Hessen und Nachbargebiete.
«ietzen und Umgebung.
Arbeiten — und nicht verzweifeln!
Tie Weihnacht des Jahres 18,4 wird denen die sie erleb,ev Lump, brüll,.» an den o rcnzen des Reiches die Kanonen. -eod »nd Verderben jpien idre ederiiki- Mäuler. „euer, und Pulverrauch wallte über den Gei,Iden der Schlacht. Mi. verdoppelter Wucht versuchte^!!. Fe.n de an vielen Stellen durch,ubrechen m der törichten Hossnung. d,e Teuischen werden ^'">>n-»»sstimmuns «ein und darüber ihre barte Z-U-atenpflicht vergeiien. In ohnmächtigem Grimme gegen da. Walten der Zerftöruna verliehen wohl gerade in der Weihenacht viele Bewohner der Kampfplätze ihre berstende» HLuser. die krachend, umloht von zünflelnden Vernichtung-flainmen, in ? fr n? iS®* En ihre Zeufzer um de vernichtete (»e«ma: gellte^die allbekannte Fricdensbotschasi der heiligen Weihnacht' —
Tobeswund mögen iu der Heiligen Rächt hinter entblätterten Baumen und Strauchern. in Graben und Ackerfurchen die Ber. letzten ge egen haben. Ter Brand ungestillten Turstes zcrrlst schm^zhast ihr Eingeweide. Schwer und irocken klebte die Junge am Gaumen — und nur schwersällig lallte sie den Ruf nach Er- lösung von ,eder Qual. Ernste, reise Männer mögen nach Weib und Kind im Fieberlampsc gerusen haben — „nd .Mutter" ^Mutter" — und .Wasser", .Wasser" und „Hilfe", „Hilse" — hat» wohl oft durch die schweigende Rächt gezittert. Grausige Fanale, brennende Dörfer »nd Städte erhellten die Finsternis — und vom unversehrten Turme einer nicdcrgebrannten »trchc wimmerte ein In Feuersgluten heiser gewordenes Glöcklein die fröhliche Friede».- botschast ins Hand: Friede de» Menschen aus Erden! In den
Ticscn fcuchtkalter Kellerräiime aber drängten sich hungrige Kinder- scharen um verzweifelte Miitler »nd flehten weinend um Brot. . . .
TaS ist der Krieg!
In unserer Heimat, der zum grösiten Teile dank unseren tapferen Soldaten die Schreiten des Völkerriiigcn» erspart blieben, stand das Wcihnachtsscst unter dem Zeichen de» ttrieges. Ernst, Wehmut, Trauer, aber auch die Entschlossenheit, durchznhalten, sic waren die Leitmotive der hinter und liegenden «riegdweihnachl. Väter, Söhne »nd Brüder, Verwandte und Freunde stehen im Felde — und viele von ihnen kehre» nimmer heim aus dem Kriegssturm! Rie wieder erstrahlen ihre Rügen im Widerscheine menschlichen Glückes. . . . lind verwaiste Kinder trauern um ihre Väter, unzählige Frauen weinen ihren irgendwo in fremder Erde ruhenden Gatten Tränen der Verzweiflung nach, unzählige Eltern bewegt der dumpfe Schmerz um die gefallenen Söhne. Das Schliminste blieb ihnen nicht erspart: ihr Liebstes fern von der
Heimat auf immer verlieren zu müssen! . . .
Tic Trauer hatte sich ungebeten an gar vielen Weihnachtstischen nikdergelaffcn — und keine Festesstimmung wie sonst mochte sich einstellen. Der stumme, unwillkommene Gast schreckte sie von dannen. Ter Tag der wiedcrkchrcnden Tonne war diesmal sehn, süchtigstem, schmerzlichstem Gedenken an die Opfer geweiht, die der grause Krieg uns raubte. . . .
Aber nicht ungcniibt darf ihr Blut qeslosien sein! TaS sei »ns festester Wille und Entschluss! I» den furchtbarsten Taten, die er je verrichtet, hat uns der Krieg aufs neue bewiesen, welch fchrcckenvolles Widerjpiel zu aller Kultur und MenschheitSentwick- lung er ist. lind uiisere Ausgabe sei es, nicht zu erlahmen in der Arbeit, diese Erkenntnis zum selbstverständlichen Allgemeingnte zu mache»!
Alle, die liebe Menschen im Felde verloren, mögen sich des WillenSspruches des grosien schottische» Moralisten und Ethikers Thomas Earlylc erinnern: Arbeiten — und nicht verzweifeln! Arbeite» zunächst, um durchhalten zu könne», bis zum guten, er- folgreichen Frieden! Arbeiten aber auch an der geistigen Erziehung der Volkes, arbeiten an seinem sozialen Aufschwung, arbeiten im Friedens- und Kulturdicnst des Sozialismus, der gleichinäsiig allen Völkern helfe» will und nur das eine Ziel kennt, sie zur Freiheit »nd Freude zu erziehen!
Ten Willen und die Kraft zu dieser Arbeit, die ihren be» glückenden Lohn in sich trägt — mögen wir sic als köstlichste Gabe der SrlcgSwcihnacht 1814 uns alle Zeit bewahren.
Eine Krieqsarbcitsflcineinschaft für das BaiMwcrbc
Eine Versammlung von Arbeitgeber- und Arbeitnehinerver. kreier» das Bangcivcrbcs »nd der Baunebengewerbe der Provinz Brandenburg fand kürzlich i» der Handwerkskammer zu Berlin statt. Ter Vorsitzende des Brandenbiirgischc» llntcrnehmcrvcr. bandcs wies daraus hi», das, am IS. Oktober do. Js. die Berliner Zentralvcrbändc eine Arbcitsgcnietnschast gebildet haben, die danach streben soll, zur Erhastung der Volkskraft während des Krieges die barntederlienciibc Bautätigkeit zu heben. Dieser Ar- beitSgcmcinschaft gehören rund 00 000 Unternehmer und rund eine Million organisierter Arbeiter des Baugewerbes an. Tie Versammlung sei einbcruscn, ui» einen Bczirksausschusi für die Pro- vinz zu bilden. Zur Zeit sei zwar ln der Provinz Brandenburg von einer grosien ArbcitSlosigteit nicht zu sprechen, cs bestehe sogar Arbcitcrmangel für die meisten Handwerksbetriebe. Sobald aber die Barackenbauten und Schanzarbeiten fertig sei» werden, werde sich auch die Arbeitslosigkeit bemerkbar machen. Ta gelte cs, vor- zubcugen! Tie Behörden würden sich, wie anderwärts auch, in der Provinz Brandenburg bei genauer Darlegung der Gründe und Berhälinisic den berechtigten Wünsche» de. gesamten Bauhand, werks sicherlich »ich, vcrschliesie».
Ten Aussiihrungcn de» Referenten wurde von allen Vcr- tretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer beigestimmt und die Bildung der Arbciisgcnicinschafl siir die Provinz Brandenburg beschlösse», der die verfchiedcnc» Ilulcrnclniicrgruppcn und Gewerkschaften der verschiedenen Richtungen angehSren. Ter Ansschuh soll Eingaben an sämtliche bauende Beliörden der Provinz Brande»- bürg, Handels- und Handwcrkskaiiimcr »sw. ausarbeiten, um die schon beschlosicncn Bauten möglichst sosort aussübren zu lasten und unigchcnd Mittel sür weitere Bauten bereit zu stellen. Auf kapitalkräftige» Stelle» soll aus Erleichterung der Kapitalbeschaffuiig hin- gewirkt werden, insbesvndcrc soll die Errichtung von öfsenilichc» Hupvtbekciibcleibungs-Aiistaltcn angcstrcbt werden, um hierdurch auch die private Bautätigkeit ;u beben. Ebenfalls soll an die Haus» besivcrorganisation mit der Bitte herangetretc» werden, Ausbesie- rungs- und Renovierungsarbeiteu schon möglichst jetzt vornehmen zu lasten.
Aus den Verlustlisten.
Rejervc-Jnfanterie-Regiment Rr. 222, Giesien
Beaucamps vom 80. 10. bis 2. 11., Le Maisnil von, 8. bis 2»., Pont de Pierre am 8. und 8.. Froniclles am 10. und 11. und Ruders vom 11. bis 17. 11. 11.
Musk. Wilh. Schneider (1. Komps, Ricdcrramstadt, Sr Tarm- >dt, gefallen — - Musk. Ctto Jo. Rahrgang (2. Komp.', iederklein, Sr. sirchha: i. gefallen. — Musk. Gustav Schaust . Komp.), Wetzlar, gefallen.
3. Kompagnie Utsfz. Hans Silbingcr. Gicsic», schwer rwundet, inzwischen gestorben. — Musk. Andreas Schmidt 1 >., lordt, Sr. Lautcrbach low — Musk. Fritz Reinhardt, Gontcrs- rchcn, Sr. Schotten lvw — Musk. Sari Lov, Volpcrtshau,cn,
.ui. ssujotten, lvw. — -yilltM. .'tan vüo,
Betzlar, lvw. — Kefr. Heinrich Hämisch, Neuwied, ichwvw 1. Kompagnie Musk. Max Grünewald, Giesien, lviv. — usk. Friedrich Hendrich Giesien, lvw. — MuSk. Heinrich Jung l , auscnbcrg, lvw. — Musk Reinhardt Tröller, Lauter, Kr. Giesien, ~ ^usk. Ehriftian Tchmidl, Vilbel, loir.
^°n'pa«nie. Musk. Peter Zewe. Geniesweiler, lvw. — ^ . Ml- Grieser. Bensheiu, an der Bergstraße, Ichwvw. — s.-Res. Ernst Wchrhein, Cronberg, schwvw. — Er,-Res. Jo,e,
Götzinger, SieSbach, Sr. bitweiser, fvw. — Ers.-Res. Anton F-bbe l6. Sonip.I, L-Mar»b«rg, Kr. Brilon, lvw.
7. Kompagnie. Erl.-Res. Johann Adaml, Münchwald, Kr. Kreuznach, lvw. — Ers.-Res. Johann Hauplmann, Re»nl,rche„, low. — Ers.-Res. Otto Weber, Knsel, Pfalz, lvw — Ers.-Rrs. Jacob «iitermüller, Reunkirchen, lvw. — SraSfr. Walter itzrube <8. Komp. 1, Reudorf. Auba!». lvw. — Erl Rel Herm. Althofj (8. Komps, Lenhausen. Kr. Meschede, gefallen.
— Lohndrückern. Obwohl die Preise der notwendigster: 2 c b e n S n> i t t e l ganz gewaltig in die Höhe getrieben worden sind »nd eine Familie beute bedeutend mebr für den Lebensunterhalt braucht, als vor drin Ausruch der .Krieges, werden die Arbeitslöhne eber nocb berabgedrückt. Verfchie- öenc Nahrungsmittel sind auf daS Toppcile de« vorherigen Preises gestiegen, andere uni 20, 10. 00 Prozent. Ebenso andere Bcdar'Sartikel, so Leise, Wolle. Lchuhwerk und vieles rudere. Lclbswcrskändlick wird dadurch di« Lebenshaltung der arbciicndcn Bevölkerung ganz rmpfindlich heradgedrückk. ihre ohnehin nicht beneidenswerte Lage noch verschlechtert. Dazu wird von vcrschiedeiten Unternehmern ganz unerhörte Lobndrückerei geübt. Trotz aller Aufforderungen von Behörden und Mahnungen der Presse suchen die Herren noch mehr Profite alS früher aus den ArbeitSknochcn hcrauSzuichlagen. Und leider sind die Arbeiter gegenwärtig soläwm Treiben gegenüber wehrlos, weil ihre Organi- ialioncn wahrend des Krieges nur in den äußersten Fällen Lohn kämpfe unternehmen. Tie Bauarbeiter, die jetzt ohnehin schlechte Konjunktur hoben, leiden am meiste» unter der Lohndrückerei. Man sollte die Namen der betreffenden Unlcrncsiiner veröffentlichen.
— Gefallene au« Oberhesten und Nachbarjscbiete«: Freiwilliger Otto Lang auS Giesien. Jnf.-Regt. Skr. 222. — Freiwilliger Hermann Z u g e h ö r auS Giesien, Jnf.-Regt, Nr. 222. — Freiwilliger Heinrich Koch aus Friedberg, Jnf.- Ncgt. Nr. 108. — Freiwilliger Adolf Linden st ruth auS Giesien, Fns.-Ncgt. Nr. 222. — Untcrofs. Hch. Pfeiffer Mainzlar, Jnf.-Regt. Skr. 168.
— Vorsicht beim Verbrennen der Weihnachtsbäume! Nun der WeihnochtSbaum seine Lchuldigkeit getan und seinen Zweck erfüllt hat, wird er bald den Weg allen HolzeS gehen und in den Ofen wandern. Hierbei muh einige Vorsicht beobachtet werden, da sich beim Verbrennen der Nadeln starke Gase entwickeln, die im Lfen oder Herd leicht eine Erplosion Hervorrufen können, wenn zuviel auf einnial hineingestopft wird. Auch sonst ist Vorsicht mit den Bäumen geboten, wenn sie längere Zeit gestanden haben und in der Zimmerwärme trocken, geworden sind. Wenn die Kerzen zu weit l>crunterbrenneu, kann der Baum leicht Feuer fangen und Unglück cnksiehen. Man stelle den Baum auch nickt zu nahe an die Fenstergardine, weil diese am leichtesten aufslackert
— Ter heftige Sturm in der gestrigen Nacht bat im Walde Schaden angerichtet, auch in den Anlagen wurden vcr- schicdenilich Bäume beschädigt, wenn auch nicht sehr stark.
Ter Neujahrsbriesverkehr. Mit Rücksicht auf die grosie Uebcrlastung der Feldpost musi dringend empfohlen werden, den Nenjahrsbriefverkchr an die Truppen im Felde nach Möglichkeit cinzusckränken, jedenfalls aber auf die Abscndung von inhaltslosen Lcherzkarten unter allen Umständen zu verzichten. Seitens des Kriegsministeriums ist im Anneever- ordnungsblatt ein entsprechender Hinweis erlassen worden, der auch in der Heimat überall beachtet werden sollte,
— Ter Felspostdienst. Postamtlich mirö geschrieben: Bei der Versendung von Paleten an mobile Truppe» lianbcit cs sich um eine militärische Einrlchtung. Tic Versendung ist zulässig entweder über die E r s a tz - T r » p p t n 1 1 11 1 der im Felde stehenden mobilen Truppcnkörper oder über Paketdepots. Tic Beteiligung der Post beschränkt sich in beiden Fällen daraus, die Pakete aiiziiuchme» und den i» der Heimat befindlichen Erlatz-Truppc»- leiic» oder Pakcidcpois aus,»händigen. Pakete durch Vermittelung der Ersatz-Truppenteile sind jederzeit zu gelassen und nicht an eine Gewichtsgrenze von tz Kilogramm gebunden. TaS Porto für sie ist dasselbe wie für Soldaicnpakcte im Frieden. Tie Pakeic mllsien an den Ersatz-Truppenteil adresstert werden. Tie werden ohne Mitwirkung der Post noch der Front als Frachtgut der Heeresverwaltung befördert und den Empfängern im Felde durch die Heeresverwaltung, nicht also durch die Feldpost, zu- g e st c l l I. Sind solche Pakete im Felde unbestellbar, so sollen sic nach den von der Heeresverwaltung erlasienen Bestimmungeii an de» Absender zurückbesörbert werden. Pakete durch Vermittelung der Pakctdcpol» werden nur sür destimmie Friste» und nur bi» zum Gewichte von tz Kilogramm durch die Heeresverwaltung zuge- lasicn. Hierüber ergeht jedesmal eine Bekanntmachung, worin die Frist genau bezeichnet ist. Wenn die Paket« bei der Post eingc- liehet werden, erhebt diese ein Porto von 25 Psg Auch bei dieser Palelbesördcrung hat die Post mit der Weiterleitung der Pakete von de» Pakctdepots »ach dem Felde und der Zustellung an die Truppen nichts z» tun, die» liegt vielmehr ebcnsalls in den Händen der Heeresverwaltung. Hiernach ist cs unrichtig, für das Ausbleibc» der a» Hecresangehörigc im Felde abgrlandtc» Pakete stets die Postverwaltung verantwortlich zu machen. Diese hat nur die Besürberung von der Ausgabepost-nftal, in dem einen Falle zum Ersatz-rruppenteil. in dem andern Falle zum Militär-Pakeibepot zu vcrireien, wobei Verluste ober grosie Vcrzogerunoen nahezu ausgcschlosicn sind. Tie Schwierigkeit liegt in der Besördcruiia der Feldpaketc in Feindesland, namentlich wenn militärische Operationen stattsinden. Anch die dem Truppenteil obliegende Zustellung der Pakete an den Empsänger ist keineswegs so leicht aussührbar, wie das Publikum vielsach annimmt Viele Beschwerden der Absender von Feldpaketen darüber, dasi diese nicht angekommen seien, erweisen sich als nicht ziitrefsend, weil sic zu sriih erhoben waren. In anderen Fällen läßt das Publikum unberücksichtigt, dah die über die Militär-Paketdepot« gegangenen Pakeie bcstimmungsaeuiäs, nicht an den Absender zuruckgesandt. sondern zum Beste» des Truppeiileils verwandt werden, wenn sich der Empsänger nicht mehr bei diesem besindet. Ebenso wirb im Felde mit Paleten dieser Art versahren, die wegen falscher oder ungenügender Anfschrlst nickt bestellt werben können. Auster de» vorstebcnö erwäbuieii Feldpaketen an mobile Truppen kommen noch Pakete a» Hecresangchörige in Garnisonen des Tentschen Reiches in Bclracht die mi, Ausnahme der Standorte in den elsäksischen Kreisen Alikirck. Rülbausen. Gcbwciler. Tbann und Eolmar — jederzeit zugelasicn sind und den Vorschriften und Taren des Fricdensdicnstcs unterliegen.
Ter „Rationalslifinng sür die Sinierbliebene» der im Srie^ Gesollenen" Hai die Rciä'--Postverwaltun« ihre Mitwirkung dadurch geliehen, dasi sie sämtliche Poslanstalten deS Reichs-Post- gcbicis in dankenswerter Weise zur Annahme von Spenden sür die Stiitung ermächtigte. Bisl>er sind durch die Postanstalicn rund >08 000 Mk. an den Schatzmeister der Slisinng^abgeführt worden. Einen weiteren erfreulichen Zuwachs haben die StistungSmittel vor kurzem erfahren, indem der Nationalstiftung von dem ^AnSschusi der Sriegsspendc von Angehörigen der Reichs-Post- und Tele-
graphenverwaltung" a»s de» von de» BerufSgcnosicn gespendete» Beiträgen die Summe von 188 000 Mk. überwiesen worden ist. Mit Rücksicht aus den guten Zweck der Stiftung — Versorgung der Hinterbliebenen unserer lapseren Krieger — ist zu wünschen, dasi ihr die Teilnahme weilkr Kreise der Bevölkerung auch scruerhiu erhallen blelbt. E„,e günsiige Gelegcnheik zu solcher Bcläliguug dürste dar bevorstehende Reujahrssest blete», indcm die für die Ablösung von Reujahrsglückwüiischen und Geschenken bestimmten Geldbciräge diesmal in möglichst ausgedehnteiii Umsaiige der Rationalftistung zii,ztivtiidei iverdeu Zur Eiiizablung der Beträge lst überall begurme Gelege,iheil vorhanben. da nicht nur alle Post- anstailcn kinschliksillch der Postagriiiuren und PosthllsssteUrn, ja sogar auch die Laiidbrleslrägcr aus den Bestcllgäiigen Bcilrägc sür dte Ralionalftislung vom Publikum eulgegennehmen.
Eine wichtige gerichlliche Enischeidung sür kausmännische Ange- strllie Al» eine gröbliche Ausnutzung des wirlschasilich Schwächere» bczcichneie das Landgericht zu Stade den Aiislclluiigsverlrag, nach welchen, dieFilialleileriiine» der Firma Bernhard Sccstäd« zu Hamburg, die i» Hamburg, Aliona, Harburg und »mgegciid eine ganze Aniahl Brolnicderlasiungen betreibt, beschäsiigi werde». Eine solche Kilialleilcriii war. weil sich bei ihr angeblich ei» Manko von 431,88 Mk herausgeslellr hatte, ohne Einhaltung der venraglichcn Kündigungssrlst sosort entlasicn worden Ta» Gehalt sür den Rest de» lausende» Monats, wie anch die von der Angcstellicn hinlcricgie Kaulion im Betrage von >80 Mark wurden von der Firma cinbchalle». Hiergegen erhob die Filialleiterin Klckge beim Kaufmannsgericht in Hamburg, wo sie begründend aussührle. dasi der Anstelluiigsverlrag gegen die gulen Lille» verslosie, well sie zu dem unerhört nledrigr» Gehalt von <10 Mk. monaillch, von welchei» nvch jedesmal 10 Mk. zur BestrelUing der Kaution tu Höhe von 'lüli Mk abgezogen ivurdcn, aiigestevl fel. Tleses Gehalt stehe in absolut keinen, Verhältnis zu der Veraiilworlniig, die den Angestellte» von der Firma aiifgebUrdcl werde. Ader auch für da» Manko a» sich könne sie ldie Angeslclllel keineswegs haftbar gemach, werde», da es ihr nicht möglich geweien sei, bei de» In» vrniurausnahmen. die von anöeren Angestellten während der Ge» schäslszei» porgeiiominen worden sind, infolge Bedienen» der K»»d- lchasl von Anfang bis zu Ende mitzuwirke». Auster Brol werbe» in den Riederlasiungeii der Fiima noch eine ganze Anzahl anderer Artikel, wie Schmalz, Butter, Zucker, Eiswassel» usw. gesllhrt. Wiederholt hatte die Klägerin de» Geschästsinhaber ersucht, ihr doch sür die angclicicrlen letzteren Artikel, um diele »achiviegen zu können, eine Tezimalwagc zur Bersügung »! steUcn, wrlchrm Ersuche» dieser aber trotz Zusage »ichl nachgekomine» lst. A»ch wurde sür Schwund der Ware» beim Abwiegen, infolge Eintrocknen», wie c« z. B. in den Koiiiumvcreinc» der Fall ist, keinerlei Mankover- glltuiia gewährt. Das Kausmannsgerichl Harburg verurleillc denn auch bie Firma, sie gleichzeitig mit ihrer Widerkiagc ans Ersetzimg de» Mankos abweisend, an die Angestellte NNi Mark, welcher Betrag sich aus dem restlichen Gehalt von .'»> Mark und der Kaulion in Höhe von 100 MaN zusammenlktzte, zu zahlen, wohct es begründend aussührle: Das, die Firma vripflichlcl sei, zu heiveiien, dast di« AngkstkUle da» Manko Ichuldhaslerweisc verbraucht habe. Diesen Beweis habe bie Firma in keiner Weise erbracht. Jus- hcsoiidere kann sich die Beklagte hierbei nicht darauf berufen, dast die Klägerin die AusstcNnng sJnventurliftel vom 18. Mai d. I. an- erkannt habe, denn hieraus ergebe sich nur, bast die Klägerin Ein» Wendungen gegen die Richiigkeil der Anistcllnug nicht erhoben habe, nicht aber, dast sie zur Zahluiig drs Mankos bereit sei Ter Inhal« de» Vertrage», der insbesondere der Klägerin auch die Haftung sür die Fehlbcträae ihrer Vertrelcrin, die sic nicht z» überiehe» in der Lage ist, auferleat. lei derart, dah ei» Angestellter, der wirt- ichasllich unabhängig ist. bei vernünftiger Prüsiing der Sachlage ihn ninimerinchr als Vertragsinhalt annehmen ivirb. Rur der wirtschaftlich abhängige Angestcllte, der eine Stellung auch »»tcr harten Bedingungen annehmen must, um sich sein Brot »» verdienen, könne sich zu einer iolchcn Abrede verstehe». Eine solche Abrede könnte des unsittlichen Eharakler» «nlbehrcu, wenn dir übrigen Bedingungen de» Ansiellungsverlrag» so giänzcnd wären, dast sie ein Akguivalent für da» in ihm iiegeiidr Risiko bildete». Davon kann aber im vorliegenden Falle keine 8!edc fein. Ei» Monatsgehalt von 00 Mk. sei bei den in Harburg herrschenden tcuren- Lcbcnsvcrhällnisien eine so geringe Enllohnnng, dast die Klägerin überhaupt davon kann, leben könne. Tie Abrede der Haflung der Santion, bezw. die Mankobaslung überhaupt bei gleichzeitiger Gewährung eine« solchen Gehalte kennzeichne« sich al» eine nicht zu billigende «usnutziing de» schwachen Rngkstellte», der um jede» Preis eine Stellung annrhnien m»sz, verstostc daher gegen bie guten Sitten im Sinne de» si 188 des Bürgerlichen Gejetzbuches und sei deshalb nichtig" Gegen diese» durchaus vernünftige und Ircsseiidc Urteil des Harburgcr KauimannsgerichlS legte die Firma Teesiädl beim Landgericht in Stade Berufung ein. Dagegen, dast da» «aus- mannsgericht die Höhe des Gehalt« von 00 MI. al» gegen die guten Sitten vcrstostcnd bezeichiict halle, wurde von der Firma an- aesührt, dast ein grober Teil ihrer Filiallciterinnen zu den gleichen Bedingungen angestell« sei. Wenn die Klägerin glaube, eine besicrc Bezahlung ihrer Arbeiten und Fähigkeiten al» 2 Mk. pro Tag erhallen zu können. Io möge sie ihre Tätigkeit anderwcll ansiilltzk». Tos Landgericht zu Stade hat die Berusung der Firma aber unter Auferlegung der Kosten abgewtesen, wobei es stch im welenUiche» der Aussasiung des Vorderrichter» anichlost. Ter Zenlralverband der Handlungsgehilse» al» die gewerkschaftliche Organlsation der kaufmännischen Angcstclllen, der die betreffende Filialleiterin in ihrem Vorgehen gegen die Firma auf da« tatkrästigste u»terstützt hat, wird nunmehr alle« tun, um zu erreichen, dast auch die übrige» in Frage kommende» Angestellten der Firma nicht mehr unter „so mastloS harten Bedingungen" zu arbeiten brauchen, wie c» vom Landgericht Stabte bezeichnet worden ist.
— Holzverfteigerung im Giestener Siodtwald Von nächst«! Montag, 4 Jo„>-or, <rb wrrd rm Giestener Stadtmatds in den listri/itn Fuchsbau, Wcistcrbeng, Ruche und Hölle Rutz< und Brennholz versteigert, sönr-e Terb-, Reis- und Bochnrirsxnigei». graste Mengen Kvüpvel- und Srockcholz, Reisig usiv. — Jiiijaen-meneunsi 8 Vj »hr vormittags aus der Waniwnlchiitvse o» der Kreuzung mit der 7. Schnelle. Airs die Bekamrrnigchung iui gestrigen Blatte sei hin» gewiesen.
«reit Wetzlar.
I>. Kreistag de» Kreise» Wetzlar. Tic letzte Litzung des Kreistages brockte für die Oesseirtlickkeit wenig neues. Tie Wahlen der im November neu- oder wiedergcwählten Kreis- tagsmitglicder wurden für giltig erklärt: die Namen der
liiewählten jedoch nickt bekannt gegeben. — Für die Kreis- sparkasse, Rechnungsjahr 1913 , wurde die Einnahme auf 10911 093,04 Mk.. die Ausgabe auf 10 837 582.48 Mk. und der Bestand auf 73 510,56 Mk. festgestellt. die einzieh- baren Einnahmcrestc auf 72 288,52 Mk. Ter HauS- haltsplan der KreiLsparkassc für 1915 soll in Einnahme und Ausgabe 38 000 Mk. betrogen.
ii. Militärlieserungen. Tie Handwerkskammer zu Arnsberg hat 3ll 000 L'affenröckc. Hosen und Mantel von der Mililärverwoltung im Auftrag übernommen und vergibt die Anfertigung an Schneider-Jnnungen und Liefer- ungsgemeinschaften, aber nicht an Einzelpersonen des .Kam- merbczirks. Bei solchem Versabren ist es ausgeschlossen, daß si B. Konfektionäre groste Lieferungen von — Cbokalade und Zigarrenhandler Sticfellieferungen übernehmen, wie r* anderwärts schon vorgekommen ist.
Von Nah und ^ern.
Feidpoftpokel-RLnber. Von der Berliner 8. Straltanuuer Landgevichis II ivnrde der Posdousheiser Aiernnderv. Macz»
r w i c z ans Schöniebevg zu 2 Jahren Gefängnis und 5 J-chven


