Ausgabe 
26.10.1914
 
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Mut unter den Augen ihres Königs. 2n der Nacht hörte die Beschießung nicht auf. Heute Morgen trat auf beiden Seiten eine Ruhepause ein und der Kanonendonner war weniger heftig, aber gegen Mittag begann er wieder in alter Stärke. Deutsche Mannesoldaten haben gestern Heyst und Knocke und verschiedene Mischen Sluis und Brügge elegene Dörfer besetzt. Die Deutschen bewachen den euchtturm von Knocke, wahrscheinlich, um nicht durch eine Landung der Engländer überrascht zu werden; auch sind Wachtposten auf den Dünen aufgestellt. Englische Bürger, die sich noch an der Küste befinden, müsien heute vor 12 Uhr das Land verlassen haben.

Weitere fottdauernde Truppenbewegungen finden in der Richtung nach Brügge statt. Am Freitag kamen in Antwerpen, Brügge und Gent Truppen mit Bestimmung nach Thourout mrd Westende an. Am Donnerstag Abend wurden einige belgische Gefangene in die Tuchhalle von Brügge gebracht. Die Besatzung von Brügge besteht aus Bayem und Marinesoldaten: auf dem Regierungsgebäude weht die bayerische Flagge. Die Stadt ist ruhig. Post und Telegraph arbeiten allerdings noch nicht.

Hessen und Nachbargebiete.

«Ufr*» und Umgebung.

Ter hessische Arbeitsmarkt im September.

Nach dem Bericht des Mitteldeutschen Arbcitsnachweisverbanbes ist gegenüber dem Bormonat auf dem Arbcitsmarkt eine Besserung eingetreten, die aus eine Reihe von Gründen ziiriilkzuführen ist. Zunächst erfuhr der Andrang der Arbeitsuchenden einen Nachlaß infolge der Einberufung weiterer Jahrgänge des Landsturmes und der Einziehung eines Teiles der Militärpflichtigen. Ferner ist cs, namentlich infolge Mastnahmen staatlichen und kommunaler Ver­waltungen gelungen, einen Ausgleich innerhalb der verschiedenen Bcrussgruppen herbcizusiihren. Eine Belebung des Arbcits- marktes ist auch durch Vergebung von Militärarbeitcn in gröberem Umfange cingetreten, so zwar, das, in einer Reihe von Fällen Mangel an Bewerbern vorhanden war. Schließlich hat sich auch die Industrie von der ersten Bestürzung in den, MobilmachungS- monat erholt und hat wenigstens teilweise die Betriebe wieder aus­genommen. Fm einzelnen stellt sich in den verschiedenen Orten nach dem vorliegenden Bericht die Arbeitsmarktlage wie folgt dar:

In Frankfurt ist die Zahl der arbeitslosen Mitglieder des Metallarbeiter-Verbandes von 1500 am Anfang dcS Monats aus 870 am Ende des Monats gesunken. Viele Mitglieder fanden bei der Trambahn, bei Eiseubahnbautcn, bei der Post und bei Notstandsarbeiten Unterkommen. Eine Anzahl Betriebe, die Anfangs August geschloffen hatte», haben, wenn auch in beschränkte», Umsange, die Produktion wieder ausgenommen. Tie Zahl der stillgelegten namhafte» Be­triebe siel von 56 am Anfang des Monats auf 19 am Ende des Monats. In einigen Betrieben wird mit Ueberstundcn gearbeitet, in anderen, die für Kriegsbedarf schassen, die Zahl der Arbeiter wesentlich erhöht. Auch mittlere Betriebe, Bauschloffereien, Bau- spenglereien, Jnstallationsbctricbe, haben teilweise Neueinstcllungen vorgenommen. Mangel herrschte an Schn,jeden, Heizungsmonteuren und älteren Eisendrehern. Ein Mangel a» Schmieden wird auch aus Caffcl gemeldet. I» Tarmstadt wurden ähnliche Beobach­tungen gemacht wie in Frankfurt. Tic Arbcitslosenzahl des Mctall- arbcitcrvcrbandes fiel beispielsweise von 295 am Anfang des Monats auf 135 am Ende des Monats. Ter Bau von Militär­baracken bot, wenn auch in beschränktem Umfange, in, Tchlosser- gewerbe Beschäftigung. Auch Spengler- und Jnstallationssirmen konnten ihre Arbeiter behalten. Die Hüttenwerke in Wetzlar waren gut beschäftigt.

Allgemein herrschte starke Nachfrage nach Militär satt- lern. Ter Mangel an Sattler» konnte teilweise durch Tapezierer ausgeglichen werden. Fm übrigen war im Tapezierergewerbe die Geschäftslage sehr schlecht, da der Matratzcnbcdarf jetzt zum grüß» Teil gedeckt ist. In Darmsladt scheint die Lage für das Tapcziercr- und Polsterergcwerbe etwas bester zu sei». In Langen hat eine Lederzurichterei mit 56 Arbeitern den Betrieb eingestellt.

Ju der Holzindustrie ist ebenfalls eine Bcstcrung cingc- treten. Die Arbcitslosenzahl des Holzarbeitcrvcrbandcs in Frank­furt hat wesentlich abgenommcn, hauptsächlich allerdings infolge des Ucberganges in andere Berufe sStraßenbahn, Post usw.j. Durch gemeinsamen Beschluß der Verbände in der Frankfurter Holzindustrie wurde die Arbeitszeit von 56 auf 52 Stunden pro Woche verkürzt, mit der Maßgabe, daß im Bedarfsfälle weitere Verkürzung eintrcten könne. Einige Neucinstellungen von Ar­beiten, konnten vorgenommcn werden. In Tarmstadt wird die Arbeitsmarktlage im Holzgewerbe als wenig günstig bezeichnet. Etwas bester waren die Äauschrciner infolge der Barackcnbautcn »»" Lazaretteinrichtnngen daran. In einigen kleineren Orten tchelnt die Erwcrbsmöglichkcit für Schreiner und Holzarbeiter bester gewesen zu sein, wie z. B. in Wetzlar, v ^"hrungsmittelge werbe war in Frankfurt die -mchsrage nach Bäckern gering. Die Einschränkung des Brot- konlums und der Weißbäckerei machte sich bereits bemerkbar. In tarmstadt hatte bas Nahrungsmittelgcwcrbc vollauf zu tun. Hacker- und Mctzgergcschästc beklagten sich über Gehilfcninangel. ,in der Tabakbranchc haben sich ebenfalls die Berhältnistc etwas gebestcrt.

«tarier Mangel herrschte an M i l i t ä r s ch n e i d c r n , wäh­ren» aus den Maß- und Konfektionsgeschäften fast gar keine Nach­frage nach Gehilfen vorlag. Mangel herrschte an manche» Orten auch an Schuhmachern sEastcli. Achnlich wie in Frankfurt tagen die Berhältnistc in Tarmstadt. Möglicherweise bringt der E'utritt der kälteren Jahreszeit auch fiir die Zivilschnciderci besse­ren Gelchäftsgang.

Tie Lage im Baugewerbe par etwas bester als in den Vormonaten. Zeitweise herrschte Mangel an Maurern, Zimmcr- -Ut-N und tüchtigen Erdarbeitern. Schlecht war der Geschäftsgang für Maler und Weißbinder. Bei der Meldung von Stellen bei auswärtigen Bauten machte sich der Mangel an jüngeren zuge­reiste,, Gehilfen sehr bemerkbar. Tie sich Meldenden sind zum allergrößten Teil verheiratet und es hält außerordentlich schwer, diese zur Annahme einer auswärtigen Stelle zu bewegen. Manche andere Arbeitsgelegenheit bot sich bei der Errichtung von Gcfange- 8 Tarmstadt hat sich die Beschästignngsniöglichkeir

Maler und Weißbinder gebestcrt. Durch die Fertigstellung von Militärarbeitcn wird eine große Anzahl von Arbeitern noch aus IststPrc Zeit Beschäftigung haben. Gebessert hat sich auch die Be- tchastigungsmöglichkeit für Dachdecker. In Gießen ist die Lage im Baugewerbe etwas bester geworden, dagegen liegt i» einer Reihe »oi, kleineren Orten das Gewerbe vollkommen darnieder.

Bei den Buchdruckern war auch im vergangenen Monat °,e Arbeitsmarktlage schlecht. In Frankfurt beispielsweise waren 2" Monatsende 518 Arbeitslose gegen 134 im selben Monat des Z.°ttahres vorhanden. F Cassel und Tarmstadt liegen die Vcr-

i "bnlich, Im Buchbinbergewerbe wird voraussichtlich die

der Arbeiter vermindert werden. In der chemischen Jndu- Ji!. le a mr i> Jnlandgcschäst befriedigend, so daß die Aussichten für " ^ .Zukunft nicht ungünstig sind. Im G a st w i r t s g e w c r b e machte sich naturgemäß die allgemeine Lage ungünstig bemerkbar. >rur Aushilfen war wenig zu tun. Für ungelernte Ar- "Etter war im allgemeinen die Arbeitsmarktlage nicht ungünstig, lnsdcwnbere wurden fast in allen Städten Notstandsarbeiten ein­gerichtet, wo ein großer Teil Unterkunft fand. Auch bei der Post, ve, den Staatsbahnbauten, bei der Trambahn und bei den Kelte­

reien fanden viele Leute Beschäftigung. Auch für Jugendliche, A u s l a n s c r und Packer war der Geschäftsgang gegenüber dem Vormonat bester.

. ~ . ® ci P cx landwirtschaftlichen Vermittlungs- ifü ">ar der Geschäftsgang sehr gut, wenn auch in bezug aus dtc Zahl der besetzten Stellen das Vorjahr nicht erreicht wurde. Ter Grund ist darin zu suchen, daß ei» großer Teil arbeitsloser *" eut Q, °. u t "»deren Berufen zur Hilfeleistung eingesprungc» sind.

Auf dem weiblichen Arbeitsmarkt ist bei dem Haus- personal im allgemeinen die Zahl der Stellensuchendcn gestiegen, d>e Zahl der Aufträge ist gegen bas Vorjahr gleich geblieben. Viele Stcllmisuchendc kamen in Krankenhäuser und Lazarette untcr. Es herrscht immer noch Mangel an gutem Hallspersonal. Sehr schlecht war dagegen die Beschäftigung siir gewerbliche Arbeiterinnen, Schneiderinnen, Näherinnen, Modistinnen, Fabrikarbeiterinnen. Tie Einrichtung von Nähstuben und Strickstuben ha« an einigen Orten für die Linderung der Not gesorgt. Ebenso wurden in einigen Orten Noistandsarbeitcn siir Frauen eingerichtet, in Frank­furt a. M. Strickarbeiten. Durch Aufträge an die Privatindustric seitens der Militärverwaltung konnten auch dort Arbeitslose unter- gcbracht werden. Häufig besteht eine gewisse Schwierigkeit in den Lohnvcrhältnisten, da bei den zu liefernden Massenarbeiten nur geübte Näherinnen etwas verdienen. Am schlimmsten dürste die Lage zur Zeit siir die Fabrikarbeiterinnen sein, die auch für die eingerichteten Notstandsarbeiten (Strickarbeiten und Näharbeiten) nur in beschränktem Umfange in Frage kommen.

Ten Zusammentritt der hessischen Zweiten Kammer hat

eine Zeitungsmeldung auf Mitte November festgesetzt. DaS ist aber bis jetzt lediglich Kombination. Zunächst l)at die Re­gierung nur eine gemeinsame Sitzung der Ersten Ausschüsse der beiden Kammern veranlaßt, die am Donnerstag, den 20 . d. M. stattfinden soll. Von dem Ergebnis dieser Be» ratungen wird cs abhängen, ob das Kammerplenum dem­nächst zusammenberufen wird.

Sparsames Wirtschaften ist erst recht zur Kriegszeit er- forderlich. Daß hierin die kommunale Küche das beste leistet, ist unzweifelhaft. Da sich die Städte aber nur in geringer Zahl zu dieser energischen Maßnahme aufrasfcn können, sollten sie wenigstens Kurse einrichten, die die Hausfrauen in praktischem, rationellem Wirtschaften unterweisen. Di; Kurse müßten kurz sein und täglich in mehreren Gruppen stattfinden, damit eine möglichst große Zahl Hausfrauen an dem Unterrichte teilnehmcn können. Die Rohstoffe mühten natürlich unentgeltlich geliefert werden. Die gekochten Speisen ließen sich dann für Bedürftige verwenden.

Auskunft über Kriegsgefangene. Personen, die Aus­kunft über Kriegsgefangene wünschen, wenden sich zweck­mäßig mit einer Postkarte an folgende Adresse: An das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, Ermittlungs- burcau für Kriegsgefangene, Genf in der Schweiz. Die Rück- scite der Postkarte ist nach folgendem Muster auszufllllen: Zu beantwortende Fragen: Name des Militärs, Vornamen, Rang, Truppengattung, Nummer, Dattim und Ort, an welchcin er zuletzt gesehen, gefangen oder verletzt wurde, so genau wie möglich, Name und Adresse des Absenders.

Gefallene des Gießener Regiments. Weiter werden folgende Angehörige des Jnfant.-Regiments Nr. 116 als ge­fallen bekannt: Wchrmann Ludwig Schäfer aus Leih­gestern. Reservist Wilhelm Seim aus Niederohmen. Reservist Heinrich Korell aus Romrod. Reservist Karl Erb aus Bleidenrod. Unteroff. d. Rest Karl deGroote, Lehrer aus Ostenberg. Reservist Jakob Christ aus Oberndorf b. Wetzlar. Reservist Heinrich Kraus aus Aßlar bei Wetzlar.

Stadtvervrdnctenwahlcu und Beschlußsähigkcit der Stadtverordnetenversammlung während des Krieges. Abg. Justizrat G r ü n e w a l d hat der Zweiten Kammer des Landtags folgenden Antrag unterbreitet:

An Großherzogliche Stzaatsvegievmiig das Ersuchen zu richten, ehestens einen Gesetzentwurf vovzulegeit des JnHalis: daß die Artikel 44, 45 und 164 der Dtädtevrdnung für die Dauer eines Krieges, an dem das Deutsche Reich beteiligt ist, autzer Kraft treten.

Begründung: Ordentliche und außerordentliche Wahlen zur Stadtvcrordiietcnvers<mmnlu»g können während eines Krieges nur mit Schwierigkeiten weil eine große Anzahl der städtischen Beamten, die bei der Wahlhandlung tätig sein müssen, im Felde stehen stattfinde», sie erscheinen aber auch nicht zweckmäßig, weil ein Gleiches bei vielen Wahlberechtigten zutrifft und diejc ihr Wahlrecht nicht ausüben können. Es tritt hinzu die Erwägung, daß es nicht erwünscht ist, den inneren Frieden zwischen Parteien, Personen und Jntcvcsscnicngruppen durch die Vorbereitungen für eine größere kommunale Wahl zu gefährden.

Es erscheint deshalb angemessen, di« Verpflichtung der Behör­den, die ordentlichen Crgänznngswahlen oorzunehmen-, für die Dauer des Krieges aufzuheben.

Ebenso ist die Vorschrift, daß unter den Voraussetzungen des Artikel 45 1 und 2 anherordentliche Ergänzungswahlen vorzu- »chmen sind, gegenwärtig unzweckmäßig. Es schadet nichts, ivcnn die Zahl der Stadtverordneten eine Zcitlang unter Zwei drittel des gesetzlichen Bestandes beträgt und die Gründe, die für den Krcisrat, den Bürgermeister oder die Stadtvcrovdnelenversamm- lung untcr normalen llmstäinden bewegend sein mögen, Ergän- znngswahlen zu veransasten, sind sicherlich nicht so gewichtig, daß ihnen gerade während eines Krieges genügt werden müßte,

Tie Bcschliißunsähigkeit der Stadtverordneienvcvsammlnng im Sinne des Artikel 164 tritt während eines Krieges sehr leicht ein, cs erscheint daher, damit die Verivaltnngsgeschäfte nicht not- leiden, die Aufhebung der Vorschrift des Abs. 1 des Artikel 164 geboten.

In der Stadt Gießen beträgt di« Hälfte der gesetzlichen Zahl der Siadtvcrordneten 18, cs sind gegenwärtig nur 23 Stadtverordnete im Amt, 17 Ergänzungswahlen hätten stattziifinden, ein« Er­regung der Bürgerschaft durch die Vornahme einer so umfangreichen Wahl ist zur Zeit untunlich. Aber auch wenn man sie bewerk­stelligte, so würde im Falle einer etwaigen Anfechtung durch welche die im vorigen Jahre erfolgte Wahl wirkungslos geworden ist unter Unrsläudcn ein längerer Zeitraum bis zur Einführung der neuen Stadtverordneten verstreichen und während desselben würde voraussichtlich fast stets Bcschlnßunsähigkeit vorliegen, zu­mal ein Stadtverordneter cinberufen, ein anderer durch Universi- tätsangelcgen'bciten fast stets in Anspruch genommen ist, Der in Gießen bestehende Zustand lehrt somit, daß ivährend des Krieges cilcichternkc Bestimmungen getroffen werden müssen.

Bei der Volksfürsorge-Krieasversicherungskaste zu beachten! Es ist wichtig, daß die beabsichtigte Versicherung eines im Felde Stehenden möglichst bald in Kraft tritt, weil bei den ununter­brochenen Kämpfen jeden Augenblick der Vcrsicherungsfall cintrctcn kann. Da nach den Bedingungen der Kaste die Versicherung rcchtS- krästig wird mit deni Tag der Einzahlung des Betrages sür di« Anteilscheine, ist als erste Maßnahme zu empfehlen: Einzahlung der Prämie bei der Post, bei der Hauptverwaltung in Hamburg oder bei einer Rcchnungsslellc der Volkssürsorge. Es genügt, wenn dabei der Name des zu Versichernden angegeben wirb, Tie Personalien des zu Versichernden und die Adresse der Empfangs­berechtigten nach den Vorschriften der Antragskartcn können auch

nachgeliefert wcrüeir. Sehr häufig handelu Vereiusvorstänüe um<l gekehrt. Sie melden zunächst di« Personalien, erwarten den Anteil­schein und ivollen dann zahlen, Das kann sehr leicht zum Nachteil der Angehörigen des zu Versichernden ausschlagei» und sollte daher vermieden werden.

Sendungen a» Kriegsgefangene in England, In England be­steht eine Auskunslsstclle für Kriegsgefangene nntcr der Bezeich­nung Th« Prisoners of War Information Bureau. Postsendungen über Kriegsgefangene »ach England, deren Auscnthaitsort nicht bekannt ist, können an diese AuSkunftSstcllc gerichtet werden.. Die Auskunft hat zu lauten: (Name des Gefangenen) Care ok tlie

Prisoners oi War Information Bureau, London, 40, Wellington «fr., Strand. Briese an Kriegsgcsangcnc in England sollen kurz und wenn möglich englisch geschrieben sein. Ans der Rückseite der Sendung müssen Name und Wohnort des Absenders angegeben werden,

Freie Eisciibahnsahrt sür Rekruten, Während die zum Heere

«iiiberusenen Rekruten seitl>er ein« Militärsahrkaric lösen mußten, haben sic jetzt muh einem Erlasse des Ministers von Breil«,ibach gegen Bovzcignn« ihres Gestcllungsbcsehls sreic Fahrt in dritter Wag in klaffe vom Heimatorte bis zur Garnisoitlstadt erhalten. Das ist, namentlich für weite Eittfevnnngen, «ine nickst zu nnterschätzeuüe Beihils« fiir die jungen Vaterlandsverteidiger.

Keine Steuerabzüge von den Kriegsunterstützungtii! Daß untcr keine» Umständen Steuern von der Unterslützttiig sür die hilssbedürfltgen Famtlten vvn Kriegsicilnehinern al-gezogen iver» den dürfen, wird mit Entschiedenheit in einem Runderlaß der preußischen Minister der Finanzen mid des Innern betont,

Rückgang des Schnapskoiisums. Während in den ersten Monaten des Jahres der Tchnapskoiisuni gegenüber dem Vorjahre wieder etwas zugenommc» hatte, ist er jetzt infolge des Kricges kräftig zuriickgcgangen. Aber auch schon im Durchschnitt der Monate von Oktober 1913 bis Juli 1914 war der Verbrauch von Trinkbraiiiittvein, gemessen an de» gleichen Monaten der Vorjahre, um ein weniges gefallen, 6!anz bedeutend fiel aber der Verbrauch im Monat August. Während die Statistik siir August 1613 145 661 Hektoliter verzeichnet, wurden im gleichen Monat dieses Jahres nur 79 836 Hektoliter verbraucht, wenig mehr als die Hälfte! Der starke Rückgang erklärt sich wohl zum größten Teile aus der Einberufung vieler Hundcrttauscndcr Verbraucher und dem gleichzeitig mit der Mobilmachung verfügten Verbote, an HecrcS- angehörigc Alkohol in icglicher Gestalt znm Ausschank zu bringen. Aber in den übrigen Volkskrcisen muß aus weitere Einschränkmig des Tchnapsgcnusses hingcarbcitct werde». Jeder Groschen, dcL noch sür Schnaps ausgcgcbcn ivird, bedeutet eine Verkürzt,ng des Nahrungsmittelvorrats in Dentschland! Denn wichtige Nahrungs­mittel, vor allein Kartoffeln und Getreide, sind cS, die der SpiritnS- bereitung bienen! Daher: Fort mit dem Schnapsgcnuß!

Auch Spiritus wird teurer. Gleichzeitig mit der vom Bundcsrat angeordneten Einschränkung der Tpiritusprvdiikiion hat die Spirituszentralc Preissteigerungen für Brennspiritus und Trinkbranntwcin beschlossen. Begründet wird die ivcitcre Hcrauf- sctzung der seit 1912 ohnedies stark gesteigerten Preise mit ver­ringerter Ernte sowie erhöhten Karioffelpreiscn und Betriebskosten. Der Abschlagsprcis, das ist der Preis, der vorläufig an die Syndikatsmitglicber gezahlt wird, bleibt niit 56 Mk. siir das Hekto­liter bestehen, der wirkliche Preis, den die Brennereien beziehen, richtet sich nach dem Gesamtgewinn der Zentrale, die diesen Gewinn später an ihre Mitglieder verteilt. Die neuen Preise lauten sür Primasprit frei Berlin 66 Mk. für das Hektoliter, Brennspiritus in Liierflaschen zu 66 Prozent 38 Psg. und zu 95 Prozent 41 Psg, Tie Preiserhöhungen sür BrcnnspirittiS betragcn fiir beide Sorten 3 Pfg, pro Liter. Das fällt insofern ins Gewicht, als bei dem eintrctcndcn Mangel an Petroleum viel­fach Spiritus als Ersatz dienen muß.

Vom Stadtiheater. Die Eröfsnungsvorstellung am Sonntag den 1. November wird cingeleitet durch eine» Prolog und ein lebendes BildHuldigung vor Germania": cS folgtWallcnsteins Lager" und der Schluß bildet das Lebensbild von Ernst Wichcrt Das eiserne Kreuz". Bestellungen fiir diese Vorstellungen wolle man im Brieftasten des Stabttheatcrs nicderlcgcn.

Steinberg, Am Samstag nachmittag wurde unser so früh verstorbene Genosse Karl Häuser II. unter großer Beleilignng zu Grabe getragen. Nicht nur aus seiner Heimatgcmeindc hatten sich zahlreiche Leidtragende cingesunden, sondern auch aus Gießen, Leihgestern, Langgöns und anderen Orten, ein Beweis dafür, daß man dem Wirken des Verstorbenen Anerkennung zollte. Das tat auch Herr Pfarrer Sommcrlad in seiner Grabrede, in der er schilderte, wie der Verstorbene jahrzehntelang gearbeitet habe, un, sich und den Seinen ein wohnliches Heim zu schaffen. Nun sei er soweit gewesen, als ihm eine Augenkrankhcit seil Februar dieses Jahres zum Aufenthalt in der Klinik genötigt habe. Erst am ver­gangenen Samstag sei er wieder nach Hause gekommen und habe nun gehofft, daß die cingetrcteiic Besserung ivcitcre Fortschritte machen werbe, als ihm ein schweres inneres Leiden im besten Mannesaltcr den Tod brachte, Häuser habe nicht nur siir sich ge­arbeitet, sondern auck, seiner Mitarbeiter gedacht, siir deren besseres Los er nach besten Krästen gearbeitet habe. Bei aller Meinungs­verschiedenheit über die Bestrebungen, denen Häuser diente, mtisse gercchtcrweisc anerkannt werden, daß ihnen ein hoher, großer Ge­danke zugrunde liege: vieles sei schon erreicht worden, vieles sei aber noch zu tun. Mit diesen Worten etwa ließ der Pfarrer dein Wirken unseres Genossen Gerechtigkeit widerfahren. Seine Mit­bürger bemerkte er zum Schluß hätten seine Tätigkeit zu würdigen gewußt, indem sie ihn bei der letzten Gemcindcratswahl in den Ortsvorstand wählten, Im Namen des KreiswahlvcrcinS legte Genosse Bccktnonn-Gicßcn einen Kranz am Grabe nieder, ferner Genosse Dcgcnhardt-Gicßen für den Arbcitcrturnerbund, 3, Bezirk, Genosse Krumm im Namen der Firma Benncr & Krumm und ihrer Mitarbeiter, ferner wurde für den Gesangverein in Tteinberg, dem Häuser angchörte, ein Kranz niedergclcgt und der Bürgermeister tat das gleiche im Namen des Gcmeinbcrats.

Tagesbericht bes GrageaSaagiguartiers.

Weitere Fortschritte am Kanal.

500 Engländer gefangen. Deutsche Offensive im Osten.

1800 Russen gefangen.

W. B. Großes Hauptquartier, 25. Oktbr. vormittags. (Amtlich; Mitteilung der Obersten Heeresleitung ) Der Yser-chpres-Kanal ist zwischen Rieupoort und Dix- muide nach heftigen Kämpfen am 24 . Okt. von uns mit weiteren starken Kräften überschritten worden. Oestlich und nordöstlich von Ppres hat sich der Feind verstärkt. Trotzdem gelang es unseren Truppen, an mehreren Stellen vorzudringen. Etwa 500 Engländer, darunter ein Oberst und 28 Offiziere, wurden gefangen genommen.

Im Osten haben unsere Truppen die Offensive gegen Augustow ergriffen. In der Gegend von Jwangorod kämpfen unsere Truppen Schulter an Schulter mit den österreichisch-ungarischen Truppen. Sie machten 180V Ge­fangene.

Die Beschießung von Ostende.

Amsterdam. 25, Okt. (Etr. Fvkft.) Der Telegraas nieldei vom der holländischen Grenze: Die Beschießung von Lstcnoo