Ausgabe 
20.10.1914
 
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Deutschen haben ihre schwere Artillerie gegen Belfort tranZ- portiert und die Belagerung der Festung begonnen.

Kämpfen bis zum letzten Mann!

Stockholm, 19. Okt. Aus Tokio wird über London ge- meldet: Ter Befehlshaber des japanischen Expeditionskorps j» Kiautschau hat der dortigen Besatzung eine ehrenvolle Kapitulation angebotcn. Er versprach der Be­satzung, dag er die Garnison nicht als Kriegs ge- fangene behandeln wolle, sondern daß er sic auf japani- scheu Schissen durch den Suczkanal nach einem neutralen Hasen des Mittelländischen Meeres bringen wolle. Der deutsche Kommandant hat dieses Anerbieten mit aller Be- stimmtheit abgclchut. Gleichzeitig wurde der ein. geborenen Bevölkerung freier Abzug aus der belagerten Stadt zugcbilligt. Tiefer Schritt wird allgemein als das Vorspiel zu dem letzten Kampf angesehen, da man weis«, dag die deutsche Besatzung absolut entschlosien ist, bis zum äußersten Widerstand zu leisten.

Dicht vor Warschau?

Der Berliner Lokalanzeiger entnimmt einer Reuter- mcldung aus Warschau, daß die deutsche Artillerie dem Feinde dort schwere Verluste zufügt. Häuser, selbst ganze Dörfer werden von den Schrapnells in Brand gesteckt. Die Deutschen benutzen oft Lustsahrzezigc, die mit langen schwarzen Wimpeln Signale geben, wenn sie sich über den russischen Batterien befinden. Wie nahe die Kämpfe bereits an Warschau herangetragen sind, geht aus dem Umstand her­vor, daß die russischen Offiziere, die einige Stunden Urlaub bekommen, sich in die Stadt begeben, um sich auszuruhen und dann wieder zur Kampflinie zurückzukehren.

Revolte der Hindus?

Konftantinopel, 19. Okt. Die lüvvv bewaffneten Hindus, die von den englischen Behörden mit Gewalt in die Armee eingereiht werben sollten, revoltierten in Kalkutta, Es entspann sich ein hef­tiger Kampf. Über dessen Einzelheiten nähere Nachrichten noch nicht vorlicgen. Doch heißt cs, bah der Vizckönig in Kalkutta hierbei ermordet wurde.

Erdbeben in Griechenland.

Athen, 19. Okt. (W. B.) Am Samstag früh gegen 8 Uhr er­schütterten andauernde Erdstöße ganz Griechenland. Der Mittel­punkt des Erdbebens war Theben, wo einige hundert Häuser ein- gestllrzt sind. Zahlreisc Personen wurden verwundet. Tic Ein­wohner flohen aus die Felder und baten um Zelte. Auch Cahleis hat ernstlich gelitten. In Athen erhielten zahlreiche Häuser Nisie. Ter Minister des Inner» und der öffentlichen Arbeiten sind nach dem Schauplatz des Unglücks abgegangen. Die Erdstöße dauern in geringerer Stärke fort.

Eine französische Koloniebahn zerstört.

XV. B. Koiistaiitinopcl, 19. Okt. Tie Blätter berichten, baß ein deutscher Kreuzer die im Bau befindliche Eisenbahnlinie von Schibuti nach Adis Abeba, welche von den Franzosen gebaut wird, bombardiert habe. Tic Strecke sei zerstört worden, wobei auch die Niederlasiung der französischen Kolonie Schaden gelitten habe.

Des armen Deutschland Triumph über den Weltbankier.

XV. B. Paris, 18. Okt. (Nichtamtlich.)Aktion Francaisc" er­klärte deutsche Blätter jubeln nicht ohne Grund über die Finanznvt Frankreichs, welches zu «inrmi Moratorium greisen mußte, um nicht vor einer sinanziclleu Katastrophe zu stehen. Ter Triumph des armen Deutschland über den Weltbat,kier, deffeu Nnf in einem Tage des Krieges zerstört worden ist, würde Niemanden wundern, müßte jedoch Frankreich zu einer ernsten Warnung dienen.

Feststellung der ssliegerschäde».

W. B. Paris, 18. Okt. (Nichtamtlich.) Wie Libcrte Parole meldet, hat Briand den Staatsanwalt Vcscouricr beauftragt, einen eingehenden Bericht über die Schäden auszuarbciten, die am lebten Sonntag durch deutsche Bomben in Paris angcrichtet worden sind.

Hefseu und Nachbargebiete.

Giesten und Umgebung.

Verlustliste des Jnf.-Rcqimcnts Nr. 116 Gießen.

(Reserve-Regiment.) ö. Kompagnie: Lt. d. R. Albertus HeinricuS Adolf

Dauives. Airrich, schvw. Konrad Becker, Ober-Osleiden, tot. «ilhelm Dietz. Ruppertsburg, tot. Vzfeldw. Eugen Fischbach, hinßcn. tot. Will,. Fölsing. Crainfeld, tot. Gesr. Karl f'änstr. Nicder-Weisel, tot. Georg Musch, Asse»heim, tot. Hcfi. Silt). Schneider, Annerod, tot. llntoff. Adam Wicke, «olfsgruben, toi. Georg Euler, Gießen, lvw. llntoff. Karl ,>ricdrich, Zell, lvw. Karl Kringel, Wahlen, low. Emil bock, G letzet», lvw. Wilhelm Lamp, Inheiden, tot. Gesr. Heinr. Zulauf. Wallen ros. lvw. Bzfeldw. Hans Thiclert, Tuchcl, schvw. ~~ llntoff. Hrch. Becker, Arnshain, schvw. Gesr. Lorenz Flcisch- hau>«r, Nieder-Lflciden. sckivw. llntoff. Karl Fritz, Schotten, lvw. Hermann Nccb, bopmiaiiusseld, lvw. Gesr. Ludwig Ectm, Lverbuch lvw., jedoch dienstfälilg. llntoff. Friede Rod- n<tn Bechtheim, lvw. Ludwig Kaufmann. Büdingen, schvw. aricdrich Aab, Nieder-Gennindcu, verm. Gesr. Karl Alles, Lich, verm.^Hornist Ludwig Baiser, Burkhrrdshausen, verm. Joh. Berti ng^ Salz, venn. Hrch. Boß, HopsmannSfcld, verm. Hrch. Tichl, vopfmannsseld, verm. Hrch. Toll, Wallcnrvd. verin. Georg Truleib. Salz, venn. Georg Endcrs, Appenrod, verm. Fehl, Freiensteinau, vcrni. llntoff. Hrch. Hofmann. Schotten, verm. Friede. Krämer, Ruttershausen, verm. Hrch. Kromm, Schotten, venn. Konrad Möller, Udenhausen, verm. Georg Ochs. Willofs, verm. Karl Ruppel, Hopfmannsfcld. verni. Fohs. Schäddel, Freiensteinau, verm. Gesr. Valentin Schenk. Nieder-Stoll, verm. Hrch. Sckstörb. Schotten, verm. Georg Kitzler, früher 9. Koinp. Nieder-Woisel, verm. WUh. Allvater, Stammhcim, venn. Adam Böhm, Lolunifeld, verm. Friede. Vogt. Pettenveil, vermißt.

K. Kompagnie: Hptm. Theodor Bader, Lahr. lvw. Ltn. o. R. Phil. Trümpcr, Neuhof. lvw. Ltn. d. R. Ed. Eastringtus. Essen, tot. Karl Brock. Ettinghausen, vw. Sigmund Brav­mann, Muttcralterheim. vw Sigmund Bravmann. Dluttcraltcr- «im, vw. David Rönsel, Lauterbach, vcrw. Georg Tamm, Stangenrod, vw. Karl Dahmer. Kanlstoß, vw. Hrch. Tictz, ^tetzlos-tzlehag. lvw. Johann Eifert, Weidmoos, lvw. Konrad Essländer, Eni endo rf, lvw. August Eifert. MctzloS-Gehag, lvw. k>rch. Falk. Elbenrod, lvw. Gesr. Karl Fehl, Gunzcnau, lvw. Geir Hrch. Faust, Bvanerschwend, lvw. Karl Göbel, Brciten- l"rn. lvw. Gesr. Johs. Haber, Udenhausen, lviv. Will). Hof» wnrn, Kesielbach, lvw. llntoff. Ludw Jung. Salt. lvw. Andr. 5 er *» Obermoos, lvw. Gesr. Adolf Knapp, Tarnistadt, schvw. ^arl Kraft, Altenschlirf, lvw. llntoff. Felir Klipstein, Gent in Belzpen. lvw. Karl Koch. Alsfeld, tot. Johann Lampe. Gan- mckelheim. lvw. Hermann Langer. Apolda, lviv. Adam Lob, lvw. Engelbert Leindergcr. Herbstein, low. Friede. zFch. Londorf, lvw. Hrch. Lich. Londorf, tot. Alb recht .Wrnng. Schotten, lvw. Karl Moll. Nötiges, lvw. Karl -voller, Altenschlirf, lvw. F-rtedr. Rebbergen Giuizcnau, lvw.

Wilh. Rauft, Geilshausen, lvw. Ludwig Sarer. Hochheim. Kr. Worms, lvw. Johannes Schell, Bannerod, lviv. Ludwig Tck-ivahn, Alsfeld, tot. Hernianii Tröllcr, Groß-Eichen, lvw. Benedikt Traut, Herbstem, lvw. Otto Tenkler. Rebgcshciin, lvw.

Gg. Schicserstci!,. Ober-Bessingen, lvw. Hrch.>arf, Lollar, schvw. Hrch. Schaas, Fcldkrnckcn, fchwv. Vzieldw. Heinrich «<fnnibt, Bobendansen, schvw. Hrch. Wolf. Allenbors, schvw. Karl Wagner, Oberichmitten, schvw. Friedr. Wilh. Alsfeld, schvw. Wilh Wirft». Oberschmitte», schvw. Wilh. Wagenbach. Hcuchclheim, tot. Karl Wagner, Saasen, tot. Hrch. Zecher. Staufenberg, lvw. Hrch. Go inert. Queckborn, lvw. Karl Herde rich, Unenhelm. lvw. Feldiv. Hrch Zögner, Rainrod, lvw.

Friedr. Völsing, AhrinqS-hausen. schvw. Gesr. Karl Herget, Nicder-Ohmc». Imv. Hrch «ach, Bollcndach. tot. Gesr. Adam Brummer. Fränkisch-Crumbach. lvw. Friedr. Michel. Hochweisel, lvw. Friedr. Eckart. Tancrhcim, lvw. Karl Hrch Zinn, Tildclsheim, lvw. Friedr. Steinmüller. Allendorf. lvw. Hrch Binz. Allendorf, rern,. Gesr. Franz Becker I.. Wolfsheini, verm.

Karl Bernhard. Heräwiidain. verm. Friedr. Becker. Laubach, verni. Ludwig Fabel. Londorf, verin. Johannes Helwig. Otterbach. verni. Konrad Horst, Sellnrod, verm Gesr. Konrad Happel. Treihausen, »erm. Hrck,. Miller. Wtttcrscld, verin. Hrch. Muhl. Oueck. verm. Untoss. Karl Peter, Odenhauiem verm.

Gesr. Friedr. Rockel, Schlechtemvcgen, verm. Hrch. Rührig. Homburg a. Ohm. vcrn,. Hern, Stumps, Wetterfeld, verm. Rich. Steller, Lanbach. verm. Karl Schmicrmu.it>, Rainrod, verni.

August Tröllcr, Groß-Eichen, verm. Albert Theiß. Paris, verm. Wilh. Wagcnbach Hcuchelhein», tödlich verunglückt. Georg Wahl. Gießen, verm. Jakob Zinn. Reuters, vermißt.

7. Kompagnie: Ltn. d. R. Ernst Hosch. Biedenkopf, verw. Gesr. Karl Martin. Gontershausen, vcrw. Otto Eich. Ober-Lais, veno. Karl Bolz. Steiniberg. vcrw. Wilh. Kleis. Mittel- Seninen. vcriv. Ludw. Joh. Schäfer. Steinberg, tot. Karl Walter, Garbentcich. tot. Theodor Haudstein. Appenrod in Heffeii, tot. Karl Hllhnergarth, Gelvrrsiheim, verw. Georg Scharmann. Ulrichstcln, vw. Hrch. Linker. Breit npeSheim. vw. Hrch. Appel, Eschenrod, vw. Gesr. Karl Binz, Leidgestern, vw. Gg. Brück, Leihgestern, ow. Gesr. Karl Ludwig Böcher. ANen» hain, vw. Joh. Schmalbach. Rebgeshain, vw. Karl Knöß, Stumpertenrod, vw. Hrch. Rausch. Stodenrod. vw. Hr<b. Bel- soff, Buern. vw. Herrn. Schäfer. Lauter, vw. Gesr. Wilh. Bender. Gießen, vw. Hrch. Bück. Uitter-Lais, vw. Karl Reine- mer. Glashütten, vw. Gesr. d. R Wilh. Seng. Atzenhain, vw. Hrch. Fleischhauer, Haarhausen, vir. Ludw. Hofftnann II., Hcnchclhcim, ow llntoff. b. R. Hrch. Leu». Großcn-Linden, vw.

Ludwig Fabcr. Groß er-Linden, vw. Tamb. Gg. Schmandt. Steinberg. vtv. Ludwig Rodcmcr. Lauierbach. vw. Gesr. Hrch. Lisdmann. Ronirod. vw. Friedrich Bock. Grllubcvg. vw. Wilh. Rllhl, Alten-Buseck. mv Joh Stoppler. Udenhausen, vw. Louis Sommer. Staufenberg, vw. Hrch. Fischer. Erzenrod. tot.

Karl Hof. Gedern, vw. Hrch. Falk. Udenhausen, vw. Gesr. d. R. Phil. Ran, Trohe, vw. Karl Dörr. Storudvrf, vw. Georg Hrch, Schnell, Schwarz, vw. Karl Rithl. Ehrnigshaiisen i. Hessen, vw. Hrch Pkt. Lang. Lardenbach i Hessen., vw. Otto Reuter. Großen-Bnseck. mv. Hrch. Deckert. Burg-Gemiluden, vw.

Walter Aug. Stockfisch. Bad Nauheim, viv. Otto Beith. Heuchelheim. vw Wilh. Nöthe. Friedberg. vw. Friedr. Karl Grnuner, Groß-Karbcn. verm. Gesr. d. R. Wilh. Sellnrod«, verm.

Wilh. Traum, Scllnrode. vcrn,. Karl Becker. MicheIbach in Hessen, verm. llntoff d. R. Gust. Aug. Hrch. Weller, Wieseck, verm. Joh. Friedr. Günther, Stumpertenrod, verni. Gesr Ich. Heß. Leihgestern, verin. Karl Lenz. Lmnder. oerm Wilh. Weder. Hciichelheim. verni. Hern«. Rcuschlftig, Heuchelheim. verm.

Jakob Wilh. Schäfer II.. Grüuberg. verm. Louis Kehl. Oppen­rod, verm. Hrch. Schmidt. Ober-Sennen, verm. Karl Eisfert. Schwarz, verm. Phil. Miller. Hausen, verm. Wilh. Feiler. Großcn-Linden. verm. Hrch. Well. Renthers, verm. Karl W. Andermann, Klein-Linden, verin. Werner Habermehl. Schwarz, verm. Hrch. Friedr. Hosfmann, Eschenrod, verni. Hrch. Baß. Rebgeshain, verm. Hrch Buchenau. Udenhausen, verm. Herrn. Kühl, Gießen, verm. Gesr. d. R. Wilh. Gerhard, vermißt.

8. Kompagnie. Math Hüsch. St. Goarshausen, lvw. Friedr. Ziegler. Bcrnsdorf. lvw. Gesr. Hugo Funk. Garbenteich, lvw. Karl Haincl, Zell, lvw. Wilh. Fclsinger, Utphe, vw. Johann ©tiefer, Reiskirchen, lvw. Karl Schäfer, Utphe, lvw.- Piefr. Otto Blum, Ulfa. lvw. Otto Hamel. Gießen, lvw. Ludw. Heidt, Staufenberg, lvw. Aug. Haustein. Berusburg. lvw. Hrch. Gröl.z. Staufenberg, schvw. Konrad Greb, Engelrod. lviv.

August SuppeS. Landenhanfen. lvw. Hrch. Neeb. Helmers- Haufen, fchmv. Wilh. Heuser, L Inzenham, schvw. Gesr. Wtlh. Brink, Wolfersheim, lvw. Herm. Lauer. Gießen, tot. Friede. Gicßler. Pließen. lvw. Gesr. Erich Sprenger, Ztegenscld. vw. Mar Ritschel. Speitel. verm. Konr. Sack, Wohmlhach, verni. Heinr. Huhn, Gießen, vermißt.

Taktlosigkeiten.

Die organisierte Arbeiterschaft konnte sich vor Ausbruch des Krieges über allzu liebevolles Entgegenkommen der Re- gicrungs- und Polizeibehörden nicht beklagen. Da brach, einer Sturmflut gleich, dieses fürchterliche Schicksal über die deutschen Lande herein. Tie sozialdemokratische Rcichstags- fraktion bewilligte ohne Besinnen in der Kriegssihung des Reichstages die von der Regierung geforderten Kredite; Mit­glieder der sozialdemokratischen Fraktion meldeten sich als Kriegsfreiwillige und alle tauglichen heerespflichtigcn Prole­tarier stellten sich Mann für Mann. Die bürgerliche Presse siel ob der Haltung der Sozialdemokraten vor Rührung bei­nahe um, alles redete davon, daß der Krieg die Klassenunter­schiede der Volksgenossen hinwcgfcge. Tatsächlich gelten nun ja auch die Gewerkschaften seit Ausbruch des Krieges nicht mehr als politische Vereine und Arbeiter-Sport- und -Ge­sangvereine wurden Lokalitäten zur Abhaltung von Festlich­keiten zur Verfügung gestellt, die sonst kurz und bündig ver­weigert wurden.

Alles das ist nicht neu, wenigstens nicht für diejenigen, die noch ein klein wenig Fühlung mit der Außenwelt haben. Ter Pfarrer Michel in Ober-Mörlen (Oberhessen) scheint jedoch vollständig in seinem kirchlichen Berufe aufzugehen und die Ereignisse des Tages nicht zu würdigen. Sonst hätte er sich wohl nicht zu einer Tat Hinreißen lassen, die wir der Frkft. Volksst. folgend unseren Lesern zur Kenntnis und Be­urteilung übergeben wollen.

Unser Parteigenosse Karl Th. Burk hatte gleich anderen Kameraden das Schlachtfeld mit seinem Herzblut getränkt, starb jedoch in der Heimat und konnte somit in seinem Hei­matsorte beerdigt werden. Alle Vorbereitungen zur Be­erdigung waren getroffen, da teilte der Pfarrer Michel deni Dirigenten des Arbeiter-Gesangvereins mit, daß er nicht zu­lasse, dem gefallenen Krieger am Grabe ein Abschiedslied zu stngcn! Begründend fügte der Herr Pfarrer hinzu, daß die Sozialdemokraten an dem Kriege schuldig seien. Am Grabe selbst hielt dann der Geistliche eine Rede, die die Leidtragen­den aufs tieftte empörte. Er sagte, das Singen am Grabe dürfe nicht erlaubt werden, weil sich die Tendenzen des Ar­beiter-Gesangvereins mit denen eines katholisch beerdigten Kriegers nicht vertragen.

Wie dies Verhalten des Pfarrers Michel zu beurteilen

ist, überlassen wir jedem anständig denkenden Menschen. Will halten es für eine bedauerliche Erscheinung, daß ein Mann, der auf Grund seiner Moralanschanung anderen mit gutem Beispiel vorangehen soll, die christlichen Grundsätze, die er in der Kirche predigt, selbst jo wenig beachtet. Tenn der vor­nehmste dieser Grundsätze ist:Liebe deinen Nächsten . . ."

Wie echte Sozialdemokraten über den Krieg denken, dürfte der Herr Pfarrer wissen: jedes Schulkind seiner Ge­meinde könnte ihm auch sagen, daß die Sozialdemokratie bis zur letzten Stunde vor der Mobilmachung Versammlungen, für den Frieden abgehalten hat!

Das soll den Bauern u,»vergessen bleiben.

In Darmstadt ist am Samstag aus dem Wochenmarkte infolge der durch die Bürgermeisterei festgesetzten Höchst­preise für Kartoffeln (je nach der Güte 6 Mk. bis 7,50 Mk.) eine große Unruhe hcrvorgeruscn worden. Die mit ihren Wagen voll Kartoffeln angckommcnen Landwirte forderten nieist höhere Preise, konnten aber mit Rücksicht auf die Sttaf- androhuugcn des Oberbürgermeisters nur geringen Absatz erzielen. Nach kurzer Zeit verstäudigten sie sich und zogen mit ihren Borrätcn wieder ab, in der Erwartung später noch höhere Preise zu erzielen. Wegen dieser Rücksichtslosigkeit entstand unter den zahlreich anwesenden Kauflustigen eine sehr lebhafte Unruhe; nur mit Mühe waren Ausschreitungen zu unterdrücken, da zahlreiche Hausfrauen, die ihre Winter­vorräte noch nicht in den Keller gebracht haben, ohne Kar­toffeln nach Hause kehren mußten. Vielfach hört man, daß die schlauen Bauern lieber ihre an einzelnen Orten recht um­fangreichen Kartoffclvorräte vergraben, und bessere Zeiten^ abwarten wollen, als der Bevölkerung etwas entgegenznkom-; nien. Hoffentlich werden durch die Behörden geeignete Maß­nahmen getrosten, damit die Bevölkerung in der Lage ist, sich in den Besitz dieses notwendigen Nahrungsiilittels zu setzen. Dies muß aber bald geschehen. Im übrigen mögen die Bauern daran denken, daß auch wieder einmal andere Zeiten kommen werden. Bis dahin soll es ihnen ober unvergessen bleiben, in wie vaterlandsloscr Weise diese Manlpatriotew letzt die Not des Volkes ausbeuten.

Nachschub für Liebesgaben.

Das Kriegsministerium hat am 4. Oktober neuerdings den Nachschub von Liebesgaben foigendcrmahcn geregelt:

Zur Aufrechterhaltung eines geordneten Geschäftsbetriebs der Milttär-Eiscnbahnbchörden beim Nachschub freiwilliger Gaben (Liebesgaben) wird folgendes bestimmt: Nach Militär-Transport- Ordnung § 59, g können als Milftärgut solche freiwillige» Plabcn für die bewaffnete Macht aufgcgebcn werden, die bei denAb- nahinestellcn" als ftciwillige Gaben eingegangcn sind. Die Bcför. derung bis zu diesenAbnahmestelle»" erfolgt frachtfrei.

Es ist nicht tunlich. Gaben mit Sondcrbestimmung z. B. für Angehörige einer Truppengattung usw. zu spenden: derartigen Wünschen kann nicht entsprochen werden. Der Mtlitärvcrwaltung vnb dem Kaiserlichen Kommissar der Freiwilligen Krankenpflege bleibt cs Vorbehalten, die einzelnen Gaben an die Stellen des größten Bedarfs zu leiten.

Beklcidungs- und Ausrüstungsstücke für Truppenteile »nl» deren Angehörige sind von den Ersatztruppenteilen durch Vermitt­lung der Etappenbehörden nach dem Kriegsschauplatz zu befördcrir. Einzelsendungen sind demgemäß den Ersatztruppenteilen zu über, weisen.

Stellvertretendes Generalkommando des 18. Armeekorps.

Frankfurt a. M., 18. Oktober 1914.

Die Generalbersanimlung des Konsumvereins Gießen,

die am Sonntag nachmittag im Saale des Gewerkschafts­hauses abgchalten wurde, war ziemlich gut besucht. Aller­dings stellte die Zahl der Versammlungsteilnestnter immer­hin nur einen kleinen Bruchteil der Mitgliedschaft dar, die sich bekanntlich auf sieben Orte verteilt; es ist daher begreif­lich, daß cs manchem Mitgliedc nicht möglich war, die Ver­sammlung zu besuchen. Nachdem der Vorsitzende des Aus­sichtsrats die Versammlung begrüßt hatte und das Protokoll der lebten Generalversammlung verlesen und genehmigt war, erstattete er den Bericht des Aufsichtsrats. Das am 30. Juni abgelaufene Geschäftsjahr konnte als ein befriedigendes für den Verein bezeichnet werden; die Mitgliederzahl ist wie­derum von 2472 auf 2741 gestiegen. Ebenso zeigte der Warenumsatz eine Steigerung von 473 000 auf 549 000 Mk. Mit der Entwickelung und Leistung der Bäckerei, die das erste volle Geschäftsjahr hinter sich hat, könne man eben­falls zufrieden sein. (Tie Ziffern darüber brachten wir be­reits vor einigen Tagen.) Den Beschwerden, die wegen des Schwarzbrotes in der letzten Generalversammlung erhoben wurden, sei die Verwaltung abzuhelfcn bemüht gewesen, was ihr auch gelungen fei; auch die Beschaffenheit des Schwarz­brotes müsse jetzt ebenfalls als tadellos bezeichnet werden. Nach langen Berattingen und Erkundigungen an anderen: Orten ging man an die Einrichtung einer Mineralwasser- und Limonadenanlage, deren Ergebnisse ebenfalls als. be­friedigend bezeichnet werden könnten. Bezüglich der Ar­beitsverhältnisse des Personals wurde gemäß der Tarifver­träge verfahren, welche die Gewerkschaften mit den Konsum- Vereinen vereinbart haben. Im allgerneinen könne die Ver­waltung mit den Angestellten und deren Leistungen zufrie­den sein. An dem Bericht des Aufsichtsrats schloß sich der­jenige des Geschäftsführers Keßler, der besonders die Schwierigkeiten des Warenbezugs und die Preissteigerungen seit Ausbruch des Krieges schilderte; weiter gab der zweiti Geschäftsführer K o p p c die Zahlen über die Produktion und den Materialverbrauch der Bäckerei bekannt und Kassierer N i c w i s ch erstattete eingehenden Kassenbericht. Ten Be­richten folgte eine lebhafte Diskussion, die stellenweise leider an Sachlichkeit zu wünschen übrig ließ, doch wurden auch manche wertvolle Anregungen gegeben. Gegenüber der Be­schwerde des ftühercn Backmeisters wegen seiner Entlassung führte die Verwaltung gewichtige Gründe an, die sie zu dieser von ihr selber bedauerten Maßnahine nötigten. Schließlich genehmigte die Versammlung die Jahrcsrech- nung. Es erfolgte hierauf die Verteilung des Rein­gewinns, die nach längerer Debatte wie folgt beschlossen wird: Zinsen der Anteile 1600,80 Mk.. Brot für Familien der ins Feld gezogenen Mitglieder 200 Mk., Volksküche 100 Mk., Ent- schädiaupg an das Gewerkschaftshaus (vom Neubau her)