Ausgabe 
15.10.1914
 
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Holländische Berichte.

Tie Nieuws berichtet aus Ostende vom Montag und Dienstag, das; die Deutschen sich auf drei Wegen der K ü st e nähern, von Wern (nördlich von Lille) über Dizinuiden, von Courtrai über Thonrout und von Eecloo über Brügge.

Ueber die Gefechte in Belgien wird in den holländischen Blättern berichtet, daß sie sich zwischen Eecloo und Gent ab- spielcn, nämlich bei Somergcm, ferner, dah die Deutschen bereits von da aus weitergezogen sind bis Maldeghem. Sic haben die Brücke bei Stroobrügge an der holländischen Grenze besetzt. Zspern ist vollständig von den Deutsch c u u »> schlo s s c n. Das Nieuws van den Tag meldet noch, dah die Deutschen gestern abend die Grenz- station E s s ch e n besetzt haben und dah sie einen Kom­missär nach Roscndaal geschickt haben, um mit dein StationS- konimandanten den Verkehr über die Grenze zu regeln. Auch Assenede ist besetzt. Aus allen hier eingclnufenen aller­dings ziemlich unvollständigen Berichten ist zu ersehen, dah der Vormarsch nach der Küste geregelt und s y st e m a - tisch seinen Weg niniiut.

Der Bericht von der Uebersiedelung der Regierung nach Havre hat einen tiefen Eindruck in Belgien geniacht.

Nieuws van den Dag meldet aus Sclzaete vom 13. Otto- ber: Tie gestern hier eingetroffenen Deutschen stellten die von den Belgiern zerstörte Brücke her. Landwehrtruppen waren morgens damit beschäftigt, westlich von Selzaetc Lauf­gräben auszuwcrfen. Einige Bahngelcise waren zerstört, die Telegraphen- und Telephonapparate sind von; Bahnhof weggcnommen, in der Richtung auf S e e b r ü g g e ist an- scheinend ein Gefecht im Gange; den ganzen Vormittag über lvar von dort Kanonendonner vernehmbar.

Der militärische Mitarbeiter des Nieuwe Rottcrdcnnsche Courant äuhert sich wie folgt über die Lage: Mit der Absicht der Verbündeten, den deutschen Flügel zu umgehen, ist es nun aus. Ta die Deutschen ihren Vormarsch längs der Küste

sortsctzen können, laufen die Verbündeten Gefahr, in Nord­frankreich in eine schwierige Lage zu geraten.

Die Lage ist fast verzweifelt!

Die Berichte der englischen Blätter über die Lage in Nordfrankreich sind kleinlaut. Daily Mail gibt zu, dah am Donnerstag die Lage fast verzweifelt war und Alles verloren fei, wenn es den iin Dreieck Touai-Bethune- Arras aufgestellten Deutschen gelinge, bei Lens durchzn- orechen.

Die französische Presse stickst zwar die Bedeutung der ver­blüffend rasch bewirkten Besetzung von Lille durch die Deut- scheu zu verkleinern, muh aber zugestehen, dah die hervor­ragende deutsche Manövericrkunst den französischen linken Flügel vor eine neue, höchst schwierige Aufgabe stellt, die voraussichtlich erbitterte Känipfe zwischen Arras und Albert sowie bei Hazebrouk bedingt. Von den französischen Schlackst- feldern wird der Tod von drei bekannten Radfahrern, Pou- lain, Lapeze und Trousselicr gemeldet.

Phrasenhelden.

Der Temps bemerkt zur Verlegung ber belgischen Regierung nach Havre: Belgien könne aus den bedingungslosen Schutz strank- rcichs rechnen. Die Verbündeten würden die Waffen nicht nicder- Icgen, ehe der König im Triumph nach der Hauptstadt zurückgefiihrt worden sei.

Der polmsch-aalizische Feldzug.

Wien, 14. Olt. <W. B. Nichtamtlich.) Vom 14. Olr. mittags wird amtlich vcrlantbnrt: In der Linie Sturv-Snm- bor-Mcdyka sind befestigte Stellungen des Feindes, die un serc Truppen angreiscu. Diese Kämpfe nehmen au Ausdeh­nung zu. In den Karpathen nahmen wir Toronhn »ach vier tägigen erfolgreichen Kämpfen und verfolgten die Russen gegen WySkow. Kleinere erfolgreiche Gefechte mit zurück gehendcn feindlichen Abteilungen fanden auch im Viffo Tale statt. Ter Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfcr, Generalmajor.

Mailand, 14. Okt. (Ctr. Jrkst.) Secolo berichtet (nach der

Flankst. Ztg.) in einem Telegramm aus Petersburg: Eine arohc schlackst tobt auf dem linken Weichselufer auf einer 200 Kilometer langen Front von Sandomir bis 100 Kilo­meter siidlich von Warschau. Tie Russen schützen die deut- schen Kräfte ziemlich hoch und hoffen, dah sie den Deutschen die Straße auf Warschau sperren können. Andere Kritiker meinen, cs sei ein guter Plan, die Deutschen möglichst weit von der Basis abzulocken, sic von Galizien und von Nord­polen her in den Flanken anzugreifen. doch macht man auch starke politische Gründe geltend, die für eine Verteidigung Warschaus sprechen. Oberst Schuiusky, ein angesehener Militärkritiker, meint, daß die Deutschen am. Njeincn nicht nur eine Demonstration machen, sondern die Linie forcieren wollten. (Das haben die Schlauberger also auch schon ge­merkt?)

Ter Untergang derPallada".

Die Wiener Blätter besprechen den tlntergang des russischen KreuzersPallada" und widme» der neuen deutschen Heldentat herzliche Worte. Das Reue Wiener Tagblatt meint, der Verlust eines ihrer schönsten Kreuzer ivcrdc auf die baltische Flotte jetzt noch lähmender einwirkcn. Immer inehr zeige es sich, dass die deutsche Wehrmacht in ihren Belagerungsgeschützen, Zeppelinen und Unterseebooten Angrisfswaffe» besitze, denen die zu Beginn des Krieges so selbstbewußten Mächte nichts Ebenbürtiges cntgegenzustellcn haben.

Der Petersburger Korrespondent der Morningpost schreibt über den Untergang des PanzerkreuzersPallada": Der Panzer­kreuzerBajan", der mit derPallada" zusammen war, hat genau die gegebene» Anordnungen cingchalten. Er versuchte nicht, der Pallada" zu Hilfe zu kommen, um nicht auch das Ziel von Torpedos des Unterseebootes zu werden. DerBajan", der damit dem Schicksal der drei britische» Kreuzer in der Nordsee cntgangeu ist, befindet sich, soweit bekannt, in Sicherheit.

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen.

Verlag von Krumm & Cie., Kietzen.

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