Ausgabe 
5.11.1914
 
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Keltze gef<ifien<r Gießener bestimmt. (Dir gestrig« Notiz war irr­tümlich. >

Altenhuscck. Im Kriegegefallen. Bor einigen Tage» erhielten mir die schmerzliche Nachricht, das, unser Parteigenosse Karl Schreiner, Maurer von hier, im Feilte gefallen sei. Seine ans Frau und drei Kindern bestehende Familie verliert in ihm den treusorgcnden Vater, der mit großer Liebe an den Seinen hing und unsere Partei einen bewahrten Mitstreiter der jederzeit siir die politische ivie die gewerkschaftliche Organisation arbeitete, soviel in seinen Kräften stand. Er war erst 27 Fahre alt. Außerdem wurden in den letzten Tagen »och als gefallen gemeldet: der

Pflasterer Johann Leid»er, 30 Jahre alt und ebenfalls ver­heiratet. Er erfreute sich ebenfalls allgemeinen Ansehens in um- seieni Orte. Ihn betrauern Frau und zwei Kinder. Weiter ist noch der Schreiner Karl H o s m a n n, 25 Jahr« alt, gefallen. Er ist noch nicht lange verheiratet: die Frau sieht dem Wochenbett ent­gegen. Alle drei standen beim Gießener Regiment.

Kreit Wetzlar.

b. Gleiberg. Vom Kriegsschauplätze kam die Nachricht, datz wieder ein Gleibcrger, und zwar Otto Kreutzer, als Reservist beim, Jnsanterie-Rcgiment Nr. 110 in, Felde g« fallen ist. Er war von Beruf Fuhrmann, erst kurze Zeit verheiratet mid war nach seiner Verheiratung nach Wetzlar gezogen.

Telegramme.

TlWsbmcht des (Stop öaujitquarticrs.

Am Kanal und an der Somme langsam vorwärts.

In Ostfrankreich französische Vorstötze znrückgewiescn.

In Rußland nichts Neues.

\V. B. Großes Hauptquartier, 4. Nov., vorm. (Amtlich.> Unsere Angrisse bei Up res, nördlich Rohe und östlich Soissons schreiten langsam, aber erfolgreich vorwärts.

Südlich Verdun und in den Vogesen wurden fron zösische Angriffe abgewicse».

Aus dem ö st l i ch e n Kriegsschauplätze hat sich nichts Wesentliches ereignet.

Die Sperrung der Nordsee.

Ter Tod der neutralen Schiffahrt.

Der grants. Ztg. wird aus Berlin geschrieben: Die

Sperrung der Nordsee durch die englische Regierung erregt begreiflicherweise namentlich in den skandinavi­schen Ländern die größte Unruhe, und Aeutzerungen. die ans derartigen Handelskreisen laut werden, lassen er­kennen, daß man in dieser Maßnahme denTod der neu­tralen Handels schisfahrt erblickt. Tatsächlich ist ja auch die Sperre eine Maßregel, die zwar der Angst vor den deutschen Minen entspringt, die sich aber in ihren Wir­kungen in erster Linie nicht gegen Deutschland, sondern gegen die neutrale Schiffahrt richtet. Man sperrt den neutralen Schiffen die Durchfahrt im Norden Schottlands, um die eng­lischen Kreuzer vor deutschen Minen und deutschen Untersee­booten zu schützen, und schreibt den Handelsschiffen den Weg über Dover an der Süd- und Ostküste Englands vor, um sich die Kontrolle zu erleichtern. Das sind Maßnahmen, die von nichts weniger zeugen als von der englischen Oberherr­schaft über die Meere, aber wenn durch solche Mittel die neu­trale Schiffahrt zugrunde geht oder wenigstens schwer ge­schädigt lvird, so wird das England gerade recht sein. Jeden­falls macht sich England aur wenigsten Sorge um die Inter­essen der neutralen Schiffahrt. Daß England damit gegen- über Deutschland nichts erreichen wird, versteht sich am Rande.

Norwegischer Protest.

Aus Kristiania wird der Franks. Zig geschrieben: Die cng-

lischc Nachricht, wonach die Londoner Admiralität sortan die Nordsee für die gesamte Schissahrt sperrt, wirkt hier sen­sationell Da die Nachricht erst spät cintraf, äußert sich nur das Marqenbladct dazu: es bezeichnet das Vorgehen Englands als unerhörten Uebergriss gegen das internatio­nale Völkerrecht und die größte Rücksichtslosig­keit gegen die neutrale» Mächte. Das Morgenbladct wisse, daß die englische Regierung den intrresfierten Ländern vorher nichts m i I g c» e i > t, noch » n t c r s u ch t habe, wie die Sperrung von diese» Regierungen, deren Lebensinteressen dadurch be­droht werden, ausgcsaßt würde. Ist denn nicht bald der Zeit­punkt gekommen, >vo ei» gemeinsames Vorgehen der neutralen Mächte n » g c b r a ch t ist? seagt dno Morgen- lckadet. Ans die Stimme kleiner Länder höre niemand. Amerika sei aber anch neutral. Der Neuiralitätsbegriss eristiere nicht sür die Länder, wenn jeder Uebergriss der krieg- führende» Großmächte schweigend geduldet werde. Was der Admiralitätscrlaß bedeutet, geht aus der Tatsache hervor, daß die norwegische Warenlriegsvcrfichernng nach dem Eintrcsscn der Nachricht nachmittags fofort eine Sitzung znsamineneies, worin die Versscherliugsrate »ach den norddeutschen Häsen von 4 aus 10 Prozent, nach Holland oon 2 aus 4 Prozent erhöht wurde, was eine Erhöhung »m 150 und 100 Prozent bedeutet.

Untergang eines englischen Unterseebootes.

Amsterdam, 4. Rov. (Ctr. Blu.f Aus London wird gemeldet: Heute früh ist das KanonenbootHalchon" beim Patronilleudienst an der Küste von einer deutschen Flottille an gegriffen worden. Ten,Halchon" kamen bald britische Kreuzer zu Hilfe, woraus sich dir deutsche Flottille zurückzog. Sic ivnrdc vcrsolgt, tonte aber nicht zum Gefecht gezwungen werden. Ei» deutscher Kreuzer, der den Rückzug deckte, streute M ine» hinter sich aus. Das englische Unterseebootv 5", das über Wasser mitfuhr, lies aus eine solche Mine aus und sank. Zwei Ofizierc und zwei Matrosen, die aus der Brücke standen, wur­den gerettet, die übrige Mannschaft ging mit dem Boot in die Tieft.

Der KreuzerYorck" gesunken.

Berlin, 4. Nov. (W. B. Amtlich.) S. M. Großer KreuzerAorck" ist am 4. November, vormittags, in der JadeaufeineHafen minen sperre geraten und gesunken. Nach den bisherigen Angaben sind 382 Mann rnehr als die Hälfte der Besatzung gerettet. Die Rettungsarbeiten wurden durch dichten Nebel erschwert.

Der stellvertretende Chef des Admiralstabs: B e h n ck e.

Feldzug in Polen und Galizien.

Wien, 4. Nov. Amtlich wird vcrlautbart: Die Bewegungen unserer Trupprn in Russisch-Polen wurden gestern vom Feinde nicht gestört. Eines unserer Korps nimmt aus den Kämpscn an der Lysa Gora 20 Ossizicrc und 2200 Mann als Gefangene mit. An der galizischen Front ergaben sich heute bei Podbuz südlich von Sänibor über 200, heute früh bei Jaroslau 300 Russen.

Der Stellvertreter des Ehess des Generalstabs: v. Höser, Generalmajor.

Budapest, 4. Nov. (W. B. Nichtamtlich.) Die bei Knty sowie nördlich Czernowitz bei Kottyornick geschlagenen russischen Abteilungen zogen sich gegen Sniatyn zurück. Sie versuchten sich dort zu vereinigen, was jedoch mißlang. Die Verluste der Russen sind sebr bedeutend. Sniatyn ist von uns wieder besetzt. Vor Czernowitz bleiben die Russen ruhig.

Serbische Niederlage.

Budapest, 4. Nov. tCtr. Frkft.) Die Kämpft um Schabatz waren am Sonntag nachmittag 4 Uhr beendet, woraus unsere Truppen in die Stadt einmarschierten. Die Stadt ist fast gänz­lich zerstört. In den Straßen und den Schützengräben lagen viele hunderte Leichen. Unsere Truppen machten reiche Beute. Die Serben zogen sich in der Richtung nach Belgrad zurück und haben sich etwa 20 Kilometer von Schabatz verschanzt. An dem Bombardement der Stadt haben in hervorragender Weise zwei unserer Dononmonitore teilgenommen, die unermeßlichen Schaden anrichtetcn. Etwa dreißig serbische Geschütze feuerten aus die Monitore, die unbeschädigt blieben.

Bien, 4. Nov. <W. B. Nichtamtlich.) Vom südliche» Kriegs­schauplatz wird amtlich gemeldet: In weiterer Vorrückung

stießen unsere Truppen südlich und südwestlich Schabatz »cuerdings auf den Feind. Ein sofort begonnener Angriff schreitet günstig fort. Während bei den Kämpfen auf R o m a n j a insgesamt 56 Offiziere und 047 Mann gefangen genommen, sowie fünf Ge­schütze, drei Munitionswagen, zwei Maschinengewehre, viel Munition und Kriegsmaterial erbeutet wurden, wurde den M o n- tcnegrinern über 1000 Stuck Vieh, daß sie aus Bosnien mit­nehmen wollten, abgenommen.

Zur Kriegsbeteilignng der Türkei.

Eine Rechtfertigung der Pforte.

Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Kon­stantinopel: Die Pforte ließ den Mächten eine Nöte über­reichen, in der die Geschichte des ersten Zwischen­falles vor dem Bosporus dargestellt und bewiesen wird, daß Rußland die Feindseligkeiten ohne Kriegserklärung begonnen hat. Dies gehe auch unzweiftlhaft aus dem Verlauf der letzten Verhandlungen hervor, die der französische Botschafter B o m p a r d nach der Abreise des russischen Botschafters mit der Pforte führte und in denen der letzte Versuch gemacht wurde, die Gegensätze zwischen der Türkei und den Ententemächten auszugleichen. Bompard habe in diesen Verhandlungen zugegeben, daß Rußland den Beginn der Feindseligkeiten verschuldet, und hat sich im Namen seines Bundesgenossen zu einer Ent­schädigung an die Türkei bereit erklärt; doch seien

die Forderungen der Ententenrächte, unter denen die Ab- rüstung der früheren deutschen Kriegsschiffe und die Eni- lassung der deutschen Militärniission standen, derartig ge- wesen, daß eine Ueberbrücknng der Gegensätze ausgeschlossen war.

Das Bombardement der Dardanellen.

Andere Ereignisse.

Konstantinopcl, 4. Nov. Das Bombardement der Tarda- nellenforts ist nach einem gestern abend ausgegebenen Commnnique von einem der Forts erwidert worden. Auf einem englischen Panzerkreuzer, der von mehreren Geschossen getroffen wurde, brach ein Brand aus, worauf die Flotte außer Sichtweite entschwand.

Die Engländer ziehen sich von der ägyptischen Grenze am Suezkanal zurück, wobei sie alle Dörfer ans ihrem Wege niedcrbrennen.

Die Russen haben begonnen, die kaukasische Grenze zp befestigen. Im englischen Konsulat in Bagdad haben die türkischen Behörden große Mengen Munition und Maschinen­gewehre beschlagnahmt. Eine Anzahl Kisten mit Munition wurden von den Engländern im Euphrat versteckt. Trotzdem ist alles im brauchbaren Zustande.

Italien und die Türkei.

Rom, 4. Nov. (Ctr. Frkft.) Aus Konstantinopel ge­langen beruhigende Meldungen über die Absichten der Türkei hierher. .Der Angriff richte sich zunächst gegen England. Wenn ein Feldzug in Aegypten notwendig wäre, würde sich die Pforte mit Italien verständigen und die Scnussen durch eine Sondergcsandtschaft veranlassen, ihren Widerstand gegen Italien in der Cyrenaika ein zu- st eilen.

Bereittökilettder.

Die Marktpreise sür Blei» uii» Fruckii und die Gießener Fleisch- und Brotpreike am 2. November 1914

Ochsen

Kälber

Schweine

Schlachtviehpreise tu Frankfurt a. W.

50kg Schlachtgewicht 94 105 MI,

. 88-93 Mk

76-77

Getreidepreise in Mannheim.

Bleizen

Roggen

100 I-x 27.60 28.40 Pik. . . 23.75 24.10 .

kft 86^90 Ps«. 100 .

. 70-96

Brotprcisc in Gießen

Sonntag, 8. N o v c in b e r.

Krcsdsrs-Glciberg. WahIvcrein. Nachmittags 3 Uchr Vvr- laniiwlung im Schwarzen Walfisch. Vortrag der Genossin Frau Schulzc-Frantfnrt über Weltkrieg und seine Bealciterscheimingen.

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Christian Petri. Moitkestrasse 7.

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