Ccßor DaS (Betreibe auZgedroschen ist. Ter Besitzer solchen Getreides sann von den Behörden gezwungen werben, mi: den Mitteln seines landwirtschaftlichen Betriebes binnen einer zu bestimmenden Frist bas Getreide auszudreschen. Kommt er einer solchen Anordnung nicht nach, bann wird das Dreschen des Getreides auf seine Kosten vorgenommen. Weigerungen gegenüber den erlassenen Vorschriften werden mit Gefängnis bis zu einem Jahr bedroht, insbesondere gilt diese Strafvorschrift auch für Personen, die das Vorhanden- sein von Vorräten, für die Höchstpreise festgesetzt sind, den zuständigen Beamten gegenüber verheimlichen.
folgen der Angstkäufe beim Kriegsanfang.
Als der Kriea ausbrach. liehen besonder« die zahlungsfähigere» »reise große Masten von Nahrungsmitteln mancherlei An aus Ihre -Speicher und in die Vorratskammern schleppen, lind die .kleinen" Leute glaubten auch vielfach. den letzte» Groschen schleunigst für den »aus von allerhand stapelsachen ausgeben zu miisten. So verdarben sich die unverniinsiig handelnden Konsumenten die Preise, während die Händler goldene Tage hatte». Nachher stellte sich dann heraus, dah auch während der Kriegslage immer noch Nahrungsmittel zu habe» waren, und zwar billiger als in den ersten Augusttagen. Und weiter sahen die falsch besorgte» Konsuinenteii, dah sich manche ihrer ausgestapelten Lachen gar nicht so lange aufbewahre» lasten. Ter Vorwärts schreibt darüber:
Gleich bei Ausbruch der Kriege» entstand bei manchen Krauen eine wahre Panik. Lie glaubten, dah schon bald gar kein Mehl, Salz, Zucker und so weiter mehr zm haben sei, und die Frauen des leidlich zahlungsfähigen Mittelstandes stürmte» die Mehlläden und kauften für alles verfügbare Geld Vorräte a» Nahrungsmitteln ein. So wurde der Mehlbebarf für ein ganzes Fahr gedeckt. Viele dieser „vorsichtigen" Hausfrauen werden nun wohl mit Schrecken sehen, dah sie jetzt Besitzer einer prachtvollen Mehlwiirmerznchl sind und ste in der Lage wäre», eine Nachtigallenmastanstalt zu gründen, vorausgesetzt, dah sie eine hinreichende Zahl der lieblichen Sänger erhalten könnte». Tie Panik der Hausfrauen wurde von wucherischen Mehihändlern hinreichend auSgenutzt. Man forderte und erhielt Preise, die die Mehlhändler, die über einige Vorräte verfügten, plötzlich zu reichen Leuten machten.
Tie so mit Mehlwürmern beglückte» Konsunienleii werden hosfentllch die Lehre nuS der Sache nehmen, dah sie dem »reise der Händler und ihren, Profitstreben entrinnen >i»d der Konsum- genostenschast beitreten, die sie vor Uebervorteilungen und vor schlechtem Einkäufen bewahrt.
Ter hessische Arbcitsniarkt im November.
Tic Arbcitsmarktlage im November ftanb noch ber. Mitteilungen bes Mitteldeutschen ArbeitSnachweisverbanbes unter dem Zeichen berKriegSlieserungen und brachte für den Arbcitsniarkt ungewöhnliche Verhältnisse. In allen Zweigen der Industrie, die mit Militüraufträgen versehen waren, insbesondere in der Metallindustrie, ferner in der Automobilindustrie, Werkzeugmaschinenbronche, Ledcrvcr- nrbeitung, bestand ein solcher Bedarf an Arbeitskräften, daß er nur teilweise gedeckt werden konnte. Besonders stark war der Mangel an Trebern, Bohrern, Fräsern, Schmieden, Wagnern, Sattlern, Tapezierern, Schneidern und Schuhmachern. In ziemlich bedeutendein Ilmfange wurde ein Ilebergang in andere Berufe beobachtet. Schreiner machen Wagner- arbeiten, Tapezierer Sattlerarbeiten, ebenso Hutniacher. Da zudem im vorigen Monat zahlreiche Einberufungen erfolgten, stieg die Geschäftstätigkeit der Arbeitsnachweise ganz außer- ordentlich. So wurden beispielSnwise in der männlichen Abteilung deS Arbeitsamtes Frankfurt a. M. 271t Stellen vermittelt, gegen 1550 im Vorjahre, in Cassel 802 (509), in Wiesbaden 781 (199), in Mainz 757 (353), in Tarmstao! 594 (117), in Osfenbach a. M. 438 (286), in Gießen 54 (08), in WormS a. Rh. 200 (223). Auch die elektrische Jndn- strie war gut beschäftigt, soweit sie mit Militäraufträgen versehen war.
Ungünstig waren die BeschästigungSverhLltnisse noch immer für die Gold-, Silber- und Gelbmetallarbeiter. Tie in den einzelnen Berufen noch vorhandenen Arbeitslose» snid zum größten Teil ältere und erwerbsbeschränkte Per- sonen, die auch in normalen Zeiten den Arbeitsmarkt belasten. Verhältnismäßig ain stärksten war die Arbeitslosigkeit im graphischen Gewerbe, hat aber auch hier erheblich abgenommen, da viele Buchdrucker und Schriftsetzer z» anderen Gewerben übergingen. Ter Korrespondent (Fachblatt des Deutschen Buchdruckerverbandes) teilt mit, daß im Buchdruckgewerbe in außerordentlichem Umfange Ueber- gänge in andere Berufsarten stattgesunden hätten: Bei der Eisenbahn als Babnarbeiter. Streckenarbeiter, bei der Straßenbahn als Schaffner und Wagenführer, bei der Post im äußeren und inneren Dienst, als Hilfsschutzleute, Ratsdiener, Landarbeiter. Fabrikarbeiter, Hilfsarbeiter in Sattlereien und Kürschnereien, als Brauereiarbeiter. Markthelfer. Provisionsreisende, Photographen und auch als Erdarbeiter.
Auch für daS Ban ge werbe war die Lage verhältnismäßig günstig, mit Ausnahnie der Maler und Weißbinder. An tüchtigen Bauarbeitern, Maurern, Ziinmerleuten, ferner Betonarbeitern »nd Erdarbeitern war teilweise empfindlicher Maiigel, so daß von den Arbeitsnachweisen von der Annonce im größten Umfange Gebrauch gemacht wurde. Zur Deckung des Arbeitsbedarss hat der Mitteldeutsche Ar- beitsnochweisverband in großem Umsange mit den Bürgermeistern i» kleineren Orten, in denen erfahrungsgemäß Bauarbeiter vorhanden find, verhandelt. Ter Erfolg ist jedoch gegenüber verhältnismäßig günstigen Resultaten im Oktober im November verhältnismäßig gering gewesen. Aus dem gleichen Grunde kannten auch Aufträge nach weiteren Ent- sernungen. speziell auch in Gruben (Lothringen usw.) nickt erledigt werden, da im Derbandsgebiet reichlich Arbeitsgelegenheit vorhanden war. Seitens der Eisenbahndirekticn werden die Arbeiten an größeren Bahnbauten dem Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband lausend mitgeteilt, so daß der Verband in immer größerem Umfange über die vorhandene Arbeitsgelegenheit orientiert war.
Die von den Städten eingerichteten N o t st a n d s - arbeiten wurden, soweit hier bekannt ist. in vcrhältnis- niäßig geringem Umfange in Anspruch genoninien.
tzm GastwirtsgeEerbe war die VermittlungS- iätigfeit für feste Stellen infolge der vielen Einberufungen
im letzten Monat nickt ungünstiger als tm Vorjahre. Da- gegen war für Aushilfskellner keine Nacktroge. In der Landwirtschaft war die Dermittlungslätigkeit im lebten Monat noch verhältnismäßig rege: es fdxrint jedock. alS ob im nächsten Frühjahr fick ein starker Mangel an Knechten bemerkbar machen werde. Tie Landwirtschaft?- kammern wurden vom Verband bereits darauf anjmerksam gemacht.
Aus dem weiblichen ArbeitSmarkt haben fick ebenfalls die Verhältnisse günstiger gestaltet, insbesonder- hoben die von einer Reihe von Städten eingerichteten Räb- ltuben und Notstandsarbeiten für Frauen sich eines außerordentlichen Zuspruches zu erfreuen. Bei der Vergebung von Militüraufträgen beteiligten sich viele Arbeitsnachweise direkt oder sie nahmen gemeinnützige Nähslnben hierfür in Anspruch. Das neu errichtete Armee-Bekleidungsamt Mainz- Kaslel Hot bereits einen großen Teil von Aufträgen in dieser Weise vergeben. Tie Einrichlung eines AusbildungskursuS für Strohhiitnäherinnen zum Ersatz der belgischen Arbeiter wurde in Frankfurt a. M. in die Wege geleitet. Auf dem Dienstbotenmarkt sind die Verhältnisse ähnlich wi auch in früheren Jahre». Um die Weihnachtszeit wird bekanntlich von Dienstboten wie auch von Herrschaften wenig gewechselt.
Zur lommmialcn Vorbcnsiiinls der KriegSieuchen.
öS ist bekannt, dah die Gefahr der Volksfeuche» nie so grvh ist ivie im Kriege. Tarum haben nufere Kommunen natürlich auch erst recht zur Kriegszeit die Pflicht, in weitestem llmsange ihre Ausgaben auf dem Gebiete der Gesundheitspflege zu erfüllen und vor allem die nötigen vorbeugenden Maßnahmen zu treffen. Fm allgemeinen hat man aber in unseren Ztädie» diese Pflicht in ihrem ganzen Umfange noch nicht erkannt. Tas wichtigste Organ für eine planmäßig vorbeugende kommunale Gesundheitspflege ist die Gefundheiiskommissio». und die fehlt entweder oder sie wirkt nicht so, wie es sein niiißte.
Fn Preuße» erisiiert seit 1890 ein Gesetz über die GesundheitS- kouimissionen. Tanach ist daS Arbeitsgebiet dieser Sommissionen recht weit. Aber es muß auch in der nötigen »mfasieuden Weile bearbeitet werden. Tie Kommission muß von Zeit zu Zeit und gerade jetzt in der KriegSzeit von Haus zu Haus gehen, jeden Winkel, jeden Graben, jeden Abzug untersuchen. Fn regelmäßigen Sitzungen miisien etwaige hygienische Mißstände der Stadt besprochen und Abänderungsvorschläge den städtischen Behörden unterbreitet werden. Welchen Nutzen solche gründliche und planmäßige gesundheitliche Arbeit bringt, bas hat man nur zu gut in Bad Ems festgestellt, wie Dr. med. Ernst seinerzeit berichtete. Also nicht nur aus dem Papier sollen die GesundheitSkommisstonen stehen, sondern draußen im Leben der Stadt sollen ste ivirke», und zivar gründlich. Solche vorbeugende Arbeit stellt die batte und auch die billigste Maßnahme gegen den Ausbruch von Seuchen dar.
Unmöglich ist solch ein Arbeiten aber ohne einen städtischen Tesinfektor, der eventuell elnzugreife» bat. Aber ein städtischer TeSinfektor fehlt merkwürdigerweise meist noch, obwohl die Kosten hierfür gewiß für größere Städte nicht hoch sind, direkt gering im Verhältnis zum Nutzen und obwohl jede kleinere Stadt gewiß eine Persönlichkeit besitzt, die sich für solche Arbeit im Nebenanite eignet. Aust,ilten zur Ausbildung gibt es zur Genüge (ln Breklau, Köln, TreSden, Fena und an anderen Orten.)
Wir wollen hoffen, daß die jetzige Zelt überall die Gesnnb- heitskommissionen z»m Leben, zum wirklichen, schaffende» Leben rust und daß sie dann auch nach dem Kriege bei ihrer bedeutungsvollen Arbeit verharren.
Nervöse Kinder und der Krieg.
Eine beherzigenswerte Mahnung, vor Kindern inanche Einzelheiten der kriegerischen Ereignisse nicht zu ausführlich zu behandeln, enthält eine Mitteilung über nervöse Störungen bei Kindern, die Dr. Otto Katz in der Berliner Klinischei, Wochenschrift macht. Tr. Katz beobachtete eine ausfällige Hausung von sonst verhültnismähig seltenen nervösen Störunge» bei Kindern während der Kriegszeit. Es handelt sich um „Angstzuständc", deren Bild fast völlig den bei Er- wachscncn so häufig beobachteten Zustände gleicht. Ti.' Kinder waren ganz gesund und fangen nun plötzlich an schlecht auszusehen. Sir werden blaß, schlapp und zeigen einen müden Gesichtsausdruck, der unzweifelhaft eine leichte, melancholische Beimischung hat. Ter Appetit fehlt; von Zci! zu Zeit höreii die Kinder zu spielen auf. träunien vor sick hin liiid laufen unruhig hin und her. Tann beginnen sie wieder ihre Beschäftigungen; doch eins der Kinder, ein Mäd- ckjcn von sechs Jahren, das früher viel gespielt hatte, spielte jetzt überhaupt nickt mehr. In zwei Fällen stellten die Eltern gleich die Verniutiing aus, daß die Kinder sich sehr über den Krieg erschrocken hätten, »nd auch in anderen Fällen ergab sich dieselbe Ursache. Es war zwar nicht immer der Krieg an sick, aber Einzelheiten, die sie z» hören bekamen hatten aus die Kinder gewirkt, insbesondere die Erzählung von Greiicltatcn. Tic Kinder stammen alle von „nervösen" Eltern, bei dem sckiwerstcn Fall lag eine ernstere Belastung von der Mutier vor. Läßt man sich nun von Kindern eine genaue Schilderung dessen geben, was in ihnen vorgeht, so beschreiben sic ihre Empfindungen ungefähr folgendermaßen: „Ich bekomme plötzlich solche Angst, »nd wenn das dann eine Weile gedauert lut, dann habe ich keine Angst mehr." Bei der Frage, worüber sie sick ängstigen, bekam der Arzt zweimal die Antwort, sie müßteir an die und die Greucltat denken, die ihnen erzählt worden sei. Aus die Frage, ob sie denn immer daran denken müßten, antworteten sie: „Nein, jetzt nicht mehr, jetzt weiß ich oft nicht mehr, weshalb ick Angst habe." Sie schildern dann ein ganz unbestimmtes Angstgefühl. Unzweifelhaft hängen diese Zustände mit psychischen Störungen zusammen, die die Kinder durch Erzählungen vom Kriege erlitten haben. Tie Behandlung, die in erster Linie natürlich eine psychische sein muß. hatte in fast allen Fällen gute Erfolge, und die Symptome verichwan- den wieder. Nur bei dem besonders schweren Fall des sechsjährigen Mädchens war der Zustand hartnäckiger und besiertc sich nur sehr allmählich.
Ter 51. Vcrbandstaq der hessischen lnndwirtschiift- lichen Genossenschaften
fand am Samötag in Tarmstadt unter Beteiligung von 176 Vertretern au« allen Provinzen statt. Ter Geschäftsbericht konstatiert eine allmähliche Erholung von den schweren Schäden, die das hessische landwirtschaftliche Genossenschaftswesen seit Niedermobau
unseligen Angedenken» heimgesucht hatten. Zu Beginu des neuen Keschäsisjahres bestanden 3 Zentralgenosienschasten. 303 Spar- und Darlehenskassen, l r >7 Bezug« . 20 Molkerei-, 27 Winzer-, 8 Milch- verweriuug»., 2 «ornhaus-, 2 Waller-, 13 Trelchgeuosseiischasiei:, je 1 Brennereigenvllenschast. Sauerkraulsabrik. Baugenolleuschast, Houigverlaussgenolleuschast, VeriverliiugSgenosseuschaft für land- wirtichafllickie Krzeugnille. Weidend«»-. Schistsversichernngs^ genollenschasi, 2 Spargel-. Obst- und Gemllsebanvereine, 1 Earbid» verein und 1 Verivaliungs» und Verwertuugsgesellschast siir Immobilie», zusammen 007 Geiiolleusck'gsie» mit 01400 Mitglieder». gegen 077 Genolleiischasten mit 70 730 Mitgliedern. Unter den Aiisgeschiedenen liulolne Auslösima oder Aufkündigung) be- finde» sich 4-c Tarlehenskaslen, 1-1 Konsumvereine, I Zuckerfabrik, I Kornhausgenollenschast uiw. Tie RevIfionslSligkeit ivar eine umfangreiche, hier und da auch erfolglose, sodaß Ausschluß eiu- treie» mußte. Tank einigem Zusammensleheu, sowie dem Not-, siandsdarlehen des Staates mit 1 Million Mark u»d Bereitstellung eine» westeren ShxMti durch den hrfsisclirn Staat von 2 Mllioncw Mark war es möglich, durch die schwere Kris!» hindurchzukvmnienä Tie »nlerstellnng ber neuen Zeniraikalle »nier siaailiche Aussicht liefe da» Vertrau«» im GeiwllenschculSwcse» wieder eiitlelnen. — F» der Tiskulsion wurde niehrseitig die Beibehaltung des Instituts des Verband,c-Keller-Fnspeklors bei de» Winzergenollenschasten gesordert. Tirektor Mager von der Zeuiralkasse siitzrie Klage, daß Mängel, trotz Aufllhruua im Nevisionsberichl, von einzelnen Oie» uosieuschafte» «ich, abgeslelli würben. Man könnte doch »ach bru gemachten trüben Erfahrungen endlich eiuseheu. wie »ölig Ordnung im Kalleuwese» ist. Manche Geuosieuschaste» scheinen in- dessen aus dem Siandpunkie z» stehen, daß sie auch elnmaj sündige» dürsten, nachdem in Tarmstadt so viel gefsindigt worden ist Einsalscher Weg sei e» auch, das ganze überflüssige Geld l» Hupotbeke» anzulege», weil sich da» einmal sehr rächen könnte. Man sollte jetzt, da auf dem Lande »eberfluß an Geld ist, da» Geld znsainme»- balien und bei der Hesienkasie einzahle», dainii man e» nach dem Kriege für inlenstve Wirtschaft wieder habe» könne. (Zustimmung.) Tie FahreSrechnuna für 1013 wurde geuehmigi und Enilafinng, auch für die noch rückständig,» Fahre 1013 nn-d 11)11 erteilt, nachdem in der letzten Bilanz die allen Mängel beseitigt worden sind. Ein Antrag Tanienheii». der die Fahiesbeltrage der Verbands- geiivllenlchaste» abftufc» wollte je »ach Umsatz, wurde »ach längerer Tiskulsion dem VerbandSaiislchiiß zur Beardeltniig überwiesen. Sin weiterer in ähnlicher Richtung lausender Antrag au,> ZI. Fohanu war zurückgezogen, .stur Abänderung der Satzungen des Verbandes wurde eine Kommission bestellt. Fn de» Verbands- ausschuß wurden durch Zurul gewählt: Oekouomierat Wolter-
Lengfeld, Tirektor Grilueivald-Babenhause», Haminann-Biebe»- heim. Stell-Georgenbaule», Weidmann-Höchst, Ritz-Tarmstadt. 26»- Ostheim, Geheimer Regierungsrat Bichmaun-Tarmstadi, Schmlbl- Echzell. Birkensioä-Raustadt. KlooS-Viibel, Siang-Schoilen, Keller- Spießheim, Löfch-WaldiilverSheli», Sch»ittck-2t>e»del»heim, Weru- l>ez-Nierslern. Bester 2!. Fohann und Acheubach-Weinviaheii». Mit eine». Hoch aus da» hessische Genosieuschafisweseii schloß der Vcr- bandStag.
Ocffcnllichc Nahrnchsmittelversoranng.
Daß die Versorgung der Bevölkerung mit NalirnngS- miltcln durch kapitalistische Privatbetriebe im Ernstfall gänzlich versagen würde, war vorauSzuschen und nimmt nnS deshalb nicht weiter wunder. Es ist erfreulich, daß inan jetzt auch ini anderen Lager diese mangelnde Organisiernng cin- sicht. Wir wiesen sckwn twrschiedentlich auf die Aussagen von Wisscnsckiaftlern wie Praktikern hin, die eine Regelung ocS NohrungSniittelwescns durch den Staat verlangten. Auch der Aerztlichc Verein in Franksurt a. M. sprach sich jetzt i» Diesem Sinne aus und verlangte, daß der Staat die Produktion wie den Verkauf in die Hände nehme. Einen Schritt ist nian auf diesem Wege jetzt in Schlvedcn iveiler gegangen. Nach de». Verschlage des LebenSniiltclaiiSschiisseS werden dort jetzt der Sozialen Praxis zufolge 60 000 Tonnen Weizen, die siir einen zweimonatlichen Nornialverbranch genügen, von Staats wegen anfgekanft. Allerdings geschieht dies nickt aus einmal »nd nicht zu vorher bckanntgcgcbenen Zcitpunktcn, um nicht den Spekulanten die Preissteigerung leicht zu machen, sondern zu verschiedenen Zeiten und in ungleichen Mengen. Sollte dergleichen nicht auch in Deutschland möglich sein? Allerdings dürste der Verkauf nnr für die Bedürftigen stattfinden, solange eS sich nicht um den ge- samten LcbenSmittclvorrat handelt.
Tic Allhlcupl'llntllsie im Kricqc.
Tcr Zeitgenosse ber Weltkriege von 11X4 ersähet nichts von den Zahlen der Heere, die im Felde siehe», nichts von den Mallen, die an einer Schlacht beteiligt llnd, er weiß auch nicht, wie viele Tote und Verwundeie der Krieg erfordert. Nur über die Zister der Gelangenen wird er uugelähr unterrichtet. Aber wir willen, daß mit dem Leben von Hunderttausenden, von Millionen zu rechne» ist, und die Schätzungen unserer Phantasie können nicht leicht übertreiben. Gerade, weil die Zahle» der Opfer zu groß sind, solle» sie im Tunkeln bleiben, lo lauge der Krieg dauert.
Tagegen spielt in der Kriegsgeschichte der Vergangenheit die phaniasistch erhöhte Zahl eine bedeniende Rolle. Fast immer wird übertrieben, selten nnlerschätzt. immer bedarf jede überlielerie Zahl strenger willenschasilicher Nachprüfung. Tie „Zahlenhnpnose", wie diele Erscheinung von Hand Delbrück, den, Versasier der unvollendeten „Geschichte der Kriegskunst" genannt wird, bezauberte schon die Kriegsberichterstatter des Altertum». Gleich der Ahnherr der Geschichtsschreiber, Herodot, erzählt allen Ernstes, daß Lerre» mit 4 200 000 Mann nach Griechenland marschiert wäre: da» wäre ein Zug von 420 Meilen Länge. Lenopho» läßt bei Knnnara 900 000 Perser von 13 000 Griechen besiegen. <Tie wirkliche Ge- lamt.zabl ber athenischen Bürger betrug zu jener Zeit etwa 30 000, von denen weniger als 10 000 Kriegsdienste leisteten.)
Tie römischen Feldherren verstanden großartig zu schwindeln. Sulla berichtete leinen Landsleute», baß er bei ChäroneS mit 10 300 gegen 120 000 Mann gesiegt und nur 12 Mann verloren habe. LueulluS wollte bei Tigranoeerta mit 14 (XM) Mann 250 000 ge- schlaaen haben, unter einem Verlust von 5 Toten und 100 Verwundeten. nnn „r,
Karl der Kühne soll bei Murten mit mehr als 300 000 Man« einer kleinen Zahl von Schweizern unterlegen sein. Fn Wahrheit hatte er noch nicht 20 000 Mann, und die Schweizer hatten die große
ebermacht.
Wie ein Heuschreckenschwarm, so zahllos werden die Husslten. -ere geschildert. Es waren im ganze» — 5000 Mann. Ter Gesamt- enschenverlust ber Napoleonischen Kriege wurde von Arndt 1311 ch mehr als 10 Millionen angegeben. Die iatlachliche Ziffer er- sicht nicht 2 Millionen sdavon '/« aus Frankreich entsallendl.
Auch aus die Troß-Zahlen erstreckt sich die Zahle, ihypnole. rnsthaste Historiker berichien. nach zeitgenölsilche» Quellen, batz >s preußische Heer Friedrich II. von 32 705 Waschfrauen ins Feld igleltet worden fei. „ ... ,
Begreiflich ist. daß man bei Niederlagen zur eigenen «nlschul- gung die Zahl der Gegner inS Unermeßliche steigert. Friedrich »ilhelm III. von Preußen behauptet, daß er bet Auerstadt 1300 -gen feine 50 000 Mann 70—80 000 Franzosen gehabt habe chn «ahrheit wurde fein Heer von 27 000 in die Aucht geschlagen, bei auch der Sieger erhöht zur Mehrung seines Ruhmes die eereszisser de» Feindes. Ein öfteireichischer Gcneralsiablcr be- iupiet über die Schlacht bei Aspern (1809), daß " 000 Oester-


