Ausgabe 
2.12.1914
 
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ÜW unerhörten Recht?bruche§ bewußt zu Verden,

der hier begangen worden ist kein französisches Gericht durfte über die Anschuldigungen entscheiden, da Sanitäts­personal nach der Genfer Konvention nicht seiner Jurisdiktion unterliegt, kein Deutscher kann auch nur im entferntesten annehmcn, daß die Vorwürle irgendwie begründet waren. Wir protestieren, ebenso wie der Leipziger Verband bereits getan hat, gegen die Unter­stellung, als seien unsere Kollegen der ihnen zur Last gelegten Handlungen fähig gewesen. Lebt in dem Stande der französi­schen Aerzte, mit denen wir so lange Jahre hindurch freund­liche, wissenschaftliche und kollegiale Beziehungen unterhalten haben und die deutsche Art und deutsche Sitte kennen sollten, noch ein Funken von Gerechtigkeitsgefühl, so werden sie in ihrer Gesamtheit Schritte tun müssen, um einen Makel von ihrer Nation abzuwaschen, der, un­geachtet der anerkennenswerten Bemühungen einzelner, aus ihr für alle Zeiten hasten bleiben würde!

Deutsche Antwort auf die französischen Beschlagnahmen.

Berlin, 30. No». (W. B. Nichtamtlich.) Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung teilt u. a. mit: Französische Erlasse haben

ganz allgemein die Beschlagnahme und Sequestration des gesamten Vermögens deutscher Unternehmungen in Frankreich augeordnet. Von dieser Anordnung wird in der rücksichtslosesten Weise Ge­brauch gemacht: ja vielfach wird das deutsche Vermögen liquidiert und verschleudert. Neuerdings trat die französische Regierung in gewissem Sinne de» Rückzug an, indem vor den willkürlichen Verschleuderungen des sequestrierten Vermögens gewarnt wurde. Trotzdem stellen sich diese Schritte als so schwere völkerrechts­widrige Eingriffe in deutsche Privatrcchte dar, dasi eine empfind­liche Vergeltungsmaßnahme notwendig erscheint. Eine vom Bunbesrat am 28. November erlassene Verordnung erklärt nun­mehr sür alle ganz oder überwiegend französischen Unternehm­ungen, für Niederlassungen von Unternehmungen und insbesondere für den gesamten in Deutschland befindlichen Grundbesitz französi­scher Staatsangehöriger die Einsetzung einer zwangsweise staat­lichen Verwaltung für zulässig. Mit der Einsetzung von staatlichen Verwaltungen verliert der französische Inhaber und Unter- nchnicr Besitz- und Verfügungsrccht über das gesamte Vermögen und die Unternehmungen. Die Durchführung der Verwaltung be­stimmt die Laudcs-Zcntral-Behördc. Der Verwalter kann sich, wenn nicht die Aufrcchtcrhaltung des Betriebes z. B. mit Rücksickit auf die deutschen Arbeiter und Unternehmer im deutschen Intercsie liegt, aus die Abwicklung der laufenden Geschäfte beschränken, und bann den Betrieb einstweilen stillegen. Er braucht auch nicht die gesamte Bewirtschaftung selbst auSzullben, sondern kann den Be­trieb verpachten. Was jeweils als das Richtige erscheint, wird sich nur nach den Verhältnissen im Einzclfalle entscheiden lasten. Die Auflösung im ganzen, lediglich zum Zwecke der Beseitigung, ist ausgeschlossen. Nur dem Reichskanzler bleibt cs Vorbehalten, im Wege der Vergeltung, d. h. falls die französische Regierung ihrer­seits die Liquidationen der deutschen Vermögen gutheißcn oder an- ordncn sollte, auch die Auflösung der hiesigen französischen Unter­nehmungen für zulässig zu erklären. Es kann abgewartet werden, ob Frankreich uns zwingen will, auch solche Maßnahmen geaen die hiesigen französischen Unternehmungen, Grundstücke und Waren­lager »nzuwenücn. Aber auch in diesem äußersten Falle würbe es, wie bei den übriaen Vorschriften der Verordnung, sich nicht uni eine Vermögens-kkonsiskatilln bandeln, da die Ergcbniste der Liquidation wie die der Verwaltung für die Rechnung des Unter­nehmers biS auf weiteres zu hinterlegen sind.

Das Gefangenenlager in Newbury.

Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt unter der UeberschriftDas englische Gefangenenlager in Newbury": Nach einer Meldung des Reuterschen

Bureaus haben kürzlich zwei Beamte der a m e r i k a n i s ch e n Regierung das englische Gefangenenlager in Newbury .besucht und fanden dabei keine Spur einer schlechten Behandlung der dort untergebrachten Deutschen; vielmehr stehe der Kommandant des Lagers mit den Gefangenen aut dem besten Fuße. Wenn durch diese Meldung der Anschein erweckt werden soll, dah die in der deutschen Presse laut ge- wordenen Klagen über die Zustände in dem Gefangenenlager von Newbury unbegründet seien, so wäre das eine Ver­drehung der Wahrheit. Die zahlreichen, eidlich bestätigten Klagen richteten sich nicht gegen die Persönlichkeit des Kommandanten und seine Beziehungen zu den Gefangenen sondern in erster Linie gegen die gänzlich unzureichen­den Einrichtungen des Lagers und die dadurch

veranlagten Migstande, denen die Gefangenen jedenfalls früher schutzlos ausgesetzt waren. Sollte sich aus dem hier noch nicht vorliegenden Bericht der beiden amerikanischen Beamten ergeben, dah dagegen nunmehr entsprechend den nachdrücklichen Vorstellungen der deutschen Regierung Ab­hilfe geschaffen ist, so kann dieses natürlich nur begrüßt werden.

Zur Lage der deutschen Kriegsgefangenen in England.

Ueber die Lage der deutschen Kriegsgefangenen im englischen Konzentrationslager Frimlcn Eamp, Adlershot. das Ende Oktober von dem amerikanischen Botschafter in London besichtigt wurde, wird folgendes berichtet:

Das Lager, das ungefähr 4000 Deutsche (zur einen Hälfte Militär-, zur anderen Zivilgefangenc) beherbergt, erhebt sich aus einem hoch und gesund gelegenen Gelände, ähnlich wie das Töberitzer Lager. Wegen der ungünstigen Witterungsverhältnisse im Winter soll das Lager von Frimlcy Camp wahrscheinlich ver­legt werden.

Das Lager ist von einem Stacheldrahtzaun umgeben und wird streng bewacht. Die Gefangenen sind zurzeit in Zelten unter­gebracht, doch sind für die kalte Jahreszeit regelrechte Armcc- baracken aus Stein oder Holz in Aussicht genommen. Die Offi­ziere wohnen von den Mannschaften getrennt und dürfen sich Be­dienung halten.

Die Küchen- und Kantineneinrichtungen lasten zu wünschen übrig, doch soll cs hiermit in de» Winterquartieren bester bestellt sein. Die Beleuchtung des Lagers ist elektrisch. Ein mit ordent­lichen Betten ausgcstattetes Hospitalzelt ist vorhanden; zurzeit ist es mit 20 Mann belegt. Einem Operationszelt, das mit allem Zubehör ausgestattet ist, stehen deutsche Sanitätsossizicre vor.

Die Ausrüstung der Gefangene» mit Kleidungsstücken usw. ist folgende: 1 Jackett und 1 Beinkleid, 2 Paar Unterbcinkleider, 2 Jlancllhcmden, 2 Paar Socken, 1 Mantel mit Kragen, 1 Halstuch, 1 Mütze, 1 Kleidersack, je 1 Kamm, 1 Haarbürste, 1 Zahnbürste. Seife, 2 Handtücher, je 1 Messer, 1 Gabel, 1 Löffel, 1 Teller und 1 Becher.

Das Este» besteht auS: l'/a Pfund Brot, Vs Pfund Fleisch, '/- Unze Tee, Vi Unze Salz, 2 Unzen Zucker,/n Unze Pfeffer, U Pfund kondensierte Milche, 8 Unzen frisches Gemüse, 1 Unze Butter oder 2 Unzen Käse täglich.

Zur Unterhaltung der Gefangenen sind 20 WO deutsche Bücher verteilt worben; Sportspiele werden viel getrieben.

Ten Postdienst im Lager versehen Soldaten. Einer Belästig­ung der Gefangenen durch neugieriges Publikum ist nach Möglich­keit vorgebeugt.

Im allgemeinen scheinen die englischen Militärbehörden in Anerkennung der vorzüglichen Einrichtungen im Döberitzer Lager bemüht zu sein, auch die Lage der deutschen Gefangenen möglichst zu erleichtern."

Die Kamerun-Deuts-len in Europa eingetroffen.

Die bei der Einnahme von Duala gefangen genommenen 700 Deutschen, darunter Frauen und Kinder, sind am 21. No­vember in Southampton eingetroffen. Drei Geistliche und eine Anzahl Frauen wurden dort freigelassen, sie konnten über Holland nach Deutschland zurückkehren, wo sie Ende voriger Woche eingctrofsen sind. Alle übrigen wurden nach dein englischen Gefangenenlager für Deutsche übergeführt

Das Vorgehen der Engländer und Franzosen, die deutsch? Zivilbevölkerung von Kamerun zwangs­weise aus der Kolonie sortzufllhrcn, lviderspricht dem fundamentalen Völkerrechtsgrundsatz, dah der Krieg nur gegen die bewaffnete Macht des Feindes sich richtet. Offenbar ist das Bestreben der Engländer daran? gerichtet, daS Deutschtum von Afrikas Küste möglichst v o l l - ständig zu entfernen. Das Prinzip der gewal t - s a m e n Ausweisung der Zivilbevölkerung aus er­oberten Kolonien muh zu Folgerungen von unabseh­barer Tragweite führen.

Die Knechtung Finnlands.

Stockhvlm, 30. Nov. (Ctr. Frkft.) Ta der sinnländische Bezirksrichter Svinhufvud, über dessen Amtsentsetzung wir berichteten, den russischen Behörden zum Trotz auf seinem Posten verblieb, wurde er verhaftet. Der russische General­gouverneur hat ihn nunmehr ohne gerichtliches Verfahren nach der sibirischen Provinz Tomsk verbannt. Svinhufvud, der früher Präsident des finnischen Landtags war, ist stets für die autonomen Rechte seiner Heimat eingetreten.

Rückkehr von Gefangenen.

Bern, 30 Nvv. <Etr. Frkft.) Das Bureau für Zivilinter» nicrtc in Bern hat bereits die Heimschaffuug von siebentausend Personen ermöglicht. Täglich vermehrt sich diese Zahl. Sie wird sich noch dadurch vergrößern, daß nach einem letzte Woche abgc- schlostcncn Abkommen die Männer von 45 bis 60 Jahren, d!' notorisch militäruniauglich sind, aus der Internierung entlasten werden. Dieses Abkommen gilt sür Frankreich, Deutschland und Oesterreich.

Ei» russisches sozialdemokratisches Tageblatt tu Paris.

Seit mehreren Wochen erscheint in Paris, unter der Rx. daktion des Geuosteu Martow, das sozialdcmotratifchc Tageblatt Golos jDic Stimme) in russischer Sprache, das nicht nur unter den zahlreichen Rüsten in Frankreich und Belgien, sondern auch über diese Kreise hinaus ein immer größeres Gebiet erlangt. Genoste Lenin, bisher ein entschiedener Fraktlonsgrgncr des Gx. »offen Martow, hat sich anläßlich eines Vortrages geäußert, der GoloS sei jetzt das beste sozialistische Blatt Europas. Es ist recht bezeichnend, daß das Blatt unserer russischen Genosten nicht nur an dem zarischen Verbündeten Frankreichs die heftigste Krisik üben, sondern auch de»Sozialpatriotismus" in unserer französi­schen Partei und verschiedene Maßnahmen der französischen Re. gicrung »»gescheut kritisieren darf. Mehrfache Eingriffe der Zensur, die in einigen Nummern ganze Spalten konfisziert Haft weisen aber auf eine steigende Nervosität der Pariser Behördeiif gegenüber dem Golos hin.

Eine Reise und ein Telegramm.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Monarchcn-Neisen und -Telegramme gewinnen in dieser Zeit erhöhte Bedeutung. Mit starkem Interesse hat man davon Kenntnis genommen, daß sich Wilhelm ll. ans den östlichen Kriegs­schauplatz begeben und von dort an de» Reichskanzler zu dessen Geburtstag ein Glückwunichtclegramm gerichtet hat, in dem er feine Achtung und Zuneigung für feinen obersten Ratgeber vor Aller Welt nachdrücklich unterstreicht.

Beide Tatsachen sind geeignet, gcwiffe Gerüchte zu widerlegen, die vom Ausland auch nach dem Reiche gedrungen waren. Ans der dauernden und bisher ausschlicßtichen Anwesenheit des deut­schen Reichsobcrhauptcs aus dem westliche» Kriegsschauplatz war geschloffen worden, daß man an deutschen leitende» Stellen die Feindschaft gegen den Westen stärker betonen wolle, als die gegen den Osten, ja man sprach sogar davon, daß die Kriegführung im Osten gcwiffermaßcn nur die Vorbrrritnng eine» deutsch -rns fischen Separatfriedens sei, nach deflen Abschluß man sich mit ganzer Kraft gegen den Westen wersen wolle Dieses Gerücht hatte schon i» dem Augenblick, in dem die Türkei aus Seiten Deutschlands in den Weltkrieg cingriff, an Wahrschein­lichkeit stark verloren. Nun zeigt auch die ncnestc Kaiserreise nach den, Osten, daß in dem zeitweiligen Fernbleiben des Kaisers vom östlichen Kricgschauplatz keine politische Absicht lag. Es bleibt also die Tatsache bestehen, die beim Ausbruch des Krieges von wette» Kreisen als politisch verheißungsvoll betrachtet wurde: das Zer­reißen der Fäden zwischen Petersburg und Ber.

I i n , die Betonung des Gegensatzes zwischen der deutsche» Zn- kunftskultnr und dem russische» Gegenwarts-Absolutismus.

Auch das Glückwunschtelegramm an Herrn v. Bethma»n-Holl- weg entbehrt nicht des politischen Interesses. Denn die Stellung des Reichskanzlers zeigt sich damit viel stärker, als man an mavchin Stellen angenommen hatte. Mau kann jetzt mit großer Wahrschein­lichkeit entgegen anders lautenden Gerüchten damit rechnen, daß der Kanzler des Weltkriegs auch nach dem Kriege nocki Kanzler sein wird. Herr v. Bcthmann ist kein Militär, sonder» ei» aus der Verwaltnngslaufbalm hervorgcgangener Staatsmann. Man darf es als seine nächste Aufgabe ansehen, beim Friedens­schluß neben den rein militärischen auch die volitischcn Gesichts­punkte geltend zu machen. Herr v. Bcthmann ist der Reichskanzlir des 4. August, der Autor jener bedeutsamen Erklärung üb« Belgien und der Verantwortliche der Thronrede, in der sich öit Worte finden:U n s treibt nicht E r o b e r » n g s l u st."

Herr v. Bcthmann ist der Urheber des Wortes, daß die Sache die Freiheit dem deutschen Schwert znr Wahrung überantwortet sei, er hat sich in Ausdrücken stärkster Empörung über die rnsfilchc Tgrannei geäußert. Solche Kundgebungen, in solcher Zeit erlaffea. könnten auch dadurch nicht mehr aus der Welt geschasst werde», daß ihr Urheber seinen verantwortliche» Platz verließe, sie bleiden erst recht in Geltung, wenn der, von dem sie ausgehcn, im Amte bleibt.

Kanzler und Reichstag.

Der Reichskanzler liat Sonntag und Montag mit den Vorständen der einzelnen Fraktionen verhandelt. Die Ver­handlungen waren streng vertraulich. Ter Bcrl. Lok.-Anz. kann abch darüber berichten,daß die Mitteilungen des leitenden Staatsmannes über die Gesamtlage durchaus zu­versichtlich klangen, sowohl über die im Westen, wo es natf), unseren gegenwärtigen Stellungen ausgeschlossen erscheint, daß der Krieg von dorther je in unser Vaterland getragen

wir ihn hinaus, denn mag er sein Hans suchen, wo er; Lust hat." I

Marstrand lvars sich in den Stuhl, wo Helgcstad gescsscr! hatte, und wartete eine Stunde lang, ohne sich zu rühre» i aber diese Stunde dünkte ihm eine Ewigkeit. Er murmelt I unzähligeinalc die Worte vor sich hin, welche Afraja ihm vor I gesprochen:Geh zu dem Hiigel, unter welchen: der böse Vog I liegt, den Jubinal zermalmt hat; tritt auf den Stein un>I sprich meinen Namen leise, leise, wie lvenn Syda, der Got l des Windes, über die Spitzen des jungen Grases tanzt. W> Afraja auch sein mag, er wird dich hören!" Damals hatte e heimlich über diese Wichtigtuerei des alten Lappen gespottet der ihn, einbilden wollte, Zauberkünste zu verstehen, setz wünschte er mit der ganzen Innigkeit seiner beängstigte' Seele, Afraja möge seinen Ruf vernehmen, ein Gott stsi herbeiführen, der ben Bedrängten zuweilen in höchster No schirmt. Sein Glaube war jedoch, trotz seiner stolzen, z> Helgcstad gesprochenen Worte, schwach und von tausei» Zweifeln untergraben. Wie konnte Afraja wissen, dah Helge stad am Baisfjord sei? Und wenn er wirklich erscheinen sollte I wie wollte dieser alte Mann so bedeutende Geldmittel sogleü I hcrbcischassen? Vielleicht besah er sie, vielleicht war e | selbst sein Wille, sie aus Haß gegen Helgestad und Wohlwollei k gegen den Mann, der ihm Gutes getan, hcrzugcbcn; allen s Afrajas Silber war sicher weit in der großen Wüste vcc z graben, und che cs aus Sumpf und Fels gewühlt werdci konnte, war alles abgetan. Wenn Bogt und Schreiber m erst eingemischt hatten, wenn er morgen wirklich aus seinen Besitz vertrieben wurde, so war es überhaupt mit Asraio Hilfe vorbei. Und welche Gefahr war damit verbunden Niemand durfte wissen, dah ein freier Mann, ein Christ, e» Mann von reinem guten Blut, bei einem Lappen sieborg habe. Marstrand selbst, wie groß seine Not auch war, suhl wohl, dah jetzt, wo der Haß gegen den unglücklichen Stamn sich überall mehr als jemals regte, er unmöglich offen lI Hilfe des Zauberers cingcstchen konnte, ohne wie ein 1 er pestetcr behandelt zu werden. (Fortsetzung folgt.) >

Afraja.

Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 127

Es blieb nichts übrig, als wiederholte Entschuldigungen, die mit Scherzen und Spöttereien erwidert wurden. Mar­strand hörte mit sinsterem Schweigen zu. Er erwiderte auch nichts aus die höhnenden Bemerkungen, welche der Schreiber in seine Fragen und Antworten mischte, seine Gedanken waren mit ganz anderen Dingen beschäftigt, seine Seele er- sllllt von dem heftigen Verlangen, diesem alten Betrüger und seinem Verbündeten zu entgehen. In dem halbdunkleu Zimmer, bei dem Scheine des einen dünnen, düster brennen­den Lichtes schärften sich seine Augen, die er öfter ingrimmig auf Helgestads Gesicht richtete. Der heuchelnde alte Sünder schien ihm das schlechteste und unwürdigste aller menschlichen Wesen. Um Geld war ihm alles seil, seine gierige Habsucht scheute kein Mittel; Ehre und Gewissen kannte er nicht. Seine langen knochigen Finger, die sich aus dem Tische aus- strecktcn und zusammenzogen wie die Krallen einer wilden Katze, drückten Sohn und Tochter die Gurgel zu, wenn sie seinem Willen sich widersetzen wollten, und sein erbarmungs­loses Gesicht würde keinen Zug verändert haben, wenn Ver­zweiflung, Scham und Schande Marstrand in einen jähen Tod gejagt, wenn dieser sein Gewehr ergriffen hätte, um sich vor seinen Augen eine Kugel durch den Kopf zu schiehen.

Der betrogene junge Mann wußte das olles, und eben deswegen kam es ihm nicht ein, auf irgend eine Sinnesände- rung bei diesem Dränger zu rechnen. Helgestad hatte darin Recht, dah alle diese klugen, spekulierenden Fischhändler ihn auslachen und verhöhnen würden, wenn er ihnen sein Leid klagen wollte. Ec kannte nicht einen, von dem er besseres vermuten durfte, und eben deswegen setzte er sich nach und nach kühler zusammen, dah Helgcstad eigentlich so handle, wie es Gebrauch hier sei, daß er ganz nach den Grundsätze» verfahre, die er ost genug laut ausgesprochen, und dah der größte Fehler sein eigener bleibe, weil er in verblendeter

Ehrlichkeit selbst dann nicht daran glauben wollte, als er von allen Seiten Zeichen und Warnungen erhielt.

Bei alledem jedoch wuchs jetzt sein Verlangen, das Mittet zu finden, sich nicht in die Tasche stecken zu lassen, die Helge­stad lachend aufknöpfte. Ihm war zu Sinne, als könne er sich dem Teufel verschreiben, wenn dieser ihn loskaufen wollte und alle Fäden seiner Gedanken liefen aus einen Punkt hin­aus, den einzigen Mann zu schaffen, von dem er Hilfe hoffen konnte:Afraja!"

Die unheimliche Gestalt des alten Hexenmeisters schwebte vor seiner Seele und vor seinen Augen. Wenn er Helgestav anblickte, sah er den Kopf des Lappen über dem Tisch schweben; bei Paul Petersens Gelächter hockte der unförmig? Greis im Winkel und richtete sich wackelnd auf, über Olafs dreite Schultern streckte er die kleine, verschrumpfte Faust aus. Marstrand konnte cs kauni erwarten, bis seine Gäste die Kammer aufsuchten, wo er ihr dürftiges Lager dadurch bereitet hatte, daß er sein eigenes Bett ihnen zuteilte.

Nutz!" sagte Helgestad,ist ein altes Wort: Wie man sich bettet, so schläft man. Habt uns hart gebettet, Herr, soll aber unser Schlas dessenwegen doch ein guter und gesunder sein. Wünsch' Euch eine Nacht, wie der heilige Olaf sie hatte. Schlief ein umringt von Feinden, als er aufwachte, waren sie alle überwunden."

Ich habe den Glauben," erwiderte Marstrand,dah solche Prophezeiungen zuweilen wahr werden, wenn es Gottes Wille ist."

Nuh!" rief der Alte grinsend,seid fromm im Gemüt und habt einen Freund an Klaus, dem auch schon mancherlei Wunder passierten. Möchte Euch aber raten, lieber nicht zu träumen, sondern Niels Helgestads Hand fest zu halten."

Fragt morgen an. was ich tue," antwortete der ge­quälte Mann, indem er sich zurückzog. «Diese Nacht will ich Herr in meinem Hause sein."

Ein Gelächter verfolgte ihn.Laßt ihn doch noch eine Nacht von den Geldsäcken träumen, die der Balselftvald liefern soll," hörte er den Schreiber sogen.Morgen werfen

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