Ausgabe 
29.3.1914
 
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ilrr fjöiijitniann tioti Kapernaum.

Matth. 8, 5-13.

Ter Hauptmann war ein liebevoller, mitleidiger Mann. Als sein Knecht erkrankte,'war esJhm nicht gleichgültig, auch dachte er nicht:' ich will ihn aus dem Hause schaffen, damit ich keine Mühe habe, son­dern er verpflegte ihn und suchte Hülfe für ihn. Ob­gleich er als römischer Soldat ein Heide war, hatte er doch viel Verkehr mit den Juden, und dadurch lernte er ihren Glauben kennen und lieben. Von den Juden hörte er auch von Jesus und von seinen Taten; darum dachte er in seiner Rot: An diesen mächtigen Helfer will ich mich wenden. Als Jesus nun nach Kapernaum kam, trat der Hauptmann zu ihm und brachte bittend seine Anliegen vor ihn. Herr, sprach er, mein Knecht liegt zu Hause u»d ist gichtkrauk und leidet grobe Qual.--Die Liebe des Hauptmanns zu seinem Diener und sein gläubiges Vertrauen gefielen dem Herrn Jesus; er sprach zu ihm: ich ivill kom­men und ihn gesund machen. Dadurch erhielt der Hauptmann Gelegenheit, seinen Glauben noch mehr zu zeigen. Herr, sprach er. ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehest. Die meisten römischen Soldaten waren stolze Leute, aber wie demütig ist dieser Hauptmann! Seine Rede ist ähnlich dem Worte'des Petrus, welcher nach dem reichenjFisch- zug ain See Genezareth ausrief:Herr! gehe von

mir hinaus, ich bin ein sündiger Mensch!" Solche Demut gefällt dem -Herrn wohl. In demütigen Herzen ivill er gerne mit seiner^Gnade wohnen. Der Hauptmann achtete sich selbst gering, aber Jesuin achtete er hoch; er sagte: sprich nur ein Wort, be­fehle nur, so wird mein,Knecht gesund. Die Solda­ten, welche ich unter mir habe,^ gehorchen meinem Befehle; wenn ich zu dem Einen sage: Gehe hin, so geht er; und zum Andern: Komm her, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tue das, so lut er es. Ich aber bin nur ein Mensch und einer höheren Obrig­keit (dem Oberst, General rc.) untergeben, wie viel mehr wird dein Wort ausrichten, der du so hoch und mächtig bist! Tu brauchst nicht erst in mein Haus und zu dem Lager meines kranken Knechts zu kommen, du kannst auch aus der Ferne helfen durch dein mäch­tiges Wort. Als Jesus,bei einem Heiden einen so starken Glauben sah, wunderte er sich und sprach zu seinen Begleitern : einen solchen Glauben habe ich bei den Juden nicht gefunden! Jesus forderte nur Glauben und freute sich über einen starken Glauben, weil er wußte, daß der Glaube zu einer innigen Verbindung mit ihm, zur geistigen Gesundheit, zur Reiuigung von Sünden führe. Er will, daß wir Alle durch den

Glauben an ihn selig werden sollen. Wie töricht sind doch die Menschen, daß sie einen so schönen, leicl.ten Weg nicht gehen wollen; die Ungläubigen rn,d Gott­losen werden cs in jener Welt zu spät bereuen. Jesus sagt, daß einst aus den Ländern des Morgens und des Abends viele mit Abraham. Isaak und Jakob an den Gütern des himmlischen Reiches Teil haben werden; er nuint die Heiden, welche sich zu ihn: be­kehren. Dagegen werden die Kinder des Reiches, die zuerst Berufenen, viele Juden und Christen, durch ihren Unglauben verloren sein; sie werden nicht in den Himmel kommen, sondern in die Hölle, den Ort der Finsternis und der Qual, verstoßen werden. Deir Glauben des Hauptmanns belohnte Jesus durch Ge­währung seines Wunsches: sein Knecht wurde leiblich gesund, und ich glaube, daß der Hauptmann und sein Knecht durch den Glauben an Jesum auch geistig ge­sund und selig geworden sind.

in tapferer Kapitän.

London, 12. Februar 1914. DieDaily Chronicle" meldet aus Rewyork vonr 11. Februar. Rach einer Meldung aus New-Orleans wurde auf dem flemcii KüsteudampferGom", der den Handel mit dem Mexikanischen Golf vermittelt, am Dienstag früh Feuer entdeckt. Die zivanzig Alaun starke Besatzung arbeitete verziveisclt, doch griffen die Flammen so schnell um sich, daß man bald die Unmöglichkeit einsah, das Schiff zu retten. Der 65 Jahre alte Kapitän Brarry steuerte so­fort auf den nächsten Punkt der Küste von Loui­siana zu und blieb während des ganzen verzwei­felten Ringens mit dem Tode am Steuerruder. Das Feuer ivurde immer heftiger, und es ivurde fast unmöglich, auf dem Hinterteil des Schiffes zu bleiben. Der Kapitän sandte daher die Mann­schaft nach dem Vorderteil des Schiffes und blieb allein auf der Brücke. Als Land gesichtet mürbe, waren der Rauch und das Feuer so heftig, daß der Kapitän das Steuerruder festbaitd für den Fall, daß er zusamntenbrechen sollte. Er blieb aber auf seinem Posten. Als jedoch das Schiff aufgelaufen war, lag der Kapitän bereits im Sterben. Die Mannschaft mnvbe gerettet.

Ich denke, die Geretteten iverden zeitlebens den Anblick nicht los werden, ivie dieser ihr Ka­pitän in den Gluten und Flammen am Steuer­ruder stand, bis er sterbend zusammenbrach. Sie werden ihm vielleicht über seinem Grabe ein schönes Denkmal setzen mit der Inschrift:Unser braver Kapitän starb für uns auf dein brenneu- den Schiffe am Steuerruder." Und doch ist diese große, schöne Tat nicht so groß, wie der furcht­bare Tod Jesu am Kreuz auf Golgatha. In dieser ernsten Passionszeil denken gläubige Chrfflen