Die Stärke ber beutsche» Truppen sei unterschätzt worbe», als man angenommen habe, Deutschland käme infolge der notwendigen Teilung seiner Streitkräfic in Ost und West vor einen stärkeren Feind zu stehen und Franzosen und Engländer im Westen würden mindestens anderthalb Mal io stark sein als die Deutschen. Die gleiche Feststellung des wirklichen Kräfteverhältnisses gelte für den Osten, denn wenn die Russen nicht geringer an Zahl seien als die Deutschen und Oesterrcichcr, dann wäre das rasche Zurückweichen der Russen in Polen doch unmöglich.
England schuld am Falle Antwerpens.
Konstaiitinopcl. 18. Okt. lEtr. Bin.) Das gestern eingetrosfenc Hauptblatt Sübrutzlanös, Odeßka Ltftow. wirft England in bitteren Ausdrücken die Schuld am Falle Antwerpens vor. England habe Belgien keine ausgiebige Hilfe geleistet. Die Engländer wollten, das; andere die Kastanie» für sic aus dem Feuer holen, damit sie sich selbst nicht die Hände verbrennen.
Englands Besorgnisse nm die islamitische Bewegung.
Rotterdam, 18. Okt. Die Londoner Presse fängt nun- tnehr an, sich eingehender mit der panislamitischcn Bewegung zu befassen, deren Gefahren nie zu unterschätzen seien. So habe man sichere Nachrichten, daß sowohl die Eingeborenen in Algier als auch in Marokko bereits wüßten, daß die Deut- scheu bereits ganz Nordfrankreich beseht hielten. Auch gähre es in Tunis, wo bei Djebul ein Pulverturm in die Luft gesprengt wurde. Meldungen aus Biserta zufolge sollen durch Explosionen auch die Besestigungswerke von Djebul zerstört worden sein. Mehrere hundert französische Soldaten und 21 französische Zivilbeamte wurden dabei getötet. Die französische Negierung ist um so mehr davon überzeugt, daß man es hier mit der Tat fanatischer Mohamedaner zu tun hat, als wenige Tage später die Nachricht von dem Attentat auf die Brüder Buxton eintraf, das bekanntlich von einem Türken verübt wurde. In Fez, Agadir, Tarudant, Mogadir und anderen marokkanischen Städten werden unter den Marokkanern, wenn sie zum Markte komnien, Zusammenrottungen beobachtet.
Englische Ableugnungsversuche.
Zu der kürzlich durch die Nordd. Allg. Ztg. erfolgten Peröffentlichung von Dekumenten aus dem Archiv des belgischen Generalstabes läßt die englische Regierung durch ihre Vertreter im Ausland erklären, es handle sich um eine reine Erfindung, solche Dokumente existieren nicht. Die Voss. Ztg. benierkt dazu:
„Alle diese lahmen Versuche, sich reinzuwaschen, können England nichts nützen: die Beweiskraft der Dokumente, die in den Originalen Im Besitz der deutschen Regierung sind, kann durch heuchlerische Lügen nicht aus der Welt geschasst werden. Der Neutralitätsbruch, den England und Belgien gemeinsam begangen haben, liegt vor aller Welt klar zutage."
Auch der Golf vo>» Smyrna gesperrt.
Konstantinopcl, 18. Okt. <Etr. Frkst.) Eine Rote der Pforte qn die fremden Missionen besagt, daß das Einlaufen von Kriegsschiffen in den Golf von Smyrna fortan verboten ist.
Deutsche Kriegsgefangene in Sibirien.
Wie ein Telegramm des Rsctsch aus Irkutsk meldet, wurden deutsche und österreichische Kriegsgefangene nach dem Gvuverne- ment von Irkutsk verschickt, wo sie zu Erdarbeitcn, zum Bau von Chausseen und zur Trockenlegung von Sümpfen verwendet werden sollen. Andere deutsche und österreichische Kriegsgefangene sind nach Omsk in Sibirien verschickt worden. — Wenn diese Meldungen den Tatsachen entsprechen sollten, dann müsste das Vorgehen Rutzlanbs nicht bloß als eine unerhörte Grausamkeit bezeichnet werden, cs läge darin auch ein Verstoß gegen völkerrechtliche Grundsätze. Kriegsgefangene dürfen nicht wie Verbrecher behandelt werden, das geschieht aber, wenn man sic nach dem unwirtlichen Sibirien verschickt.
Beschlagnahme von Pavillons.
Genf, 18. Okt. Wie der Bürgermeister Herriot von Lyon in den dortigen Blättern bekannt gibt, sind die deutschen und österreichischen Pavillons der internationalen Lyoner StäbtcauSstellung von der Stadtbehörde beschlagnahmt worden. Die Ausstellungsgegenstände sollen zum Besten der Stadt veräußert werbe».
Russischer Mißbrauch des roten Kreuzes.
Wie», 18. Okt. (W. B. Nichtamtlich.) Tie Neue Freie Presse meldet aus Bukarest: Die Blätter berichten von einem schweren Mißbrauch des Roten Kreuzes durch Rußland. Vor ungefähr 10 Tagen passierte ein russischer Lazarcttzug aus
Afra ja.
Ein nordischer Roman von Theodor Müggc. 90
Und Johann Marstrand zweifelte nicht daran. Er war zufrieden mit dem, was er getan, und wußte, daß er alle «chwicrigkciten besiegen werde. Jetzt aufhören, hieße alles aufgeben, hieße ihn dem Gelächter und Spott überliefern, und als er allein die Elf hinauf ging und daran dachte, daß all sein Streben umsonst gewesen sein sollte, schien cs ihn, unmöglich, sich zu fügen.
Langsam war er nachsinnend und überlegend bis 51 t dem einsamen Grund gekommen, wo der Bär einst getötet wurde, als er aufblickte und auf einem der Felsblöcke Afraja sitzen sah.
Der alte Mann trug sein Sommerkleid, eine kurze Bluse von braunem Bauniwollengewcbe. Ein Rennticr von außer- ordentlicher Größe mit ungeheuren Geweihen stand neben ihm, auf dessen Rücken eine Art Sattel mit hohen Kissen geschnallt war. Die beiden gelben Hunde des Greises lagen auch diesmal zu seinen Füßen, und er selbst, seinen langen Stab in der Hand, beugte sich zusammenkauernd darauf nieder.
Als die Hunde knurrend aufstanden, hob Afraja den Kopf empor, und ohne ein Zeichen von Ueberraschnng erwartete er den Nahenden, in dessen Gesicht eine plötzliche Freude aufstieg, denn hier war ein Mann, der ihm helfen konnte, wenn er wollte.
„Ich freue mich, dich unverhofft zu finden," rief er aus. als er ihm nahe war.
„Setze dich zu mir," erwiderte der Lappe, „ich habe dich erwartet."
„Wie wußtest du, daß ich kommen würde?" fragte Marstrand, ungläubig lächelnd.
„Ich wußte es," sprach Afraja mit Nachdruck. „Ich weiß vieles"
Bcssarabien, der die russisch-rumänische Grenzstation umging über Jassy nach der serbischen Grenze. Den rumänischen Grcnzbeamtcn siel die überaus große Zahl des Sanitüts- Personals auf. Nun traf dieser Tage aus Orsowa ein Telegramm ein, das über diese russische Expedition der Barmherzigkeit eine überraschende Aufklärung brachte. In dem Telegramm heißt cs, daß das Sanitätspersonal des russischen Lazarettzuges aus russischen Sappeuren bestand, die nach Ablegung des Roten Kreuzes, unter dessen Schutz sie Rumänien passierten, zwischen Turn-Sevcrin, Kladowa und Orsowa Minen legten.
Amerika und der Krieg.
Die Regierung gibt bekannt, daß Amerikaner Waffen aller Art, auch Kanonen und Munition, den kriegführenden Mächten verkaufen können. Es sei im Interesse der Kriegführenden, die Ablieferung zu verhindern, aber lischt die Pflicht der Vereinigten Staaten, den Verkauf zu verbieten- Nur die Bildung bewaffneter Korps auf dem Boden der Union sowie die Ausrüstung von Schiffen in amerikanischen Häfen bleibt verboten.
Das Mitglied des Kongresies Gardner beantragte, die Regierung solle eine Uisterfuchmig darüber anstelle,,, ob die Vereinigten Staaten auf einen Defensiv- und Offensivkrieg vorbereitet seien.
Ein Protest der deutschen Universitäten.
In einer eindrucksvollen Kundgebung wenden sich die deutschen Universitäten des Deutschen Reiches an die Universitäten des Auslandes, um Verwahrung einzulegen gegen den „Feldzug systematischer Lüge und Verleumdung", der gegen unser Volk und Reich geführt wird. Der Aufruf wendet sich vor allem auch an die Wahrheitsliebe und Gerechtig- fcii der vielen Tausenden in der ganzen Welt, die sich auf deittschcu Universitäten gebildet haben. Gezeichnet ist diese Kundgebung von den Universitäten Tübingen, Berlin, Breslau, Erlangen, Frankfurt, Frciberg, Gießen, Göttingen, Greifswald, Halle, Heidelberg, Jena, Kiel, Königsberg, Leipzig, Marburg, München, Münster, Rostock, Straßburg und Würzburg.
250 Millionen für Notstandsarbeitcn.
Tom Berliner Tageblatt wirb nntgeteilt, daß ber Reichstag demnächst zusammentretcn soll, nm eine Summe von Löst Millionen Mark zu bewilligen, die zur Ausführung von Rotsbanbsarbetten verwendet werben soll. — Eine Bestätigung dieser Nachricht ist bisher nicht zu erlangen.
Sozialdemokraten im Kriege.
Tie Chemnitzer Volksstimm« schreibt: Von List Krisgslell-
nehmern unseres Nachbarortes Flöha sind 17 organisierte Partei- genossen. 1 Fiühacr Kriegsteilnehmer haben bisher das Eiserne Kreuz erhalt«»: Herr von Einsiedel als Osfizicr nnd die drei Genossen Unteroffizier Bernhardt Reichel, Soldat Willy Täuscher, unter gleichzeitiger Beförderung zum Untcrokiizier und neuerdings Unteroffizier Max Eckert. Eckert ivar bis vor Kriegsausbruch seit vielen Fahren Turnwart des Arbeitkrtnrn- vcrcins rn Flöha. Unsere Flöhaer Genossen sind alis diese Kämpfer nicht wenig stolz. Sie erblicken in ihren Taten den Geist der Solidarität und Aufopferungsfähigkeit für das Allgemeinwohl, der deil organisierten Arbeiter auch m Friedenszeiten auszcichnen muß.
Genosse Richard Mehl Horn, Unteroffizier der Reserve des 181. Regiments aus Rottluff, hat das Eiserne Kreuz erhalten. Er zog mtt 7 Mann ans Patrouille gegen eine feindliche Batterie und schickte, als die Feinde das Feuer cröfsnctcii, seine Leute zurück, um allein anderthalb Stunden lang m finsterer Nacht unter schwerem feindliche-, Feuer anszuharren. Granatsplitter Imben ihm Brotbeutel imd Trinkbecher zerrissen. Er kehrte aber schließ- lich im Laufschritt glücklich zu seiner Kompagnie zurück und erstattete wichtige Meldungen. Wie gefährlich der Gang ivar, geht daraus hervor, daß auch von dm zurückgesandten Teilnehmern der Patrouille zwei getötet und zwei schwer verwundet wurden.
Genosse Roinbold B raun schm idt in Neustadt bei Kobnrg hat als einziger Mann der Kompagnie für sein Verhalten in der Schlacht bei Longwy das Eiserne Krmz erhalten. Genosse Braunschmidt, der noch vor wcnigm Wochen am Reichstagswahikmnps in Kobnrg hervorragend tätigm Anteil genommen liat, ist in ber Schlacht verwundet worden, aber bereits am 2. Oktober zu seiner Truppe zuriickgekehtt.
lsicfle«» de» Kartosfelwncher.
Auch am Niederrhein steigen die Preise für Kartoffeln ungeheuer, obgleich täglich große Massen aus Holland kommen, die sehr billig eingekauft werden. Die Kartoffelhändler verlangen für den Zentner 4—5 Mark. Zur Preissteigerung tragen auch bei die Aufkäufe durch die Militärverwaltungen
für die Gefangenenlager und die Dcrfütterung von Jt nr toffcln in der Schweinezucht. An vielen Stellen werden ab? die geernteten Kartoffeln von den Landwirten zurückg- halten, um die Preise in die Höhe zu treiben. Gegen dic> Spekulation wucherischer Landwirte wendet sich y scharfer Form die Köln. Ztg.; sie schreibt:
„Fn dieser schweren Kriegszcit. in der zahlreiche Familie, von der Äriegsunterstlltzmig iebeu miissm, wird die Lebens Haltung durck, solche Preistreiberei eines wichtige» Nahrungz mittels n-och erschwert. Vom nationalen Standpunkt i-st ü. Verhalten solcher Landl«Ute sehr zu bedauern und der Ruf nac Festsetzung von Höchstpreisen für Kartoffel» erschallt iunnr lauter: er ist dnrchalig berechtigt und die Behörde sollte nn
dieser Maßualmic nicht zögen,. Sollte aber die Festsetzung vo Höchstpreisen für Kartoffeln unangebracht sein, weil dadurch nu für die minderwertigen Sorten ein Hchstpreis festgesetzt ivü« so müßte die Enteignung der Kartossclmcngcn zu angebrachte, Preise und der Verlaus durch den Staat stattfinden."
Der Winter steht vor der Türe; hoffentlich entschließe, sich die maßgebenden Stellen bald zu Maßregeln, wie sie hie vorgeschlagcn werden.
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Rückkehr der ostpreuszischen Flüchtlinge.
Ter Staatskommissar für bas Flüchtlingswescn, Laniöcshaup. manil von Berg, teilt zur Aufklärung der Frage, in welchem llir fange ostpreußischen Flüchtlingen die Rückkehr in die Heimat irnif ti-ch ist, folgendes mit: Tie Provinz Ostpreußen wird mich zurzen noch von den Russen bedrängt. Es fft unseren Truppen aber bisbc im weseiitlichen gelungen, die Russen an dem Betreten vstpreußische Bodms zu hindern. Ans dm, Kreis« Lyck, in den sic zeitweise ei, gedrungen warm, sind sie hinausgedrängt worden. Es ist die Hofi nung begründet, daß ein nochmaliger Einbruch der Russen ln di Provinz wird verhindert werden können. Immerhin könne» di Grenzkreis« der Provinz zurzeit als ovilkomnwn ungefährdet n ich bezeichnet werden. Fi» größten Teil der Provinz erscheint d! Rückkehr aber unbedenklich, und zwar gilt das unbedingt für de ganzen Regierungsbezirk Königsberg- für den Regierungs-bezii Allenstein bis zur Linie Lötzen-Nikolaiken-Ortelsburg-Neidenbur, für den Regierungsbezirk Gumbinnen diesseits der Linie Fnste Angerapp und Lötzen. Dementsprechend werden Freisahrtscheiu nach diesem ungefährdeten Teil der Provinz Ostpreußen vergebe, sobald für den Aufenthalt des Flüchtlings der zuständige Aintt Vorsteher, Lanörat oder Bürgermeister dein Flüchtling eine B< schcinigung ausstellt, baß er zurzeit mittellos ist und seiner Rück kehr, von den, mit Namen anMührendm Aufenthaltsorte um dem gleichfalls mit Namen anznführenden Heimalsorte nichts ti Wege steht.
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Kein Rückzug der Franzosen.
W. B. Frankfurt, 19. Okt. (Nichtamtlich.) Von amtliche Seite wird »ns folgendes niitgctcilt: Einige Zeitungen habe aus einer Baseler Zeitung die Nachricht übernommen, daß si: die Franzosen aus ihren Stellungen an der Aisnc auf da Plateau von Mormant zurückgezogen haben. Diese Mcldun ist unzutreffend.
Zur Zerstörung der deutschen Torpedoboote
Zum unglücklichen Seegefecht an der holländischen Küste crhä! die Tclcgraphen-Union folgendes Telegramm ihres Spezialkorre spondenlcn:
London, Ist. Okt. Tic englische Adniiralität gibt bekannt:
An der holländischen Küste wurden vier deutsche Torpedoboot von dem englischen leichten Kreuzer „Undauntcd" und vier Tor podcobooten, „Lance". „Lennox", „Legion" und „Loyal" iiberrasck nnd nach heftigem Kampf znn, Sinken gebracht. Tie „Undauntcd' ein Schwesterschisf der „Arethusa", ist einer der modernsten enf lischen Kreuzer von 3700 Tonnen und erst kürzlich in Dienst nt stellt worden. Die englischen Torpedoboote gehören der E-Klass an und sind gleichfalls erst kürzlich in Dienst gestellt worden. Si haben einen Gehalt von 1100 Tonnen nnd entwickeln eine 8c schwindigkeit von 81 Knoten.
London, 18. Okt. Die cngliche Admiralität meldet wetzt, offiziell von den vier unweit der holländischen Küste zun, Sirti gebrachten deutschen Torpedobooten: Es wurden 31 Seeleute gc rettet, von denen die meiste» verwundet sind. Die englischen Ber luste belaufen sich aus 1 Offizier und 1 Matrosen.
Amsterdam, 19. Okt. Nieuwe van den Tag gibt den Berich der Bemannung zweier Fischdampser wieder, die der Vernichtun der dcntichcn Torpcdoiägcr beiwohnten. In ber Nordsee still liegend, sahen sic um '/-I Uhr nachmittags plötzlich ein Sccgcfech' Sic zählten 15 englische und deutsche Schisse. Manche waren I nahe, daß die Geschütze der Bedienungsmannschaft sichtbar wäre, Tie Granaten flogen allseitig nnd gefährdeten die Holländer. Si sahen ein Schiss sinken nnd sahen auch verschiedene Unterseeboot cmportauchcn und Wassersäulen cmporschicken.
Der 42 ctm.-Mörser vor Belsort?
Berlin, 19. Okt. Die Stockholmer Zeitung Dagen Nyhetcr meldet aus London unter dein 12. Oktober: Di
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„So sage mir zuerst," fuhr der junge Mann fort, „wie es Gula geht?"
„Es geht ihr wohl," war die Antwort.
„Wo hast du sie? Ist sie in der Nähe?"
Ter alte Häuptling ließ eine Minute vergehen, ehe er seinen Bescheid erteilte. Die Hände um seinen Stock gc- klainmcrt, schien er sich zn bedenken. „Mein Kind," sagte er, „sitzt in seiner Gamme am Ufer des Baches, wo die guten Götter Blumen tpachsen lassen. Sie lacht und freut sich, daß sie frei umher springen kann mit den leichten Füßen des Nenntieres unter jungen Birken und nicht mehr in dem engen Hause des Geizhalses wohnt."
„Helgestad hat ihr Gutes getan," sagte Johann, und ec erinnerte sich, was er Jlda versprochen hatte. „Ich glaube dir nicht, Afraja," fuhr er fort, „du bist ein harter Vater. Du hältst sie gewaltsaiu in irgend einer Einöde versteckt und zwingst sic, bei dir zu bleiben."
„Ist sie nicht freiwillig gekommen?" antwortete der alte Mann. „Hat sie das Haus am Lyngensjord nicht selbst verlassen, uni wieder bei niir zu wohnen?"
„Aber sie sehnt sich, dorthin zurückz'ukehren."
„Glaube mir," sagte der Lappe, „daß ihre Augen hell sind und ihre Lippen lachen." '
„Was willst du mit ihr? Was soll ihr Schicksal sein?" rief der junge Mann lebhaft. „Soll sie mit dir umherwan- dcrn bis ans Eismeer, jahraus, jahrein? Sic muß verderben bei solchem Leben, und du bist alt, Afraja. Was soll aus ihr werden, wenn du von ihr scheiden unußt?"
„Sie wird den Mann nehmen, an dessen Herd ihr Platz ist."
„Wen? Mortnna etwa?"
Afraja bückte sich tiefer und antwortete nicht.
„Ist das ein Mann für dein Kind, das, sittlich und ge schickt, zum Besseren bestimmt ist?" fuhr Marstrand fort. £
„Du wirst die Blume, die Gott dir gab, welken und sterbei sehen, che der Winter kommt, und vergebens dann bereuen.
„Du weiser Vater," sagte Afraja aufblickend, „bedenki du, was du sprichst? Gula ist eine Tochter des verstoßene Volks, wo soll sie wohnen, um glücklich zu leben? Bei euc etwa? Soll sie als Magd verachtet und verspottet sein Soll sie eines schmutzigen Ouäncrs Hans hütend — Wer ho uns in die Wüste gejagt? Wer hat uns das Land unsere Väter geraubt? Wer zwingt uns, mit dcm Rennticr uw herzuwandern?"
Marstrand schwieg darauf. Er konnte dcm alten Man nicht unrecht geben. — „Tu klagt gerecht," sagte er endliö „aber nicht alle verdienen deine Vorwürfe."
„Tu," erwiderte der Lappe, „bist milder, wie dies harten, gierigen Männer. Tu bist ein verständiger, sreuni sich gesinnter Jüngling, aber würdest du Gula in dein Hau führen? Würdest du sie an deinen Herd setzen und dein Schüssel mit ihr teilen?"
Er schlug ein lautes Gelächter auf, nickte heftig mit seine hohen, spitzen Mütze und krümmte sich an seinem Stabe zu sammen, als er die Wirkung seiner Frage sah. — „Siehst in wohl, Väterchen, siehst du wohl," rief er dann. — „Bist di gerechter, bist du besser? Aber du kannst es nicht sein, den sie würden dich behandeln, wie sie uns behandeln. S: würden dich sortstoßen wie einen H»nd, sie würden Schimp und Schande über dich bringen, dich jagen wie den graue Wolf, und nichts würde dir übrig bleiben, als in die Wüst zu fliehen, wo die Verachteten wohnen."
Afraja sprach niit klarer, voller Stimme und ohne di gewöhnlichen Wortvcrdrehungen und Zeichen der Lapvkk Verständig und mit der Würde, die Marstrand schon öftc an ihm bemerkt, beschrieb er ihm das Unglück seines Stmst uies, und er bemerkte den Eindruck recht gut, den er daini auf seinen Zuhörer machte, der mit Tcilnahnie nnd Rührum seine Schilderungen vernahm.
(Fortsetzung folgt.)
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