Ausgabe 
28.10.1914
 
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Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberheffen und der Nachbargebiete.

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Nr. 25 V

Redaktion und Ervcdttlon Sielien. Babnbofliraiie 23. Elke äitoenooRe. relevdon 2008.

Gicßcn, Mittwoch, Den 28. Oltolicr 1914

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Das Privateigentum im Kriege.

ft» Frankreich find Verordnungen ergangen, die prinzipiell ' Beschlagnahme des noch in Frankreich befindlichen dcnlschcn d österreichischen Eigcntiiniö für zulässig erklären, und durch ein ckrct vom 2. Oktober ist, wie man berichtet, zunächst das Eigen- m deutscher Lebcnsvcrsichernngs- und UnfaUvcrfichcrungögescll- aftcn eingczogcn worden. Tic Maßregel soll nach Auslassung i franzöfischen ftustizministcrs den Zweck haben, der Regierung ie Sicherheit in die Hand zu geben, für die Ansprüche, die sic m Ersatz des durch Zerstörung französischen Privateigentums in a Grenzbczirken verursachten Schadens bei den Fricdensver- ndlungcn geltend mache» wird.

ES läßt sich kaum annehmcn, das; mau in Frankreich die Kon- -kation deutschen Privateigentums tatsächlich in dieser Weise isthast rechtfertigen will, denn die Vernichtung des Besitzes von ivatpcrsoncn durch die unmittelbaren Kriegsercigniffc ist, wie <cr ohne weiteres zugcbc» wird, grundsätzlich verschieden von der seitigung der rechtlichen Garantien durch die das Eigentum mdcr Staatsangehöriger in Fricdcnszeiten geschützt wird. Zwar t die Neuzeit im Gegensatz zu dembarbarischen" Altertum und ittelalter das Prinzip der allgemeinen Unverletzlichkeit des ivatcigcntumS im Kriege ausgestellt, aber selbstverständlich wen alle Menschlichkeit und alles Christentum, auf das man sich t besonderer Vorliebe berief, nicht in der Lage, private Gebäude r den Granaten zu schätzen und die Truvpen zu zwingen, einen rweg um die Aecker zu machen, deren Betreten ihnen aus tak- chen Gründen notwendig erschien. Es ist so, wie einmal ein Ukcrrechtslchrcr scherzend bemerkt hat, daß der wirklich restlos rchgcsübrtc Schutt des Privateigentums die beste und einfachste ethode fei, den ewigen Frieden hcrbeizuführen, da Kriege, in gen der Besitz des Bürgers geschont werden müsie, schlechter- igS unmöglich wären.

Tort, ivo Ausnahmen auf Grund von kriegerischen Notwendig* ten nicht Vorlagen, schien sedoch die Unverletzlichkeit des Eigcn- mS der Angehörigen feindlicher Staaten über jeden Zweifel er­ben zu sein, und die herrschende Meinung der Theoretiker des UkercchtS ging bis zum Beginn dieses Krieges dahin, das, ans chtlichc» Vorgehen zustande gekommene Bcsitzverhältnisic durch > einseitiges Vorgehen eines der kriegführenden Staaten nicht beseitigen seien. Tas nmso nichr als die zweite Haager Kon- renz im Artikel 23b ausdrücklich verbot, Rechte und Handlungen r Angehörigen gegnerischer Staaten für anSgclöscht oder nicht agbar zu erklären. Nun aber hat der Krieg die schöne ftllnsion rstort, als ob praktisch in den Schutz des Privateigentums gegeil­ter den dunklen Zeiten der Vergangenheit ein Fortschritt erzielt äre.

Tic Maßregel des französischen ftustizministcrs war dazu sa >cht einmal notwendig. Das Verbot der englischen Regierung, 'llige Zahlungen an die Angehörigen des feindlichen Auslandes «l lkmen, legte die erste Bresche in die optimistische Anfsasiung, a . F^.^neg, abgesehen von seiner Rückwirkung auf die VolkS- nnschast, nur noch eine Angelegenheit der uniformierten Heere

wobei allerdings betont werden muß, daß England auch nach '5 r ci ten Konferenz im Haag in dieser Beziehung niemals den -tauopunkt eingenommen hat, den Deutschland und bis auf wenige Ausnahmen die ganze kontinentale Völkerrechtswisicnschalt vertrat. , C J * on <mtntor. mit dem das deutsche Weißbuchüber die Ergeb- im Fahre 1807 abgchaltcnen Friedenskonferenz" den er- >ain»en Artikel 23 versah, ging dahin, daß hier der Grundsatz der nvcrlctzlichkeit des Privateigentums auch auf dem Gebiete der 0 T ^ 5 T c ® * c anerkannt werde.

..Nach der Gesetzgebung einzelner Staaten soll nämlich der ; ,c . ,,0 *fle haben, daß die Schuldvcrbindlichtcilcn des «taaies oder seiner Angehörigen gegen Angehörige des Feindes ansgctiovcn oder zeitweilig außer .Krast gesetzt oder wenigstens von der Klagbarkeit auSgeschlosicn werden. Solche Vorschristcn erklär" """ Distel 23 Absatz 1 unter h für unzulässig

, Unter Berufung aus bicic Auslegung und ans andere ähnlich iitcndc Ausführungen hat sich im Fahre 1811 der englische Pro- Iior Oppenheim in Cambridge an seine Regierung mit der nkrage gewandt, ob sie aus demselben Standpunkt stehe, und er hielt damals die Mitteilung, daß das nicht der Fa» sei, daß man elmchr in ^ondon in dem Artikel nur eine Beschränkung der esugitisic der Kricgskom Mandanten erblicke. Bcstim- uiigen die durch die Gesetzgebung getroffen würden, lägen ganz verhalb des Konscrenzbeschlnsies. Diese ftnterprctation war 'cifclloü recht gewaltsam, aber da sie von amtlicher Stelle schon ter dem 27. März 1811 gegeben ist, können wir das Vorgehen r englischen Rcgicruna in dieseni Kriege nicht als mit ancrkann- > Bestimmungen des Völkerrechts im Widerspruch stehend be- ichncn. und es bleibt uns also nach allem nur übrig, die trostlose s »lache fcstzustellcn, daß der moderne Krieg noch weit mehr als ne Vorgänger das gesamte Volk einschließlich der privaten ,» «"siechte seiner Mitglieder in Mitleidenschaft zieht, und daß Atr* «f k' l » cn Gang der Tinge durch Abmachungen völkcr- >, n ^ Art zu hintertreibcn, papicrne Tcmonstraiioncn gcblie-

' . Auch auf diesem Gebiete zeigt sich, wie ans verschiedenen ie eineVermenschlichung des Krieges" eine Utopie ist.

r» nn m n un »en, die Schrecken des Krieges einzuschränkcn, schei- >.».enj «tand der ökonomischen Entwicklung so gut, wie an

>l n a .^technischen. Man soll den Versuch aufgcbcn, die Wir- l-i>, ? "er Kriege zu lindern, man soll vielmehr einzig und , j,j ® al)w trachten, ihre Voraussetzungen zu be-

Tisja über Rumänien und Italien.

,~ cr ungarische Ministerpräsident Graf Tisza. der ans c e'tterreichische Politik in der südslawischen Krise bc- in..ienb cingewirkt hat, hat einem Redakteur der Bossischcn Uiing ejn Interview gewährt, in dem er sich in übcr- schend aufrichtiger Weise über die Neutralität RumünienZ

auslicß. Auf die Frage, ob er die Beziehungen zn den neu- tralen Staaten für wesentlich gebessert halte, antwortete der Graf:

Unzwciselhast! Was Rumänien anlangt, so hat es dort vor etwa einem Monat schlimm gestände», sehr schlimm. Was wollen Sie, die Russen hatten die schauerlichsten Geschichten über unseren Zerfall verbreitet, eine Zeitlang hatte man ihnen ge­glaubt. Es ist auch viel Geld nach Rumänien gegangen. So hat mir ein bcsreundelcr Bischof, der vor einiger Zeit in Bukarest war, erzählt, daß er, während er bei einer Bank einen Scheck behob, mit dem Beamten ins Gespräch kam. Ter sagte ihm: Sic dürfen mir glauben, ich habe während meiner ganzen Dienstzeit hier nicht soviel Rubel nmgewcchsclt, wie in der letz­ten Woche". Das hat natürlich gewirkt. Aber die ftntelligenz Rumäniens, die denkenden und anständigen Leute, haben dem Tchlagwort von derBefreiung Siebenbürgens" nie geglaubt, sic wißen, daß es de» rumänischen Bauern in Ungarn gut geht, ftch will nicht vergleichen . . . Tic rumänische Intelligenz weiß auch, daß ein von Rußland abhängiges Rumänien nur ein Stief­kind des Slawismus wäre . . . lind nun endlich wißen sic auch, was die russischen Tiegcsnachrichten wert sind.

Der ungarische Ministerpräsident bestätigt, daß Rumänien vor vier Wochen nahe daran war, offen die Partei Rußlands zu ergreifen. Was das bedeutet hätte, zeigt ein einziger Blick auf die Landkarte. Hätte Rumänien cingegriffcn, so wäre Oesterreich-Ungarn von seinen Feinden vollständig eilt gekreist gewesen.

Man erfährt aus dem Interview zum erstenmal von autoritativer Seite, daß die österreichisch-üngarische Politik mit einer solchen Möglichkeit tatsächlich gerechnet hat!

Ob die Aenßernngen des temperamentvollen ungarischen Staatsleiters in Rumänien einen sehr angenehmen Eindruck machen werden, ist recht zweifelhaft. Jedenfalls wird die anti-österreichische oder richtiger anti-ungarische Partei in Rumänien den. gegen sie erhobenen Vorwurf der Käuflichkeit lärmend zurückweiscn. Auch die Lage der rumänischen Bauern in Ungarn wird, nachdem Graf Tisza selbst die Frage in die Debatte geworfen hat, in Rumänien wieder sehr leb- Haft erörtert werden.

Mit Italien erklärte sich Graf Tisza ganz zufrieden. An der rechtschaffenen Neutralität Talandras könne nicht ge- zwcifelt werden. Was aber die unfreundliche Haltung der Presse- betrifft, so bemerkte er:

Das muß man verstehen, ftch bin überzeugt, daß der Rubel in fttalicn keine große Rolle gespielt hat. Es gibt eine Intimität des Geistes zwischen den fttalicnern und Franzosen, mit der wir rechnen müßen. Auch historische Momente wirken mit. Mancher weiß, nicht, daß Oesterreich-Ungarn seit 1387 ohne alle Aspirationen ist. Aber ich bin überzeugt, die Ncutrali- tätsstimmung in fttalicn wird von Tag zu Tag stärker."

Es ist erfreulich, daß Graf Tisza Italien eine bessere Note ausstcllt als Rumänien. Jndeß wäre cs vielleicht besser, wenn die verschiedenen Ministerpräsidenten zumal wenn sic sich durch eine so starke Dosis von Temperament ans- zeichnen wie der bekannte ungarische Staatsmann daraus verzichten würden, in Interviews auswärtige Politik zu treiben.

Italieil und Albanien.

Rom, 26. Cft. (W. I?. Nichtamtlich.) Tie Agenzia Stcfani erfährt: Gestern ist das KriegsschiffTnndolo" in Begleitung des Hochsce-Torpedoboote-sClimenc" in Valona eingetroffcn, wo sich bereits die SchiffeAgordat" und Dorda" befanden.Tandolo" > hatte Sanitätspersonal an Bord um in Valona gemeinsam mit den Ortsbebördcn eine Sanitätsstation zu errichten und die elenden Verhältnisse der geflüchteten Epirotcn zu bessern: Italien hat bereits früher in Skutari und Turazzo solckie Sanitätsstationen er- richtet. Tas KriegsschiffCalabria", dem sich dieEtna" zugesellcn wird, beginnt bereits Kreuzfahrten an der Küste von Albanien, um die Einschmuggelung von Waffen und Munition und die Landung von Bewaffneten z» verhindern Es hat sich in der Tat herausgcstellt, daß beabsichtigt war, eine Bewegung hervorzurnfen, durch die die Beschlüsse der Londoner Konferenz über die Neutralität Albaniens verletzt worden wäre.

Wie man Kriestsaefanifene bes,andeln roll.

Ter Bürgermeister der belg-ischen Stadt Kortrijk (Courtrai), die jetzt auch von den Teuisä»en besetzt ist, hat Ende August sein«, Mitbürgern Verhaltmigsmaßrcgcln gegenüber Kriegsgesangenen empfohlen, die vorbildlich sind, Ter Aufruf des Bürgermeisters lautete nach der Köln Ztg,:

Mttbürgcr! Erlanbl mir, an Euer gesundes Urteil und an Eure menschlichen Gefühl« zu appelliere». Wenn cs in dem un- gcrechtfcrtiqten Krieg, den wir durchnnachen, geschieht, daß fran­zösische oder belgtsckic Truppen in uniere Stadt deutsche Kriegs­gefangene bringen, so bitte ich Euch, Eure Ruhe und Eure Würde zu bewahren. Tic Gesangenen. ob sie verwundet sind oder nicht, nehme ich unter meinen Schutz, weit ich mir sage, daß sic doch nur Befehlen gefolgt sind, denen sic gehorchen nrutzten. wollten sie sich nicht schwere Strafen zuziehen, fta, Mitbürger, ich nehme sie

3 nlcrate kosten die 8 mal gclpalt. Kolonelzeüc oder deren Raum 16 Bia. Bei größeren Äusträgen Rabatt Anzeigen wolle man bis abenb« 7 »de kür die folgende Nummer in der Expedition aukgebrn

9 . ^alirgaiist

unter mein:» Schutz, ivcil mein Herz tvei dem Gedanke» blutet daß auch, sic geliebte Menschen znrückgclasien lmbcn: einen alten

Vater, eine alte Mutter, eine Frau und Klinder, Schivestern und zärtlich geliebte Bräute, di« die Trennung j Todesangst versetzt hat: ich siehe Euch au, saugt nicht zu lärme», zu rufen und zu schmäheil an: dvolxichtel vicimchr, wie stäia flir l*edachtiunnc Men­schen ziemt, ein chrerbictigcs Schweigen, Geliebte Mitbürger, wenn fthr in diese» crnston und peinlichen Berhältutsien nieiurn Rat anhörcu wollt, wen» fthr Euch ennnenr wollt, daß cs lmid dreißig ftahre sind, daß ich Euer Bürgermeister bin, und daß ich in diesen langen ftahveu emsiger Arbeit nie eine Gnust von Euch cvbetcu habe, so bi» ich von voricherci» sicher, daß fthr mcim: Bitte re» stillen werdet, und Euerseits dürft fthr überzeugt fein, daß meine Tanklmikeit Euch nicht fchic» wird.

Kortrijk, 22. August 1813.

Der Bürgermeister: A. Rc,,ugrrt."

Die Vorteile eikres Winterfeldzugeo in Nusrlnnd.

Tie Russen suchen ihre stark enttäuschten Verbündeten damit über ihren eiligen Rückzug zu trösten, daß sie den Winter als die Zeit für ihre Siege bezeichnen, und diese Zu- innstshoffnungcn finden guten Glauben, weil das tragische Schicksal dergroßen Armee" iliapoleons in Rußlands Schnee- und Eisfeldern allen noch lebendig vor der Seele steht. Aber diese Auffassung von der Unmöglichkeit eines siegreichen Vordringens während der kalten Jahreszeit im Zarenreich ist von hervorragenden Militärschriftstellern mit guten Gründen bekünipft worden. Ja, die Ansicht hat sich mehr und mehr Bahn gebrochen, daß man bei der inodernen Kriegführung gerade im Winter demnordischen Koloß" am besten zu Leibe gehen kann. Wir sehen jetzt bei jeder Schlacht, welch große Bedeutung die Schanzen und Schützengräben haben, wie sic dein Verteidiger Gelegenheit geben, eine günstige, vom Angreifer nur sehr schwer zu erobernde Stellung cinzunehmen. Tie Russen haben bisher ihre Erfolge haupt­sächlich durch die Ausführung solcher Bescstignngsanlagen im freien Felde errungen. Wenn nun durch die Kälte die oberen Bodenschichten gefrieren und die harte Erde dem Spaten den zähesten Widerstand entgegensetzt, dann sind die Erdarbeiten außerordentlich erschwert, und deni Russen, der durch die jahrhundertelange Tradition auf die Defensive hingewiesen ist und auch jetzt wieder zu dem bewährtenMittel Kutusows" gegen Napoleon seine Zuflucht genommen hat, wird sein roichtigstes Vcrtcidigungsmittel genommen. Dem Angreifer aoer bietet sich der Vorteil, daß er nun nicht mehr mit jenem fünften Element" zu kämpfen hat, das Napoleon in Ruß­land fand, nämlich mit dem Schmutz, Tic schlechten Land­wege sind zngedcckt von der glatten weiten Schneedecke und laßen sich spielend mit Schlitten überwinden; die gewaltigen Flüsse, die den Hanptichutz der russischen Tefensivlinien oildcn, sind für die Angreifer keine furchtbaren Hindernisse mehr, sondern die Eisdecke bietet die beste Brücke, auf der :nan hinüber konimen kann. Ter Gedanke, daß ein Wintcr- scidzug die bequemste Art des Angriffes gegen Rußland dar- stclle, ist bereits von einem genialen Fcldhcrrn der Ver­gangenheit, von Karl XII. von Schweden, in die Wirklich­keit umgesctzt worden. Karl wartete zu seinem Vorstoß gegen das Heer des Zaren im Jahre 1707 geradezu das Ein­treten des strengsten Winters ab. Erst nachdem die Flüsse und Sümpfe in Polen zugcfroren waren, ging er am 20. De­zember über die Weichsel und drang rasch bis Wilna vor, um die russischen Ttrcitkräfte cinzuholen. Tie Feinde ober zogen sich zurück, und so blieb dieser mit den besten Aussichten­begonnene Winterscldzug ohne Resullat, weil Karl die von ihm ersehnte Gelegenheit, die Russen zu schlagen, nicht er­langen konnte. Auch Napoleon hat 1806 bei seinem Wintcrfeldzug, der durch Lstprenßcn bis Warschau führte^ ans die Vorteile der kalten Jahreszeit gerechnet. Aber die Witterung war gegen ihn; der Tezember 1806 war ein s r o st- freier Monat, und die Wege blieben aufgcweicht »nd un- gangbar wie im Herbst. Tic Franzosen waren gezwungen, sich in Polen cinzuguarticrcn, und Napoleon mußte Frost- wctter abwarten. Als dieses am 1. Februar eintrat, mackste er sich den Umstand sofort zunutze und befahl den entschei­denden Vormarsch, der dann sehr bald, schon am 8. Februar, zu der blutigen Schlacht bei Prcußisch-Eylau führte. Für Karl XII. sowohl als für Napoleon war also das Eintreten der Winterkälte ein günstiges Moment, das sie strategisch ausnntzten. Und auch bei dem Rückzug Napolcoüs im Jahre 1812 ist es nicht die Kälte gewesen, die in erster Linie die großen Verluste des französischen Heeres verschuldete. Karl Vlcibtreu hat in seinem Werk über den russischen Feldzug 1812 hcrvorgchoben, daß der Zug nach Moskau in der heißen Jahreszeit viel größere Opfer forderte und daß Napoleon 260 000 Mann ans dem siegreichen Hinmarsch verlor, wah­rend der winterliche Rückzug 100 000 Mann kostete. Ana;