Ausgabe 
29.3.1914
 
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mit den Menschen. Wohl von allen wurde er zweifelnd betrachtet, von vielen gehaßt lind von den Obersten wurden ihm Schlingen gelegt. Aber er entzog sich nicht dein Volke und schmetterte die nicht zu Boden, die ihm frevelnd nahten. Viel­mehr konnte er von sich sagen:Ich bin sanft­

mütig und von Herzen demütig."Er schalt nicht, da er gescholten ward und drohte nicht, da er litt."

Diese Schönheit haben Brautseelen je und dann gezeigt. Ein Märtyrer der ersten Kirche setzte die Häscher, die gekommen waren, um ihn zu töten, an einen gedeckten Tisch. Und nachdem sie sich gesättigt hatten, gab er sich ihnen zu er­kennen, um den Todesstoß zu empfangen. Raleigh, ein englischer Admiral, wurde von einem jungen Manne beleidigt und dann zum Zweikaknpf aufgefordert. Raleigh weigerte sich dessen, weil er als Christ lieber Unrecht leiden, als sich rächen wollte. Als ihm der junge Mann dann öffentlich ins Gesicht spie, zog R. sein Taschentuch hervor lind indem er sein Gesicht abtrocknete, sagte er: Junger Mann, wenn ich dein Blut so leicht von meinem Gewissen waschen könnte wie diese Schmach von meiner Wange, wahrlich, ich hätte dir den Zweikampf nicht verweigert." Diese Sanft­mut überwand den Jüngling. Auch heute gilt noch das Wort unseres Herrn:Tic Sanftmü­

tigen werden das Erdreich besitzen." Durch solches Uebcrwinden macht Jesus seine Kinder schön. Wohl ist es dein natürlichen, unerneuerten Herzen unmöglich, Liebe zu übe», >vo man gehaßt ivird, demütig zu sein, wenn die ganze Natur zum Hochmut zieht, sanftmütig zu sein, ivcun Jähzorn ein Stück unseres Charakters ist; aber Kraft ist tu dem Blute des Lammes. Es möchte von dir sageir können:Schön wie der Mond."

H. Mülln.

vpiumlaucdir ur.d Evangelist

Ei» unwissender Chinese hörte in einer Kapelle zu Alo den Missionar B. predigen. 4!ach Schluß des Gottesdienstes sagte der Chinese:Von diesem

Jesus habe ich bis jetzt noch nie gehört, und ich ivciß nicht, iver Er ist; aber sagtest du nicht, daß er mich von allen meinen Sünden retten könne?'Ja", erwiderte der Missionar,genau das habe ich gesagt." Aber da kanntest du mich nicht, als du das sag­test. Ich bin ein Lügner, ei» Spieler, ein Zauberer, ein Ehebrecher gewesen und seit 20 Jahren ein Opium­raucher. Nun, wenn du mich gekannt hättest, so wür­dest du nie gesagt haben, ivas dn gesagt hast." Missionar B konnte nur mit Nachdruck wiederholen, daß Jesus Macht lind Willen hat, selbst von solch einer Menge von Sünden zu reinige» uiid zu erretten. Ter Opiumraucher war sprachlos vor Erstaune»: denn

sein Geist hatte in schweren Fesseln des Fürsten der

Finsternis gelegen. Wochen vergingen, da eines Morgens stürzte er mit Ungestüm in das Zimmer des Missionars, unb mit strahlendem Gesicht verkün­digte er:Ich habe es jetzt! Jesus kann mich von

allen meinen Sünden erretten! Ja, Er hat es getan!" Hier hatte in Wahrheit der Glaube an Christum die Sklaverei langer Jahre, das Verlangen nach Opium, gebrochen. Er ging in sein Heimatsdors zurück, uin seineil Mitsündern voil Jesu zu erzählen. Obgleich vor der ihm drohenden Gefahr gewarnt, verkündete er dennoch die Geschichte von dein großen Heilande, der die schlimmsten Sünder retteil könne. Er wurde mit Schmutz beivorfeil, geschlagen, von Ort zu Ort gejagt, aber man konilte ihn nicht zum Schweigen bringen. Zuletzt führten seine, Verfolger ihn vor einen unge- ' echten Gerichtsbeaniten; falsche Zeugen brachten die schändlichsten Anklagen gegen ihn vor. Der Richter verurteilte ihn: sein bloßer Rücken wurde unbarmher­zig mit dem Bainbusrohre bearbeitet, bis er ganz zerfleischt ivar. Er wlirde wie tot in das Missions­gehöft getragen. Der Missionar wollte ihn trösten, ab r der Märtyrer sagte lächelnd:Lehrer, dieser

arme Leib hat große Schmerzen, aber meiilHerz hat Frieden." Als er erst halb geheilt war, stahl er sich weg unb erschien plötzlich in seinem Heimatsort, m» feinen grausamen Verfolgern von neuem das Evan- gcsium zu ve> kündigen. Seine Worte, welche durch solch blutige Bewährung noch mächtiger wirkten, brachten sogar einige seiner Feinde zum Heiland.

Vierzehn Jahre fahr er fort zu predigen; im Jahre 1860 stellte inan ihn als Missionar an. Zahl­reich waren die Seelen, denen er das Werkzeug der Bekehrung zri Christo sein drirfte. Als sein Erdenlarif zu Ende ging und er zu schwach war, um sich auf den i Füßen zn halten, sammelte er doch »och solche um | sich, denen er von dem Heiland zeugen konnte. Sin­gend entschlief er voll Frcride. bald beim HErrn zu fein.

Auf das Zeugnis gewartet.

Ein junger Offizier, welcher mit einem alten Gläubigen einen langen Ritt gemacht halte, sagte nachher zu seinen Verwandten:Ich Hobe die ganze Zeit gewartet, daß er mir von Jesu und der Bekeh­rung etwas sagen würde, aber er hat mir nichts gesagt." War das nicht beschämend für de» alten Christen? Der Fürst dieser Welt sagt de» Kindern Gottes ins Ohr:Hier mußt du schweigen!" aber folge dieser

Stimme nicht!