Ausgabe 
31.12.1914
 
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beschränktem Maße. Der Kapitalmacht ber Großbetriebe gegenüber haben sie einen schweren Stand. Reklame, Preisunterbietungen und die Ausdehnung der Maschinenarbeit der Großbetriebe auf die bessern Zigaretten erschweren ihnen das Dasein. Der andauernde Kampf zwischen dem englisch-amerikanischen Zigarettentrust und dem Antitrust soll große Summen verschlungen und den Rein­gewinn der beteiligten Firmen empfindlich geschmälert haben. Unter dem scharfen Wettbewerb Preisunterbietungen, Zugaben, lange Kreditgewährung usw. lohnte die Herstellung der billigen Zigaretten mit Handarbeit noch weniger als bisher, sobatz im Zigarcttcngcwerbc die Heimarbeit von Jahr zu Fahr an Bedeutung verliert. Der Absatz von Zigaretten im Einzelvcrkaufe hat auch im Jahre 1913 bei den billigcrn Sorten weiter zugcnommen, woran leider die Jugend großen Anteil hat. Es wäre zu wünschen, ivenn alle, die a» der Erziehung der Jugend arbeiten, dahin strebten, daß sic mindestens jetzt das Zigarettenrauchcn läßt und, wenn stc durch­aus llbersliissiges Geld hat, den Truppen im Felde Tabak schickt. Den Soldaten, die im Schützengraben liege», wird die Zigarette weniger schaden als den Stubenhockern.

Kricys-Lchundliteratur.

Eine Unmenge Literatur, die sich mit dem Kriege befaßt, ist in den letzten Wochen und Monaten auf den Markt ge­worfen worden. Nur ganz vereinzeltes davon ist gut, nur weniges erträglich, das allermeiste ist verderblicher' Schund. Vor alleni gilt das von den vielen mit Bildern geschmückten Heften, die zum Verkauf gelangen. Als Massenartikel kom­men da die sogenanntenKriegschroniken" in Betracht. Ein Heer von Agenten hetzt treppauf, treppab, um mit dem ganzen Aufgebot seiner Ueberredungskunst die Ware an den Mann, oder besser gesagt, an die Frau zu bringen. Denn in erster Linie sind es die Frauen, ans die cingercdet wird und die gewöhnlich auch hereinfallenl

Wir sagen hcreinsallcn, weil nicht immer das Gute ge­wählt wird. Da ist vor allem maßgebend ein recht grell­farbiges Titelbild, dann kommen die schönen Bilder im Heft selbst. Tie meisten Besteller bedenken nicht, daß der größte Teil der Abbildungen Phantasiegebilde irgend eines Menschen sind, der voin Schlachtfeldc so wenig gesehen hat, wie der Leser selbst. Bei ein klein wenig Nachdenken müßte auch der Beschränkteste das Unwahre, ja direkt Uninöglichc dieser Malereien einsehen. Ein weiteres ausschlaggebendes Moment ist die Größe und Dicke des Heftes; die Qualität ist Neben­sache. Wenn man im gewöhnlichen Leben z. B. zwei Säcke voll Kartoffeln nebeneinander stellen würde: einen großen Sack voll fauler, einen kleinen Sack voll guter Ware, welchen würde man wählen? Jede Hausfrau würde den für dumm erklären, der ihr zumuten würde, den großen Sack mit den faulen Kartoffeln nach Hanse zu schleppen, selbst wenn sic ihn geschenkt bekäme. Das sieht gewiß jeder ein. Genau so ist es mit der geistigen Kost, mit der Literatur. Da darf nicht die Dicke des Buches maßgebend sein, sondern nur der Inhalt. Deshalb reiflich prüfen, ehe nian bestellt. Gewöhn- lich muß ein Bestellschein ausgefüllt werden, der zur Ab­nahme sämtlicher Hefte verpflichtet. Diese Verpflichtung wird denn auch streng dnrchgcfllhrt.

Schon laufen Briese auf die Zeitungsredaktionen ein, die beklagen, daß man sich auf die Bestellung solcher Hefte ein­gelassen hat. Da hilft eben nichts anderes, als vorher auf- zupasscn und ans die Anpreisungen der Agenten, denen an sich ja der Verdienst zu gönnen wäre, nicht hereinzufallen. Auch au§ Mitleid mit armen Verkäufern braucht man sich lund seinen Kindern nicht geistiges Gist zu verordnen.

Besonders abstoßend ist das Kolportagegeschäft, wo cs sich als den Wohltäter gibt. Da gibt es beispielsweise ein auf schlechtesten! Papier gedrucktes HeftchenWeltkrieg". Wert ist das Ding so gut wie nichts, aber cs wird zu 15 Psg. das Heft verkauft, und, wie uns versichert wird, geht es gut ab. Es trägt nämlich mit fettem Druck den Vermerk:Ein Teil des Reinertrages wird der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen zur Verfügung gestellt." Wer das nicht glaubt, kann bei dem Verlage H. Coenen die Quittungen einsehen. Er weiß freilich dann immer noch nicht, wie groß derTeil" ist, der den Hinter­bliebenen zufällt und welchenTeil" der wohltätige Geschäfts­mann für seine Taschen reserviert.

Recht irreführend ist auf dem Heftchen folgender Stcmpel- aufdruck:Mit Genehmigung des Generalkommandos . . . . (oderdes Gouvernements . . .") zuni Verkauf erlaubt". Harmlosen Gemütern kann so von gerissenen Agenten ein- geredet werden, diese wertlosen Hefte seien militärisch empfohlen, und als handle eS sich um ein halbamtliches Unter- nehmen. Es ist aber nur ein privates Geschäft, und zwar ein recht gutes.

Also: Augen auf Taschen zu!

Unsere Dichter'.

Außergewöhnliche Ereignisse iitxsii auf den Gvmiitszustand recht vieler Menschen einen eigentümlichen Einfluß aus. Sie können sich von den sic belastenden Eindrücken für eine Spanne Zeit nur dadurch befreien, daß sie ihre Slümnung in Form eines Gedichtes ausdrücken. Versuchen in normalen Zeiten schon mehr Menschen als wünschenswert zu dichten, so schvillt diese Zahl zu Lftern, Pfingsten und Weihnachten besonders an, in kritischen Zeiten über­steigt sic sogar aller- Maß. Ein Berliner Kritiker berechnete die Zahl der Gedichte, die in de» ersten KriegSwochen gemocht nnirden, auf täglich mindestens 80 006 Stuck. Auch jetzt noch hat der Krieg eine Hochflut aus diesen! Gebiete hervuvgerufcn, und nich nur im Lande, von den am Krieg« nur passiv Beteiligten, sondern auch draußen ini Felde von unser«! Soldaten wird fleißig gedichtet, und mancher poetisch Erguß flattert ans unseren Redaktionstisch mit dem Wunsch, ihn gedruckt zu sehe». Rur in den seltensten Fällen ist c* einmal möglich, solche eingesandten Gedichte abzudrucken, denn der Mängel sind gar viel« vorhanden. Es bleibt uns in d«r Regel nichts übrig, als dem Einsender das Werk seines Gedankenfluges «nt einigen Worten zurllckzusendcn und ihn darüber onfzukiären. daß zu einem guten Gedicht mehr gehört, als der gute Wille, näm­lich außer den, Beherrschn der äußeren Form auch die Fähigkeit. Enipfundenes iz, ansprechender Weise wiederzugeben. Wir sind aber dabei nicht in den Fehler verfalle», wie es jüngst noch ein fächstschs und badisches Partciblatt getan hachn, die Zusendung von Etedichten aus dem Leserkreis« als eine persönlich Beleidigung zu betrachten, als einen beabsichtigten Streich oder ein Aiieniai au! den zuständigen Redakteur. Es erscheint uns das ein« sehr begneme und oberflächliche Anschauung zu sein, die von psychologischen Kennt­nissen keineswegs beschwert ist. All dies« Dichter dichte» sa nicht, weil sie de» ihnen gleichgültigen Redakteur ärgern wollen, auch nicht, weil sie Honorar für das Gedicht haben wollen, sondern ganz einfach, weil :r ~. Gemütszustand ihnen dir Aussprache tu Form

eines Gedichtes nodwendig macht, uni wieder in-s Gleichgewicht zu kommen. 0!ang folgerichtig ergibt sich auch der Wunsch, das Gedicht gedruckt zu sehen, d h. sich andern mitzutei-leii. Auch das ist begreif­lich. Eine andere Frage ist frentich, ob ein solches Gedicht volüom- lmn genug ist, um zur Kenntnis eines größeres Kreises gebracht zu werden. Das ist aber in der Regel zu verneinen. Zu einem guten Gedicht gehört die Fähigkeit, seine Gefühle in solch anschaulicher Form in Worte zu kleiden, daß der Leser sie in gleicher Weise mit- cmpsindet. Hier liegt gewöhnlich der Mangel, und zwar nicht nur bei den Auchdichtern, sondern auch bei denrichtigen" Dichtern. Hinzu kommt, daß das Gedicht in seiner ganzen Gliederung, in Versmaß und Reim Anforderungen entspreä-ci, muß. die man zwar bis zu einem gewissen Grade lernen kann, aber doch nicht schassen kann, wenn mau die Bcranlagung nicht dazu besitzt. Nach alledem muß sich dcrscmgc sogen, der nun einmal den göttlichen Drang zum Dichten m sich spürt, daß es allein damit nicht getan, sondern daß auch hier das Wort wahr ist, daß zum Genie auch unermüdlicher Fleiß gehört, d. h. um Dichter zu sein oder zu werden muß man neben der dichterischen Veranlagung auch ein tüchtiges Stück Arbeit leisten in der Kenntnis und Beherrschung dichterischer Formen. Wer also sein« Schublade mit Gedichten vollgepackt hat oder besonders jetzt in der Kriegszelt zu dichten begannen hat, denke daran, daß nur die wenigsten zu den Anserrvähiten ffelstiren und namentlich, daß in eine Zeitung nur das Beste vvm Besten gehört. Rechnet er sein Gedicht nicht zu dieser Gattung, so behalte er es zuhause. Er er­spart sich und anderen Aevgcr und Enttänschnng.

Umschmikn und hlmdeln - die kommunale Kriegspflicht.

Tie Nahrungsmittelfürsorge ist heute das wichtigste aller komniunalen Gebiete und es ist erfreulich, daß, während cs in unseren Komniunen früher immer recht lange währte von der ersten Anregung bis zur praktischen Durchführung, man jetzt von jenem Schneckentempo ein wenig abgekonimen ist und sich statt dessen oft sogar durch eine besondere Rührig­keit auszcichnet. Mehr wie je ist es jetzt darum für unsere Kommunen von Wichtigkeit, um sich zu blicken nach jenen Gemeinden, die aus dem Wege der Entwicklung in irgend einer Weise am meisten vorgeschritten sind, und ihr Beispiel zu beachten ilnd nachznahmen.

Wie die Franks. Zeitung berichtet, sucht nian in Frank­furt wie in wenigen anderen Städten der Kartoffelnot da­durch Herr zu werden, daß man die Kartoffel-Produzenten und -Händler zwingt, ihren Vorrat zum Verkauf zu stellen und um der Teuerung des Fettes als wichtigen Volksnah- rnngsinittcls entgegenzntretcn, hat der Oberbürgermeister von Aachen den Höchstpreis für das Pfund Schweineschmalz auf 1,10 Mk. festgesetzt. Das sind gewiß Maßnahmen, die manche Not lindern helfen. Doch ist noch mehr erforderlich und diesen Schritt hat man in Zweibrücken getan. Dort werden der Städte-Zcitung zufolge von der Stadt jeden Monat an Familien, deren Ernährer im Felde stehen, Kar­toffeln abgegeben, und zwar je nach der Kinderzahl y 2 bis 1/2 Zentner. Die Stadt verkauft auch Kartoffeln, und zwar zu 8,50 Mk. den Zentner und in Höchstmengen von 50 Kg. Auch findet allwöchentlich Kohlenabgabe statt; bei der ersten Abgabe nahmen rund 300 Personen je 1 Zentner umsonst in Empfang. Das stellt wahrlich eine ganz erhebliche Für- sorgcinaßnahine dar, die überall eingeführt werden sollte. Denn cs ist doch nur zu natürlich, daß den armen Verlasse­nen einmal geholfen werden muß und daß andererseits so­wohl Kartoffeln wie Koblcn bedeutend teurer sein würden, wenn die einzelnen Frauen sich die Sachen vom Nnter- stütznngsgelde selbst in kleinen Mengen kaufen müßten.

Aber auch ans dem Gebiete der Nahrungsmittel Pro­duktion verniag die Kommune Großes zu leisten. Wie führen bekanntlich große Mengen Gemüse ans dem Ans­lande ein und haben daher die Pflicht, jetzt dieses wichtige Volksnahrungsmittel im eigenen Lande herznstellen. Da können uns, worauf wir bereits hinwiescn, die städtischen Baulandslächen gutö Dienste leisten. Die erste Stadt, die hierin Praktisch vorgegangen ist, ist das Städtchen Sebnis in Sachsen, das, wie erinnerlich, s. Z. als erste deutsche Stadt die kommunale Mutterschaftsversichcrung cinführte. Im dortigen Grenzblatt veröffentlicht der Stadtrat von Sebnitz eine Aufforderung an die Besitzer von Baulandslächen zur Kultivierung mit Gemüse. Ter Stadtrat nimmt darin auf eine staatliche Verordnung bezug, die gewiß auch in den anderen Staaten ergangen ist. ohne daß man allerdings auch nur etwas davon gehört hätte. t

Gewiß würde eine allgemeine Nachahmung des Seb- nitzcr Beispiels von Bedeutung sein, denn gar mancher würde hoffen, so nebenbei ein Geschäft machen zu können. Wenn man aber eine Bewirtschaftung in sozialein Geiste erstrebt, dann sollte man noch einen Schritt weiter gehen und eine kommunale Bewirtschaftung durchführen. Durch eine solche Konzentrierung sind natürlich die Unkosten geringer und zugleich wird so nachher der leidige Wucher durch selbstsüch­tigePatrioten" vermieden.

Von großer Bedeutung ist es auch, daß jetzt neben der Nahrungsmittelzuführung endlich auch einmal die Ver­wertung der Abfälle von den Kommunen in die Hand genommen wird. Wie der Hamburger General-An- zeiger nicldet, hat sich in Hamburg jetzt bereits eine private Gesellschaft gebildet, die das systematische Sammeln der Ab- fälle in den Häusern vornehmen lassen will. Das Abholen soll durch Milchhändler erfolgen. 76 Landwirte haben sich schon zur Abnahme bereit erklärt und jeder will für daS Liter 214 Psg. zahlen.

Wie komnit es, daß trotz der allgemeinen Mahnung zur K 0 m m u n a l i s i c r u n g des Abfallverwertungswcsens solche privatkapitalistische Gründung niöglich ist? Weil man in der Kommune zögerte und zögerte und nicht die Energie hatte, nun einmal den entscheidenden Schritt zu tun. Wo- hin nian nur blickt, bietet sich also den Kommunen Gelegen­heit zu lernen, dazu aber heißt cs zugleich mehr wie je zu­vor: nun auch schnell handeln!

Kriegshysterie.

Das bcnlschc Volk erträgt mit bewundernswerter Ruhe den aufgezwungencn Krieg i-nd seine Folgen, von denen auch keiner zu Hause verschont bleib! Leiber gib! cs aber einzelne Aufgeregte, die mit Wichtigtuerei "nd Ausgcblaicnhcit die Allgemeinheit be­lästigen. Der gesunde Sinn des Volkes hindert diese zwar, Unheil zu stiften, aber sie falle» unangenehm ans, was sie leider selber

nicht merken. Dazu gehören vor allem die, die eine Siegeknach. richt dazu benützen, um die Bcflaggung der Stadt anzuordnen, ob- wohl sie am wenigsten berufen sind, anderen vorzuschrclben, wie sie

ihre Anerkennung und ihre Freude über den Erfolg unserer brave» Truppen zum Ausdruck bringen wollen. Und nicht weniger aus die Nerven gehen die Tuschler und Besserwisser, dieaus absolut sicherer" Quelle die Nachricht schöpfen, daß ihr Hindenburg sie haben ihn schon ganz für sich beschlagnahmt in den lebten Tage» wieder cinma! so und so viel hunderttausend Russen gefangen hat. Mit ihrem Tratsch erreichen diese Leute natürlich nur, daß bei jenen, die ihnen Glauben schenken, eine Enttäuschung csntritt, wen» der amtliche Tagesbericht nicht bestätigt, was ihnen die Kriegs- schwäyer vorgemacht haben. Wenn ein Münchener Blatt in einer Zuschrift aus Berlin jetzt zur Würde und Ruhe mahnt, so richi« sich die Aufforderung in erster Linie an derartige Helden hinter der Front, die die ernste Zeit dazu benützen wollen, um ihrer herzlich gleichgültige» Persönlichkeit etwas Gewicht zu vcrschafscn. Ta» deutsche Volk, das seit Kriegsausbruch durch sein Handel» bewieie» hat, wie reis und wie fähig cs ist, auch die schwerste Belastung», probe zu ertragen, bedarf keiner Reklamescxcrei, um sich von ihnen die Pose einstudieren zu lassen, in der es die Ereignisse ans dem Kriegsschauplabc hinzunehinen hat. Sinnlos, aber auch gefährlich ist cs, einen von uns allen begrüßten Waffenerfolg mit fettet Lettern als endgültige Entscheidung anszuposaunen, gefährlich deshalb, weil sehr viele nicht erkennen, daß die endgültrgr Entscheidung nur als Spitzmarke gewählt wurde, um der fällige, Zeitungsnummer erhöhten Absatz im Eiiizclvcrkauf zu verschösse,, Das wäre doch ei» ganz merkwürdiger Patriotismus, der sich da. durch äußerte, daß wir bei einer Siegesnachricht außer Rand und Band geraten. Worauf es ankommt, ist, daß wir die Gesamtiage des Krieges richtig erfassen und mit imgcbcngtcm Willen burch- haiten. Mit diesem Willen waren wir bisher eine Stütze unsere« tapferen Heeres und so wollen wir cS auch weiter halten, lind darum: Kaltes Wasser für diemännlichen" Hysteriker de«

Krieges.

Was sollen unsere Kinder jetzt lesen?

Mit dieser Frage werden sie selber schnell fertig sein. Selbstverständlich wollen sie von dem lesen, was jetzt aller Gedanken beschäftigt, aller Herzen bewegt: vom Kriege. Es wäre unnatürlich, wollten Eltern und Erzieher darin etwas zuwider haben. Aber ein bißchen der Ueberlegnng bedarf die Frage für sie doch. Es gibt jetzt schon reckst viel über den Krieg zu lesen, was unsere Kinder nicht lesen sollten. Denn auch die Schundliteraten sind schon eifrig an der Arbeit, denaktuellen" Stoff für ihre Zwecke auSzuschlackstcn. Schund aber sollen unsere Kinder nickst lesen, auch wenn er vom Kriege handelt. Bon dieser Art Lesestosf gibt es be­kanntlich zwei Sorten, die inan als grobtzn und feinen Schund bezeichnen kann. Zum ersten rechnen die Schriften, deren Verfasser vor allem darauf ausgehen, die Einbildungs­kraft durch Häufung und Ausmalnng von Grcuel^enen aus- znpeitschen, Mord und Brand niehr oder weniger unver­blümt als Heldentaten erscheinen zu lassen, und die so das sittliche Urteil der jugendlichen Leser verwirren. Die Tate, der Franktireurs, der Hyänen des Seblachtseldes, der Ange­hörigen wilder Volksstämme in den feindlichen Heeren bieten ihnen dankbare Stoffe, deren grausige Wirklichkeit sie ab« noch zu überbieten trachten. Diese Art Schund ist verhält- niSmäßig leicht zu erkennen. Sie kennzeichnet sich Mw» äußerlich durch das grobe Papier, den schlechten Druck, ir. grcllbunten Bilder aus dem Umschlag. Der seit Jahren gWn führte Kanipf gegen die Sckmndschriften hat doch schon den Erfolg gehabt, daß Eltern, die sich überhaupt um ihre Kind« kümmern, ihnen diese Art Lesestoff unter allen Umständen fernhalten.

Nicht ganz so einfach ist die Sache mit dem feinen Schund. Tie Bücher, die dazu gehören, stellen sich äußer­lich recht achtbar dar kosten übrigens auch meist ein hüb­sches Geld und geben sich inhaltlich so, daß sie direkt un­sittliche Anreize vermeiden. Was sie aber mit dem groben Schund gemeinsam haben, ist, daß sic ebenso wie dieser der inneren Wahrhaftigkeiten entbehren. Gewöhn­lich tritt da ein junger Held auf, je näher dem Knaben, desto besser, der die wunderbarsten Heldentaten vollbringt, die nnglaublichstcn Gefahren übersieht und eigentlich ganz allein schuld daran ist, daß unser Heer diese oder jene Schlacht ge­wann, diese oder jene Festung eroberte. Wie gesagt, ganz so schlinini wie der grobe Schund mag dieser feine nicht sei»- Abcr auch er richtet Schaden an, indem er den gesunde, Wirklichkeitssinn unserer Jugend aus Abwege führt, ihr ei, falsches Bild vom Wesen des Krieges und seinen Erforder­nissen vorführt und sic dadurch gegen wirkliches Heldentum stumpf und unempfindlich macht. Man sollte gegen all« Dichtungen" ans deni jetzigen Kriege mißtrauisch sein und sich sagen, daß die Zeit noch viel zu kurz ist, als daß wirklich! Kunstwerke schon hätten reifen können.

Verlangt die Jugend nach Dichtungen, in denen Kriegs'! stimmung weht, so braucht der Stoff doch nicht den jetzigen Kriegsbegcbenhciten entnommen zu sein. Sie möge dann ruhig Bücher lesen, in denen echte Dichter Heldenkämpi« früherer Zeiten dargestellt haben. Ueber den jetzigen Krieg aber soll sie Berichte lesen, die der Wirklichkeit ent­sprechen: die knappen sachlichen Kriegsberichte unsere,

Heeresleitung, die ausführlicheren Darstellungen milita- rischer Fachleute, nicht zuletzt aber die Feldpostbriefe unser-, wackeren Krieger, die erst das- rechte Bild geben von do^ was der einzelne Mann in diesein Kriege zu leisten hat, niw- sowohl in kühnem Draufgehen obwohl es daran wahrste nicht fehlt als in standhaftem Ertragen von Hunger und Kälte, im Ucbcrwinden von Müdigkeit und Trübsinn, ^ geduldigen Ansharren, bis endlich der Befehl zum Vergeh«" kommt. Bücher, in denen sich dergleichen findet, gibt " j natürlich jetzt noch kaum. Darum, ihr Eltern, laßt cs e»r- Kinder ruhig aus der Zeitung lesen. Wenn ihr sic gut f r zogen habt, werden sic sich begnügen, das zu lesen, was >» als für sie passend ansgewählt habt.

Die Niujahisschietzerei,

die sehr oft zu grobem Unfug ausartete, wird dieses Jaln js" Prüfstein des sittlichen Ernstes werden, der jeden in Kriegszeit beseelen sollte. In einer Zuschrift des Niirniu n Jugciidfürsorgcvcrbandcs wird die strafrechtliche Seite des

jaßrschicßenS besonders hcrvorgckchrt, weshalb sowohl die

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wie die Erziclningtbercchtigtcn die nachstctzcndcn Zeilen sollten: Die Verhütung strafbarer Hanbiungen insbesondere stigcndiiche» Personen ist ungleich wichtiger, als die Bestrasu», selben. Es werden Eltern und Erzieher daraus ausmerksam

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