Ausgabe 
2.11.1914
 
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«natut in neuer Pracht und Schönheit des Menschen Auge zu er. freuen.

Im Herzen der Menschen derselbe Vorgang: Ties im Innern E^es jeden keimt bereits das Leben einer neuen Zukunft' Vor- Iaufi!! noch schleierhast und in Nebel gehüllt, aber mehr und mehr -ur Wahrheit sich durchringend, tritt einem jede» die grofte Zu­kunft vor Augen: der Frieden! Ter Völkersrieden, welcher beim Viedererwachen der Natur alle Nationen umspannen möge um alle Völker kraftvoll aus der höchsten Stufe des sittlichen Wertes -u vereinigen.

Ein Landsturmm ann im B uchdrucker-Korrespondent.

Der Kampf um die Kartoffel.

Nunmehr meldet sich auch die hessische Landwirt- schaftskammer zum Wort. In einer etwas lang g°- ratenen Erklärung wird die neue Behauptung aufgestellt, die Kartoffelernte 1914 seierheblich geringer wie 1913". Daß sie nicht so reichlich wie im Vorjahre ausgefallen ist, weiß jedes Kind; aber die vorliegenden Ernte-Zchätzungs- zisfecn rechtfertigen noch lange nicht das von der Landwirt- Ichastskammer gebrauchte Maßerheblich geringer". Die Landwirtschaftskammer sagt weiter:Im Großhcrzogtum

Hessen fällt die Ernte gerade in einigen wichtigen Kartoffel- anbaugebieten erheblich unter dem Mittel aus. In den an- deren Bezirken ist die Ernte nicht um so viel größer, daß dieser Ausfall gedeckt werden kann." Es scheint also, daß die Landwirtschaftskammcr eine besondere Vorliebe für das Wörtchenerheblich" hat und es ist sehr zu bedauern, daß die Kammer nicht die einzelnen Bezirke anführt, damit eine Prüfung ihrer Behauptungen möglich wäre. Daß die Ernte- mengen in den verschiedenen Bezirken Hessens differieren, ist doch keine neue Entdeckung, aus der sich die Höhe des Kar- tosfelpreises, wie sich solche die Landwirte denken, erklären ließe. Sodann setzt die Landwirtschastskammer auseinander, daß die Landwirtschaft anstelle der zu teueren Kraftfutter- mittel in erhöhten! Maße besonders Kartoffeln zur Viehzuchi verwenden müsse.Hieraus dürste hervorgehcn, wie unbe­rechtigt die Forderungen nach den sehr billigen Kartossel- preisen sind. Unsere Landwirte sind alle bereit, die Volks- crnährung sicher zu stellen. Die deutsche Landwirtschaft ist hierzu auch jetzt in der Lage; man muß sieaber darin unter st ützen, damit sie in wirtschaftlicher und betriebs­technischer Beziehung dieser Forderung gerecht werden kann." Für das Kriegsjahr 1914 wird dann ein Preis von 7 Mk. bis 7,50 Mk. für ausgelescne Speiscware frei Keller gefordert. Zum Schlüsse der eigenartigen Publikation heißt es:Es ergeht daher an die Bevölkerung, besonders in der Stadt, die Bitte, Maß zu halten in den Forderungen, die man an die Landwirtschaft stellt und jetzt in Kriegszeiten von dieser nicht dasselbe zu verlangen, wie in Friedenszeiten. Die Landwirtschaft ist bestrebt, ihrer Aufgabe, unser Volk mit den von ihr erzeugten wich­tigsten Lebensmitteln zu versorgen, voll und ganz nachzu- komnien. Man unterlasse daher scharfe Zeitungseingesandt-; und sonstige Aeußerungen, die meist von Unberufenen kom­men und auch nicht berechtigt sind. Solche Mitteilungen dienen nicht dazu, das Verhältnis von Stadt und Land to zu gestalten, wie es die Zeit erfordert und wie es der Wunsch der Landwirtschaft ist." Sollte die Landwirtschaftskammer glauben, daß ihreMitteilung" diesen Zweck zu fördern ge­eignet wäre, so dürste sie sich damit doch sehr stark auf dem Holzwege befinden. Nickst e i n Wort der Mahnung zur Be- sonnenheit an die Kartoffelbauern bringt die Landwirt- schaftskammer auf. Wohl aber sollen sich nach ihrer Mei­nung die gutenStädter" tapfer den im Schwünge stehenden Kartosselwuchcr gefallen lassen. Alte liebe Methoden klingen überhaupt aus der Erklärung der Landwirtschaftskammer. Stadt und Land" bedeutet auch hier eine Täuschung. Denn unter dem Kartoffelwucher leidet ebenso der Teil der nicht Ackerbau treibenden Bevölkerung, der auf dem Lande wohnt. Tort müssen sich beispielsweise Geschäftsleute ausGeschäftS- rucksichten" Kartoffelpreise von den Bauern gefallen lassen, die denen der Stadt um nichts nachstehen. Darum ist auch dcr^ Einwand der Landwirtschastskammer mit mangelhafter nubrgelegenheit nur ganz bedingt, keinesfalls aber in der erwähnten Allgemeinheit stichhaltig. Kein Wort auch hat die Landwirtschaftskammer gegen diejenigen ihrer Mitglie- _ die z. B. den Darmstädter Kartosfelmarkt z» wicder- - eiten Maien kurzerhand mit ihrer angefahrenen Ware ver- netzen, weil ihnen der Höchstpreis nickst genehm war, der sich 1 n m b 18 frei Keller auf 6 bis 7,50 Mk., also auf den jetzt von der Kammer als angemessen bezeichneten stellte! Oder mocyte die Landwirtschaftskammcr glauben machen, daß diese patriotischen" Landwirte ihre Kartoffeln wieder nach Haust . . u I n Viehfutter zu verwenden? InFriedens-

zeitcn hörten wir stets, das deutsche Volk müsse ein Opfer bringen, damit die Landwirtschaft im Kriegsfälle das Vater- laiid mit Nahrung versorgen könne. Nun da wir im Krieg stecken, verlangt die Landwirtschastskammer vom deutschen Volk, daß cs die Landwirtschaft weiter unterstützen niüsse. Von, Fabrikanten und Geschäftsmann fordert das Vaterland, daß sie in den jetzigen Kriegszciten ein Opfer bringen und den Betrieb aufrechterhaltcn müssen; vom Angestellten und Arbeiter wird verlangt, daß sie sich mit weniger Verdienst begnügen sollen. Aber die hessisch« Landwirtschastskammer scheint das heute allein die ernste Stunde beherrschende Wort Opfer" nicht zu kennen. Fürwabr, wenn die allgemeine Wehrpflicht nicht bestände, man wäre versucht zu glauben, die Landwirtschastskammer möchte behaupten, auch hier müßte die Landwirtschaft eine Ausnahme-Vorzugsstellung "wnehmen.

*

Darmstädter bürgerlichen Zeitung finden wir folgende

Augenblicklich hat sich die Kartoiselveriorgung der Städte vi»n1* Mahren Kalamität auSgeioachien. Nicht etiva, weil es .-'s.DlMt nicht genügend Erdäpfel gegeben hätte, sondern, weil der nr iS!* Höchstpreis der Stadtverwaltungen mit dem Berkaujs- »er Landwirt« in keinen rechten Einklang zu bringen ist. n ganzen Dache die Schuld beizumessen ist. soll hier -,'sh. Mr Erörterung stehen. Wie Ist nun diesem momentanen Mift- abzuhelfen'? Unsere Hausfrauen müssen sich nämlich dieses entmaI >»»> dem alten haliSväterltcben Standpunkt srei- nrr n ;> öaü 65 ,urr Weihnachten werden kann, wenn der Keller »oller Kartoffeln liegt. Derselbe Sturm, der zurzeit der SKotol-

machung mir die .Kolonial Warengeschäfte ein setzt«, wird jetzt in gleicher Weise aus di«Kartoffel" gelaufen. Kein Wunder, daft der Preistreiberei wieder Tür und Tor geöffnet wird. Diese etwas ctndämnien helfen, muft ieder Hausfrau Aufgab« dadurch st!"- daft man hn Einkauf des ganzen Winterbedorfs etwas Zu­rückhaltung übt, indem man vorerst oder überbauet nicht {einen flanucn Winterbedarf einlegt. Man behilft sich einstwcilei, mit einem Zentner. Regelt vorerst feinen jeweilige» Bedarf nach Pftrtiner und Münchener Muster mit jentneritwifen Bezügen. J einigen Wochen wird sich der Preis fchon drücken, zumal, wenn Volland sein Ausfuhrverbot wieder aufhebt. Bis zun, Frühjahr bunte cs sich dann zeigen, datz die Landwirte nach Cefftwt ihrer allzu reichlich angelegten Mieten von selbst ihre Ware anbieten imd zwar zu einem Preis, der wefentlich unter dem Herbstprets liegt. Dem Konsumenten erwachst aber dadurch noch der weitere Vorteil, daß ihm kein- Kartoffeln ciiigctrockuet noch versoltll sind. ES lieg t daher lediglich an dem Publikum seldst, n>enn es den momentanen Preistreibereien der Landwirte durch «in etivas be­sonnenes Zurückhalten einen Riegel vorschiebt."

Gefallene des Oitfiener Regiments. Unteroffizier Karl Stein müller aus Langgöns. Res. Gustav Fuhr aus Fellerdillen. Res. Otto Weller aus Wieseck. Unterofjij. d. L. Samuel Leon Hardt aus Offenbach (Landwehr-Rcgt.). Res. Karl Geiß aus Höckersdorf.

Aus den Verlustlisten. Füsilier Adolf Valentin aus Krofdorf, schwer verwundet (Jnf.-Regt. Iir. 80). MuSk. Karl TichI H. aus BrauNscls, vermißt. Mn-sk- Gg. Ried aus Mistelfeemen, Kr. Schotten, vermißt. (Beide Jnf.-Regt.) Nr. 81.)

Gefallene aus Lberhefsen und Nachbargebieten. Webr- niann Konrad Wingefeld aus Wetzlar, Jnf.-Regt. Nr. 81.

Res. Mar Müller aus Saasen, Jnf.-Regt. Nr. 80. Res. Wilhelm Will aus Waldgirmes, Jnf.-Regt. Nr. 167.

Unterofsiz. Gustav Grosse, Techniker auf den Buderns- werken in Wetzlar.

Die Kartoffelpreise. Jetzt sind nun in ganz Ober­hessen und auch in den benachbarten preußischen Kreisen Höchstpreise für Kartoffeln festgesetzt, meistens auf 0,50 Mk. Soweit wäre das ja in Ordnung. Aber was nützt der Höchstpreis, wenn man keine Kartoffeln dafür bekommt? Am Samstag waren auf dem Gießener Markte wieder keine Kartoffeln angefahren, Bauern und Händler waren ihm fern geblieben. Von vielen Seiten hört man. daß bei den Produzenten wie auch bei den Großbändlern in Gießen gewaltige Mengen lagerten, die aber nicht herange­fahren werden, weil man den Preis gerne noch weiter in die Höhe treiben möchte. Ungeachtet der festgesetzten Höchstpreise verlangen die Großhändler wahre Phantasiepreise, höhere als in den teuersten Jahren, und das bei der reichlichen dies­jährigen Ernte! Man will dem Volke auch dieses notwen­digste Nahrungsmittel in unerhörter Weise verteuern. Es lväre Sache der Behörden, ganz energisch einzugreifen und nach den Vorschriften des Gesetzes zu verfahren. Was nützen alle schönen Vorschriften, wenn sie nicht durch- geführt werden? Die Besitzer der Kartoffclmengen lachen über die amtlichen Bekanntmachungen. Es darf kein Tag verloren werden, sofort muß geschehen, was das Interesse der Gesamtheit erfordert! Wird lange gezögert, so kann cS passieren, daß große Mengen des Nahrungsmittels durch etwa eintretenden Frost zugrunde gehen. Bei dem stadst- schen Kartofselverkauf in der Neustadt herrschte am Samstag solcher Andrang, daß die Frauen im Gedränge fast ohn­mächtig wurden. Man sagt uns auch, daß Herrschaftsdamen mit Dienstmädchen dort eingekauft und mehrere Male daS Höchstqnantum, bis zu dem abgegeben wird, entnommen hätten.

Eine Fabrik von KriegSdenkmälera hat sich bereits airfüeton. In der Frankfurter Ztg. war darüber zu lesen: In einer Berliner Betoufirma ist man eben dabei, ein stattliches Musterbuch mit Er- innerungsbenkmäiern a» das glorreiche Fahr 1914 zusammen- zustelleu. Natürlich wieder der unter dem Deckmantel des Patrio­tismus auigemachte Kitsch in allen Größen und allen Preislagen. Gegen diese industrielle Ausbeutung der fliehenden Blutströme mus, schon heute energisch Protest erhoben werden. Nicht allein aus künstlerischen Gründen und nicht etiva nur im Nonien der deutschen Künstler, di« sich hier um winkend« Ausgaben gebracht sehen: die verletzte Scham begehrt aus gegen di« mtt solchen Fabrikaten beab­sichtigte Spekulation. . . . Auch allerbest« Gesinnung darf nicht wieder an Objekten mit solch peinlicher Entstehungsgeschichte bekun­det werden. Es ist ja noch lange nicht Zeit und wahrlich nicht ge­ichmackroll, von dem wahrscheinlichen Bedarf an Siegesdenkmälern zn reden.

Drohende Zuckerteuerung. Tie deutsche Zuckerrübenernte wirb nach den vorliegenden Abschätzuimen außergewöhnlich gut aus- fallen. Die Rüben weisen einen Zuckergehalt aus wie nie zuvor. Bei der Bedeutung, die dem Zucker als Nahrungsmittel znkvmmt, ist das natürlich, gerade in den jetzigen Kriegszeiten, sehr zu be­grüßen. Es wäre für die Volksernährung von größter Bedeutung, wenn die gewaltigen Zuckermengen, die vorairsstchtlich in diesem Jahre produziert wenden können, zu billigen Preisen abgesetzt würden. Das paßt aber den Zuckerkapitallisten nicht in den Kram. Da ihnen die Airsft>hrmögl.ichckeit fast vollständig genommen ist, was das bedeutet, zeigt die Tatsache, daß 1912 für 130,2 Millionen Mark Zucker erportiert wurde, zumeist »ach England. sind sie lediglich ans den Jrlanbsmarkt angewiesen und müssen mit einem starken Fallen der Zuckerpreste rechnen. In der Tat sind die Groß- handelspreiie für weihen Zucker schon jetzt auf 1718 Mark pro 5V Kilogramm gefallen und zahlreiche Abschlüsse auf dieser Basis mit den Händlern getätigt worden. Die Rohzuckerfadriken und Rafsin«- rien Hoden nun an bau Bundesrat den Antrag gestellt, gefetzliche Mindestpreise von 10% Mk. für den Zentner Rohzucker und einen Höchstpreis von 21 Mk. für den Zentner weiften Zucker festWlegen. Gleichzeitig sollen die laufenden Verträge mit den Großhändlern, die auf der Preisbasis von 1718 Mark für den Zentner weißen Zucker abgeschlossen worden sind, und Mengen be- treifeir. die den Zuckerverbrauch bis Ende des Jahres decken würden, für ungültig erklärt werden, Tie Nafsinerien wollen näm­lich den Höchstpreis von 21 Mark für den Zentner weißen Zucker er­zielen! Die Folge davon wäre natürlich eine starke Ver­teuerung des Zinkers im Kleinhandel und dem Volke würde milder einmal ein wichtiges Nahrungsmittel in ein Genutzmiitel verwandelt, das es sich nur selten leisten könnte. Das Vorgehen der Raffinerie» zeigt abermals, mit welch grenzenloser llnverschämtheit dos Kapital die Zeitläufte ansnntzen will, um Ertraprofite zu er­zielen, Wir erwarten mft Bestimmtheit, daß die Regierung im In­teresse der Allgemcmheit das Ansinnen des Zuckerkapitals von sich weisen wird.

Sinder und der Krieg. Dieser Tage hat in Berlin ein Pfarrer in einerMütterlonseren," darüber gesprochen,wie man mit den Kindern vom Kriege reden soll," Nach dem Bericht eines Berliner Blattes führte er in seinem Vortrag u. a. folgendes aus: Man hüte sich, den Kindern die Grauiamkeiten des Krieges im einzelnen zu erzählen. Und man hüte sich noch mehr davor, der

kindlichen Seele den Glauben an die Menschheit zu' nehmen. Nichts ist verwerflicher, als in ihnen den Klauben er­stehen zu lassen, daß alle Russen, Franzosen oder Engländer Un­menschen sind, Tas Kind kennt keine Mittelwege, lim so ernster wird die Pflicht, ihnen zn sagen, das; auch unter den feindlichen Nationen Mütter und Kinder sind, die den Vater und Bruder in den mörderischen Kampf ziehen lasten mußten. Den Saß gegen alles Unwahre und Heuchlerische zn lehren ist notwendig und ge­sund. Aber man verhüte, das, in Kiiiderseelen der Haß gegen Völker eingepslanzt wird; daß die feindlichen Völker selbst den Frieden wollen und nur die Opfer bestimmter Gruppen sind, kann jedem Kind leichlfatzlich dargetan werden. Ein anderes Kapitel aber ist das Mitleide» des Kindes, das wissen soll, wie schwer und eisern die Zeit ist, in der wir lebe». Eine geringere. Weihnachlsbescherung als sonst soll eS mit Verständnis hinnehmen und mit dem Wunsche, daß das vorjährigeMehr" den verwun­deten Kriegern in den Lazaretten zugesührt werde. Besonders und mit andächtiger Stimmung soll ihnen vom Ziel des Krieges ge­sprochen werden: vom Frieden! Daß wir um des Friedens willen kämpfen, muß den Kindern immer wieder eingeprägt wer­den und dazu der Glaube, daß für alle Völker dieser Erde dereinst ein dauernder Friede erscheinen werde. Tann werden die Eltern zur Aufklärung des Kindes das getan haben, was sie nach ihren Krästen zu tun vermögen." Man kann solchen Grundsätzen über Belehrnng der Kinder wohl zuftiinmen.

AuS dem Feldbriese eines Mainzer Parteigenossen, den unser dortiges Parteiblatt veröffentlicht, sei folgendes wieder-! gegeben:Ans Deinem Briese ersehe ich, daß es vor der Mobil­machung sehr bunt zugegangen ist in Mainz. Daß diese Leute sich die Greuel eines Krieges nicht vorstellen konnten, ist klar. Ich meine, wenn ei» Krieg nicht abwendbar ist, kann man seinen Patriotismus immer noch zeigen. Da braucht man vorher nicht ein groß Geschrei zu machen; den» wenn diese Leute jetzt im Felde; stehen, werde» sie auch sehen, was eS heutzutage heißt, eine» Krieg führen. Die Erlebnisse zu schildern, ist ganz auSgeschloffen, da muß man dabei gewesen sein, denn hier sieht man Sachen, die nicht zn schildern sind, To wie heute jedes Gefecht geführt wird, so war eS 70 nicht bei der größten Schlacht, Heute wird die Artillerie de-! nutzt, um die Schützengräben zu befeuern und was es da für Menschen kostet, kann ich Dir kaum beschreiben. Nur bei den Franzosen kostet es doppelt so viel wie bei uu». Man liegt meistens 50 Tage im Schützengraben und wirb von feindlicher^ Artillerie beschösse», daß die Erde dröhnt. Da gehören Nerven! dazu, um stand z halten! Bei dem Feind ist's natiirlich gerade so, bloß mit dem Unterschieb, daß die Franzosen dann in milder Flucht aus ihren Gräben rausspringen. Das ist für uns das Signal zum Angriff, Unter heftigem Artilleriefeuer gehtS vor-I wärts, alles wird niedergemacht, was unsere Flinte erreicht, WaS! sich ergibt, wird gefangen genommen. Daß so ein Angriff bei nnSi viel Menschen kostet, ist natürlich. Das Gejammer und Geschrei! der Verwundeten klingt einem in den Ohren, was einem nur nod( mehr erregt, so daß man jeden Kerl Niederschlage» könnte, den man erwischt, obwohl diese armen Kerle doch nur frivol ln den Krieg getrieben werden. Daß ich noch lebe wundert mich sehr» denn wir sind keine 10 Mann aktiv mehr in der Front."

Das Heilverfahren bei der Angestellten-Versicherung. Stellte sich das Direktorium der ReichSversichernngsanstalt bisher auf den Standpunkt, daß bas Heilverfahren während des Krieges infolge Aerztemangelö zu ruhen habe, so hat es sich nachträglich zn einem größeren Entgegenkommen entschlossen. Tie Soziale ArbeitS-l gemeinschaft der kausmännischen Verbände hat jetzt auf eine Ein-j gäbe vom 1t. September die Mitteilung erhalten, daß das Direk­torium der ReichSversichernngsanstalt einen neuen Beschluß gefaßt hat, nach dem das Heilverfahren auch während des Krieges dann durchgeführt wird, wenn es sich um tuberkulöse Erkran-j klingen der Lunge handelt. Weiter heißt eS in dem Bescheides Die Durchführung der übrigen Heilverfahren dagegen muft insolge der durch den Kriegsausbruch eingetretenen Verhältnisse, inSbe»! sondere wegen des dadurch gezeitigten Mangels an geeigneten Heil-i statten, die sich fast durchweg der Militärverwaltung als Lazarette zur Verfügung gestellt haben, zunächst noch ruhen. Falls in diesem Zustande im weiteren Verlauf des Krieges eine gli listige Wen­dung eintreten sollte, wird die ReichsverstcheriingSanstalt den «er»; änderten Umständen Rechnung tragen und auch die Heilverfahren! nach Möglichkeit in dem früheren Umfange wieder aufnehmen,"

Eine sozialistische Stadtverwaltung im Kriege, Die fron-, zöstsche Stadt Toulouse hat seit Jahren eine sozialistische Stadt­verwaltung, aber noch nie hat diese soviel silr die arbeitende Be­völkerung tun können wie seit Ausbruch des Krieges, Vom 12. bis 31, August, schreibt der Genosse Redouee aus Toulouse, haben wir 350 000 Portionen Lebensmittel verteilt. Besondere städtische Milchverteilungsstellen sorgen dafür, daß alle Kinder der Be­dürftigen Milch erhalten. Die Familien der Eingezogenen erhalten eine Unterstützung von mindestens 1 Mark täglich, aber auch zahl-, reiche Arbeitslose sind zu unterstützen. Etwa 15 000 der Letzteren erhalten täglich das nötige Brot in den Brotverteilungsstellen un­entgeltlich. Um die Arbeitslosigkeit einzudämmen, wird die Stabt den Bau von ?lrbeiterwohnungen ln großem Stille unternehmen. Von ben dabei zu zahlenden gewerkschaftlichen Löhnen wird die Hälfte in Gutscheinen ausgelegt werden, die in den städtischen Brot­läden in Zahlung genommen werden. Auch werden umfangreich^ Vorbereitungen getroffen, um der ärmeren Bevölkerung, sobald die rauhe Jahreszeit beginnt, wärmere Kleidung und Brenn, Materialien liefern zu können.

Patriotischer Unfug. Kam da neulich ein junger Offtzicr im ein Bsrliner Cafe. Als er den Mantel ablegte, wurde das Eiserne Kreuz auf seiner Brust sichtbar. Sofort brach die Musik ab und begann basDeutschland, Deutschland über alles". Die ganze Be­satzung, vom Kapellmeister bis zum Pikkolo, besieht jeden eintretem- den Soldaten, damit der Trick ja auch gelingt. Der junge Offizier hatte aber kaum begriffen, als er auch schon den Mantel wieder umwarf und das Lokal verließ.Wir haben", so äußerte er zn einem Freunde,ein einzigmal im Felde das Lieb gesungen, nach, einer großen blutigen Schlacht, da standen »ns allen die Tränen in den Augen da steht einem solch patriotischer Kaffeehaus-Klim­bim nicht mehr an!"

Gießener Stabttheater. W o ch e n s p i e l p l a n. Dienstag. 3. November, abends 8 Uhr: 1. Dienstag-Nbonnements-Vor-

stellung: Minna von Barnhelm, Lustspiel in 5 Aufzügen von G. E. Lessing. Gewöhnliche Preise. Freitag, 5 November, abends 8 llhr: 1. Freitag-Abonnements-Vorstellung: Zwischen den Schlachten. Schauspiel in 1 Aufzug von Björnstjerne Björnson. Hierauf: Wallensteins Lager, von Friedrich Schiller. Gewöhnliche Preise. Sonntag, 8. November, abends 7-/- Uhr: Wie die Alten sungen, Lustspiel in 4 Akten, von Karl Niemann. Kleine Preise.

«ret» Marvura-Kirchhai«.

Streit in einer Gemeindeoerwaliung. Das Laiibgerichi Marburg hat am 5. Mai de» Bürgermeister der kleinen Stadt Amöneburg, August Nacken, wegen wissentlich falscher An­schuldigung zu einem Monat Gefängnis verurteilt. In der Ge- meinderatssitzunq vom 20. März 1013 wurden die an eine Aus- schrcibung eingelaufenen verschlossenen Angebote vorgelegt. Der Beigeordnete Amtsgerichts-Sekretär Sch. riet, die Angebote zuruck­zugeben, da die Vergebung nicht auSgeschellt oder sonst bekannt ge­macht worden sei. Es wurde dann beschlossen, einen neuen Termin für die Angebote auszuschellen und die Angebote mündlich ent­gegen zu nehmen. Sch. sagte dann, es sei wohl das Beste, die schriftlichen Angebote die nun keinen Wert mehr hätten, zu ver­nichten, dann entstehe kein Mißtrauen. Die anderen Gememde- ratsmitglieder, auch der Angeklagte, stimmten zu. Der Ange­klagte schob die Briese Sch. hin und dieser warf sie, nachdem er sie zerrissen hatte, in den Ofen. Lange nach dieser Sitzung, »amlich am 15. Dezember 1913, nachdem er auf eine Anzeige des Beige­ordneten Sch. hin verantwortlich vernommen worden war, er­stattete der Bürgermeister eine Anzeige bei der Staatsanwatt- schaft gegen den Beigeordneten Sch., in welcher er diesen oer