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Redakte,r: Stadrmlsslonar Herrmann-Giehen. Mitarbeiter: Pfarrer Sverber-Cassel Pfarrer Mockerl- Frankfurt a. M. nnd die Prediger der Vilaermission. Berlaa der Buchhandlung der PilaermiMon Druck von Otto Ntever. GteKen, Ludwigstratze 30.
9ir. 14. Sonntast, den 5. April 1914. 7. Jahrg.
Jesu (Grliorfam.
(Eine Karfreitagsbetrachtung).
ic Himmel rühmen die Ehre Gottes. Ge- zfjf schmückt wie eine Brant wandelt die Sonne ihren Weg. Das Siebengestirn und all die andern Sternbilder ziehen ihre hohen Bahnen. Wie funkelt die Milchstraße, dieser himmlische Diamantgürtel, über uns! Und doch, ob Millionen leuchtender Welten den Raum durchziehen, ob sie getrennt marschieren oder in Gruppen wandern wie die Lämmerherden, keiner stört den andern. Majestätisch gehen und kommen sie, diese großen Vasallen Gottes, deren Wandel ein Lobgesang Gottes und deren geordnetes Daherschreiten die glänzendste Parade ist, die unaufhörlich den Raum mit Poesie erfüllt. Und du kleiner Mensch, du Mensch der Unordnung und Rebellion, du Mensch mit dem großen Hochmut und dem kleinen Verstand, schau diese Himmelsharmonie an! Warum ist dort oben alles so harmonisch? Weil sich alle nur um den einen großen, dir leider unbekannten Mittelpunkt drehen. Weil der Schöpfer dort oben das Zentrum ist. Ja, dort dreht sich alles um Ihn, den Schöpfer, und du Erdenwürmlein Mensch drehst dich nur um dich selbst. Doch einer sah in unsere Unordnung, in unsere anarchistischen Zustände hinein, dem flössen ob unseres Jammers, unserer Zerrüttung die Tränen aus den Augen. Wie der Geist Gottes (1. Mose 1), als die Erde tokiu wa bohu, d. h. wüste und leer war, sinnend über der Tiefe schwebte, so kam der einzige Sohn des ewigen Vaters herab zu uns in unsere Verwüstung. Ja, Er hatte Heilandsaugen, ein Retterherz. Er sprach: „Ich komme, zu tun Deinen Willen. Opfer und Gaben hast Du nicht gewollt, aber den Leib hast. Du mir bereitet." Als vor etlichen Jahren in einem Bergwerk Leute verschüttet waren, suchte die Rettungsmannschaft hin
unterzusteigen. Doch das Feuer, das unten tobte, die giftigen Gase, die das Atmen unmöglich machten, waren so stark, daß keiner es wagte, in die grausige Tiefe zu gehen. So konnte man nur auf der Oberfläche eine ergreifende Totenfeier veranstalten, während man die Verlornen in der Tiefe ihrem Elend überlassen mußte. Jesus aber konnte das nicht, nein, das Lamm stieg in die schauerlichen Tiefen hinab. Keiner dort oben wußte cs ja, in welch tiefe Kluft es ging, noch wie bitter und schwer war das Todesweh, das den Hirten für uns umfing. Wenn mein Vater das Seil hält, will ich an den Felsenlöchern suchen, sagte ein Sohn, als es sich darum handelte, über einem Abgrund eine gefährliche Arbeit zu tun. lind der Vater hielt das Seil in starken, wenn auch bebenden Vaterhäuden. Laßt uns den Spuren des großen Sohnes nachgehen, wie Er im Auftrag und an der Hand des himmlischen Vaters immer tiefer in den Abgrund unsrer Schuld hinuntersteigt, uns ein Heiland zu sein.
Er (lieg liinnb in fdianttlidir Tieft».
Schon als zwölfjähriger Knabe sagte Jesus das große Wort: „Muß Ich nicht sein in dem, das Meines Vaters ist?" Sein Zeugnis aus jener Schulzeit heißt: „Er war untertan. Er nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen." Solch ein Zeugnis hat noch kein Schüler nach Hause getragen. Bei der Bußtaufe am Jordan, dieser tiefen, freiwilligen Demütigung, wo Er offtziell amtlich für uns Buße tut, unsere Sünden auf sich nimmt, bekommt er noch das Zeugnis der obersten Instanz: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe." Wohl meint Johannes: ich bedarf wohl, daß ich von dir getauft werde und du kommst zu mir! Doch Jesus war ein Meister im Bücken, Er stellt sich willig unter Johannes, es war Sein Vorrecht, der Aermste


