sucht muß weichen, der harte Frost neidischer Bosheit schwindet vor den Strahlen der Liebe Jesu. „Sagen Sie nur einmal, was das in mir ist, seit ich Ihre Borträge diese Woche besuche, dreht sich da in meinem Herzen alles herum," so kam ein Gymnasiast in meine Sprechstunde. „Sie stehen am Wendepunkt ihrer Geschichte, bei Ihnen will es Frühling werden." Nun steht er als ein Streiter Jesu in der Front für Jesus und sein Reich. Wie kostbar ist es doch, daß der heilige Geist Menschen so erleuchten, beleben, befreien kann! Lieber Leser widerstrebe dieser zarten Geistesstimme nicht. Hörst Du's in Deiner Seele, dies geheimnisvolle Mahnen und Ahnen, fühlst Du, wie diese linden Frühlingslüfte durch deine Seele gehen, empfindest Du nicht diese taufrische Morgenluft eines höheren Lebens ? O tue die Tore weit auf, laß ihn ein, den Geist, der Dein Herz zum Tempelhause Gottes machen will. Soll ich dir noch sagen, was Dir widerfährt, wenn Du den heiligen Geist ab- weisest? Ja, ich muß es Dir sagen. Satan wird frohlocken, die alte Schlange wird sich desto fester in Dir einmisten, alle Gebiete in Dir umschlingen und durchdringen. Du wirst statt ein Tempel Gotttes zu sein immer mehr eine Behausung der unreinen Geister werden. Da steht jenes ergreifende Bild vor mir: Eine Menschenseele steht unentschlossen zwischen Himmel und Erde. Aus der Tiefe der Erde strecken sich zwanzig Arme und Krallen böser Geister dem Menschen entgegen, ihn zu sich in die Tiefe zu ziehen. Doch von oben her, vom Himmel her strecken sich die berühmten, durchbohrten Jesushände dem Armen entgegen. Und, o wie schrecklich, der Tor weiß nicht, zu wem er sich wenden, wenn er seine Hände entgegenstrecken soll! Weißt du es denn, o Leser? Bist bu in der Hand, die dich gesucht hat. O laß Dich durch den König Jesus Christus 311 einem freien, fröhlichen Konigs- kinde machen.
Er rechnet auf uns.
hat sich jemand ausgemalt, wie es wohl gewesen sein mag, als Jesus in Seine Himmelsheimat zurückkehrte. Waschie Erde zuletzt von Ihm gesehen, war die Wolke — keine Regenwolke, nein, eine Wolke der Herrlichkeit, die Ihn aufnahm und den irdischen Blicken entzog. Seither hat ihn kein Menschenauge mehr geschaut. Wohl aber verheißt uns unser kostbares Bibelbuch, und es sind nicht wenige, die fest auf diese Verheißung bauen, daß Er einst wiederkommen werde, wie Er gen Himmel gefahren ist.
Stelle dir aber nun einmal vor, was jenseils der Wolke vor sich ging. Bor 33 Jahren war Er zur Erde hinabgestiegen — eine geraume
Spanne Zeit. Und längst sehnen sie sich darnach, das geliebte Antlitz wiederzusehen. Ob sie Ihm nicht in großen Scharen eutgegengeeilt sind, um Ihn so bald wie möglich zu erblicken? Ob nicht der Vater allen vorangeeilt ist, ob Er nicht Seine Lippen auf die Wundenmale gedrückt hat, auf das narbenbedeckte Antlitz, die Hände und Füße?
Ob es so war, ich iveiß es ja nicht; meine Phantasie malt inir's so vor, es entspräche ja auch gauz den: Wesen uuseres Gottes.
Was nun, nachdem der erste Ausdruck der Gefühle gestillt ivar? Eine liebliche, sehr sinnreiche Legende erzählt: eines Tages sei der Meister Arm in Arm mit Gabriel in ernstem Gespräch die goldenen Gassen hinabgeschritten.
„Meister", hebt Gabriel an, „nicht wahr, Du bist für die ganze Welt dort unten gestorben?" .Ja'"
„Du hast gewiß viel gelitten?" und ein ernster Blick gleitet über das hohe, narbenvolle Antlitz. „Ja", tönt die ruhige, von tiefer Bewegung erfüllte Antwort.
„Wissen sie es alle?" „Nein, vorläufig nur einige Juden in Palästina."
„Meister, was hast du vor? wie willst Du auf der ganzen Welt kund machen, daß du für sie gestorben bist? Darf ich es nicht wissen?"
Darauf antwortete der Meister: „Dem Petrus, dem Jakobus und Johannes, noch einigen Jüngern und etlichen Frauen habe ich gesagt, sie sollten es als ihre Lebensaufgabe betrachten, es weiter zu sagen, und die es hören, sollen es wieder andern sagen, und so immer fort, bis der letzte Mensch im fernsten Erdenwinkel es gehört und die herzerschütternde Wahrheit des Berichtes an sich selbst erfahren hat."
Aber Gabriel weiß, wie es um uus Vienscheukinder bestellt ist. Er hat oft genug auf der Erde zu tun gehabt und weiß, was für ein Gemächte wir sind. Darum entgegnet er ein wenig zögernd, als ob er sich ein Scheitern dieses Planes vorstellen könnte: „Jawohl, gewiß! Aber — wenn Petrus dich nun im Stich läßt, wenn Johannes es einfach nicht iveiter sagt, wenn ihre Kinder und Kindeskinder — sagen wir im Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts — soviel anderes zu tun haben, manches wichtige und sehr viel unwichtiges, daß sie es nicht weitcrsagen, was dann?" llnd seine Augen blitzten bei deni Gedanken an die Leiden des Vkeisters und an das traurige Geschick derer, die es nicht erfahren werden, „ja, was dann?"
Doch wieder erklingt die ruhige, wunderbar wohltönende Stimme: „Gabriel — ich habe
nichts anderes vor — ich rechne auf sie!" —
Also, teurer Aufwärtsleser, hast du's gehört? Er rechnet, Er zählt auf dich, daß jeder von uns


