Ausgabe 
12.4.1914
 
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Erscheint wöchentlich einmal.

Einzelne Exemplare bestelle man bei der Pvst vierteljährlich. Verlag der Buchhandlung der Pilgermission Giessen.

Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber - Cassel, Pfarrer Mockert-Frankfurt a. M. u. die Prediger der Pilgermission. Druck v. O. Meyer, Gießen.

Nr. 15. Sonntag, den 12. April 1911. 7. Jahrg.

Die Frucht von (6olptlia.

Eine Osterbetrachtung.

P |lir wollen die Früchte der blutigen Saat ^ von Golgatha betrachten. Als Adam von jenem verbotenen Baum der Lust gegessen hatte, da weinten die Engel Gottes. Da hatte er eine Drachensaat gesäet, die sich mit rasender Schnelligkeit ausbreitete, die ganze Erde mit Drachengestalten zu erfüllen. Doch als Jesus dort am kahlen Kreuzesbaum fein heiliges Blut hinopferte, als dieses kostbare Leben hinabtropfte, dies Blut, das nicht um Rache, sondern um Gnade schreit, da erwuchs aus diesen heiligen Bluts­tropfen Jesu eine Saat, worüber die Cherubim in Jubel ausbrachen. Aus dieser Liebessaat Jesu erwachten Paradiesesmenschen, Lämmer Christi, Brautseelen, auf die der Gekreuzigte mit Wonne schaute und an denen der Vater sein Wohlge­fallen hat. Wie heißt eins der letzten Worte Jesu am Kreuz? so fragte ein Lehrer. Ein Mädchen wußte noch etwas von dem Worte vollbracht, doch es stellte die Silben um und sagte:Es ist prachtvoll." Ja, daß Jesus solche Erlösung voll­bracht hat, ist gewiß prachtvoll; daß er lebt für uns, ist prachtvoll; daß er nun alle Gewalt hat ist prachtvoll; ja wir haben einen prachtvollen Heiland. Durch seinen Gehorsam ist Er der Welt Heiland geworden. Phil. 2, 9 sagt:Gott hat Ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist." Er ist Jesus Christus, der HErr (V. 1t), d. h. Seligmacher, Gesalbter, König, der allein Unsterblichkeit hat. Röm. 5,19 steht:,, Denn gleichwie durch eines Menschen Ungehorsam viele Sünder worden sind, also auch werden durch eines Gehorsam viel Gerechte." Sein Gehorsam bis zuni Kreuzestod hat sühnende Kraft. Er ist ja um unsrer Missetat willen verwundet usw. Ter Schuldbrief ist.zerrissen, die Zahlung ist vollbracht,

so steht's klar Kol. 2, 14. Er hat ausgetilgt die Handschrift, die wider uns war, und hat sie ans Kreuz geheftet. Wer will verdammen, Christus ist hier! Kann die Gerechtigkeit eine zweimalige Bezahlung der einen Schuld verlangen? Kann man für die eine Sache zweimal sterben? Nein! Unbedingten Straferlaß, völlige Vergebung ge­währt Sein Tod dem, der glaubt.

Doch nicht nur sühnend und vergebend wirkt Sein Gehorsam. Sein Gehorsam rettet uns von unserm Ungehorsam, Sein Gehorsam tötet unfern Ungehorsam, unfern Trotz, unsere Halsstarrigkeit. Adam hat sich entschuldigt, Eva die Schuld auf andere geschoben, und ihnen nach haben alle ihre Kinder, Enkel und Urenkel das alte freche Trotz­lied des Ungehorsams weitergebrummt, sie haben, statt in sich, um sich geschlagen. Golgathas Marterhügel bringt dies ungehorsame Gebaren des Fleisches zum Stillstand. Ter leidende, schwei­gende Heiland bringt uns zum Schweigen, Seine durchgrabenen Hände halten unfern frechen Mund zu. Ich will es an einem Beispiel illustrieren, wie Sein Leidensgehorsam uns entwaffnet, ent­thront und uns willig macht, unsere Sünden zu bekennen und Buße darüber zu tun.

Wie tipr fiiimtttr imdkii.

In der holländischen Fremdenlegion war ein gottloser, roher Mensch, der wegen seiner Bosheit und Tücke allgemein das schwarze Schaf genannt wurde. Damit am nächsten Tag kein Dienst sein sollte, hatte er in der Nacht die Zielscheiben zerstört. Der Oberst ordnete eine strenge Untersuchung an. Die Spuren gingen in jene Stube, wo das schwarze Schaf mit andern lag. Doch nieniand meldete sich. Da befahl der Oberst, daß, wenn der Täter sich nicht freiwillig meldete, jeder Insasse der Stube neun Streiche mit der Stahlpeitsche auf den bloßen Rücken haben sollte. Und nun stand die Mannschaft ver-