Ausgabe 
20.10.1914
 
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Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

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Nr. 243

Gießen, Dieilstlisi, den 20. Oltolicr 1014

9. Jahrgang

Luftkriensrecht.

Tie Besetzung Antwerpens durch die deutschen Truppen hat x Sorge der Engländer vor Angrifscn durch deutsche Lnstfahr- ugc erhöht. Die grotze Stadt an der Schelde kann zum Stützpunkt in Zeppelinen und Fliegern gcuiacht werden, und nun fürchtet an, dass sich in London bald derselbe Besuch cinstcllen wird, an flen regelmätzige Wiederkehr die Pariser sich schon nahezu ge­ahnt haben, und das, in seiner Begleitung möglicherweise die oben Luftschissc erscheinen, die in Lüttich und Antwerpen ihre rstörende Kraft bewiesen haben.

Tie Frage drängt sich auf. ob cS denn völkerrechtlich gestattet i, auS Luftfahrzeugen auf die englische Hauptstadt Geschosse und rplosivstofsc zu werfen. Tamit gelangen wir ans das interessante cbiet des KricgsrcchtS in der Luft, das in den letzten Tagen auch jeder durch die Androhung der französischen Presse, für jede ombc, die ein deutscher Flieger auf Paris wirst, zehn Bomben if deutsche Städte zu richten, berührt worden ist.

Das Luftkricgsrccht ist lehr wenig ausgcbildct, und das hängt cht nur daniit zusammen, das; die Eroberung der Lust durch lcut- ire Fahrzeuge erst jungen Datums ist, sondern cS ist auch darauf irückzusühren, das, die Nationen, die in der Luft einen Vorsprung rungcn hatte» oder errungen zu haben glaubten, leine Neigung Üatzcn, die bisher praktisch »och nicht erprobten Belätigungsmög- chkcitcn ihrer Fahrzeuge durch völkerrechtliche Schranken eineiigen i lassen. Durch die sogenannte Petersburger Konvention von 1868 ar allerdings bas Wersen von Geschossen lind Sprengstoffen an» istschissen ganz allgemein verboten. Aber zu jener Zeit gab bekanntlich nur die vom Zufall der Windströmnng abhängigen iwersälligen Ballons. Auf dem ersten Haager Friedenskongreß i Jahre 1899 erneuerte man die Bestimmungen der Petersburger »ivciition und nahm eine Erklärung an, wonach daS Werfen von eschoflcn und Sprengstoffenaus Luftschiffen oder auf aiidcren h n I i ch e n neuen Wegen für die Dauer von fünf Jahren" itersagt ivurde. Der Hinweis aufähnliche Wege" deutet an, das; c Vertreter der Mächte bereits beginnen, mit technischen cucrungc» in der Lustschiffahrt zu rechnen und die Beschränkung r Tauer de? Verbots auf fünf Jahre lässt den Wunsch erkennen, h fiir die Zukunft nicht zu binden. Als der zweite Haager Kein­es; im Jahre 1907 zufammcntrat, wurde die Angelegenheit sofort icder In Erwägung gezogen, und Belgien stellte den Antrag ir eii;cit bis zum Schluß der dritten Friedenskonferenz reichenden citraum das Verbot von 1899 zu erneuern. Jetzt aber wollten die rohe» Militärmächte aus die uneingeschränkte Verwendung der eucn Lasse, die im Entstehen begriffen war, nicht verzichten, und I csondcrs Frankreich stemmte sich gegen den belgischen An­rag. Au Frankreichs Seite traten Deutschland. Spanien und ! lluinänieu und Nusstand, und da für die Beschlüsse der Haager konseienz Einstimmigkeit erforderlich ist, scheiterte der Vorschlag -Belgiens, obwohl ihn 29 Staaten unterstützte». Damals ahnte vohl niemand, das; gerade die belgische» Fcstungcn die ersten sein vuiden, die unter der Freiheit des Bombeiiwerfens zu leiden i laben würde».

I Es fehlen also bis zum heutigen Tage Bestimmungen, die die rtegcrische Verwendung der Lustfahrzcuge über die allgciucinc» ,citii>»nii»gcn des intcruationalcn Kricgsrechts hinaus eiucugten, ibivohl eine ga,e Reihe von VölkerrcchtSlchrern und Anhängern >cs Nedanken» der sogenannten Vcrmcnschlichniig des Krieges ^/e ^üinine gegen den Kampf in und aus der Lust erhoben haben, as istmcr diese» Umständen rechtens? Wir habe» uns icncn und grausamen Grnndsav vor 'Augen zu halten, datz völlec- echtiia, alles erlaub, ist, was nicht ausdrücklich verböte» ist. Aber ns kann natürlich nickst heihcu. dah die Luftfahrzeuge nun i» der Betätigung des Willens, dein Feinde möglichst viel Schaden ziizu- o r ut frei und n ii b c h i » d c r » sind. Es müssen nt de» .ustkrieg die eiitsvrcchcndcn völkerrechtlichen Bcslimmungen per den ^and- und Seekrieg augewcndet werden und hier kommt or allem der Artikel 25 des Haager Abkommens betreffend die 'elctze und Gebräuche des Landkrieges vom 18. Juli 1907 in Be­acht mit dem Wortlaut;

jfl untersagt, unverteidigte Städte, Dörfer. Wohnstätten oder Gebäude. mit welchen Mitteln cs auch sei, anzuqrciscii oder zu beschießen."

cr 9'6t sich als erlaubt die Bcschicfiung von b c f e st i a- ' u l a tz c n . und zwar nickst nur der eigentlichen Festunas- erkc. sondern auch der einem uukrfegcrischcu bicbranch dienenden ivaten Eicbäude. Von der Völkerrcchtswisseiischast ist zwar das echt zum Bombardement der von der bürgerlichen Bevölkerung wohnten Stadtteile gelcgcntlich bestritten worden, und zumal die ranzoicn haben 1870 die Beschichnng der innerhalb der Bcfesti- Ü^äencii Wohnstätten als rechtswidrig hingcstcllt. Jroend- eichc .lbkonimen aber gibt es über dielen Punkt nicht. Kein Hccr- hrer wird aus die dcmoralistcrcndc» Wirkungen verzichten ivollcn. ,, -'eichichnng bei den friedlichen Bürgern hcrvorrnft. und 2 Serien von Bomben aus der Lust ist. eine doppelt willkommene des TchlcndcrnS von Gcschoffe» von einem festen »Punkte auherbalb des Fortifikationsgürtels.

deutschen Flieger, die über Paris krcnzcii und durch ihre r i n "eben und Gut der Einwohner bedrohen, verstoßen also »in i- 1 1 keine Bestimmung des Völkerrechts. Zweifelhaft >m <ül r mit ^ein. ob man nicht auch vor ihrer erste» Entsendung rtÄnf. hätte genügen solle», nach dem der Belagerer die zssskeit von der Absicht des Bombciiivcrfcns in Kenntnis t ^'chikombattanten ein sicheres Obdach suchen können. I lätn- .der Verwcndling der Luftschisfe gegen befestigte I f ft 8 m so bleibt »och die Frage, ob sic gegen

Ire unverteidigte Ortschaften ebenfalls

I rtnu». en . kehren dürfen. Ist cs beispielsweise den Deutschen Ir , a üi .doS unbefestigte London Bomben zu iverfen? I eran eine Bestimmung auS dem Haager Abkommen I- c krieg zu erinnern, die auch in unbefestigten Orten

I tchietzung von militärischen Werken. Militär- oder Marine- > gen, Niederlagen von Wasscn ober Kriegsmaterialien, Werk-

Ner j'rricq.

stättcn und Einrichtungen, die für die Bedürfnisic der scindlichcn Flotte oder des Heeres nutzbar gemacht werden können, g e - stattet. Tiefe Klausel ist ohne weiteres für den Luftkrieg an­wendbar. Es kann also nichts daiviücr cingewendct werden, wenn deutsche Flieger gegen militärische Anstalten in London Geschosse richte», ebenso wie ja englische Flieger beispielsweise die Luftschift halle in dem unbefestigten Düsseldorf zu zerstören versucht haben.

Davon abgesehen aber kommt cs daraus an, was unter einer nichtvcrteidlgtcn Stadt verstanden wird. Ist ein Ort. an dem sich zur Zeit des Austauchcns eines Fliegers Militär anshält, als ein verteidigter Ort anzusehen? Wird diese Frage besaht, und nach allem, was wir gerade in diesem Kriege erfahren haben, ist die Wahrscheinlichkeit ihrer Verneinung autzerordentlich gering so schwebt die Gefahr des Bombardements ans der Lust über allem privatem Besitz und über dcni Leben aller friedlichen Bürger.

Tie Beweist!rmrq ist Schwindel!

Die Neue Freie Presse veröffentlicht Mitteilungen eines Portugiesen in hervorragender Stellung. ans denen hervor- geht, daß die Stimmung des portugiesischen Volkes durch­weg friedlich ist und daß nur der Wunsch nach Frieden in Portugal besteht. In Portugal würden die Deutschen sehr geschätzt und geliebt. Tie Behauptung, datz das portugiesische Volk den Krieg gegen Deutschland mit Begeisterung herbci- schne, sei eine st a r k p h a n t a st i s ch c Erfindung. In einer Unterredung mit einem Mitarbeiter der Neuen Freien Presse erklärte ein bekannter Anhänger Ton Miguels von Braganza, Graf A l m c i d a , datz er über die Meldung von der bevorstehenden Kriegserklärung Portugals be­st ü r z t sei. Tie Kläglichkeit eines solchen Beginnens er­scheine ihm unverkennbar: es sei nnniöglicki. auch nur Kombi- nationen darüber anzustellcn, wie dieses Abenteuer Portu- gals enden solle. Er halte d e n K r i c g für ein Un­glück und sei der unerschütterlichen Uebcrzeugnn.g, die von allen wirklichen Patrioten Portugals sicher geteilt werde, datz Portugal sich in dem Weltkriege völlig ruhig verhalten müsse.

Japan gegen die Türkei?

Zürich, 18. Okt. (Etr. Frist.) Tie Rutzkoje Siowo meldet aus Tokio: Japan werde der Türkei eine Note überreichen, daß cs mit ganzer Wehrkraft für Nutz- land und England eintrete. Sie will von amtlicher Seite er- fahren haben, daß der englische Gesandte in Konsiantinopel der Türkei mit Japans Hilfe gedroht habe. Japan soll für seine Bnndeshilfe Deutsch-Ostafrika erhalten.

Tic österreichische» Mörserbatterie».

Von amtlich:» »nliÄrisch-en Stelle» Oesterreichs werden jetzt Mitteilungen über die österreichisch:» Mörserbatterie» gemacht, die von de» deutschen Truppen bei den Jestungskämpsen in Belgien und Frankreich mir großem Ersolg verwendet wurden. Wir entnehmen diesen Mitteilungen folgendes:

Deutschland hafte de» 12-Zcutimcier-Mörscr. Mau wird wohl in der Annahme nicht sehlgehe», datz das im Hinblick aus einen Krieg mit Frankreich gescheh:,, ist. Da dorthin ein hochcnt- ivickeltes Eisen bahn netz führt, konnte ein sehr schweres, nur für den Bahntransport eingerichieles Geschütz gebaut werden: dabei wurde die Langwierigkeit des Montieveu.z in den Kauf genommen.

Ganz anders lagen jedoch die Vcrhältnisie für uns. Stuf Schauplätzen, die für einen Krieg Oesterreich-Ungarns in Betracht kommen, ist das Eisenbahnnetz sehr dünn, und die für einen Angriff in Betracht kommenden Festungen liegen meist weit im Feindes­land, sodatz man Angrisssgelchütze bauen mutzte, die auf jeder Straße fortbewegt werde» können. Ran nahm deswegen zur Fort­bewegung dieser schweren Geschütze Automobile. Die geringe Trag­fähigkeit der Brücke» und Durchlässe und die Vorsorge, daß die Ge­schütze auch über Kricgsbrllckrn gefahren werden sollen, haben daö Höchstgewicht beschränkt. Ilntcrsuchnnge» ergaben, das; c>n Rohr ron 39,5 Zentimeter das größte Kaliber darstellt, das zulässig ist. So entstand der 30 , 5 -Z:ntimctcr-Mörscr, der von den Skodawerk«! in Pilsen gebaut wurde.

Das geringere Kaliber dieses Geschützes mutzte, damit die Wirkung grIßerer Kaliber erreicht iverde. durch Steigerung des Geschotzgcwichis, der Anfangsgeschwindigkeit und damit der Wurs- höhe wettgcmacht werden. Die Versuch: wurden mit zunehmend steigendem Gcschotzgcwicht und steigenderAnfangsgeschwindigkeit durchgcstthrt und es wurden Betonbauten beschossen, die in der Stärke der neuesten Fe st ungs bauten hergestellt waren. Das Er­gebnis war vollständiges Durchschlagen der stärksten Betondecken.

Der S0,ö-Zentimeter-Morser verfeuert Bombe,; im Gewichte von 385 Kilogramm und wird durch einen Motorwagen von 100 Pscrdekrästen aus drei Anhängewagen befördert. Diese Anhänge- wagcn sind fiir die Beförderung des Rohres, der Laset!« und der Bettung eingerichtet. Die sinnreich: Konstruktion des Mörsers er­möglicht eine sehr rasche Monticrmig des Geschützes. Es kan» in 10 bis 50 Minuten nach seiner Ankunft bereits schußbereit sei». Auch das Abmonriercn ist so rasch durchführbar, datz das Geschütz einen Stellungswechsel mit Leichtigkeit durchführe» und im Notfall selbst ohn« Bettung, also beispielsweise ans dem Stratzenkörper selbst schießen kann. Der Mörser findet insolge seines verhältnismäßig geringen Umfanges überall leicht Deckung und stellt daher ein fiir den Feind sehr schwer auffindbares und zu bekämpfendes Ziel dar. Während der 12-Zenckimeler-Mörfcr beim Angriff auf das mit der Bahn leicht erreichbare Lüttich seine Uebcrlcgenhcit zeigte, war cs den 30,5 Zenttmeter-Motorbattcrien Vorbehalten, bei den schwerer

zugänglichen Festungen Givct und 'Manbengc die Arbeit allein z» verrichten. Unmittelbar nach der Ausladung setzte» sich beispiels­weise am 20. ?l»gust zwei Motorbattcricii in Akärich, bewältigten am ersten Tage eilt«, Marsch von 30 Kilometer, am zweiten cine-n von 20 Kilometer 11118 eiösftieteii am dritten Tage gegen die Nord­sorts von Nankiir das Feuer. ?>ack> drei Tage» fällt Nanmrk Hieraus erfolgt kurze Rast, ein weiterer Marsch ron 60 Kilometer, der in drei Tage» beendet ist. und am 29. August beginnt die Feuer» tätigkcit vor Manbengc, die bis zu dessen Fall am 8 . September an» dauert. Hierbei wurden verhältnismäßig wenig Sckiüsic verfeuert."

Ter Kanrpf um Tsingtau.

Toliv, 16. Tkt. (Eir. Bin.) Am 14. Oktober zerstörte nach einer jcipanischen Meldung eine japanische SchiffS- division einen Teil der FortsIltis" undKaiser" von Tsingtau. Gleichzeitig warfen Aeroplanc Bomben. Die Engländer verloren einen Toten »nd zwei Verwundete, die Japaner hatten angeblich keine Verluste.

An Berliner amtlichen Stellen hat man über das Schick­sal Tsingtaus keine Nachricht, aber man weiß zur Genüge, daß die dortige Besatzung sich trotz heldenmütigen Wider­standes auf die Dauer nicht zu halten verniag.

Osiiglische Schiffsvcrlirstc.

Loiido», 18. Okt. (W. B. Nichtamtlich.) Die Zeitungen vom 11. Oktober melden, baß zwei Dampfer aus Abcvbeen, welche mit dem Aussischen von Sceminen befchästigt waren, als vermißt ge- nicldet werden. Man hat von ihnen seit dem i. Oktober nichts mehr gehört. Tic Besatz,mgeii betrugen 21 Mann.

Die britischen DampferHighland Hape",Fndpanr", Ttrathroi," mid.Maple Brauch", die seit einigen Tagen als Übcrsällig gemeldet sind, gelten in England airscheinond als verloren, wenigstens werden Versicherumgen ans sic nicht mehr abgeschloffen. Die Dampfer haben England mit dem Ziel nach Häfen in Nord- und Siidamerita verlassen. Die beiden crstgcnaim- ten sind mit je Lst. 70 000, dieMaple Brauch" mit Lst. 17 000 und drcStrakhrop" mit Lst. 40 000 beivcrlct.Jndrami" undStrah- rvi," scheinen in der Hauptsache Kohlciiladnngen zu haben. Bor ciiiigeit Tagen wurden in engliichen Blattern Besorgnisse wegen Eornish Erft," laut: dieser britische Danipser hat Madeira am

3. Teptcniber verlaffcn, um von Barr»ach Rio mit Kohlen zu gehen.

Diw ist erst der Anfang: Englisch-russische Krosimauligkcit.

Lviidon, 18. Okt. (W. T. B.) Ter niilitärische Mit­arbeiter der Times tritt der Behauptung entgegen, daß Großbritannien nur 600 000 Mann aufstellen könne. Ec schreibt, daß bereits t A>0 000 Mann unter den Fahnen stehen. Tie neuen Rekruten meldeten sich so zahlreich, daß es für die Leitung schwierig sei, Schritt zu halten. ES besändcir sich nunmehr 100 000 Manu indische »nd kanadische Truppen in Europa. Diese Mannschaften und diejenigen, welche nun in den Kolonien ausgebildct werden, seien nur der Kern, aus dem die anderen aufgebaut werden könnten. Großbritannien hat einen Teil seiner Avant-Garde nach Frankreich gesandt, der Rest werde ini Laufe des Frühjahrs solgcn, die Haupt- slürke Ende 1915. Man habekeinc Eile. Insolge des großen Andranges der Freiwilligen hätten die körperlichen Ansordcriingen höher geschraubt werden müssen, als sic irgendwo in Europa seien, andernfalls wäre Kitchencr von dem Zustrom der Freiwilligen überwältigt worden.

Kopenhagen, 18. Okt. Das Reuterbureau meldet auS Petersburg: Erst jetzt beginnt der wirkliche Kampf. Die Kämpfe in Galizien und Ostpreußen sind nur Proben da­von gewesen, wie schwer die Russen zu schlagen sind. Der Rückzug zur Weichsel ist befriedigend verlaufen und der An­fang zu einem schon vorher genau ausgedachtcn Plan. Wären die russischen Truppen in ihren ehemaligen Stellungen ge­blieben und hätten sie die Ankunft der Deutschen abge- wartct, so würde der Feind den Vorteil epzielt haben, daß er den Kampfplatz bestimmen könnte, während die Russen in ihren jetzigen Stellungen den Feind zum Kamps zwingen, wo sie es wollen. Tamit ist auch die Erklärung gegeben, weshalb nian den Feind den halben Teil von Polen hat okku­pieren lassen.

Gesienseitige englisch-rusfische Vorwürfe. Rttsiiand enttättscht drc Eirpländer.

Der Lsiniichestcr 6 -uardian übt an dem militärischen Verhalte» Rußlands hcftiq Kritik. Statt datz man den deutschen Widerstand durch fortdauernde Ucbcrslntniia mit groben Truppen,affen zu er- schöpscn suche und einen unaufhörlichen Druck auf die Grenzen aus- iibc, gehe es in, Osten schlechter als im Westen. Im Augenblick seien die russischen Truppen weniger vorangckommen (das heißt: niehr zurückgcwichcni als in, ersten Monat. Die t'licderlagc von Tanuciiberg sei ärger als die von Mukden, da die Ruffen bei Tanne,iberg allein an Gefangenen soviel verloren hälicn wie bei SNukden insgesamt. Dann seien die Niederlage» von Insterburg und Lyck erfolgt. Przcnins! habe ivieder srelgcgebc» werden inllffcn. in den Karpathen seien die Kosaken zuriickgetricbcu worden und Lemberg sei, wenn auch noch nicht wieder verloren, so doch bedroht.