einige Zeit später lag Said des Nachtes schlaflos auf seinem Lager und dachte über Verschiedenes nach. Da kamen ihiil auch folgende Gedanken: „Plein Bruder hat Weib und Kinder, die er mit seiner Hände Arbeit ernähren muß. Ich bin allein und brauche wenig. Ist es da wohl billig, wenn ich den gleichen Anteil vom Ertrage des Ackers beanspruche?" Es litt ihn nicht mehr auf seinem Lager, er stand auf, kleidete sich an liild verließ das Haus. Finster gähnte die Nacht, am Himmel aber glitzerten Millionen von Sternen. Leise zog der Wind über die Erde, liild die Bäume flüsterten ivie im Traum. Durch die Duilkelheit schlich der juilge Said wie ein Dieb der Schelinc zll. Dort nahm er hundert


