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22.10.1914
 
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Itintcn. e OberdcMIrbe Volks,ritun, erscheint leben Werktag Abend in 'nie z I eße-r Der AbonncmentSvrelS beträgt wöchentlich lb Psg monatlich dend-ii > Bka-emichl-Bringerlodir Durch die Polt bezogen vierteljäbrl.ILoMk

Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhcffen und der Nachbargebiete.

Redaktion und Eivcdltio»

Sieben. B-bnb-fltraI,e 23. tL-kc Löwen,aste, relevbon 200«.

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Nr. 245

Gießen, Donncrstlig, m\ 22. Oltolicr 1914

9. Jahrgang

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Die Fricdensfrage.

Die Nachricht eines französischen Blattes, dasi die deutsche Re­inig den Präsident«,, der Vereinigten Staaten um seine 5>vi«= oermililutifl gebeten l»rbe, erklärt eine ossiziüs« Stimme in der | ntfd>cn Z ei taug srlir entschiede» für unrichtig. Tie deutsche Re- ung lmbc Herrn Wilson ,l,r«,i Tank für seine Bcmühnngcn um Friede,, ausgclprochcn, aber daraus hingciviesen. dasi England >lerhvlr crktürt j>abe. eg werde den Krieg bis ',11111 äusierstcn e». Sie wolle in, iibrigen keinen Zwcisel darüber lassen, das; deutsche Volk, das soläte Cpkr gebracht habe, nur einen Frieden chmcn könne, der ihm Bürgschasten für seine Sicherheit in der unst bringe lind es vor neuen Ucbersällen schütze.

TaS ist eine Bedingiing. die sich in ihrer Allgemeinheit weder itiqeii, itocf) bcslrcite» läsil. Und sie in »lle» Einzelheiten zu kern, istdas bcutfdjc Volk" einstweilen durch die Presiezcnsur ndert. Einigerniasien ins einzelne gelten aber ander« offiziös« »men. d,c anfangs in schonender Form und nicht ohne eine Rc- g des Mitleids von de», schweren Schicksal Belgiens sprachen, aber wenigstens znm Teil nmgcsallcn sind unb Belgien kurz- als deutsche Kriegsbeute nicht nur für den Augenblick, sondern immer betrachte», unter der Begritudung, der verblendeten ischen Regierung dürfe nichts geschenkt werde» und die belgische olkerung müsse für die ungeheure Schuld bllsien, die sic gegen- ' den deutsäpm Flüchtlingen und det, deutschen Soldaten aus sich den l>abe.

Nehme» wir an, diese Säiuld sei so grosi. wie nur denkbar, so sie jcdensalls mit dem künsttgcn Schicktal Belgiens nichts zu tun. klassisckten Zeugen dafür rufen wir Bismarck an. der sich immer . bekannt hat. dasi der Gesichtspunkt vergeltender Eiercchligkeit in die Politik gehöre. Als die preusiischcn Truppen im Fahre , österreichische Gebietsteile besetzt hatten, di« der König Wil-

> nach demselben >!riegsrcchte, wonach jetzt über Belgien ent- den werden soll, nicht wie-der hcrausgeben wollte, erklärte ihm inarck. wie er selbst in seinen Denkwürdigieitrn erzählt:Wir en nicht eines Nichtcranttes zu walten, sondern deutsche Politik reiben: Oesterreichs Rivalitätskampf gegen uns sei nicht stras- 'r, als der nnsrige gegen Oesterreich." Bekanntlich setzte Bis- ck seinen Willen durch und ermöglichte dadurch srcnndnachbar- Beziehungen zwischen Tculschland und Oesterreich, über deren ? heute kein Wort verloren zu werden braucht

Scheiden also alle moralischen Erwägungen bei der Entscheidung , was ans Belgien werden soll, so ist die Frage politisch cni- :de,i durch das Wort de» Kaisers, mit demdas deutsche Volk", wir »nter den obwaltenden Umstünden seine Anschauungen »men können, vollkommen einverstanden ist, nämlich durch das r>: .Wir sühren keinen Eroberungskrieg". An diesem Kaiscr- rte sollte mm,, namentlich dem Auslande gegenüber, nicht drehen

> deuteln. Tie internationale Stellung Deutschlands wird da- i nidu gebessert.

«. «ro übrige» ist cs ganz vcrsriiht, heute darüber zu verhandeln, '> »alle des Friedens geschehen soll und wird. Das hängt M vo d <7 Wucht und Zahl der deutschen Siege ab. und noch viel inger von tzrr Geschicklichkeit der Tipionialcn. sondern ernsach lkder der Kriegführenden beim Friede,isschlnsioch i Macht besitzt Lies;:,, sich die Machtverhältnisie

tb* ^ !o 25 n Staatengruppen. wie sic sich in der Fcuer- »oc des Krieges heraiusgestrUi habe», in gcnancn Zissern ans- >,re. ,o märe der Friede ein ciniaches Nccheiierempcl. Das geht »>°i!£io a "' ,u, * ) kill gewisser Spielraum mag der diplo-

r,m»en xunit bleiben. Aber cs ist wie ans ökonomtschcin Gebiete: Warenpreise unterliegen bestimmten dkeictzcn. ivcnn sic auch t» innen * >cm willkürliche» Belieben prciSgezcben :n sei»

,^0? -wildert Fahren, bei den Pariser Friedcnsschliisicn von die Prcnsicn kehr schlecht ab. obgleich sie im c c w,a 'i lmtlen und die Wucht wie die Zahl ihrer iaL?kI. ^.wünschen übrig ließen. Tamals sagte der alte rrJri 1 'i ,rC ^ r " der Tiplomgtcn hätten verdorben, was die verier per «oldatcn erworben hätten. Das gcilügelic Wort nianchein andern seinesgleichen das Schicksal, die l-rllcn. F» Wirklichte,t war es in erster die schlechten Jriedensichlüsic verschuldete. . m,»er littncher Entrüstung über das Ungeheuer Sinpoteon. r au-, irgend emem vrcusiischc» Fntcrcsse. aber znm geheimen eoium »nd Nutzen des rui>>ichc Zaren rieb er das preutzische .i-<n n i. Wintcizeldzuge von 1814 ans, so dasi beim Fricdcns- . ,c Prangen nur spärliche Trümmer, Oeitcricich und Rusiland wohigvichgnw Ranen in die Wagschalc zu werscn hatte»

'-« nch d,c Machtoerhältnissc in dem gcgcnivänigen Krieg: "zE" ^aw*>>,'Bt sichock> gar nicht absehcn. Zwciiellos kam, 'diiduitrievolk von einigen sechzig Millionen nicht nieder- p,t iverden. ober die Geschichte kennt auch keine» Fall, worin ^'vtzmacht einer Mehrzahl von Grosi»,ächten die Bedingungen rr lmt &cr Spitze des Schwertes vorgeschriebe» hat. Was aV*- ' C tvrie&en sagen lägt, ist nur soviel, dasi er nach i>Cr "aibstern des Kriegs bleiben musi, insofern, on " --'"-st'iian. mit denen wir heute in bll:gei Kriege

t^^wwal wieder in Firnndschast und Frieden lebe,, müssen. sT/wtwc,ie vertraut dasdeutsche Volk" dem Worte des dag djg hggischg,, Hgrre kenven Erobermigskrieg sühren.

Italien bleibt neutral!

» fSlI Okt. (6tr. Stift.) Bezeichnend sür die Tämv-

vnrZ»" ^ , o.widcutschcn Kriegsbegcistcrung nach den, Fall^ Ant

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I d angesichts des Vorrllckens der Tentichcn und Oester

I n, n stkusiland ist der Leitartikel der Tnriner I,,r--' .ainas Organs, das bisher bereitwillig seine Spalten i,oal,st,,chv Kriegshetzer» gcvssnct hatte. Es hcisit da, die pniiJlaS-jy k ° wplizicrt, dasi die Zurückhaltung des hiniwL?. 0 t u ". i> -ainer Regierung und ihre Sorge und U- K sicnheit bcgrcislich erschienen. Wenn das Volk nicht so

einig im Willen sei wie vor dem libpschc» Kriege und die Regierung noch nicht mitgerisicn. io folge das daraus, dasi ein grcisbarcs Ziel nicht zu sehen sei, die schweren Folgen eines möglichen M i si c r s o I g s gegen übermächtige Kräfte zügelte» die kriege­rischen Gelüste. Nicht nur die Ehre des Heeres, oder manch: Grenzprovinz, sondern das Tasei» der N a I i o n stehe ans dem Spiele. Tcnigcgcniiber diirsle» Drohungen, Ftaiien von dem Kongrcsi anSzuichliesicn, der die Karte Europas neu scstsetzen werde, das Land nicht cinschüchtcrn. Tie Lage Europas sei setzt so schwer und furchtbar, dasi Italien nur mitbleiernen Füsicn" gehen dürfe.

Die Italiener besehen Valona.

Rom, 21). Okt sEtr. Frkst.) Ter Mesiaggero gibt ein Extra­blatt aus, wonach Vaiana durch eine Matrosciikompagnir des KreuzersAgordai" und des TorpcdobootszerstörcrsTardo" b c s c I; t wurde. Das Fnsanterie-Rcgimcnt 47 aus Lcccc sei gleichsalis dorthin unterwegs Tic Regierung gibt zwar cir Tementi aus, doch höre ich aus bester Quelle, dasi das Tenicnti n»r kurze Zeit ausrccht erhalten wird, weil man bald vor einer vollendeten Tatsache stehen wird.

England und die dcntsche Flotte.

Tic Times diskutiert i» einem Artikel die Aktionsmög- lichkcitcn der deutschen Flotte. Sie übe Zurückhaltung, um ihre Bereitschaft in der Nord- und Ostsee zu bewahren. Eben­so beschirme sie die Küsten. Dadurch gewinne sie mehr an Wert, als einige Armeekorps. Ein Verlassen der Häfen wäre ein verzweifeltes Abenteuer, zumal wenn man das Ver­hältnis der deutschen und. englischen Flotte von 2 zu 1 in Be­tracht ziehe. Die Anspielung des Abg. Erzberger, die Alliier­ten könnten mit allerlei Ilcberraichungen, ähnlich den der 42 ,-m-Geschütze rechnen, nimmt di« Tiities nicht ernst. Eine pcrlorcne Seeschlacht sei eine Preisgabe Deutschlands. Eine russische Landung in Deutschland, ebenso wie eine deutsche Landung in England erklären englische Seeoffiziere sür einen Wahnwitz. Tie Beglcitslötte würde durch die Nebermacht einfach vernichtet, ebenso die Transportschiffe durch Torpedo­boote und Torpedojägcr. Abgesehen davon sei die ganze Küste von Leith bis Harvich durch eigene und fremde stNinen tlnpassierbar. Es bliebe also nur die südliche stkordsee offen. Aber auch dort sei die Ucbcrfahrt gefährlich.

200000 Man«» über den K>r«ral nach Frankreich?

Stockholm, 20. Okt. Gewaltige Transportslottcn bilden seit einer Woche fast eine zusammenhängende Brücke über bei; Kanal zwischen Ramsgate, Toocr und Folkestone an der eng­lischen Küste und von Dünkirchen, Calais und Boulognc an der französischen Küste. ES wird berechnet, dah britische Korps in einer Stärke von mehr als 200 000 Mann binnen wenigen Tagen auf französischem Boden stehen werden, Tie englische Presse erklärt, daß es sich für Großbritannien um einen Kampf ans Leben »nd Tod handelt, um die Vcrwirk- liamng der deutschen Pläne zu verhindern, die sich hinter dem verzweifelten Versuch, /ich am Kanal fcstzusetzen. verberge. Der Kommandant von Dover hat die ausländischen Flücht­linge aufgefordcrt, die Stadt innerhalb einer Woche zu ver­lassen.

Portugal in Kricgsvorbereiiuttt,?

Amsterdam, 20. Okt. (Ctr. Frkst.) Reuter meldet anS Lissabon: Ter Pais bestätigt, daß das Parlament am Mitt- woch zusammentritt. Dienstag oder Donnerstag werde daS Ministerium abtreten und Freirc werde ein neues

Kabinett bilden, das aus Vertretern aller Parteien znsam- mcngesetzt sei.

Tie Tcuischen in England.

London, 20. Okt. Zu den dcntsch-feindlichen Ausschreit­ungen schreibt die Daily Mail: Das Volk har die Wahrung der Gesetze selbst in die Hand genonimen, erregt über die Gleichgültigkeit der Regierung, die diese gegenüber den in England lebenden Deutschen und Oestcrreichern an den Tag legt, obwobl diese die Sicherheit bedrohen. Ihnen müsse die Möglichkeit genommen werden, dem englischen Volke Scha­den zuzufügen.

Etrglische C)ewcrk>che.ftler gcgcn deutsche 21rbciter.

Ten allgemeinen Tenlschenhatz in England machen sich sogar viele Gcivcrischasten, eifrig hierin von dem Tag.blat! der Aröeitcr- partci unterstützt, zunutze. So jchreivi Taly, der Sekretär des auch der Fnternalionale angeliörenden Schneidervertwndes, dasi er mit seiner Forderung, kern« Teutschen in der Unstormschneiderei mehr zu beschäftigen, beim Unternehinerverbande volles Verständnis ge­sunden habe. Manche grosie Firmen haben daraufhin die drntichen Arbeiter schon durch Engländer ersetzt. Allgemein sei das leider nock, nicht gelungen, weil die Tcutickr«» vicliach die Anschncidcrposicn inn« und dadurch aus die Besetzung der anderen Stellen givsien Einfluß hätten. Auch sonst gäben die Teutschen zu Klagen Anlasi

und sei» Verband werde danach trachten, die Teutschen ganz anszu- ichaltc» und dem Briten ein« Ehancc zu geben.

Tic islamitische Bewegung.

Wien, 20. Olt. (W. I',. Nichtamtlich.) Tic Südslawische Korre­spondenz meldet au.z Konsianüiiopel: Tic gauzc türlischc Preise bc- schäsiigt sich mit der in alle» musclnianischen Ländern beginnenden islamitischen B c m c g u » g. Terdschuman-i-Hakikal bemerkt, die allgemeine Bewegung des Fslam stamme nicht etwa aus dem Haste der Mohanimedaiicr gegen die tlicgicrungcn der Triple Enteilte, sonder» aus kein Strebe», sich bei der grosie,, 2ibrcchnu»g ! nach dem Kriege die Existenz zu sichern. Taswir-i-Eskiar I erklärt, die ä g n p i i s ch e Frage itchc in engstem Zusammenhang i mit der ganzen Oriciitsragc. Türkische Blätter vcrösscnllichcn ! den Arlitel des in Odessa crschcincndc» Odrsskij Listok, drr wcgc» i drs Falles von Antwerpen i» scharsc» klusdrückcn ge g k » Eng­land schrieb, Englando Borgehen erwecke den Glauben, ats wolle cs sich von den anderen die Kastanien aus dem Feuer hole» lasten.

Tic BcOarrdinng der De»»tscher» in AcgOPten.

Tic Deutschen in Argnptcii wurden von den dortigen Militär­behörden genötigt, solgendes Schriftstück zu unterschreiben:

1. Der Inhaber dieses Scheines darf nicht ohne ichristlichc Er­laubnis des General kommet nöoS der britisckicn Militärmacht in, Aegypten

a) versuchen, dlegypton zu vcrlaste» oder L>) sich in den Sliniden von ... bis ... von seiner Wohnnnp zu entfernen, »der c) eine Waffe tragen oder im Besitz von Wassc» oder Mnnitivn sein.

2. Er soll keine Bcrbindungen geschästlichcr oder anderer Art mit den Feinden Englands oder mit Personen im Lande unter, halten, die gegen di« Fntercstcn Englands und seiner Ver­bündeten sind.

I. Er soll aus keine Weise Anlasi zur Beunruhignug ober zu Feind­seligkeiten gegen England oder seine Verbündete» geben.

4. Er soll in blindem Gehorsam allen Besehlen des Gcncral- komniandanten der britischen Militärmacht in Aegypten ge­horchen.

Fch, der llntcr.zeichnetc. habe von obigen ?)estimmungen Kennt­nis genommen und willige sür meine Person und die mitunter- schricbenen Mitglieder meines Haushaltes ei», mich ihnen zu unter­werfen. (Fotgt Unterschrift.)

Betlimann nild Belgien.

Don den zahlreichen alldeutschen Stimmen, die gegen den Reichskanzler wegen seiner Art, die belgische Nentralitäts- fragc zu behandeln, Anklage erhoben haben, sei eine hier lvortlich wicdergegebcn. In der Tägl. Rundschau schreibt H. Rippler:

Und noch eins haben die klktciistücke unabweisbar und unbestreitbar ergeben. Belgien war kein ncntralcr Staat, sondern unseren Feinden verbündet. Wir haben keinen Völkcrrcchtsbrnch begangen, sonder» hatten das unzmeifclhaste Recht gehabt, Belgien von vornherein als Feind zu behandeln. Warnni das nicht geschehe» ist, warum unser Reichskanzler in übergrosier Gerechtigkeit das deutsche Volk eines Völkerrcchlsbruchcs zieh, den cs gar nicht begehen konnte, wird nach den neuen Enthiil- limgen erst recht unverständlich. Wenn wir auch den geheimen Schriftwechsel des Antwcrpcncr dlrchivs nicht kannten, so konnte doch imscre Diplomatie, wenn sic aus dem Posten war, über die Gesinnung Belgiens nicht im Unklare» sein. Und überdies waren vor unserem Einmärsche französische Flieger über 2telgien acsiogen, ohne dasi Belgien Einspruch erhoben hatte. Warum hat unsere Rcgiernnn nicht verkündet:Nachdem 2)clgic» sich

schon seit Jahren znm Bundesgenosse» unserer Gegner gemacht bat, nachdem der Einmarsch französischer Truppen in Belgien jeden Angcnblick zu erwarte», wenn nicht erfolgt ich, nachdem französische Flieger unbclästigt Belgien überziehe» durften, haben auch wir unseren Truppen den Bcsehl zun, Einmarsch gcgebe». Unsere Rcgicriing wählte de» Weg der Selbstanklagk, weil sie auch in diesem Falle nur mit völlig klarem, hieb- und stichscstem Bcwcismatcrial Vorgehen, und lieber ein Unrecht aus sich nehmen, als einen andern eines noch nicht cluwandsrei bc- wiescncn Unrechts bezichtigen wollte. Unsere Gegner lobten diese peinliche Rcchtslicbc mit der bekannten Hetze ivegcn des cingestandcnen Völkcrrechtsbrnchcs, die uns die Stimmung in den neutralen Staate» verdarb."

Tie von den Alldeutschen beanstandete Stelle in dee Acichstagsrede des Reichskanzlers vom 4. August lautet:

Wir sind jetzt in der Notwehr, und Not kennt kein Gebot! Unsere Truppen habe» Luxemburg besetzt, vielleicht auch belgi­sches Gebiet betreten miisien Das widerspricht den Geboten des Völkerrechts. Tic französische Regiernng hat zwar in Brüstel erklärt, die Neutralität Belgiens reipcktiercn zu wollen, so lange sic der Gegner respektiere. Wir wusiten aber, dasi Frankreich zum Einfall bcrcitstand Frankreich konnte warten, mir aber nichi, Und ein französischer Einfall in unsere Flanke am Untcrrheiu hätte verhängnisvoll werden können. So waren wir aezwungen, uns iibcr die Proteste der luxemburgischen und belgischen Re­gierung hinwegzusetzcn. . . .

Das Unrecht, das wir damit tun, ivcrde» wir wieder gut zu machen suche», sobald unser militärisches Ziel erreicht ist. Wer. wie wir, um das Höchste lämpst, darf nur daran denken, wie er sich durchhaut . . . Wir haben der englischen Üiegicrnng die Er­klärung abgegeben, dasi. solange England sich neutral verhält, unsere Flotte die Nordküste Frankreichs nicht angreifen wird, Mid dasi wir die icrritorialc Fntegrität »nd Unabhängiakeit Belgiens nicht an,asten werden. Diese Erklärung wiedcrhole ich hiermit vor aller Well . .