Ausgabe 
15.10.1914
 
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Ankunft der Deutschen hin. Tie wohlhabenden Familien haben bereits ihr Gepäck nach Holland gesandt. Nach Mel­dungen aus Oostburg hat man dort am Sonntag und Mon- tag Schüsse aus der Richtung von Ostende gehört. Man glaubt allgemein, datz zwischen Brügge und Ostende heftige Lämpfe im Gange sind.

Die Situation in Antwerpen.

Die Verhandlungen zwischen der holländisck)cn Regier- ung und der deutschen Verwaltung von Antwerpen haben einen befriedigenden Erfolg zu verzeichnen. Die holländische Regierung wird nunmehr das Nötige zur baldigen Rück- beförderung der belgischen Flüchtlinge unter ihrer Auf- sicht veranlassen.

Wie dem Berliner Tageblatt aus Antwerpen berichtet wird, ging der Wechsel vom belgischen zum deutschen Regi­ment schneller und leichter und viel ruhiger vor sich, als man gefürchtet hatte. Die Bevölkerung ist den Deutschen freund- lich (?) gesinnt.

Bei einer Wiener Juwclenfirma traf ein Telegramni ein, des Inhalts, daß die Safes in der Antwcrpcncr Tia- mantenbörse und im Tiamantenklub ganz intakt seien und daß niemand für seinen Besitz zu fürchten brauche.

Pessimismus in England.

Ter Londoner Korrespondent des Nieuwe Rotterdomschc Courant schreibt, datz man in den Londoner Klubs sehr pessimistisch über die Kriegslage in Belgien und Frankreich zu sprechen beginne. Man sei allmählich von der gewaltigen Wehrkraft Deutschlands überzeugt. Ter Optimismus, der sich noch vor einigen Tagen bemerkbar gemacht habe, sei ver­schwunden. Antwerpen sei eben sür die Engländer mehr, als ei» bloßer Name. Die Deutschen in einer großen Hafenstadt gegenüber der englischen Küste bedeute eine P i st o l c auf die B r u st der Engländer. 'Man beginne auch, die französischen osfiziellen Berichte anzuzweiscln. Das Zuriickwcichcn der verbündeten Truppen in Nordsrankrcich beweise, daß deren Kräfte in Nord- srankrcich doch nicht so groß sind, als sie von dem französischen Gcneralstab angegeben werden. Man befürchtet, daß die deutschen Verstärkungen aus Belgien den in Nordfrankreich kämpfende» sranzöstschc» Flügel umzingeln werden und kritisiert den französi­sche» Generalstab, der bisher noch keine Entscheidung bringen konnte.

Die Zeppelinangst in England.

W. 15. London, 13. Okt. (Nichtamtlich.) Tie Time? beschäftigen sich in cineni Leitartikel mit einem eventuellen Zcppclinangriff auf England. Das Blatt sagt: Falls Luft­schiffe kommen, wird dies ohne die geringste Wirkung auf den Ausgang des Krieges fein. Wir wissen recht gut, wie wir die Zeppeline empfangen sollen. Das Blatt meint, Belgien bleibe der Hauptplatz der zukünftigen Operationen.

Japan vertra^sbrüchig gegen England!

Der Rotterdam jche Courant enthält ein Telegramm von Greg an den englischen Gesandte in Bangkok, I» diesem Telegramm wird mitgctcil«, daß zwischen England und Japan ein Einver­nehmen dahin besteht, daß die japanische Aktion sich nicht über den Stillen Ozean und zwar über die chinesischen Gcwäsicr hinaus er­streiten darf, außer wen» Japan seine Schisse im Großen Ozean schützen müßte. Ebensowenig darf Japan seine Aktion westlich von dem chinesischen Meer und nicht aus srcmdcn Landbesitz aus dem asiatischen Fcstlandc außer aus deutschen richten. Japan hat also seinen Vertrag mit England gebrochen.

Kranzolenausweisung aus Abessinien.

Konstantinopel, 13. Okt. <Etr. Bin.) Jkbam erfährt aus Abessinien, daß dieses durch Austreibung der dott ansässigen Franzosen Vergeltung geübt hat für die französische Be­schlagnahmung von Kanonen, die aus Deutschland sür Abessinien geliefert und bereits in Djibuti eingctrosscn waren.

!lll>csbtricht öcö Grösst» Hlliisitlsilsirtiers.

Weitere Erfolge im Westen und Osten.

Einnahme von Lille.

Tic Kathedrale von Reims. 11 000 Russen gefangen, folgendes Telegramm des Gcneralgouvcrncurs der süüasri- laniichcn Union hat nach einer Reuter-Meldung der englische Ctaatssckrctär der Kolonien empfangen:

Seit der Entlastung des Generals Beyers als Kommandant ms siidasrikanischen Heeres zeigten sich verschiedene Tatsachen, die daraus hinauslauscn, daß unter den Truppen des Nordwcstcns der Kapprovinz Unruhen im Gange waren, die aus Befehl des Oberst­leutnants Maritz entstanden. Tie Regierung beschloß, ihn von tcincin Kommando z» entheben. Major Ben Brouwcr wurde i» o»3 Lager des Obersten Maritz gesandt, um jhu zur Rechenschaft za ziehen. Doch Ben Brouwcr wurde bei seiner Ankunst durch Maritz gefangen genommen. Dann wurde Ben Brouwcr wieder in -»reiheit geletzt, aber man gab ihm ein llltimatum mit, worin ge­sagt wurde, daß, wen» die Regierung der südafrikanischen Union ihm lRaritzs nicht vor Sonntag, den 11., »in l(t Uhr morgens, x !5 n, en gegeben hätte, und wenn nicht den Generälen Herzog, de Wet, Beyers, Kemp und Müller die Erlaubnis gegeben werde, un Lager des Maritz mit ihm zu konferieren, so werde er einen Angriss aus die Truppen des Obersten Brit »ntcrnchmen und in r Eindringen Major Ben Brouwcr erklärte, daß Maritz

außer über seine eigenen Truppen noch über ein deutsches Kontin­gent verfüge. Außerdem hat Maritz alle Offiziere und Soldaten verhaftet, die sich weigerten, sich an die Deutschen anzujchlicßen. Ma>or Ben Brouwcr gab Kenntnis von einem Abkommen, das Maritz mit dem Gouverneur der deutschen Kolonie von Tüdwesi- asrika gctrojsc» »nd »ntcrzcichnct hatte, worin die Unabhängigkeit der Union als Republik garantiert wurde, in Tausch sür die Wal­fischban ^ind andere Teile des englischen Grundbesitzes, die an Dcutsch-Siidwcstasrika überlasten werden sollen ,ferner vcrpslich- tctcn sich die Deutschen, nnr dann in das Gebiet der südafrikanischen Union ciiizudriiigcn, wenn Maritz darum ersuche. Maritz behauptet, genügend Waffen, Munition und deutsches Geld zu haben. Die englische Regierung trifft die strengsten Maßregeln und wird den Belagerungszustand über ganz Südasrika verhängen."

Aufruhr it» Lüd Afrika ?

Neue große Verlegenheit Englands?

. WB. Großes Hauptquartier, 14. Okt. Von Gent aus bcsindct sich der Feind, darunter ein Teil der Besatzung von Antwerpen, im Kligcn Rückzüge nach Westen zur Küste. ' Unsere Truppen folgen.

Lille ist in unserem Besitz. 4501) Gefangene sind dort gemacht worden. Die Stadt war durch die Behörden den deutschen Truppen sisgenübcr als offen erklärt worden. Trotzdem zog der Gegner bei einem Umsastungsvcrsuch von Dünkirchen her Kräfte dorthin mit Anstrag, sich bis zum Eintrcsjcn der llnijastiingsarmcc zu l! » »i öeese natürlich nicht cintras, war die einfache Folge, »ft die zwecklos verteidigte Stadt bei der Einnahme durch unsere gruppen Schade» erlitt.

. . Von der Front des Heeres ist nichts neues zu inclocii. Dicht "ft der Kathedrale von Reims find zwei schwere sranzösischc Batte- "ufgcstellt. Ferner wurden Lichtsignalc von einem Turin der Kathedrale beobachtet. ES ist selbstverständlich, daß alle unseren Truppen nachteiligen scindlichcn Maßnahmen und Streitmittel be­

kämpft werde» ohne Rücksicht auf die Schonung der Kathedrale. Die Franzosen tragen also jetzt, wie früher, alle Schuld daran, wenn der ehrwürdige Bai, weiter ein Opscr des Krieges wird.

Aus dem östlichen Kriegsschauplätze find im Kampfe bei Schir- windt die Russen geworfen und haben 3000 Gefangene, 28 Geschütze und 12 Maschinengewehre verloren.

Lqck ist wieder in »nscrcm Besitz. Bialla ist vom Feinde ge­räumt. Weiter südlich sind beim Zuriickwcrscn der russische» Vor- truppcn aus Warschau 8000 Gefangene und 25 Geschütze erbeutet worden.

Hessen und Nachbargebiete.

Gies;e» und Umgebung.

Tie Gtmeiinlützigcn Bmwcreiiic und der Krieq.

Auf dem, am Sonntag i-i Gustavs bürg abgehaltencn diesjähri­gen Verbands tag der hessischen gemeinnützigen Bauveretiie be­handelt« Laiiüesivohmingoinspektor Grctzschel-Tarmftadt das Thema Die gemeiiinüvigcil Bauvercine uiid der Krieg". Er führte ». a. aus:Jeder, der die llVeiuunge» und Strömungen im öffentlichen Leben zu beobachten Gelegenheit hatte, weiß, daß in den letzten Jahren der sozialpolitische Sinn in Deutschland stark im Abnahmen begriffen war, daß sich sogar eine ausgesprochene und direkte Geg­nerschaft gegen di« Fortsetzung der fc-cutfriKK Sozialpolitik bveit- machtc. Ter große Lehrmeister Krieg hat dici« Leute hinwcggcfegt. Er führte eindringlich vor Augen, ivie besonders nötig cs das deutsche Volk hat, ein starkes und gesundes Geschlecht hcranzuziehen. Jetzt ist wohl jedermauu überzeugt, daß in überfüllten und gesund­heitlich nicht einivandfrciei, Wohnräumen ein solches Goschleckit nicht erwachsen kann. Jeder fühlt heute wohl mehr als je, daß in solchkii Wohnungen auch die Vaterlandsliebe und HeimatSliebc nicht gedeihen kann. Und damit vergleiche man die Meinungen And Iliitcrlastuiigcn, denen man vor dem Kriege vielfach begegnet ist! ist noch kaum ein Vierteljahr her. daß der Gemeinderat einer ländlichen Gemeinde die Bürg schaftsübernahm c sür eine zu grün­dende Baugruostenfchaft ablehnte mit der Begründung ». a.. es bestehe sonst Gefahr, daß viele Kinder in die Gemeinde kämen, wenn man ärmeren Familien die Beschaffung eines kleinen Eigenheims crlcichkcre, solche Fomikkrn sollten forlgchen, wenn sie am Orte kein« ausreichende Wohnung finden könnten!! Die Wohnungsfrage besteht sür kinderreiche Familien stets. Ta muß der Staat ein- greifen. Es darf nicht mehr Vorkommen, daß solche Familien von einer Wohnung zur anderen gejagt werden. Keinesfalls aber bei Bauvcreinen. Diese müstcii in der jetzigen schwierigen Zeit vor allem ans di« Ansrcchterhaltung eines geregelten Geschäftsbetriebs bedacht sein. Wo der Krieg Lücken in den Aufsichtsrat gebracht hat. müsten diese ausgefüllt werden, sofern die Beschlußfähigkeit behindert worden ist. Tie Ergänzung nimmt man unter dem aus­drücklichen Vorbehalt vor, datz die Zuwahl nur solange gilt bis der bisherige Inhaber des Amts zurückgekehrt ist. Der Vorstand muß ans alle Fälle vollzählig sein, tbn ergänzt man am besten aus Mit­gliedern des Anssichtsrais. Von besonderer Wichtigkeit ist die Frage des Berhältnistes zu den Mieten, und Käufern von Ge- osteiifchaftSwohnuiigcn. Das Mietezablen ist eine selbstverständ­liche Pflicht, andererseits muß aber auch die schuldige Rücksicht ob­walten gegenüber den im Felde stehenden oder aus Ansatz des Kriegs arbeitslos geworbenen Familienvätern. Da? Mietestunden genügt in der Regel nicht, denn der .Heimkehrende wurde dann einen, Berg von Schulden gegcnübertretcn. In Fällen zweifels­freier Bedürftigkeit sollte man die Miete einfach erlösten, oder an Stelle des bedürftigen Schuldners die Zinsen zahlen. Das werden freilich nur wenige Genossenschaften können. Wohl aber ein tcil- ivciscr Erlaß der Miete und Zufchüffe zur Zinszahlung, Auch käme in Frage, die Miete oder Zinsen vorlagsweise für Exil Schuld­ner zu leisten und eine Deckung der auslaufcndcn Schulden in späteren Ratenzahlungen zu ermöglichen. Eine Kündigung von Miel- oder etwaige Aufrechnung von Geschästsguthabcu der Mit­glieder gegen die Rückstände wäre einmal ein Verstoß gegen das Gesetz und znn, aiiberc» eine Schwächung des genossenschaftlichen Organismus. Zur Beseitigung jener Notfälle werden die Bau- vcrcin« wohl die Mithilfe der bcstergestelllcn Genossen in Anspruch nehmen. In die in den Gemeinden zu bildenden Ausschüsse wäb- rend des Kriegs müsten auch die Bauvereine eintreten, wie z. B. in Vilbel. Tic Baugenossenschaft Friedbcrq hat den zum Militär einberufenen und dem Arbciterslande angehörigen Genossen während der Dauer des Krieges die Miete um 25 Prozent ermäßigt, euch in Aussicht genommen. im Falle eine Deckung durch den dies­jährigen Reingewinn vorzniichinen. Der Bauverein Alsfeld be­schloß. solche Miete bis auf weiteres auf die Hälfte hcrab- znfetzcn und die noch rückständige Miete ZN stunden. Der Vorstand der LandeSvcrsicherungSanstalt hat sich bereit erklärt, mährend des Kriegs auf di« Tilgungsraten zu verzichten. Weiter schnitt der Referent die Frage an. ob man jetzt au die Erstellung neuer Klein­wohnungen dcnken dürfe Wenn auch das Wohnungsbedürfnis ver­ringert sein mag. da sich viele Familien jetzt erst recht mit kleine­re» Wohnungen behelfen, so ist doch nicht der Wohmingsmangel verschwunden, der an manchen Orte,, recht drückender Art ist. So­weit Bauvcreine finanziell so stark sind, um das Risiko aus eignen Schultern tragen zu können, mögen sie sich der Frage annehuien, wie das in Mainz uiid Darmstadt bereits in Aussicht gestellt ist. Im übrigen können aber Bauvercine nur an die Sache Herangehen, wenn die Gemeinden ihnen das Risiko ganz oder wenigstens zum größten Teil abiichmcn. Und was- soll denn aus den vielen Ban- Handwerkern «sw. werden wenn jetzt nicht gebaut wird!? Hier müssen sich die Regierungen zu großen Aktion«» entschließen, um vorbeugend zu wirken. Von einigen Bangcnossciifchastcn ist bis­her schon der gemeinsame Bezug vo-n Kohle» und Kartoffel» ge­wiegt worden Soweit nicht Konfiimverciuc da siiid oder sonstige billigste Möglichkeit, mailten sich das die Bauvcreine ivciter ange- lcgen sein lasten. Ein weiteres ist die zweckmäßigste Bcwiriichaft- tung der Kieingärten. Die Bauvereine könnten ihre Mitglieder auch in die Kricgsversicherungskasfcn cinkaaifen. Wir mästen in dieser Zeit alle zusammenstehen, um uns der Kämpfer draußen würdig zu zeigen und dem Vatcrlandc zu dienen.

Ans dem Geschäftsbericht war von Interesse: es bestehen der­zeit in Hessen 45 Bauvcreine. davon 38 in Genostenschaftsiorm. Ti« errichteten 1013 zusammen 83 Häuser int Werte von 770 000 Mark. Hinsichtlich der Unterstützung und Beteiligung der Ge­meinden an Banvercineii ist eine Wendung zum besseren ganz nuverkeuiibgr. Allerdings gibt es noch reichlich Fälle aktive» oder passive» Widerstandes, namentlich ssthren die Hausbesitzer einen scharfen Kanipf gegen die Bauvercine. Der Bau vvu Arbeiter- wohnhäuserii wurde in de,, letzten Jghrcu etwas vernachlässigt.

Ansprüche der Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen.

Von den Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen Militär- Personen der Unterklasse erhalten: die Witwe eines Feld­webels, Dizefeldwcbels, Sergeanten mit der Löhnung eines Dizcfeldwebels jährlich Mk. 600, die Witwe eines Sergean­ten, Unteroffiziers, Zugfiihrerstellvcrtrcters jährlich Mk. 300, die Witwe eines Gemeinen oder einer anderen Person der Unterklassen jährlich Mk. 100, jede vaterlose Waise von Militärversonen der Unterklassen jährlich Mk. 168, jede elternlose Waise von Militärpersoncn der Unterklassen jähr­lich Mk. 210. Außerdem kann Eltern und Großeltern eines Gefallenen, die bisher von ihm ganz oder überwiegend unter­stützt wurden, im Falle der Bedürftigkeit ein Kriegseltern- geld von jährlich höchstens 230 Mk. für die Person gewährt werden.

Die Lebensmittelpreise. Der am Montag in Frankfurt zu- sammengetretene H c s s i s ch c H a n d e I s k a n, in c r t a g, dem ein

Vertreter des Ministeriums des Innern beiwohnte, nahm folgende Erklärung an die Reichsregierung an:Der heute versammelte Hessische Hanbelskammertag hält cs einstimmig für sehr wiinschens- ivcrt, daß einer anorniale» Steigerung der Preise sür bestimmte LebenSbedürsnissc siaatlichcrseits entgcgengctretcn werde. Als geeignetes Mittel dazu crichcinen in erster Linie die Beibe­haltung der bcstchciidcn Staffeltarife und ihre Ausdehnung auf Gerste, Hafer und Hülsensrüchtc. Ferner hält der Handelskammer- tag die Einführung von H ö ch st p r e i s c » für Weizen, Roggen, Gerste, M !i h > c n c r zc u g n i s s e, Hafer, Hülsensrüchtc, K a r t o s s c i » und Futtermittel grundsätzlich sür wünschenswert, jedoch darf diese Festsetzung nur von einer Rcichszcnlrale aus geschehen. Es müsse» dabei die ver­schiede,icii ProduktionSgcbictc und verschiede,larligcn Qualitäten berücksichtigt, muß ferner eine richtig bemessene Spannung zwischen Rvhwarc und den cinzclnci. Zwischen- »nd Fertigerzeug­nissen cingesnhri, auch der llnierschicd zwischen Großhandels- und Kleinhandelspreisen berücksichtigt »nd dem Handel die Erfüllung seiner Aufgaben gewährleistet werden. Ter Handclskammertag bittet die Rcichsregicrnng, mit Vertretern der verschiedenen Produktionszwcsge und des Handels in eine be s ch l c u n i g t e B e, r a t u n g zur Lösung der Frage esnzutreten."

- Schunderzeugnisse erbärmlichster Art sind die sogeiiannten K ri e g s w i tz k a r i e n . die mm, auch i verschiedenen Gießen er Geschäften ausgestellt sieht. Ist es ichou au sich eine Grschmackivsig» seit, dumme Witze zu reißen, augcsichbs des Jamaners, den der Krieg über Htiiiderttoaisend« bringt, so sind diese Produkte aiißergewöhn-- lich niedrige Macknverke und man muß sich ivunderu, daß cs an-> Üäudige Gcschästsleuie über sich geiviniieui, solches Zeng au ihren Fenstern aus>zustellrn. Natürlich ivird der Deutscki« immer als der Kvaftsoppei" bärge st eilt und die Gegner als Haiiswürfte, dre mit Leichtigkeit iiicdevgeavo-rse» werden. Sogar Soldaten im Felde hal>rn de» Schiind abgelehnt. Das rJ>cinii<d)c Etencratkommando macht bekannt, daß die Polizeibehörden angewiesen sind. a»i Witz­tarten, deren Abbildungen und Sprüche sich in geschniackioser Weise mit dem Kriege befassen, ein ivgchiames Auge zu habe» und nötigen-- ialls dagegen cintznfchreitcn. Die Karten feie,« geeignet, das Empsindeu unseres Volkes hcrabzusetzeu uud verrohend zu ivirkeu. Daheim sei» Gefalle» au billige,, Kriegsivitzeu zu habe», während unsere Soldaten Tluude uni Tlunbe ihr Leben für das Vaterland «iiisctzcn, oder au ihren Wunde» danriedrrlicgen, das ziemt sich »acht! Solch: Karten aber gar an Hccrcsangehörige zu versenden, dcneii der Sinn ivahrltaskig nicht nach sad:n Karikaturen und Scherzen steht, ist eine noch größere Gefühllosigkeit.

Briese ins feindliche Ausland. Von der deutschen Frie­de n sg c s c 11 scha s t wird geschriedcn: Die Angehörigen der in E ngland verbliebenen, zuviickgchalieneu oder kriegsgesaiigenen Personen sind vielfach im Znieisel über die Möglichkeit, Briese n<nl> England zu richten. Die deutschen Konsulate im neutralen Ausland find nach einer Miticiliing von WolfsS Bnvoan nicht in der Lage, eine Vcnnittlnng für Wcilerbcsördcriing von Briefen ein- trct-en su lasten. Di« von den Fricdensvereincn im neaitrwlcn Aus­land sür die Bemitziing aller kriegfiihrcnden Länder eingcrichtelen Vcrmittlnngsstclle,, im Haag und in Bern l>aben inzwiichcn Taufende von Sendungen besördcvt. Ebenso konnten die englisä>en Fricdcnsorganifationen D-cntschc mit iiiibckannten Adreffen aus­findig m a ch c n u n d ihnen b e i st e h e n. Beide Stelle,, kön­nen erreicht ivcrden durch die Lrilsgrupven der Denifckien FriedenS- gesellfchast oder durch deren Sekretariat, Stuttgart, Werf- m e rs ha lde 11. De» ju befördernden Briefen ist folgendes bei- zulegen: Eine iiitcrnaiioiial« A »t w o r t m a r k« , bei den Postaii- stalten erhältlich, siir di« Beförderung vom neutralen Ausland in daS feindliche Ausland. Das Porto zur Beförderung von Denlfch- land nach den, noutralen Ausland. Tann ist »och z» beachten, daß Briese in deutscher Spraetlc nicht überall in die feindiicheii Länder hineingelasten werden, obschon das hie und da doch gelnaigcn ist, namentlich bei Briefen, welche an die Kriegsgefangenen gcrickstet sind. Zweckmäßig sind aber die Briefe in der Sprache des Landes abzufasten, an das sie gerichtet sind. Briefe nach ßlußland können nach unseren Erfahrungen auch ftainzöstsch geschrieben sein. Evtl, sind das Sekretariat der FriedLi,sgesellsä>a!te>i oder die Vermitt­lungsstellen tm neutralen dinsland auch bereit. Uebersetzungen an- zufertigen. Die Briefe dürfen felbstverstäiidtich nichts cnthattcn, ivas von der Zenfur der beiden Parteien deanftandet werden konnte.

Briefe für deutsche Kriegsgefangene oder An­fragen wegen solcher richtet man am besten an das Inter­nat i o n a ( c Komitee des Roten Kreuzes lErinittetuiigs- Burcau), Genf tSckiweiz) rue cke I^tbenec 3. Tie Adresse in latcini scher Schrift: am besten auch die etwaigen Aniragen. Will mmi über den Verbleib eines Angehörigen, der vernmtlich in Gefangenschaft geraten ist, etivas erfahren, so mntz natürlich Isamc und Vornamen des Gefuchten sowie sein Truppenteil und Rang genau angegeben werden, ebenso Datum und Ort, wo er zuletzt ge­sehen, gefangen, verletzt wurde. Will man einen Brieni an einen in Frankreich Kriegsgefangenen gelangen lasten, so würde man den Brief mit genauer Adresse tn ein Cmaoert mit der Sldresse des Ko- niitecS in Genf stecken »nd dieses ersuchen, den beiliegenden Brief gcfl. weiter zu befördern. Beide Eouverts maiß man offen lasten (mit Klammern verschließe». Das einfache Briefporto nach der Schweiz beträgt 20 Pfg, Das genannte Komitee verniitteit auch Gcldscndnngen. Neuestens wird übrigens amtlich bekannt ge­geben, daß Postsendungen von Kriegsgefangenen und iür sollst« ganz allgeinein angenomni«'» und befördert iverden. Es bedarf also dazu keiner Mrmittetun», voraus'gesetzt nattirlich, daß die Adressen bekannt sind.

Etwas über Antwerpen Tie von den deuiichcn Tnlppen be­setzte belgische Seestadt Anttverpcn hat sich neben London und Ham­burg Mn größten Hafen der Stordfee entwickelt. 5% Kilometer er­strecken sich die Kaimauern an der Schelde, die hier mehr einem Meerbusen, denn einem Flusse gleicht. 8 große Hafenbasstns Üedeckmi ein« Fläche von 04 Hektar und bis in die Stadt erstreckt sich die Wirkung von Ebbe und Flut. An den Hafenmauern jedoch schlägt der Puisschlag des wirtschaftlichen Lebens ungestüm. Laufende fleißiger Hände sind beschäsiigt, den Bäuchen der dort lagernden Schisse ihre kostlmre Ware zu «ntnehinen und andere Güter der Wirtschaft zu verstauen. Rast reiht sich an Maft. Ruderboote la­vieren geschickt durch die Menge der Schiffe und flinke Traelboote beloben das glänzende Bild. Ozeandampfer lause» ein oder stehen zur Abfahrt bereit und schrill warnt der Ton der Sirene de» kleinen Kollegen vor den riesigen Ungetümen. An den Ufern drängen steh hiesige Ä)!cnschcnmaffcn und begeistert klingt die Brabaneonn«. die belgische Marseillaise, wenn einer der Schiffsunaelüme seine Anker sichlet zur Fahrt nach der südlichen Pracht dos Kongos. Anttverpen ist der inächtigstc Konkurrent Hamburgs. Im Jahre 1812. dein lctzlen, für das uns eine amtlich: Statistik vorsiegt, kamen nämlich im Hafen von Antwcrpeii Schiffe mit 13 757 000 Nettorcgistertons atr, gingen Schiffe mit 13 722 000 Tonnen aus diesem Hasen ad. Vergleicht man daanit nuferen größten denifchen Hafen Hambnra. so ergibt fick, daß in demselben Jabre dort Schiffe mit 13 568 000 Tonnen «iiikiefen und solche mit 13 837 000 Tonnen abfnhren. Der einkommende Verkehr war also in Atittvcrpen etwas grös-r. der ausgehende Verkehr etwas kleiner als der von Hamburg. Dageaen hat Bremen nur 4A Millionen Tonnen, Amsterdam der hollän­dische Konkurrent rund 11% Millionen Tonnen. Allerdings, Antwerpen verdankte seinen gewattigen Güterv'rkchr in erster Linie W c st d e n t s ch l a n b. Die Industrie des Rheinlandcs benützt immer noch in erster Linie Anttverpen zur Aus- und Einfuhr. Die belgasche Handelsschisfahrt wäre auch gar nicht imstande, den ge­waltigen Schiftsverkehr hervorzuruscn.

Vom Frankfurter Fruchtmarkt. Bei fester Tendenz war das Angebot an Brotfrncht nicht sehr groß. Infolgedessen notierte Landweizen 26,50 und 27 Mk. Der Konsum »erhielt sich abivartcnd. Roggen gesucht, bei kleinem Angebot 2325,50 Mk.: Gerste gefragt, bei steigenden Preisen 23,5024 Mk.: Hafer behauptet bei un­veränderten Preisen 2323,35 Mk.; Mehl stetig, 39,7540 Mk.: Roggenmehl 33,5034 Mk., ruhig: Futtermittel fest, Wcizciiklcic 1610,50 Mk., Biertreber 15,5016 Mk.