AttWsche isolffijfitmiji
Drgan für die Interessen des werktätigen Volkes _der Provinz Oberhesscn und der Nachbargebiete.
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Nr. 283
Gießen, Samstag, Den 5. Tczcmbcr 1914
9. Ialirgailg
Einigkeit und Disziplin.
Die Dell wird nach dein MrießC eine andere fein. Niemand erwäg ihr Zukunftsbild z» zeichnen, aber keiner kan» auch ei» ilcher Tor fein zu glaube». »ach dieser »»geheuerste» krlchiitler- ng, die die Menschheit je erlebt, könnte das eioiflncftrißc ins alte »eis der Gewohnheit zurückkchre». Noch wisse» wir nicht, wie sich a» Schicksal der Volker aus den Schlachtfeldern gestalte» wirb, ■nntii nicht den Zeitpunkt des liinftiflcn Friedens noch die Be- innnnflen seines Abschlusses, von dem Zustand, in dem sich laute» und Regierungen, Völker und BeoölkcrungSklassr» nach :m Kriege besindc» werde», können ivir uns kaum eine Voreilung machen. Wir wisse» nicht, welche Frage» im Wirbel einer waltsamcn Entwicklung plötzlich nor un» austanchcn werde», elchc Kämpfe u»s bevorstche». Nur eines wisse» wir, die» 1 er mit voller Vcstimmtbeit: die große Zeit der Eniicheidungen ist 'kommen, jetzt geht es überall um Sieg oder Untergang.
Das gilt nicht nur slir die Kämpfe draußen. Sosehr unser erz a» der Sache hängt, siir die das ganze Volk jetzt einig mpst. Io ist der Sieg im Kriege doch nur unser e r st e 8, nicht iser letzte» Ziel Wenn die Welt nach dem Kriege eine an» e r e sein wird, so ist damit noch nicht gesagt, das, sic eine esse re sein muh: ob sie das sein wird, das wird von »nS ihänge», es wird davon abhängeu, welche» Gewicht an Kraft und »schlossenheit wir in eulschcidcndc» Augenblicken in die Wag- >alc werden werfen könne» Würde sich die deutsche Arbeitcr- wegung >„ solchen Augenblicken »»einig und zerrissen zeigen, Urde üc. statt den Blick fest auf die Zukunft zu richte», sich i» ifrnchtborcm frabc r über vergangene» erschöpfen, dann könnte an am Ende de» Weltkriegs allen Hoffnungen der Arbeiterklasse t Massengrab schaufeln.
E» ist nicht jedermauus Pflicht, mit allem, wo» jetzt geschieht, iverstandcn zu sein, lieber Einzelhcilc» kan» man verschiedener einuiig sein, und man kann über sie, auch unter den gegen- irtlgc» schwierige» Uniitände» seine Ansichten austausche», ohne ^notwendige Einigkeit der Aktion z» gefährden. Die Grund» Wien für die Politik der Arbeiterklasse sind aber durch die Ab- «muiige» und Erklärungen der Reichstagssiaklion vorgczcichiict. >d sic sind unabänderlich, solange sich nicht die llmliäiidc ändern, iter denen üc erfolgt nnb abgegeben find. Alle Bedenke» und tschwerdc» treten zurück gegenüber der Tatsache, das, da» deutsche KI zurzeit de» schwerste» Kamps seiner ganze» Geschichte käinpst, d daß dicker Kampf von dem Drittel des Volke», da» zu verte» wir stolz sind, zum mindeste» nicht mit geringerer E„t- iedenlicit geführt werde» darf al» von den andere» zwei Drit- n. Uns treibt nicht irrende am Krieg, nicht ErobcrungSlust, hi der Wunsch, anderen Völker» zu schaben, wir predige» nicht ilkerhah und Kamps bis zum Weißbluten. aber uns treibt der iUe. da» deutsche Volk im Unglück diese» Kriege» von dem noch ößercu Unglück eine» verlorene» Krieges zu bewahren, und dcm- lsprechcnd müssen wir handeln.
Die Vorgänge de» -1 August und de» 2. Tczcmbcr sind welt- chichtliche Tatsachen, die nicht ausgclvscht werden können. Zedc itschc Arbeiterpolitik, die Aussicht aus Erfolg haben will, muh r ihnen ausgche». Man mag darüber streiten, wohin der Weg > da ab wcitcrgebcn wird und soll, aber c» ist unmöglich, von lem Ausgangspunkt zurückzutchren Man kann sich der angc- imen Hofsnung hingebcn — wir teilen üc nicht — daß sich nach » Kriege alle» von selbst zum Gute» wende» werde, und man >n der Meinuna sei» — die wahrscheinlich allgemein ist — dah noch gewaltige Anstrengungen beoürscn wird, um der Sache des 'eilenden Volkes zum Siege zu verhelfen. Aber niemand kann illllch der Anücht sei», dah ma» alle» in vierzig Zähren Gc- 'ssenc zertrümmern müllc. um da»,, wieder ganz von vorne an- angen.
Äersiörerarbcit aber leistet der. der in dieser Zeit schwerster fahren die Einigkeit und Disziplin der deutsche» Arbeiter- negung gefährdet. Zn einer Zeit, in der jede freie Aussprache nögsjch ist. steigern sich »»ausgesprochene, aber doch zur Schau ragenc Gegensätze nur umso leichter bi» zur Unerträglichkeit, an es dem einen verwehrt ist, die Gründe seiner Stellung' inte vor der Ceffemltrfileit klarzulegen, so ist c» auch dem an> n unmöglich, ihm seinen Zrrtum »achzuweisen. Was bleibt da lg al» Unlkroidnung unter den Willen der überwältigenden drheii und Vertagung aller Diskussionen auf eine gelegenere
Geschieht die», so droht der Einigkeit keine Gefahr. Denn sehr d werben für die Arbeiterbewegung neue Probleme aus- chen, vor denen Meinungsverschiedenheiten über Vergangene» ^ebciisgchlichkcitcir zusammciischrumpse» werde». Diejenigen, heute irre gehen, werden durch Tatsachen besser belehrt werd-i, durch Werte. Geschähe dies aber nicht, dann ergäben ück, !ür Arbeiterbewegung unabsehbare Konjeaucnzen unheilvollster . und der Augenblick, der die höchste kraslanspannung criorderi. nie sie durch innere» Wirrwarr gelähmt, zu richtigem Handeln ig nnsähig finden.
E» ist wahrlich kein Spiel um Pfeffernüsse, da» da geipiel! »■ Ilm Ungeheueres dreht es sich, um alles! Wenn ie, so ist Zeit, dah sich jedermann der Worte des atten Liebknecht er- ere- „Eins ist Not. Disziplin! Die Disziplin ist der Stolz deutschen Sozialdemokratie. Ohne Disziplin kein ersolgreicher Ulcher Kamps!"
Tie englischen Verluste.
_ Sonban, 3. Dez. (VV. B. Nichtamtlich.) Der militärische
n drespondent der Times gibt die Verluste der britischen nee auf $4000 Mann an, was ungefähr der un'prüng- L-türke des britischen Heeres entspreche, als es ins Feld "*• Die Verluste in der Schlacht bei ?)pdrn und
Armentisres betrugen etwa 50 0M Mann, wovon etwa si-vsiO auf das indische Korps entsiclcn. Ter Korrespondent fährt fort: Wir müssen zugebcn, dah die dentschcn Truppen trotz schrecklicher Verluste noch zahlreicher sind als wir, und dah sie starke Stellungen cinnehmcn. Sic besitzen eine furchtbare Artillerie, die zerstreut ausgestellt und wohl verborgen ist. Ihr schweres Geschütz hat noch die Oberhand und begräbt beständig unsere Leute, indcin ganze Abteilungen der Laufgräben zerstört werden. Ihre Scharsschiitzen sind kühn und hartnäckig. Ihre Grabcnmörscr und Granaten verursachen unS beständige Verluste, und obwohl ihre Aufklärung in der Luft seltener geworden ist, erscheinen dockt noch Tauben und Albatros-Flugzeuge über uns und beobachten, was wir tun. Die englischen Offiziere und Unteroffiziere sind in schrecklichem Mähe geschwächt. Wir baben fast die ganze reguläre Reserve und den besten Teil -der Sprzialrcserve vieler Korps an.die Front gebracht. Wenn die Depots nicht länger iinstande sind, guten »nd regel- niähigen Ersatz zu schicken, würde die Arniec an der Front gern einen Teil der neuen Armeen als Ersatz begrüßen. Wir brauchen jeden Mann, den wir finden können, und werden bald erwägen müssen, wie wir die neuen Ausbebungcn am besten an der Front verwenden können, ob als Armeen. Divisionen und Brigaden in Einheiten oder zur Ausfüllung, Englischc Sorgen.
T«ily Telegraph meldet a»S Ncwyork: Taufende von deutschen und österreichischen Reservisten befinden sich noch hier und veranstalteten eine Strahcndcmonstration gegen die Verbündeten. Während der letzten Monate brach unter ihnen, da sic an der Rückkehr nach Europa verzweifelten, große Unruhen aus. Viele würden unzweifelhaft bereit sein, an irgend einem abenteuerlichen Unternehmen an der kanadischen Grenze teilzunehmcn. Tie Kanadier untersuchen sorgfältig die Deutschen, die aus den Vereinigten Staaten dort ein- trcsjcn. Tie Wachen auf den Brücken des Niagaraflnsses werden vermehrt. Patrouillen durchstreifen Tag und Nacht die Wege.
Morning Post meldet aus Washington vom 28. November: Einer Ehikagoer Depesche zufolge teilte Clarke, der Präsident der vereinigten irischen Gesellschaft in Chikago, mit, daß der deutsche Kaiser Sir Roger Casement das Versprechen gab, Irland zu befreien, wenn Deutschland siegreich sei» wurde, Elarkc sagte, er kenne die deutschen Absichten betreffs Irlands, und werde sic in Maiscnversanimlungen und Tcmon- strationcn bekannt geben. Gleichzeitig werden an verschiedenen Stellen Ehikagos unter den Auspizien des deutsch-irischen Bundes Meetings abgehaltcn werden.
Ein englisches Unterseeboot weniger?
Äonstantiuopcl, 3. Dez. (Ctr. Frkft.) Seit dem vor fast vier Wochen erfolgten und abgewiesencn Angriff de: e n g l i s ch - s r a n z ö s, s ch c n Flotte auf die Auhcnforts der Dardanellen hat man von einer weiteren Tätigkci! dieser Flotte nichts gehört: nur vor einigen Tagen konnte deutlich ein englisches Unterseeboot beobachtet werden, als cS in einer Fahrt unter Wasser in die Dardanellen cinzudringen versuchte. Tic türkischen Batterien eröffneten sofort das Feuer und glauben mit Sicherheit, einen Treffer beobachtet zu haben. In der Tat ist seitdem die Zahl de- vor den Dardanellen beobachteten Unterseeboote um eins g e r i n g c r als vorher, und neuerdings sind sämtlich« Unter- sccboote zurückgezogen worden.
Noch ein englisches Unterseeboot verloren?
Tie Münchner Neuesten Nachrichten melden aus Amster- dam: Das englische Dampfschiff „Earl of Aberdeen" wurde, wie die Central News berichtet, zwischen Aberdeen und Gull ourch ein deutsches Unterseeboot zum Sinken gebracht. Tie Mannschaft konnte gerettet werden. (Notiz des W. T. B.: Nach anderer Meldung soll der Dampfer ein englisches Unterseeboot gcramnit haben, in Hüll festgchalten und Kapitän und- Besatzung verhaftet sein.)
Der Krieg gegen Serbien.
Wie Lcrbien isoliert wird!
Konstantinopcl, 3. Dez. (Ctr. Frkft.) Drei von Rußland nach Kladowo in Serbien bestimmt gewesene, mit Mann- 'chaften und Munition beladene Tonaudompfer konnten in der Nähe von Widdin ihre Reise die Donau aufwäris n i ch t f o r t s e tz e n. Ein Dampfer liegt festgefahren in der Nähe Widdins, die beiden anderen muhten mit voller Ladung
wieder donauabwärts zurück. Die Ursache liegt in der be> dem niederen Wasscrftand beginnenden Bereisung, die diese reich spendende Quell« Serbien jetzt verschliefst. Dos wird von großer materieller und moralischer Wirkung auf die serbische Kriegführung fein.
Zu dieser wichtigen Depesche der Franks. Ztg. bemerkt das Blatt:
At» diese Zeiten in Smistankniopet im» Draht überoebetr wurden, wer vielleicht das Ereioiris noch nicht bekannt, da» dieser Ndeldung erst die rollt Bcdeittuitg gibt: die Sprengung der War- ba r brücke bei Demirkapn Die Berjr,icl»tmi<i über Talonik nackt kcr iilaiin im Wardoiol mit) die Verühiffniig anj der Donau wäre» bisher die zwei Möglichkeiten, wie alter kriegsbedtrrf der serbtsäzeu Armee oon ihren Freunden offen und auf bequeme Weise zuzicsührt werden konnte Wir hohen ostwols aus die koseimren Transporte hi,mit nieten, die oirf diesen dcideu Wegen Simonen »nb Munition in groben Mengen nach Serbien gebracht haben. Nun sind kurz nacheinander beide VcibiiidnitgiSlinien d n r ch s ch n i t te n worden. Die Aufständischen in Mazedonien haben bc» wcrtvollfte» Kuujttzou der Wardorbachn zerstört, und da» wasscromie Winter weiter IkH bei Widdin, kam» 40 Kilomeier r>or der serbrslheu Grenze, eine Scksiffs- iabuiizi aufgehalte». die schon über 000 Sutometei mühsam ftronwruf gekommen nur Da» mag für die niächstrn Monate zur Regel werden, und dir Donau hat außtelivrt. für Serbien cm sicherer Zu tahrtSwcg zu fern. Ter rollige Zusammeiitiietch de» jertischeu Siaates wird mn so rascher kommen müden.
Teutsch österrcichi chc Absichten.
London, 3. Dez. (Priv.-Tel-, inbir.. Ctr. Frkft.) Dem Daily Cbronicle wird ans Athen, noch bevor der Fall- Belgrads bekannt war, gedrahtet, dah die Serben sich in der Richtung auf Nisch zurückzögen. Das serbische Heer sei er- schöpft, aber immer noch zu kräftigen. Widerstand fähig. CS seien bereits Vorbereitungen getroffen, die serbische Regierung nach Uesküb zu bringen, da es nicht mehr möglich scheine, die Oestcrrcicher ans Belgrad fernzuhalten. Tic Oestcrreicher hätten Verstärkungen erhalten mit dem sichtlichen Zweck, die Kontrolle der Eisenbahn Belgrad — Sofia — K o n st a n t i n o p e l in die Hände zu bekommen, um so den Truppen- und Munitionstransport von Deutschland noch Konstantinopel m ö g l i ch zu machen. Sobald Oesterreich die Kontrolle über die Eisenbahn Belgrad—Sofia habe, sei Deutschland imstande, Truppen überall, wo eS wünsche, auk den Balkan zn bringen und umgekehrt türkische Truppen nach Frankreich und Belgien.
Die Balkanstaatcn und der Krieg.
Riiinättick» erhält Kriegsmaterial von Krupp!
Zu der Meldung von Bukareftcr Blättern, dah 22 Eisenbahnwagen mit Artillerie und Munition von Krupp für Rumänien angelangt seien, nachdein die österreichische Regierung den Durchtransport gestattet, und dah Rumänien auch gestattet worden sei, aus Deutschland und Oesterreich Benzin zu beziehen, bemerkt die Krcuzzeitung: „Die Mclbunoen dürfte» den Tatlacheii entlprccheii Wenn es auch un an qeb rocht erscheint, weitgehende Zotgerungen daran zu knüpfen, so darf doch so viel a«sagt werden, daß iveder Krupp Munition liefern, nock> Lestcrrrich-IInqarn deren Durchfuhr gestörten würde, wenn die Gefahr bestände, daß die dsut- schcn Granarcn und Schrapnell» gegen un» selb st und uiriere Verbündete Verwendung sinden sollte:, Tie russischen Be. m llhungen in Bukarest, die rirmänffche Regierung bircki^oder durch aemackre Volkebentonfrrarioncn und Presiehetzen in» Zahr° wasser Rußlands zu drangen, luden nicht vermocht, die von klarer Erkenn Nr, s der stoatlicheu Siotwettdigiciieu gerrogene Politik Rumänien« zu ändern. Seine Haltung u,id auch die Bulgariens erregen neuerdings in Petersburg Besorgnisic"
Ei» russischer Lockruf au Numäuit«.
Besondere diplomatische Informationen der Ruhkojs Siowo besagen, die russische Regierung habe in Bukarest die Uebcrlossung der von den russischen Truppen besetzten Bukowina an Rumänien angebotcn und eine Antwort bis zum 5. Dezember erbeten. — Tie Antwort liegt schon in den obigen Mitteilungen.
Tie Nowoje Wremja beklagt die geringe Geschmeidigkeit der Balkanstaaten in den Verhandlungen zur Wiederherstellung des Balkanbundes. Nach ihren Informationen Hot nur die rumänische Diplomatie eifrig dafür gearbeitet, jedoch fei es bei der Spannung in den Beziehungen Bulgariens mit Serbien und Griechenland schwer, den Bund wiedcrherzustellen. Tie russische Diplomatie meint, daß die Balkanstaaten gröhere Geschmeidigkeit zeigen mühten. Griechenland könnte einige tausend Mann Hilfstruppen nach Nisch schicken, will aber vorher vor bulgarischen Angriffen sichergefrellt sein, außerdem den bulgarischen Anspruch oui .Kawalla nicht anerkennen. Tie Entente-Tiploniotie arbeite: eifrig in Sofia.


