Ausgabe 
3.12.1914
 
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olkszeitilN

Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberheffen und der Nachbargcbicte.

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Nr. 281

Gicßcn, Toittlcrstllg, Den 3. Tczcmlicr 1914

9. Jahrgang

Serbiens 3ufntmtmtbntri|!

Die Einmütigkeit des Reichstags.

Es bcftursle keiner Prophelcngabe, um vorauszusagen, ftafc der lleichSIag in der Fraae der Bewilligung der Kriegskrcdiic am !. Dezember keine andere Ballung einnehme» werde als am August. AIS der Reichslag am 4, August die ersten füns Milliarden bewilligte, war der Krieg mit Frankreich und Rustland lUSgebrochen, Erst nach der Sitzung kam die Rachrichl von der kriegserklarung Englands, und Fapa» folgte erst einige wod,en päter. Als der Reichstag die ersten fünf Milliarden bewilligte, oustte er noch nichts vom Schicksal KiautfchvuS, nichts von der Ab- perruuq der Nordsee. der Durchschneidung der deutichen Kabel und on dem zähen widerstand. de» englische Soldaten vor der elglsch-sranzostsche» Eirenze dem deutsche» Vormarsch cniqegeii- ehen würden, Zwischen dem 4 August und dem 2. Dezember ist uS dem europäischen Krieg der wahre Weltkrieg gewor- en, die Zahl der Feinde Deutjchlailds hat sich gemehrt, die Rot' endigtest, alles auszubieten, um dessen Lieg lrovalledem an Deutschlands Fahnen zu Helten, ist ii o ch gebieterischer als »vor in de» Mittelpunkt alles politischen Bandeln» gerüelt worden.

Einigkeit in der entscheidenden Frage schliefst jedoch M ei» n g S v e r s ch i e d e n h e i t e n im einzelne» nicht aus. Fa, die unlgkeit bekomnit erst dadurch ihren richtigen wert, daft sie mit iserner Klammer alles zusammenhäli, ivae- sonst in schärjstein legensatz z» einander steht. Wäre lm Reichstag nur eine Be- ölkerungskiasie und nur eine Parteiineiniing vertreten, so wäre er moralische wert eines einmütigen Votums austcrorbeni- ch gering. Der Reichstag des allgemeinen Wahlrechts, der alle lasse» und alle Parteien umsast«, erweist sich dagegen in Rot und lesahr alS ein Faktor von unschätzbarem moralischen Wert. Er ring«, wenn er einig ist, daS Denken und den Willeii des ganzen rutschen Volke» zum Ausdrutk, ohne Unterschied der Klaffe und er Partei, wohl gibt e» iver tonnte daS and) nur einen ugciibliit vergeffe» Arme und Reich« in Deutschland, Konser-

allve. liberale. Zentrumsleute, Lozialdeuiolrate», Vertreter der erschledensten Klasienintereffen und aus» Lchärsste einander ent> egengeselsten Anschauungen. Leibst über die Ursache» des rleges, die Bedingungen des k ü » s t i g e n Friedens chlusses. die Bewerinng der verschiedene» Gegner gehen die leinungen iveil auseinander. Aber über eine» gibt es unter «ne» allen keine Meinungsverschiedenheit, darüber nämlich, dast as deutsche Volk sich seiner Feinde erwehre», dast es >u diesem och ule erlebte» Bolterringen seinen Platz in der Welt auvten ui ii st , alle» feinbiirtjen Gewalten zum Trotz.

Die Lozialdemoiraten im Reiä>stag lege» mit Recht wert araus, vor aller Welt sestzustellen, dast sie gerade als T o z i a l - emokrateu in diesem Punkt mit ihren sonst anders denken en Volksgenosse» übereinftiiiimcn. Sie haben von ihre» Grund- itzen nichts ailsgegebe» und gedenken ihre Ziele »ach dem Kriege ästiger und erfolgreicher z» oersechten als zuvor. Tie verhehlen icht. dast ffe einen raschen Frieden wünschen, der dem kutschen Volk und alle» anderen die v o I l e Freiheit der e I b st b e s» i in i» >, n g gewährleistet, und der eben erst dadurch n dauenides snedliches Rebeneinauderleben der Rationen er iöglicht. Lie bleiben auch der lleberzeugung, dast die Wurzel Uer SriegSgesahren in der bestehenden Wirtschaft» rdnung liegt und nur mit ihr beseitigt werden kan». Lie be ehe» für die Zukunst auf allen Forderungen, die in ihrem Partei- rogramm z» lesen lind. Aber nicht deffen ungeachtet, sonder» erafte deswegen sind ste unter den gegebenen, von ihnen ich! gewollte» Umstände» vor allem zur naiivnalen Verteidigung :rtit mift entschlossen, habe» sie die ganze gewaltige Energie ihrer ewegung jetzt aus dieses eine Hauptziel eingestellt.

Rit Recht Hai der Reichskanzler am Dienstag in seiner Ai frache an die freie Kommission des Reichstags gesagt, gerade die inmütigkeit daheim werde die Truppe» brausten erneut zu den I ochste» Krastleistnngen anseuern. Aber auch unsere Volksgenoffev | .allsten sind keine Maschinen, sonder» denkende, i e n s ch e n . und gerade da» madii ihre» Wen als Kämpser au», uch sie mache» sich ihre Gedanke» über Krieg und Friede» »»ft erden, wen» sie den seldgrauc» Rock ausgezogen haben, in später» meren Auseinandersetzungen ihre» Man» stellen. Viele vv» lnen sind, wie man weist, Lozialdemoiraten, und diese» ist e» ichtig zu wisse», nicht nur dast. sondern auch warum ihre arteigenoffen im Reichstag die Kriegskredite bewilligt haben. Lie .'Winnen daraus die Gewistheit. dast die Einigkeit, die sich im eere in geschlossenster Form verkörpert, auch daheim besteht, und ost sie dort besteht nicht als Produkt eines äufteren Drucks oder ün taktischer Erwägungen, sondern als reiner Ausdruck tiefster eundsätzlicher lieber,eugungen.

Bällen alle in allen Dingen dieselbe Meinung, io liefe da., «raus hinaus, dast keiner eine Meinung Halle. Woher sollic ein lch gedankenloses Her den voll die Krast nehmen zu «gen'? Dast wir über fast alle Dinge der Welt grundverschi. mster Meinung sind, dast wir unter uns vorhandene Fntereffen aft Meinungsverschiedenheiten zu gelegener Zeit mit zähester uergie gegeneinander verfechten, dast wir aber irovften, jetzt, ivo i um» Ganze acht, wie ein Mann zusammenftehen, alle von dem »ei, Willen befeelt, durchzuhalten das macht uns stark mift gibt nS die Saffniliig aus den Lieg!

Serbiens Zusammenbruch.

Wien, 1. Tez. (W. B.) Vom südlichen Kriegsschauplatz 'ird amtlich genieldet: 1. Dezember. Ans dem südlichen riegsschauplatz hat ein weiterer Abschnitt in den Operation-.» ' l wn siegreichen Abschluh gesunden. Ter Gegner, welche- hsiestlich mit den gesamten Streitkrästen östlich der st o l u - ora und des Ljig durch mehrere Tage hartnäekigsten widerstand leistete und wiederholt versuchte, selbst zur Otstm- ve überzugehen, wurde aus der ganzen Linie ge- morsen und zum Rückzuge gezwungen. Er er­

litt neuerdings empfindliche Verluste. Aus dem Gcsechts- scldc von jkonatice allein fanden unsere Truppen zirka acht- hundert unbccrdigte Leichen. Desgleichen be­deuten die zahlreichen Gefangenen und materiellen Verluste eine namhafte Schwächung, denn seit Veginn der letzten Offensive wurde» über 10 00 f> Gefangene gemacht. 17 Maschinengewehre, 4G Geschütze und zahlreiches sonstiges Material erbeutet.

Hosfnnnsiclosi afeit in Lerbicn.

Die Sorrefpoildenz Rmidschau meldet über Kopenl»ageii: Der gegenwärtig in Petersburg iveileuft« VcNraueiismanii des serbischen Mmisterpräsideiite» P-ischitsch. Rarko Zemovitsch. schreibt in der Rowoje Wremja: Vertusthe» Hilst nicht» mehr. Die Lerbeti haben bisher ml»besten» h u u d e r 1 1 a u i e n ft Loldaten verloren, fast ein Drittel ihrer Arniee. was Lcrlnen droht, ist bundertma! ärger als das Schicksal Belgiens. Serbien sielst vor der Gefahr der völligen Vernichtung. da» serbische Volk kann ohne Laich, das icr- bische Land ohne Volk bleiben. Miljukow schlägt eine Aufteilung Serbiens vor. Run must mau die volle Wahrheit einhüllen. Fene, die glaubien. den Serben ici durcki die Erfüllung der Forderun­gen Bulgariens zu nützen, weshalb Levbien diesen Forderuu- gen nochgebeti solle, wollen Lerbsitn ein Begräbnis erster Klasse sicherti. Für diesen Ausweg ist cd heute and) schon z» spät.

Tie russische» Verluste.

Eine mit gröszter Gewissenhaftigkeit gefertigte Statistik der russischen OsfizierLverluste nach den' Angaben de§ Russki Invalid ergibt bis zuni 20. 'November 3679 verinihte. 9702 tote und 19 911 verwundete Offiziere, im ganzen eine» Ans»-ist vvn 3*892- CfHrtarrrr.'

i'cr ,Z!r»eg >m Orient.

Ter türkische Tagesbericht.

Konstanlinopel, l. Tez. (XV. li. Nichtamtlich.) Ti? gestern veröffentlichte amtliche Mitteilung des Grasten Hauvt- cuartiers besagt: Am 29. November haben an der vcrsischen Grenze unbedeutende Zusammen stöbe mit den Russen statt- gefunden.

kanadische Freiwillige iu Aegypten.

AuS Alerandria wird dem Blatte Embros »Mer dem 27 . November gemeldet. dast340v0kanadijcheSreiwillige j:i Aegppiea gelandet würden.

Tunesische Mohauniitdauer.

Ter Berichterstatter der Deutsch:» Tageszeitung erfährt zuver- 'sig. ftast auch in der Stadt und Kolonie Tunis eine grostzügige Erhebung der Maizaniedaiier gegen Frankreich nach Bekam;lwerde des heiligen Krieges beginnt und dast wahvschenikich ein Zusammen- kchluß der Tunesier »in den Algeriern und MgroNanern erfolgen wird.

Portutzai der jüngste Gegner.

Portugiesische Truppe» sür Aegypten.

Nachdem Griechenland den englischen Lockungen wegen Entsendung von Besayungstruppen nach Aegypten ausge­wichen ist, hat sich nunmehr Portugal den dringenden eng­lischen Forderungen anbegnemt. Seit einigen Tagen weilen portugiesische Offiziere in Aegypten, die Vorboten portugicsi- scher Heereskrästc find. Auf Befehl Lord Kitcheuers werde»

im Laufe der ersten Tczemberlzälstc grösterc portugiesisch- Truppenkontingente landen.

(<iu portugiesischer lliechtsertiguugöversuch.

Ter portugiesische Gesandte in Rom erklärte einem Ver­treter der Stampa. die Expedition nach Angola gehe dieser Tage ab. Deutschland babe dort Unruhen slisten wollen »no schoil dreiinal eine» allerdings vergebliclie» Einfallsversml) gemacht. Das portugiesische Volk sei auch deslialb siir den Krieg, weil Deutschland versuche, Portugal an Spanien aus- znliefern. um sich so eine politische Basis int Süden zu sichern. t<iu portugiesischer Torpedojäger beschlaguastmt.

Eni T o > p e d o j a g« r. der aus der Ausaldo-Werft in Sfftri bei C'knna für Portugal im Ban »wr. wurde unmiirelbar von dem S'apelisif von der stellen,scheu Regier«»- ans Rticksichte» der Neutralität beschlagnahmt.

Ter Burcnaufstand.

Tie Times meldet: Tcwet besetzte am l>. November Wu>- burg, das siä> widerstandslos ergab. Tie Anfständischcn- Generäle Scrfortain und Villers requirierten 'Nahrungs­mittel. namentlich bei der Firma Wright Brolliers, deren Inhaber Wright Bürgermeister von Winburg ist: gegen

diesen erging sich Tewet in äusterst heftigen Worten, tveil er den Winburgcrn vorwirft, sie hätten seinen Sahn getötet. Bezeichnend ist. dast die Besetzung Winbnrgs in eine Zeit siel, ivo die Rcuter-Bcrichtc erklärten, der Aufstand sei so gut wi? beendet.

Aus Südafrika wurde dieser Tage wieder über siegreiche Gefechte der Engländer berichtet. Botha habe bm Westest 90 Gefangene gemacht. Ter Kommandant Rost habe den ausständigen General Wort Botha bei Frankfort gefangen genommen und so fort. Nun kommt aber die Meldung, dast seit kurzem ans den Burensarmen Frauen und Kasfern die Arbeit tun. da die Manger die Waffen ergriffen hätten. Ter Burenkrieg in Südafrika hat danach also gewaltig an Be­deutung zugeiiommen.

Bulgarien gegen !)!»»;!.,»t>.

Sofia. 1 D:z (WB. Rlästonttich.I Zu den Bemühuuge» des Dreiverbanftts, wtmu.it tltch Rustlands, eine» ncuin Balkan, block zustande zu bring«» schr.eb! der Diewnik: Fn de; dreistesten bnitalsten Weise aus (ein: BesreierrsUe pochend, will Rust!«»« Billgarieu zu t:.t Bandliliigsweis: «vingk», die»jereu Fn- liresiin offerbar wideripricht Mn btifpi:!lol«r Frechheit ivill die > . ssil'che Diplomai e, die im vorige» Fahre schmählich Lchilsbnich l.it, Bulgarien cinreisn, tast f-r:'e Fntereffen im nw.i Balkaublock lägen, der dl: Ritiunz ft.» in Agonie liegenden Serbien bezweckt. Fst es denn den Russen nacht selbst laiigwetliq. immer dasselbe» Lüjp.ittr.ärchen auszutlschen. da die Wirklichkeit gz> uqscm bewies, dast der Baikaubunft den Rinn Bul-zane, s vera.iiastl-? Veripiechun- gin. dast Bulgarien tm Bunfte mit Lerbcir. ttzriechen und Runlänen seine Fdcale verwirklichen könne, sind offene Täuschungen wir tarfen sür solch-: ilawiftfe Fürsorge. Lasset Bulgarien von den Folgen eurer väterlickkeu Ratschläge sich erholenFixr elenden Er- presscr ivoll: mit cui:» angeblich slawischen tzksühlen Buixavieu vollends ru.iiieren. mit eure» platcuiiche» slawlschu» Fftee,, Bul- ggrlens heiligste Efesühle e. iweibcn! Das sogenminle SlawentUiM der russischen Diplomatie war für Bulgarien der tlislbrocken, der ihm aiis Leben ging. Bulgarien eewarlet die Rechlsertigunq vor der ffSeschithte und vor Gott.

Tic Haltung (4ricchculaudo.

Konstanlinopel, 1. Tez. XV. B. Nichtamtlich.) Taswir-i- E'kiar erfährt, dast Griechenland alle Anerbietungen und Be­mühungen des TreivcrbandeS, mit ihm zu gehen und der Türkei den Krieg zu erklären, zurückwics. weil Griechenland cs feinen Interessen entsprechender finde, alle Meinungs- vcrschlcdenheitcn mit der Türkei trenndschaftlich zu regeln.

(*in Protest Chinas.

Ter Tsan Ch^-ng Jüan, das beratende Oberhaus, legt, nachdem am 3. Oktober die bekanntesten Mitglieder diese: Körpcrset'aft stürmische Reden gehalten haben, der Regierung eine T-enkschrist vor, in der die Verantwortlichkeit Englands an der Verletzung der Neutralität Chinas durch Japan dar­gelegt wird.

Aus Peking wird gemeldet: Die Gesandten EhinaS bei de» kriegführenden Mächieu erhielten de» Ausirag, jetzl schon Chinas Recht auf Beteiliginiq an der Friedenskonsereuz anzn- mclden.

Neue Tokumente über Englands Nentralitä!sbrnch.

Unter dieser Ucberschrist teilt die Nordd. Allg. Ztg. mit, daß unsere Truppen geheime militärische Handbücher über die belgischen Wege und Flüsse erbeutet habe». Tiefe Hand­bücher hat der englische Generalstab herausgegeben, sie trugen den Vermerk: Vertraulich und waren käuflich nickit zu hoben. Tie .Handbücher enthalten auf Grund mili­tärischer Erkundungen die denkbar genauesten Gclände- beschreibungcn. Ter Eingangsvernierk lautet:Tiefe Be-