(Tötung durch Alkohol.
In Friedenshütte in Schlesien bereitete sich ein Oberhäuer regelmäßig den Likör selbst und gab Ende November vorigen Jahres auch seinem vierjährigen Töchterchen einmal davon. Das Kind fand Geschmack daran (enthielt doch der Schnaps auch etwas Himbeersaft), trank am nächsten Tage unbemerkt so viel davon, daß es bewußtlos wurde, und starb trotz ärztlicher Bemühungen am andern Morgen an schwerer Alkoholvergiftung. Wie viele Eltern gefährden durch ihr Beispiel ihre Kinder in ähnlicher Weise, wenn auch die tragische Wirkung nicht so schnell erfolgt! Wer seine Kinder lieb hat, lehrt sie durch Wort und Beispiel alle alkoholischen Getränke meiden.
Du suchst noch Vergnügen, die Lust dieser Welt,
Schau um dich, rings stehn deine Garben im Feld!
Geh, tanz nur zum Reigen, den Satan dir pfeift,
Bald ist deiner Ernte Verderben gereift.
Die Eimcbuldiaunatn des trinkers und die Antworten des Arztes.
Trinker: Ein wenig Wein ist mir ein Bedürfnis; denn ich bin blutarm.
Arzt: Ter Alkohol schwächt das Blut.
Tri liker: Ich kann mein Gläschen Schiiaps nach der Mahlzeit nicht eiitbehren, weil, ich aii Verdauungsträgheit leide.
Arzt: Der Alkohol verzögert die Verdailnng. Er macht für gastrische Störungen empfänglich, indem er die Magenschleimhaut reizt.
Trinker: ltm weine heftig auftretendcn Kopfschmerzen zu vertreibeii, benötige ich des Alkohols, der mir auch das Entiverfeil meiner literarischen Artikel erleichtert.
Arzt: Tie Kopfarbeit ivird durch beit Alkohol beeinträchtigt. Er erzeugt Blutandrang nach dem Gehirn und ist die Ursache heftiger Migränen. Seinem Einfluß ist die Abnahme der Intelligenz und das Abstumpfen des Geistes zuzuschreiben. Der Mensch vertiert allmählig.
Trinker: Ich bin nervös, ein wenig Alkohol beruhigt mich, ivenn ich überreizt bin.
Arzt: Er beruhigt allerdings, bis Sie vom Zittern der Alkoholiker heimgesucht werden. Ihm verdanken Sie die wüsten, schivercii Träume nachts; er martert Sie tagsüber iinaiifhörlich durch Halluzinationen. Die nervösen Alkoholiker bevölkern unsere Jrrenaiistalten; sie verfallen dem Delirium tremens. (Säuferwahnsinn).
Trinker: Ta ich leberleidend bin, trinke ich dann und wann ein Gläschen Likör.
Arzt: Ter Alkohol stört die Funktionen der Leber, indem er dies Organ kongestionicrt und entzündet. Entweder bringt er fettige Entartungen zum Entstehen, oder sein verderblicher Einfluß ist die Ursache von Schrumpfungen, Verhärtungen und warzenförmigen Gebilden aus der Leber. Ter Kranke wird von der Leberzirrhose (Bindgewebe Durchwachsungen) der Trinker befallen.
Trinker: Wenn mich Nierenschmerzcn quälen, beruhigt mich ein Gläschen geistigen Getränks.
Arzt: Der Alkohol beivirkt Nierenschund.
Trinker: Ich bin schwach und brauche ein Slärkungsmittel.
Arzt: Es ist Tatsache, daß der Alkohol dem ganzen Organismus gleichsam einen Peitschenhieb gibt. Aber diese Wirkung ist nur vorübergehend, die Gegenwirkung daher dauernd.
Trinker: Ist der Morgen ncbelfcucht, so vertreibt Branntwein den Nebel und erwärmt mich.
Arzt: Der Alkohol treibt das Blut ins Gesicht, daher dies Wärmegefühl. Aber das Blut, das sonst im Innern des Körpers geblieben wäre, tritt an die Oberfläche und erkaltet, so laß, weit entfernt, Sie zu erwärmen, der Alkohol ein Wärmeei itzieher ist.
Trinker: Da ich arm bin, kann ich mir nur geringwertige Speisen gönnen. Ich brauche also Branntwein zu meiner Ernährung.
Arzt: Der Alkohol kann nicht als ein Nahrungsmittel gewertet werden; denn er enthält weder Eiweiß, noch Kohlenstoff, noch Phosphor, noch Eisen.
„Der Wein macht lose Leute, und stark Getränke macht ivild; wer dazu Lust hat, wird nimmer iveise." (Sprüche 20, 1).
G. Barbant.
€in alter Abstinent-
Prediger in Köl i machte in dieser Stabt eine interessante Bekanntschaft. Er schreibt darüber:
Bor kurzem kam ich mit einem 70jährigen vand- werker in Unterredung. Ich interessierte mich besonders für dieses noch so rüstige, gewandte und aufgeheiterte Männchen. „Nun, Sie sind ja noch recht rüstig und munter für Ihr "Alter, Herr "Nachbar/' redete ich ihn an.
„Ja, dao iuiü ich Ihnen sagen, wo das herkommt, ich habe nämlich in meinem ganzen Leben noch keinen Tropfen Alkohol getrunken."
Attf mein Erstaunen und weiteres Befragen teilte er mir noch etwa folgendes mit: „Mein Großvater, ein Belgier, der noch die meisten Feldzüge Napoleons » itmachtc, ist l(i3 Jahre all geworden, und mein Pater erreichte ein Alter von 97 Jahren. Beide haben ebenfalls in ihrem Leben nie geistige Getränke ge-


