Ausgabe 
16.10.1914
 
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fiiUcr Gelchrienqrbcit und lautem Tagcskampf liegt die große innere Schwierigkeit, mit der die Verbreitung und Weiterbildung dieser großen politischen Theorie zu rechnen liat. Heilsam und nützlich bleibt es aber auf alle Fälle, wenn W ir uns angesichts der Notwendigkeiten, die uns der tägliche Kampf aufürängt, auch der tiefen Zusammenhänge und der großen geschichtlichen Entwicklungslinien bewußt bleiben, l>-.e uns das wissenschaftliche System des Marxismus ausge­zeigt hat. Hier hat Genosse Kautsky seines Amtes als Lehrer und Mahner gewaltet, auch als temperamentvoller Streiter gegen Auffassungen, die er für die Arbeiterbewegung ver­derblich hielt. Für diese Arbeit gebührt ihm der Tank der Partei.

Der 60. Geburtstag dieses Lehrers und Kämpfers fällt in eine Zeit, die schwanger an Unheil ist, aber auch an größten Aufgaben und Hoffnungen. Mehr denn je wird unsere Be- wcaung nach Beendigung des schrecklichen Krieges tüchtiger Kräfte und erfahrener Berater bedürfen. Und daruni freuen wir uns wenn das WSrt Freude in solcher Zeit erlaubt ist den Genossen Kautsky in voller Schaffenskraft unter uns zu sehen. Was wir ihm wünschen, wünschen wir uns allen: daß er den Sieg der Sache erleben möge, der er leine ganze Kraft geweiht hat!

Vermiet."

Das ist ein hartes Wort und schmerzlich für die, die cs in den Verlustlisten hinter dem Namen eines Angehörige»,finden. Zwar kehren die meisten der Vermißten, die aus irgend einer Ursache von ihrem Truppenteil versprengt worden sind, teils bald wieder zurück, teils sind sic, wenn verwundet, in ein Lazarett aufgenommen wor­den. Ein Teil aber ist in Gefangenschaft geraten und nicht imstande, den Angehörigen ein Lebenszeichen zu geben. Ta tritt die kürzlich gegründete Agentur für Kriegsgefangene beim Internationalen Ausschuß des RotcnKreuzcs in Gens helfend ein. An diese also sind ausführlich gehaltene Anfragen über den Verbleib von Ver­mißten zu richten: Briefe sind mit 20 Psg., starten mit 1» Pfg. frei zu machen. Ter Ausschuß »ermittelt auch den brieflichen Verkehr der Gefangenen, deren Verweisungsort er ausfindig gemacht hat, mit den Angehörigen.

Bei der großen Zahl der Gefangenen in Deutschland allein sind es über 300 000 Mann dauert es sehr lange, bis die Listen dem Ausschusic zugehen, so daß er die Antragsteller bitten muß, trotz ihrer begreiflichen Beängstigung (Geduld zu üben und über­zeugt zu sein, daß er das Menschenmögliche tut, um die begehrte Auskunft möglichst rasch zu erteilen.

Höchstpreise für Getreide, Mehl und Brot.

Die Höchstpreise für Getreide und Müllereiprodukte konimen, bloß wann sie komnien, das weiß man nicht. Ende der letzten Woche hieß es, sie ivärenAnfang dieser zu erwarten, als Ergebnis der Beratungen, die im preußischen Landwirt- schaftsministcrium stattgefunden haben. Jetzt wird vermutet, daß sie erst nach der Rückkehr des Staatssekretärs Delbrück aus dem Hauptquartier und aus Belgien erlassen werden sollen, also frühestens Mitte Oktober. Inzwischen haben die badische und die sächsische Regierung beim Reichsamt des Innern beantragt, daß man der Festsetzung von Höchstpreisen m ö g l i ch st schnell näher treten möge.

Schnelles Handeln ist nötig, denn je länger der entschei- Lende Beschluß hinausgcschoben wird, desto größer werden die Schwierigkeiten. Da die Preise fortgesetzt steigen, so be- deutet spätere Festsetzung entweder höhere Festsetzung oder aber eine bedeutende Schädigung von Privatintcrcssen. zu der man sich nicht so leicht entschließen wird. Wenn einem Händler zugemutct wird, Getreide billiger zu verkaufen, als er es gekauft hat, wenn der Müller Mehl zu Preisen hcrgcben soll, die hinter dem Gctrcidcpreis plus den eigenen Geschäfts­kosten Zurückbleiben, so ist das eine kleine oder unter Um­ständen auch große Expropriation. Selbstverständlich dark man vor einer solchen Schädigung von Privatinteresscn nicht zurückschrccken, wo es sich um eine Existenzfrage des ganzen Lölkes handelt. Aber je größer dieser Kreis von Privat- intcressenten wird und je größer der Schaden wird, der ihm aus einer angemessenen, für die Allgemeinheit erträglichen Preisfestsetzung erwachsen würde, desto 'stärker wird die Neigung sein, die Höchstpreise hinaufzuschraubcn. Höchst­preise haben aber die Neigung, Normalpreise zu werden. Das wissen die Vertreter der Landwirtschaft, die für die Fest­setzung von Höchstpreisen eintretcn, und alle ihre bisherigen Erfahrungen berechtigen sic zu dem Vertrauen, daß die Höchst- oder Normalpreise in einer Höhe festgesetzt werden, die ihnen noch ein ganz einträgliches Geschäft sichert. Darum drängen die Vertreter der Landwirtschaft selbst nach einer möglichst schnellen Lösung der brennenden Frage.

Tie verbrauchenden Massen werden sich damit abfinden müssen, daß sje für ihr tägliches Brot verhältnismäßig hohe Preise zu zahlen haben werden. Sie dürfen aber Beruhigung darüber verlangen, daß man sic nicht zu Opfern einer fort­gesetzten Preistreiberei niachen wird. Erst wenn die Höchst­preise für Getreide und Mehl festgesetzt sind, wird man dazu übergehen, auch die Höchstpreise für Brot in den einzelnen Gemeinden zu normieren. Tie Verbraucher werden dann mit diesen Preisen schlecht und recht zu rechnen haben, sie werden aber wenigstens wissen, daß während des Krieges die Preisschraube nickst noch öfter angcseht werden soll.

Eine möglichst schnelle Entscheidung liegt also im Interesse aller Beteiligten, und erst beim Inhalt des bevor­stehenden Entschlusses liegt der Interessengegensatz. Es muß zugegeben werden, daß der Versuch, diesen Gegensatz in ge- rechter Weise auszugleichen, für die zuständigen Stellen ein' ickstvierige Frage ist. Handelt cs sich doch auf der Seite der Produzenten nicht bloß um einige Große, die eine geschüft- liche Schädigung ruhig ertragen könnten, sondern auch um eine große Anzahl kleiner und kleinster Existenzen. Auf der anderen Seite sind möglichst billige Brotpreisc während bei Kriegzzoit von so ungeheurer Bedeutung, ist das zahlcn- wäßige Ucbcrwiegcn der Vcrbrauchcrintcressen so stark, daß es besser ist, die durch Festsetzung bescheidener Höchstpreise ge­troffenen kleineren Eristenzen auf andere Weise zu entschädi­gen, statt ihrem Schutze der Allgemeinheit unerträgliche ajfcn aufzuerlegen.

. Die Höchstpreise dürfen sticht dazu führen, daß sich eine kleine Minderheit auf Kosten der verbrauchenden Volks- wasscn bereichert. Darum dürfen sie nicht zu hoch angesetzt

werden. Wir möchten in diesem Zusammenhang auch auf unseren Vorschlag zurückkomnien, daß der gesamte während der Kriegszcit erzielte und durch das Bcsitzsteucrgesctz von 1913 feststellbare Vcrmögcnszuwachs an das Reich zuriick- crstattct werden soll. Die kleinen Landwirte, Müller und Bäcker, die aus ihrer Tätigkeit ein reines Arbeitseinkommen beziehen, werden durch diese Maßregel nicht getroffen. Tie Großen aber werden kein Interesse daran haben, Brotwucher zu treiben, wenn sie den dadurch erzielten Vermögenszuwachs wieder herauszahlen müssen. Tie vorgeschlagene Maßregel ist also auch ei» zweckmäßiges Mittel, allen zurzeit doppelt gefährlichen Preisüberhaltungen aus dem Lebensmittelmnrkt vorzubcngen.

Eine zeitgemäße Warnung.

Der stellvertretende kommandierende General des 7. Armee­korps macht bekannt:

ES ist mir ein Erlast des Gouverneurs von Metz zur Kenntnis gekommen, den ich feiner Bedeutung wegen in der Hauptsache wicderzugebcu mich veranlaßt sehe. Das Gouvernement hat in Erfahrung gebracht, daß einzelne Geschäftshäuser verabredet haben, während der Kriegszcit ihren Angestellten, die sic weiter beschäf­tigen, nur die Hälfte des bisherigen Gehalts zu zahlen und daß die Angestellten sich i ihrer Notlage diesen Bedingungen haben fügen müssen. Abgesehen davon, daß das ganze Verhalten dieser Firmen ungesetzlich ist, werden dieselben darauf aufmerksam ge­macht, baß. falls die Angestellten nicht ihr volles Gehalt, und zwar auch für die vcrfloffcnc Zeit, ansbezahlt erhalten, der gesamte Güterverkehr für die in Frage kommenden Geschäfte unter Vor­behalt weiterer Maßnahme» gesperrt wird.

Auch mir sind in der letzten Zeit aus den Kreisen kaufmännischer Angestellter vielfach Klagen über ein ähnliches Verhalten von Firmen zu Ohren gekommen. Wenn ich dieses Verfahre» auch aufs entschiedenste verurteile, so habe ich bislang doch nicht verall­gemeinern wolle» und mich deshalb nicht entschließen können, eine ähnliche Strafbestimmung zu erlaßen, vielmehr habe ich in allen Fällen durch gütliche Verhandlungen ein Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmer» zu erzielen versucht und säst immer auch erreicht. Diesen Weg bin ich deshalb gegangen, weil ich nicht bloß der unzweifelhaft vorhandenen schwierigen Lage der Arbeitgeber Rechnung tragen wollte, sondern weil ich der lleber- zeugung bin, daß die meisten Arbeitgeber die Interessen ihrer An­gestellten als ihre eigenen ansehen und es deshalb für ihre Pflicht erachten, die durch den Krieg hcrvorgcrnfene Notlage gcnicinsam mit ihnen zu trage». Fch gebe der Hoffnung Ausdruck, daß die Arbeitgeber auch für die Folge nach Möglichkeit in diesem Sinne handeln werden.

y. Was geht aus Grube Fernic vor? Aus Bcrqarbeitcr- kreisen schreibt man uns: Sind in diesen unheilvollen Zeiten viele Unternehmer infolge der Umstände gezwungen, die Ar­beitszeit herabzusetzen, Arbeitcrentlassungcn vorzunehmen und auch vielleicht die Löhne herabzusetzen und demzufolge sich mit weniger Profit zu begnügen, so stehen diesem aber auch solche entgegen, welche die augenblickliche Lage benutzen, ihrSchäfchen" zu scheeren. Es ist leider eine bedauerns­werte Tatsache, daß das deutsche Volk sich in diesen Zeiten, wo jeder sein möglichstes für das Vaterland tut, von solchen Leuten schröpfen lassen muß. Eine solche Handlungsweise ist gewiß nicht als schön zu bezeichnen. Selbst die Bergwerks- Zeitung sah sich gezwungen, gegen eine ungerechtfertigte Lohnreduzierung Stellung zu nehmen und davor zu warnen. Eine Schröpfung der Arbeiter wird auch von der Gießener Grube Fernic berichtet und zwar für den ganzen unterirdi­schen Betrieb. Standen die Löhne schon vor den K'riegszeiten nicht hoch, so hat sie die Werksverwaltung im Laufe des Vor- inonates um 3040 Pfg. pro Schicht heruntergesetzt. Aus welchem Grunde diese Herabsetzung vorgenommen wurde, ent­zieht sich unserer Kenntnis; eins siebt aber fest, die Produkte, welche Fernic fördert, haben augenblicklich und auch für die Zukunft schlankweg Absatz. Auch sind dieselben nicht etwa im Preise gefallen, sondern das Gegenteil wird eher der Fall sein. Was mag nun die Triebfeder dieser Handlung gewesen sein? Vielleicht trifft es zu, wenn wir vermuten, daß die Ge­werkschaft einen Ersatz sucht und auch gefunden hat, um auf diese Weise wieder zu den Geldern zu kommen, welche sie auslegt, um die eiubcrufenc» Bergarbeiter in die Kriegsver­sicherung einzukaufen. Wer nicht eine moralische Verpflichtung fühlt, etwas zu tun in dieser Zeit, kann ja leider nicht ge- zwungcn werden; ein Beispiel sollten sich aber gewisse Leute nehmen an solchen Werken, die nicht nur die Einberufenen in die Versicherung einkaufen, sondern auch noch die Frauen in wcitgxhcnster Weise unterstützen. Wie Figura aber zeigt, treibt man in diesem Falle auf anderer Leute Kosten einen schwunghaften Patriotismus.

Im hessischen Staatsschuldbuch sind in den Monaten Juli bis September d. I. weitere 8 729 500 Mark einge­tragen worden und die gesamte Buchschuld stellt sich vom 1. Oktöbcr d. I. auf 100 156 700 Mark. Hieran sind be- tciligt Private mit 28 825 700 Mk., Handelsfirmen mit ! 812 800 Mk., Gesellschaften und rechtsfähige Vcrmögcns- massen mit 49 439 400 Mk. und nichtrechtsfühige Vermögens- Massen mit 20 078 800 Mk. Näheres ist aus dem amtlichen Merkblatt, das unentgeltlich bei allen Behörden sowie bei den Bürgermeistereien und Postbchörden erhoben werden kann, zu ersehen. In der gegenwärtigen Kriegszeit bietet die Verpfändung einer Schnldbuchforderung bei den neu- gegründeten Tarlehnskassen die einfachste und bequemste Ge- lcgcnheit, sich vorübergehend benötigte Geldmittel zu ver- schaffen, ohne zu dem allerdings augenblicklich schwierigen und mit erheblichen Verlusten verbundenen Verkauf von Schuldverschreibungen zu schreiten. Außerdem stellt die Schuldverschreibung die sicherste und billigste Form der Aus- bcwahrung von Vcrmögenstcilen dar, die in hessischen Staatsschuldverschrcibungen angelegt sind.

Gefallene des Gießener Regiments. AIS gefallen werden weiter vom Infanterie-Regiment Nr. 116 bekannt am 26. Septem­ber: tlnoff. d. R. Heinz Tchcpp, Lehrer aus Gießen; am 22. Ang.: Gcfr. d. R. Karl Loos, aus Gießen; am 27. Tept. Vtzcscldw. O. Ludwig, aus Langsdorf; am 17. Tept.: Untoff. d. R. Dr. phil. Paul R ö l l« r , Lchramtsveferendar, aus Gießen.

Gefallene aus Obcrhcsic» und Nachbargebictcu. Wehrniaun Karl E r m e l, aus Hopfgarten, Kr. Alsfeld, Landivchr-Jns.-Rcq. Nr. 81. Ottomar C zaudern aus Braunfels, Juf.-Rcg. Nr. 81. Am 27. Sept.: Untoff. Wilh. Stroh, aus Wißmar, Fnf.- Rcg. Nr. 81.

Georg Volk gestorben. Georg Volk ist am Dienstagabend nach länaerem Leide» gestorben. I» ihm verliert das VolkSbildungS-

ivcfen im Rhein-Main-Gebiet feinen Gründer und hervorragend­sten Förderer. Georg Volk wurde am 26. April 1862 in Kirch- Brombach im Odenwald geboren. Er besuchte das Lehrerseminar zu Bensheim und wirkte dann 25 Fahre als Lehrer in L f f c n » b a ch. Hier entfaltete er auf dem 6!cbietc der BolkSbilbungSarbeit eine außerordentlich segensreiche und vorbildliche Tätigkeit. Die Gründung der Ttadtbücherei und des Ausschusses für Volk^vor- lcfungen find Volks Werke. 1904 gründete er in Gemeinschaft mit andere» VolkSfreunbe» den Rhcin-Mainischcn Verband für Volks­bildung, etliche Fahre später als erstes feiner Art in Deutschland das Rhein-Mainifche Verbandstheater. Dann ries er mit Lic. Fuchs die Bolksakademic zu Rüflelshcim ins Leben, und schließlich ver­anstaltete Georg Volk die sogenannten Volkstage, die sich weithin des größte» Zuspruchs erfreute». Leit zehn Fahren stand Volt vollständig im Dienste des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung, den, er in mehr als 400 Ortschaften Hessens, Nassaus, KurhesicnS und der Pfalz Eingang und Heimatrecht verschaffte. Volk war eine glänzende organisatorische Kraft, den, alles, was er anpacktc, gelang, wozu freilich eine fcsiclndc Bcredtfamkeit, die die Herzen war», machte, sich gesellte. Obgleich Volk den größten Teil seines Lebens in der Großstadt zubrachte, vergaß er seine Heimat, den Odenwald, doch niemals. Seine Gedichte in Odcn- wäldcr Mundart sind heute Gemeingut des HcsscnvolkeS und sein prächtiges WerkDer Odenwald" gilt als eine» der besten volks­kundlichen Bücher. Das deutsche Volksbildungswesen verliert in Georg Volk einen seiner hervorragendsten Förderer, das Hcsicn- land einen seiner besten Söhne. Die letzten LebcnSmonaic wurden Volk durch die bekannten Vorgänge im Ausschuß für Volksvor» lesungen verbittert.

Nutzen der Bolkssürsorge. Die 45jährige Bürsten- und Pinsel«rbeiteri» H. in Hilbersdorf bei Freiberg (Sachsen) ver­sicherte bei der Volksfürsovge in Hamburg am 15. Oktober nach Taris III l«er einer 10 Fahre zu zahlenden Halbinvnatsprä>»ic von 40 Psg. eine beim Tod: oder spätestens im 65. Lebensjahre fällige Versicherungssumme voti> 88 Ndark. Tic Versichert« starb am 22. Juli 1014 an einer im Beruf entstandenen M i l z t> ra n d v c r - giftung. Die VoWfüvforge erkannte dies: Todesursache ent­sprechend den Entscheidungen der bei der Unfallversicherung in Frage kommendeu Instanzen als Unfall an und zahlte an die Hinter­bliebenen Kinder die fällige VersichcrnngSsumme im Betrage von 86 Mark ans. An Prämien sind 7,26 Mk. bezahlt worden. Der 33 Fahre alte Maschinist F. Sch. in Ludwigs Hafen versicherte am 15. Dezember 1013 gegen eine HatbNronatSpräini« von 2 Mark eine spätestens nach 2» Fahre» fällige Versicherungssumme von 760 Mk. aus Grund des Tarifs kl. An, 11. August 1914 ertrank der Versicherte in der Alb bei Waldshut (Rhein), Die VolkSfür- sorge erkannt: den Tod als durch Unfall erfolgt au und zahlte der Witwe die fällige Vcrsichevungssumme im Betrage von 738 Mark Es. Au Prämien sind 26 Mark bezahlt worden.

Von der Post. Von den Beschränkungen im Postverkehr inner­halb Deutschlands bröckelt erfreulick^rweiie ein Stück um das andere ab. Rach einer Verfügung des Rcichspostantts iverdcn Privatpatetc nach den Grenzgebieten in Elsaß-Lothringen »sw. mit Ausnahme der int Elsaß gelegenen Kreise Altkirch, Mülhausen, Thann, .Gebweller und Kolmar wieder angenommen. Bricsliche Miitcilungcn dürfen aber diese Pakete außer Rechnungen und ofscncn ans den Paketinhalt sich beziehenden Schriftstücken nicht enthalten. Noch immer zu ivenig bekgnn! ist die Vorschrist, daß die Briefe nach dem Ausland sclnschließllch Oesterreich-Ungarn) imb den doutscheii Schutzgebiete» zivar in fremder Sprache aber mir offen versandt werden dürfen.

Vom Knriossclmarktc. Am letzten Markttage, am Dienstag, lvare» wiederum keine Kartosselveriäuscr oder doch nur vereinzelte auf dein Wochenmarkte zu sehen. Von den Landwirten wird mit dem Verkauf zurückgchaltcn, um die Preise in die Höhe zu treiben, was sic in jetziger Zeit jedenfalls als ganz besonders patriotisch an­sehen. Di: Kartoffelernte ist so reichlich ansgesall:», daß wirklich ein mäßiger Preis gestellt ivcrden könnte; mit höchstens 2.002.50 Mark wäre der Zentner (bei Bezug für den Winterbcdarf des Haushalts) jedenfalls gut bezahlt. Mehr ist in früheren Fahren bei gleichen Evnte-Bcrhältnisic» nie verlangt wvrdcn. Der städtische Kartosscloerkauf in der Schule in der Neustadt wird sehr stark in Anspruch genommen. Wie wir Hüven, beabsichtigt die Stadt noch größere Mengen zu kaufen und in gleicher Weise abzugebcn. Man wird einer solchen Maßnahmen unbedingt zustmimen müssem, die Stadt l>at zwetsellos die Ausgabe, die Eruähruitg ihrer Einwohner­schaft sichcrzustcllcn. Dadurch werden allerdings einig: Geschästs- lcnic in Nachteil gebracht, aber das Verhalten der Landwirte zwingt die Stadt zu diesem Vorgehen,

Von der Bäckerei des Ko»silmvcrei»s wurden im vcrsloffc- nen Geschäftsjahre, wie ans dem Jahresberichte zu entnehme» ist, nicht weniger als 213 541 Laibe Brot (zu 4 und 2 Pfund) und 1 153 758 Brötchen hergcstellt. Außerdem noch für 3541 Mark ver­schiedene Kuchen. A» Material zur Herstelluug dieser Backwaren ivar n. a. erforderlich: 6910 Ztr. Mehl, 2817 Pid. Hcse, 110 Ztr. Salz, 19 000 Llr. Milch, 615 P>d. Butter, 5650 Psd. Schmal,, 2600 Pfund Zucker, 1069 Eier ufw. Die Heizung der zwei Doppel-Dan,pf- bachöse» erforderte 3200 Zentner Briketts. Beschäftigt waren ein Backmeistcr und 5 Bäcker, 6 BrölchcnauSträgcrinucn und 1 Ein- kassiererin. Arbeitszeit und Löhne der Bäcker sind tariflich ge­regelt,

Keine briefliche Auskunft über Verlustlisten. Der Reichs-

aitzeigcr vcröffentlicht eins Bekanntmachung, in der darauf hinge- wieien wird, daß briefliche An fragen vom ZcittralnachwciS- bnrcau nicht beantwortet irerd:» können. Aufklärung wün­schende Personen, auch diejenigen, die über Kriegsgefangene Aus­kunft haben möchten, werden ersucht, hierzu die auf jeder Post­anstalt erhältlichen Rosa-Karte» zu benutzen. Etwaig: An­fragen wegen des Fnhalts der Verlustlisten kaum nur das Zen­tral - R a ch io c i S b u e a u des K r i egSm i u i ster > um s,

Berlin NW 7, Dorothecnstraß: 48, beantworten. Wünsch: bc- treifend den Bezug der Verlustlisten sind lediglich an di: zuständigen Postämter zu richten.

Vom Ttadttheatcr. Das Ergebnis des Abonnements ent­spricht iusowclt den Erwartung:», daß die Spielzeit ab 1. Novem­ber mit den zwei Aboiinemeittstagen Dienstag und Freitag nuu- mehr gesichert ist. Fmmerhin ist eine weitere Stärkung des Abonne- inents dringend wünschenswert. und darum fei wiederholt daraus hinglivieien, daß neue Anmeldungen in der Musikalienhandlung von C. Ehallier im Ncuenweg «ittgegengcnommeii werden.

Wegen gngebliätcr Plünderung von Leichen auf dem Tchlaed!- fclde wurden gestern sriih mehrere Leute aus dem Gießener Bahn- Hofe verhaftet und ins Untersuchungsgefängnis gebracht. Fn ihrem Besitz hätten sich Gegenstände befunden, wodurch sic in den Verdacht geraten wären. Die Leut: hatten einen Hafertransport nach dom Schlachtscld« gebracht und sollen sich verschiedene Andenken »tttge- nomincn haben.

E!» alter Sünder. Bor der Gießener Strafkammer batte sich am Dienstag der 60 Fahre alte Taglöhner Foh. Nicß ans Bell­muth zu verantworten. Er hat sich wiederholt gegen den Para­graph 176,3 des Strafgesetzbuchs vergangen, weswegen er schon öfter vorbestraft ist Das Gericht verurteilte ihn zu 3 Jahren Zuchthaus und Verlust der Ehrenrechte aus 5 Fahre.

Rechtskräftig geworden ist das Todesurteil gegen den Raub­mörder, Brandstister usw. PH. Flor sch aus Hosixim, der sort- gcsctzt ein kaltblütiges Verhalten zur Schau trägt und auf den das Urteil bisher auch nicht den allergeringsten Eindruck gemacht bat. Er ist entschiede» gegen jede Revision des Urteils und will lieber, wie er auch ,'chon seinem Verteidiger mitteiltc, das Henker­beil spüren, als lebenslänglich ins Zuchtlzans. Trotzdem wird den gesetzlichen Bestimmungen gemäß das Urteil dom Landesherr» vor- gclcgt werden, der !e nach dem Bericht des Justizministeriums und der Staatsanwaltschaft von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch machen, oder dem Gesetz seinen Lauf lassen kau«.