Erscheint wöchentlich einmal.
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^Redakteur: Stadtmissionar Hecrmann-Gießen. Mitarbeiter zPfarrer Sperber - Cassel, Psarrer Mockert-Frankfurt a. Bl. >it. die Prediger der Pilgermission. Druck v. O. Meyer, Gießen.
Nr. 9. Sonntag, den 1.
März 1914. 7. Jahrg.
Torschlusjpaiük.
P Wissen Sie schon, ivas Torschlußpanik ist? ^ Nein? Nun dann hören Sie. Viele Mädchen halten es für das größte Unglück im Leben, wenn sie etwa sitzen bleiben, d. h. keinen Mann bekommen sollten. Da kommt es denn vor, daß sonst sehr wählerische Damen, wenn sie älter werden, voll Sorge, sie möchten ledig bleiben, schnell zugreifen und einem Manne die Hand geben, den sie früher nicht genommen hätten. Sie fürchten, es würde sonst für sie zum Heiraten zu spät werden, daher der Name Torschlußpanik. Aber darüber wollen wir heut nicht weiter reden, obivohl das Kapitel der Eheschließung wichtig genug ist. Mir kamen vielmehr, als ich heute gelegentlich wieder auf das Wort Torschlußpanik stieß, ganz andere Gedanken. Ich dachte an den Schächer am Kreuz, wie der noch gerade vor Toresschluß den Eingang in's Himmelreich fand. Sehen Sie, man mag nun über die Torschlußpanik denken wie man will, hier hat sie ihr Recht, hier i>1 sie geboten. Mir fällt die Stelle ein, wo die Jünger den Heiland fragen, ob viele Menschen selig werden. Und der Herr antwortet in einer Gleichnisrede, daß viele danach trachten werden, hineinzukommen, und es nicht werden tun können von dem an, da der Hauswirt aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat. Er warnt vor dem Torschluß! Das ist eine ernste Sache. Gewiß dürfen wir mit vollem Recht jedem sagen, daß Gott der ^err langmütig und geduldig ist und nicht den Tod des Sünders will, sondern daß er sich bekehre lind lebe. Aber alles hat seine Zeit. Es steht auch einmal geschrieben: „Da ward der Hausherr zornig/' Auch seine himmlische Geduld hat ein Ende, wenn wir andauernd seine Gnade
verachten oder auf Alutwillen ziehen. Seine Liebe ist nicht schwach oder weichlich oder ungerecht. Er versucht es auf alle mögliche Weise und hat es sicherlich auch mit dir schon auf mancherlei Art versucht, dich zum Glauben zu führen, hat dir seine Gnade vielmals angeboten und dir oft von dem Sühnopfer seines lieben Sohnes sagen lassen, aber wenn du öas alles überhörst, wenn du seine Huld nicht achtest und sein Erbarmen verschmähst, sage mir, was soll er anders tun, als dich deinen Weg gehen lassen? Es geschieht dir dann wahrlich kein Unrecht, wenn du auf diesem Wege verloren gehst. — Noch ist es Zeit. Die Tür ist noch offeil. Aber du weißt nicht, ivie lange, weißt auch nicht, ob du selbst noch lange Zeit hast, dich zu entscheiden. So laß dir das Wort llnserer Überschrift zum Anstoß rverdeil. Denke daran, daß das Tor für dich geschlossen sein kann, ehe du es meinst. Suche alsbald hineinzukommen. Nicht morgen, sondern heute ist die gelegene Zeit, daß du dich bekehrest und Jesum gewinnest. Zeige, daß du ein verständiger Mann bist, der da iveiß, ivas zu seinem Frieden dient, und wir iverden uns mit dir freuen.
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„Warum glauben so viele nicht an die göttlichen Wahrheiten? Etwa weil sie ihnen nicht bewiesen sind? Nein, weil sie ihnen nicht gefallen/'
Morgen — heute.
Der Teufel, sa^t Jonas, will kein besseres Anrecht auf deine Seele haben als das Wort: „Morgen". Pharao sagte auch „morgen" ; aber das Letzte, das man von ihm hörte, ivar, daß er mitten im roten Meer unterging. Dafür sagt aber die heilige Schrift: Heute, so ihr seine Stimme höret, vcrstocket eure Herzen nicht. Heule ! hörst du ?


