Ausgabe 
5.4.1914
 
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geholfen und kann sich selber nicht helfen!" Daß der Sohn da durchhielt, daß Er nicht den Vater «m die zwölf Legionen Engel bat, das ist Ge­horsam bis zum Kreuz, der in der Geschichte ein­zig dasteht. Doch sind wir nicht ans der unter­sten Stufe. Grant dir vor diesen Abgründen? Golgatha hat schauerliche Tiefen! Vom verblen­deten Pöbelhaufen wendet sich der Gekreuzigte hinweg zum Vater, Ihm war Er ja stets gehorsam. Ohne Ihn ging Er diese 33 Jahre keinen Schritt. Joh. 6, 38 sagt Er:Ich bin gekommen, nicht, daß Ich Meinen Willen tue, sondern des, der Mich gesandt hat." Er ließ sich von den Augen des Vaters leiten. So ging er auch nach Geth­semane mit Seinen Schlagschatten, vor Hannas und Kaiphas, Herodes und Pilatus, bis zur Schädelstätte. Es war der Weg Ihm nach der Schrift klar vorgezeichnet. Es muß also gehen, sagte Er. Doch was geschieht jetzt? Die Qualen werden größer, der Spötter Spotten nimmt zu, und dunkel wird's um den Schädelbcrg. Welch ein Drama! In Nacht gehüllt hängt der Sohn der Liebe zwischen Himmel und Erde. Es ist, als ob die Sonne sich schäme, zu solchen Schandtaten zu leuchten. Und drei Stunden währt die Nacht. Wie tief, wie stockfinster die Nacht war, hören wir aus dem Munde Jesu:Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?" So tief ging Christi Weg bis zur Gottverlassenheit. Das waren die untersten Hefen im Leidenskelch, daß der Vater sein Angesicht im Erguß des Zornes vor Seinem Sohn verbarg. Schmerzlicher wie das Einschlagen der Nägel, furchtbarer wie das Emporgezogcnwcrden, entsetzlicher wie alles Hohn­gelächter der Hölle ivar jener Golgatha-Sonnen­untergang, wo der Zorn Gottes in Seiner ganzen Wucht auf dem Sohn der Liebe lag. Doch Er hat auch da durchgehaltcu. Darf Ich auch nicht Vater sagen, bist Du^ Mir," dem schuldbeladenen Lamm, zum Richter geworden, dennoch rufe Ich: Mein Gott, Mein^Gott!!" Das'war Gehorsam bis zum Tode, ja, bis zum Kreuzestod.

kr finrli für Did).

Auf dein Eriesee fuhr ein Passagierdampfer von Detroit nach Buffalo. Plötzlich brach Großfeuer aus. Wie weit ist's noch bis Buffalo?" riefen die ängstlichen Passagiere, die sich vor den Flammen, die der Wind dem Steuermann zutrieb, ängstlich flüchteten.Noch eine Viertelstunde bei dieser Fahrt."Können Sie so lange das Steuer noch halten?" rief der Kapitän dem Steuermann zu. Afft Gottes Hilfe will ich's versuchen", sagte der dem Feuer am meisten ausgcsetzte Steuermann. Die Flammengarben fegen über Bord, die eine Hand des Steuermanns ist schon verbrannt, die

andere kommt jetzt an die Reihe. Endlich am Lande, springt alles hinaus aus dem Feuerkasten. Der Steuermann aber bricht zusammen.Ist außer mir noch jemand zu Schaden gekommen?,, flüstert der Sterbende.Nein!"Gut, dann tragt mich zur Seite." Das heißt man aushaltcn. Jesu, Dn ewiger Steuermann, ewig sollst Du mir vor Augen stehen, wie Tu als das stille Lamm aus­gehalten, bis der Hölle Pforten sprangen, bis der Vorhang rib, bis die Erlösung vollbracht war. O Menschheit, du hast einen Vertreter, auf den darfst du stolz sein, der ist zuverlässig, der weicht nicht im dichtesten Kugelregen, Nnr über Seinen Leichnam hinüber geht der Weg der Wölfe zu dir, o Menschenscele. Ja, Preis dem Vater im Himmel, daß Er diesen Bürgen uns gesandt.

vrr (Turm non JligtifSMiiortrs.

f m Süden Frankreichs gibt es einen alten Schloßturm, welcher der Turm der Standhaftigkeit heißt. Er wurde int Mittelalter gebaut zur Verteidigung der Stadt Aigues-mortes (an der Küste des Miltelmeeres, am Golf von Lion), hat aber nie eine Belagerung auszuhalten gehabt. Lange Jahre hat er dann als Staatsgefängnis gedient. Unter Ludwig XIV. u. XV. schloß sich sein schweres Eisentor hinter einer Anzahl von Frauen und Kindern, welche dort um ihres Glaubens willen eingekerkert wur­den. Diese unglücklichen Frauen waren allen Leiden ausgesetzt; Hunger und schlechte Behand­lung forderten unter ihnen zahlreiche Opfer; im Winter drang ein eisiger Wind vom Meere zu ihnen durch die engen Schießscharten, im Sommer atmeten sie die Ausdünstungen der Moräste, die den Turm umgaben.

Im Jahre 1730 wurde ein junges Mädchen, Maria Duran, 15 Jahre alt, um ihres Glaubens willen dorthin gebracht. Sie war dort 38 Jahre lang ihren Leidensgefährten eine Trösterin, bis endlich im Jahre 1767 der Statthalter der Pro­vinz diesen Unglücklichen die Freiheit gab.

Mir fehlen die Farben," erzählt sein Adju­tant,um den schrecklichen Anblick zu malen. Wir sahen einen großen Raum ohne Luft und Licht. 14 Frauen seufzten dort in Elend und Tränen. Sicherlich zum ersten Male sahen diese Unglück­lichen das Mitleid auf einem menschlichen Ange­sicht.Ihr seid frei," sagte der Statthalter zu ihnen mit lauter und bewegter Stimme,"und draußen ließ er für ihre Bedürfnisse sorgen."

Es hätte für diese Opfer noch ein andres Mittel gegeben, ihre Freiheit wiederzuerlangen, nämlich ihren Glauben zu verleugnen. Ein Wort hätte ihnen die Tore des Turmes geöffnet, aber